Er nahm die drei am wenigsten abstoenden Dinge aus seinem Khlschrank,
legte sie auf einen Teller und nachdem sie auch nach fnf Minuten keine
Anstalten gemacht hatten, sich zu bewegen, beschlo er, dies sei sein
Frhstck.
		-- Douglas Adams aus Hitchhiker's Guide
%
"... da es sehr leicht ist, sich durch die Genugtuung darber, da
man sie berhaupt zum Funktionieren bringt, ber ihre grundstzliche
Nutzlosigkeit hinwegtuschen lt..."
		-- Douglas Adams (Macht's gut und danke fr den Fisch)
(gilt zum Beispiel fr Computer oder Programme)
%
Mit einer Quitscheente ist man nie allein.
		-- frei nach Douglas Adams "Per Anhalter durch die Galaxis"
%
Fr den Ingenieur ist die Welt eine Spielzeugkiste voller halbfertiger
und schlecht ausgestatteter Spielsachen.
		-- Scott Adams
%
Gott hat auch die Dummheit geschaffen, aber er hat sie gerecht verteilt.
		-- Konrad Adenauer
%
20-Uhr-Nachrichten

Irgendwo herrscht Krieg.
Die Nachrichtensprecherin erzhlt von 100 Toten, an einem Tag.
Fotos der Kriesenregionen werden gezeigt.
Blutberstrhmte Leichen, schreiende Frauen und halbverhungerte
weinende Kinder.
Dann folgt der Wetterbericht.
Es wird warm, warm genug, um morgen schwimmen zu gehen.
Dann wird umgeschaltet.
Mist - der Krimi luft schon 5 Minuten.
Die reiche Witwe, deren Mann erschossen wurde, ist wirklich zu
bemittleiden.
		-- A good friend
%
Arbeitsbedrfnis ist ein unerlliches Kriterium menschlicher Wrde.
		-- Tschingis Aitmatow
%
Mein Gehirn ist mein zweitliebstes Organ.
		-- Woody Allen
%
Geld ist besser als Armut - wenn auch nur aus finanziellen Grnden.
		-- Woody Allen
%
Es hot kaan Zweck dos'd dositzt und mi aanheulst.
		-- Wolfgang Ambros
%
Frauen mchten ohne warum und wofr geliebt werden.  Nicht weil sie
hbsch, liebenswert, wohlerzogen, anmutig oder intelligent sind,
sondern einfach nur weil sie sie selbst sind.
		-- Amiel
%
Zufrieden seyen, ist groe Kunst. Zufrieden scheinen, groer Dunst.
Zufrieden werden, groes Glck, zufrieden bleiben, Meisterstck.
		-- Eduard Arrer
%
Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.
		-- Augustinus
%
Zorn macht langweilige Menschen geistreich.
		-- Francis Bacon
%
Glaube alles, was Du ber die Welt hrst; nichts ist so schlecht, da es
nicht mglich wre.
		-- Honore de Balzac
%
Intelligenz ist, die Realitt zu verndern, nicht sie niederzureien
und aus den Stcken zu rekonstruieren.
		-- Jean Baudrillard
%
Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, dann sollte man den Kopf
nicht hngen lassen.
		-- Jrgen Becker
%
Die Summe aller Pleiten nennt man Erfahrung
		-- Oliver Behre
%
Ich habe Fehler begangen, doch ich beging nie den Fehler zu behaupten,
ich htte keine begangen.
		-- James Gordon Bennett
%
Geige: Ein Instrument, das menschliche Ohr zu kitzeln, indem man
einen Pferdeschwanz an Katzendrmen reibt.
		-- Ambrose Gwinnet Bierce
%
Wen nichts umhaut, der hat nie gestanden.
		-- Wolfgang Biermann
%
Es ist besser, Genossenes zu bereuen, als zu bereuen, da man nichts
genossen hat.
		-- Giovanni Boccacio
%
Software ist der geglckte Versuch, die Fehler der Computerhardware
zu optimieren und durch Weiterentwicklung neue Fehler hinzuzufgen.
		-- Oliver Bhm
%
Voraussagen sind schwer, insbesondere die der Zukunft.
		-- Niels Bohr
%
Es ist immernoch leichter einen ausgebildeten Auslnder reinzuholen,
als aus einem eingebildeten Inlnder was rauszuholen.
		-- Lother Blk (Magdeburger Zwickmhle)
%
Die Menschen sind wenn sie handeln hchst alltglich
und man mag ihnen hchstens wenn sie trumen einiges
Interesse abgewinnen.
		-- Bonaventura, Nachtwachen
%
Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und
dabei selbst reich zu werden.
		-- Clemens von Brentano
%
Ich kann ja nicht schneller jehn, wie Tage sind.
		-- Brocken-Benno
%
Das Drama aller Zeiten hat eigentlich nur ein einziges Thema gehabt:
die Unfhigkeit der Menschen, miteinander zu leben.
		-- Gerhard Bronner
%
Einstein vertrat die Ansicht, da es fr die Natur einfache
Erklrungen geben msse, da Gott weder launisch noch willkrlich ist.
Diesen Glauben setzt man jedoch nicht in einen Programmierer.
		-- Fred Brooks
%
Eliminiere das Unmgliche. Was immer brig bleibt, so unwahrscheinlich
es auch wirkt, mu die Wahrheit sein. Aber was ist, wenn einmal NICHTS
mehr brig bleibt?
		-- John Brunner - Mehr Dinge zwischen Himmel und Erde
%
Es gibt uns seit ungefhr zwei Millionen Jahren, und die Dinosaurier
liefen neunzig Millionen Jahre herum, also haben wir mit ein wenig
Glck noch viel Zeit vor uns.
		-- John Brunner, "Ein irrer Orbit"
%
Versprechen, die im Freudenrausch gemacht wurden
verlieren zu Hause ihre Gltigkeit.
		-- Al Bundy
%
Und schon erfolgt der Griff, der rasche,
in die besagte Westentasche.
Die Lippe sprht, das Auge leuchtet,
des Lauschers Bart wird angefeuchtet.
		-- Wilhelm Busch
%
Gott war zufrieden mit seinem Werk -- und das ist das Problem.
		-- Samuel Butler
%
Mit einem freundlichen Wort und einer Pistole kann man mehr erreichen,
als nur mit einem freundlichen Wort.
		-- Al Capone
%
Glck bedeutet Gelassenheit. Wer glcklich sein will, mu Zeit fr die
Ewigkeit haben.
		-- Truman Capote
%
Klatschsucht und Gerchte werden sich ausbreiten und die Fundamente
der Staaten erschttern!

Psychische und physische Schden bei den 'dem Telehphonieren verfallenenen
Personen' werden das ffentliche Gesundheitswesen vor ungeahnte Probleme
stellen.
		-- Prof. E. Cautious, 1. Internationaler Fernsprechkongre, 1.4.1877, London
%
Mache einen anstndigen Menschen aus dir selbst - und du kannst sicher
sein, da ein Schuft weniger auf der Welt ist.
		-- Thomas Carlyle
%
Diese Spezies trumt seit mindestens 2000 Jahren von einer
Gesellschaftsordnung in der alle Menschen zufrieden leben
knnen. Bisher hat sie aber nur Gesetzeswerke produziert, die immer
wieder Ungerechtigkeit hervorriefen. Die Gesetze, sprich die
gesellschaftlichen Normen, werden von UNS gemacht. 
		-- Gnter Cave
%
Abgesehen davon, da nicht jeder Mensch von einer Welt trumt, in der
_alle_ zufrieden sind (noch weniger von einer _Gesellschaftsordnung_)
knnen Gesetze keine Gerechtigkeit oder deren Gegenteil
_produzieren_. Gesellschaftsordnungen und Herrschaft der Gesellschaft
werden und wurden immer nur von wenigen (machthungrigen) Menschen
bestimmt. Das sind diejenigen, die daran Interesse haben. Die meisten
Menschen wollen einfach nur leben und kmmern sich so gut wie nicht um
Gesellschaftsordnungen. Das zu ndern, knnte meiner Meinung nach nur
gelingen, indem das Interesse der passiven Menschen geweckt wird (was
das Problem ist).
		-- Gnter Cave
%
Das Vergngen kann auf der Illusion beruhen, doch das Glck beruht
allein auf der Wahrheit.
		-- Nicholas Chamfort
%
Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat.
		-- Nicolas Chamfort
%
Jeder Tag an dem du nicht lchelst, ist ein verlorener Tag.
		-- Charles Chaplin
%
Eine Rede soll ein Thema erschpfen, nicht die Zuhrer.
		-- Winston Churchill
%
Wenn zwei Menschen immer wieder die gleichen Ansichten haben, ist einer
von ihnen berflssig.
		-- Winston Churchill
%
Politik ist die Fhigkeit vorherzusagen, was morgen, nchste Woche
und nchstes Jahr sein wird.  Weiterhin die Fhigkeit hinterher zu
erklren, warum es doch nicht passiert ist.
		-- Winston Churchill
%
Es ist ein groer Vorteil im Leben, die Fehler aus denen man lernen
kann, mglichst frhzeitig zu machen.
		-- Winston Churchill
%
Sage nicht immer was du weit, aber wisse immer was Du sagst.                   
		-- Matthias Cladius
%
Ich habe drei Haustiere, die dieselbe Funktion erfllen wie ein
Ehemann: einen Hund, der jeden Morgen knurrt, einen Papagei, der den
ganzen Nachmittag lang flucht, und eine Katze, die nachts spt nach
Hause kommt.
		-- Marie Corelli
%
Jeder Mensch ist einzigartig.
		-- Benedetto Croce
%
Verwirrung ist die hchste Form der Kommunikation.
		-- Dali
%
Realitt ist das, was nicht verschwindet wenn man aufhrt daran zu glauben.
		-- Philip K. Dick
%
Die meisten Frauen setzen alles daran, einen Mann zu ndern, und
wenn sie ihn dann gendert haben, mgen sie ihn nicht mehr.
		-- Marlene Dietrich
%
Fr ein gutes Gesprch sind die Pausen genauso wichtig wie die Worte.
		-- Heimito von Doderer
%
Das Bedrfnis, zu Klumpen geballt herumzujubeln, ist in Berlin nicht
tot zu kriegen.
		-- Wiglaf Droste
%
Verstand heit die Hrde, die nehmen mu, wer das viel gepriesene positive
Denken hinkriegen mchte.  Bei Dr. Motte und seinen Anhngern ist das
Hindernis niedrig und wird einfach berrannt.  Dieser Vorgang heit bis
heute Love Parade.
		-- Wiglaf Droste
%
Es zhlt zu den Schrecken der Demokratie, da wirklich jeder Esel sich auf
sie berufen darf, wenn es um seinen Vorteil geht.
		-- Wiglaf Droste
%
Jeder Mensch sollte einige Stunden am Tag, einige Tage in der Woche
und einige Wochen im Jahr allein sein, um zu sich selbst zu finden.
		-- Georges Duhamel
%
Um einen Freund zu finden, mu man ein Auge schlieen,
um ihn zu halten zwei.
		-- Norman Douglas
%
Zwischen Wahnsinn und Verstand ist oft nur eine dnne Wand.
		-- Daniel Dsentrieb
%
Die glcklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.
		-- Marie von Ebner-Eschenbach
%
Gute Manieren bestehen aus lauter kleinen Opfern.
		-- Ralph Waldo Emerson
%
Unkraut nennt man die Pflanzen, deren Vorzge noch nicht erkannt
worden sind.
		-- Ralph Waldo Emerson
%
Es ist sinnlos von den Gttern zu fordern,
was man selber zu leisten vermag
		-- Epikur
%
[...] denke niemals an die Zukunft.  Sie kommt frh genug.
		-- Albert Einstein
%
Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung
abweichende Meinungen gelassen auszusprechen; die meisten
sind sogar unfhig, berhaupt zu solchen Meinungen zu
gelangen.
		-- Albert Einstein
%
Die Zeit ist auch nicht mehr, was sie mal war!
		-- Albert Einstein
%
Ich habe zu Hause im Schrank einen Schlips,
notfalls bin ich bereit ihn auch zu tragen.
		-- Albert Einstein
%
Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit
aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
		-- Albert Einstein
%
Mache alles so einfach wie mglich, doch nicht einfacher.
		-- Albert Einstein
%
Raffiniert ist der Herrgott aber boshaft ist er nicht.
		-- Albert Einstein
%
Die Majoritt der Dummen ist unberwindlich und fr alle
Zeiten gesichert.
Der Schrecken ihrer Tyrannei indes wird gemindert durch Mangel
an Konsequenz.
		-- Albert Einstein.
%
In nur vier Zeilen was zu sagen,
scheint zwar leicht, doch ist es schwer.
Man braucht ja nur mal nachzuschlagen,
die meisten Dichter brauchen mehr...
		-- Heinz Erhardt
%
Das Leben ist wie eine Brille - man macht viel durch!
		-- Heinz Erhardt
%
Manche Konferenzen finden unter vier Wnden statt.
		-- Heinz Erhardt
%
Am besten ist, man macht sich einen Knoten ins Notizbuch.
		-- Heinz Erhardt
%
Groe Schatten werfen ihre Ereignisse hinter sich.
		-- Heinz Erhardt
%
Steh nicht immer auf! Sonst nimmt dir noch jemand deinen Platz weg,
und dann sitzt du da!
		-- Heinz Erhardt
%
Das Leben ist das Wichtigste des menschlichen Daseins.
		-- Heinz Erhardt
%
Vor dem Tode habe ich keine Angst - denn alle, die gestorben sind,
lassen nicht wieder davon ab.
		-- Heinz Erhardt
%
Man sieht es manchen Damen noch jetzt an,
da sie einmal recht hlich gewesensein mgen.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich knnte manchmal vor Glck eine ganze Allee von Purzelbumen schlagen.
		-- Heinz Erhardt
%
Was ist paradox: wenn man ein eingefleischter Vegetarier ist.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich hatte die Stirn, sie zu runzeln.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich fletschte meine Faust.
		-- Heinz Erhardt
%
Haben Sie Ihre Begabung von der Mutter? -
Nein, ich habe sie mit der Vatermilch eingesogen.
		-- Heinz Erhardt
%
Das Brot ging den Weg allen Fleisches.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich scho ihn ber seinen eigenen Haufen.
		-- Heinz Erhardt
%
Von der Muse gekt? - Von der Pampelmuse.
		-- Heinz Erhardt
%
Der Kaiser belohnte ihn kniglich.
		-- Heinz Erhardt
%
Sie haben den falschen Idioten, Sie Nummer.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich mu brechen, und zwar eine Lanze.
		-- Heinz Erhardt
%
Das Programm neigt sich seinem Anfang zu.
		-- Heinz Erhardt
%
Als ich geboren wurde, war ich noch sehr jung.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich habe die Muttersprache mit den Kindesbeinen eingesogen.
		-- Heinz Erhardt
%
Das ewige schwimmen gegen den Strom wird noch einmal
der Nagel zu meinem letzten Atemzug sein.
		-- Heinz Erhardt
%
Wenn schon Nietzsche sagt, da zum Leben drei Dinge gehren, nmlich
Geld, Geld und Geld, so mchte ich diesen klugen Satz dahin erweitern,
da zum Leben vier Dinge gehren, nmlich Geld, Geld, Geld und Geld.
		-- Heinz Erhardt
%
Auch die Sonne hat ihre Flecken.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich bin ein richtiger Pechpilz, niemals fllt mir das kleinste Schwein
in den Scho.
		-- Heinz Erhardt
%
Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung.
		-- Heinz Erhardt
%
Es hat keinen Sinn, den Brunnen zuzuschtten, wenn das Kind bereits
verbrannt ist.
		-- Heinz Erhardt
%
Man darf im Leben nichts auslassen, auer Butter.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich brauche nur Fettgedrucktes zu lesen, und schon nehme ich zu.
		-- Heinz Erhardt
%
Bei manchen Menschen geht alles schnell zum einen Ohr rein und zum
anderen raus - die haben auch nicht viel dazwischen.
		-- Heinz Erhardt
%
Wenn der Kragen am Hemd nicht sitzt, handelt es sich oft um einen
Stehkragen.
		-- Heinz Erhardt
%
Solange es Haare gibt, liegen sich die Menschen in denselben.
		-- Heinz Erhardt
%
Das Ei darf nicht klger sein als Kolumbus.
		-- Heinz Erhardt
%
Bei glatten Straen mu man sechzehn geben, also doppelt acht.
		-- Heinz Erhardt
%
Viele Menschen lassen gute Ratschlge links im Papierkorb liegen,
den man ihnen hher hngen sollte.
		-- Heinz Erhardt
%
Es lohnt sich nicht, sich an einen Strohhut zu klammern.
		-- Heinz Erhardt
%
Frieden auf Erden - hoffentlich wird es keinen Zaun mehr geben,
von dem man einen Streit brechen kann.
		-- Heinz Erhardt
%
Der liebe Gott hat das Gras nicht wachsen lassen, damit man in
dasselbe beit.
		-- Heinz Erhardt
%
Man mu im rechten Augenblick die Gelegenheit bei der Hand fassen
und seinen Schwiegerpapa um den Schopf seiner Tochter bitten.
		-- Heinz Erhardt
%
Manche Hab- und Gutseligkeiten sind nur ein Tropfen auf den hohlen Zahn.
		-- Heinz Erhardt
%
Viele Menschen scheinen aus dem linken Bett zuerst aufgestanden zu sein.
		-- Heinz Erhardt
%
Mge der Himmel seine Geigen ber alle Glcklichen ausschtten.
		-- Heinz Erhardt
%
Man darf im Leben weder sich noch Verdacht erregen.
		-- Heinz Erhardt
%
Manchmal hilft nur noch: Zhne hoch und den Kopf zusammenbeien.
		-- Heinz Erhardt
%
Vorlufig habe ich noch keine Lust ins bessere Jenseits zu beien.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich kann keinen Wurm krmmen, der mir am Herzen nagt.
		-- Heinz Erhardt
%
Wenn ich Kse esse, lasse ich die Made links liegen.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich lasse mich nie weit und breit schlagen.
		-- Heinz Erhardt
%
Gerichtsvollzieher sind wie kleine Kinder: was sie sehen wollen sie
gleich haben.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich rede mir nicht ein, den Stein der Weisen wachsen zu hren.
		-- Heinz Erhardt
%
Jeder sollte sein eigener Hirte sein - jeder sollte sich hten, und
zwar davor, da einem die anderen das Fell ber die Ohren hauen.
		-- Heinz Erhardt
%
Manchmal kommt man mit einem blauen Auge davon,
das man einem anderen geschlagen hat.
		-- Heinz Erhardt
%
Es darf kein uerstes geben, zu dem wir nicht entschlossen wren,
und keine Lauer, auf der wir nicht lgen.
		-- Heinz Erhardt
%
Raphael wre auch dann ein groer Maler geworden, wenn er ohne lfarben
auf die Welt gekommen wre.
		-- Heinz Erhardt
%
Ein blindes Huhn bekommt auch mal ein Gerstenkorn und hat dann keine Lust,
die Flinte in dasselbe zu werfen.
		-- Heinz Erhardt
%


Ein Test fr auerordentliche Intelligenz ist die Fhigkeit zwei
gegenstzliche Ideen gleichzeitig zu verfolgen, ohne dabei verrckt zu werden.
		-- F. Scott Fitzgerald
%
Menschen kann man nicht besitzen. Man mu sie immer wieder neu gewinnen.
		-- Bruno Frank
%
Wer Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen,
der wird am Ende beides verlieren.
		-- Benjamin Franklin
%
Jemand, der aufhrt zu werben, um Geld zu sparen -
Knnte genausogut seine Uhr stehen lassen, um Zeit zu sparen.
		-- Henry Ford
%
Wer niemals gelitten hat, verdient auch kein Glck.
		-- Ugo Foscolo
%
Viele knnen nicht unterscheiden zwischen einer Viererkette und
einer Fahrradkette. 
		-- Karl-Heinz Rummenigge
%
Das wird doch alles von den Medien hochsterilisiert.
		-- Bruno Labbadia
%
Wir drfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.
		-- Lothar Matthus
%
Ich hab gleich gemerkt, das ist ein Druckschmerz, wenn man drauf drckt.
		-- Lothar Matthus
%
Manchmal spreche ich zuviel.
		-- Lothar Matthus
%
Es ist wichtig, da man neunzig Minuten mit voller Konzentration an
das nchste Spiel denkt.
		-- Lothar Matthus
%
Fr uns war die Trainerfrage nie eine Trainerfrage.
		-- Roland Schmider
%
Das nchste Spiel ist immer das nchste.
		-- Matthias Sammer
%
Ich habe ihn ausgewechselt, weil ich einen anderen Spieler einwechseln
wollte. Da mute ich einen auswechseln!
		-- Ewald Lienen
%
Der Jrgen Klinsmann und ich sind schon ein tolles Trio,
.... h Quartett.
		-- Fritz Walter jun.
%
Die Sanitter haben mir sofort eine Invasion gelegt.
		-- Fritz Walter jun.
%
Wir haben ein Abstimmungsproblem - das mssen wir automatisieren.
		-- Berti Vogts
%
Kompliment an meine Mannschaft und meinen Dank an die Mediziner.
Sie haben Unmenschliches geleistet.
		-- Berti Vogts
%
Die Breite an der Spitze ist dichter geworden.
		-- Berti Vogts
%
Ich glaube, da der Tabellenerste jederzeit den Spitzenreiter schlagen
kann.
		-- Berti Vogts
%
Wenn ich ber's Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker, nicht mal
schwimmen kann er.
		-- Berti Vogts
%
Sex vor einem Spiel? Das knnen meine Jungs halten, wie sie wollen.
Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
		-- Berti Vogts
%
Die Kroaten sollen ja auf alles treten, was sich bewegt - da hat unser
Mittelfeld ja nichts zu befrchten.
		-- Berti Vogts (vor dem WM-Spiel gegen Kroatien) 
%
Wir waren bereits klinisch tot.
		-- Ulf Kirsten
%
Es ist ein Sehnenabriss am Schambeinknochen. Hrt sich lustig an, ist
aber trotzdem beim Fuball passiert.
		-- Thomas Strunz
%
Wenn man ein 0:2 kassiert, dann ist ein 1:1 nicht mehr mglich.
		-- Aleksander Ristic
%
Wir wollten in Bremen kein Gegentor kassieren. Das hat auch bis zum
Gegentor ganz gut geklappt.
		-- Thomas Hler
%
In der Schule gab's fr mich Hhen und Tiefen. Die Hhen waren der
Fuball.
		-- Thomas Hler
%
Ich bin krperlich und physisch topfit.
		-- Thomas Hler
%
Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefhl. 
   Andreas Mller
%
Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien!
		-- Andreas Mller
%
Mein Problem ist, da ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir
selbst gegenber.
		-- Andreas Mller
%
Ich habe mit Erich Ribbeck telefoniert, und er hat zu mir gesagt, ich
stehe fr die Maltareise nicht zur Verfgung.
		-- Andreas Mller
%
Zwei Chancen, ein Tor - das nenne ich 100% Chancenauswertung.
		-- Roland Wohlfahrt
%
Wir werden nur noch Einzelgesprche fhren, damit sich keiner verletzt.
		-- Frank Pagelsdorf
%
Man hetzt die Leute auf mit Tatsachen, die nicht der Wahrheit entsprechen.
		-- Toni Polster
%
Wir lassen uns beide von unseren Frauen scheiden und ziehen zusammen.
		-- Toni Polster (ber sein verbessertes Verhltnis zu Trainer Peter Neururer)
%
Ich kann nicht mehr als schieen. Auerdem standen da 40 Leute auf der Linie.
		-- Toni Polster (ber eine vergebene Torchance)
%
Fur mich gibt es nur "entweder-oder". Also entweder voll oder ganz!
		-- Toni Polster
%
Wir waren alle vorher berzeugt davon, da wir das Spiel gewinnen. So
war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten
zweieinhalb Minuten.
		-- Peter Neururer
%
Wenn der Ball am Torwart vorbei geht, ist es meist ein Tor.
		-- Mario Basler
%
Das habe ich ihm dann auch verbal gesagt.
		-- Mario Basler
%
Eigentlich bin ich ein Supertyp. Aber ich kann wohl auch ein richtiger
Arsch sein.
		-- Mario Basler
%
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon
phnomenal.
		-- Dragoslaw Stepanovic
%
Zuerst hatten wir kein Glck und dann kam auch noch Pech dazu.
		-- Uwe Wegmann
%
Ich habe immer gesagt, da ich niemals nach sterreich wechseln wrde.
		-- Jrgen Wegmann (auf die Frage, ob er zum FC Basel wechselt)
%
Zuerst hatten wir kein Glck, und dann kam auch noch Pech dazu.
		-- Jrgen Wegmann
%
Da mu dann auch mal einer die Hand ins Heft nehmen.
		-- Thomas Helmer
%
Ich habe bei MW in Frankreich keine Probleme mit der Verstndigung, ich
kann kein Franzsisch.
		-- Hans Krankl
%
Wir mssen gewinnen, alles andere ist primr.
		-- Hans Krankl
%
Wir spielen Mann gegen Mann. Und ich spiel gegen den Mann.
		-- Olaf Thon
%
Wir liefen beim Zweikampf nebeneinander her, und da habe ich ihn wohl
leicht retouchiert.
		-- Olaf Thon
%
Wir lassen uns nicht nervs machen, und das geben wir auch nicht zu!
		-- Olaf Thon
%
Man hetzt die Leute auf mit Tatsachen, die nicht der Wahrheit
entsprechen.
		-- Olaf Thon
%
In erster Linie stehe ich voll hinter dem Trainer, in zweiter Linie
hat er recht.
		-- Olaf Thon
%
Ich habe nie an unserer Chancenlosigkeit gezweifelt.
		-- Richard Golz
%
Vor lauter Philosophieren ber Schopenhauer kommen wir gar nicht mehr zum
Trainieren.
		-- Richard Golz
(auf die Frage, was beim sog. Studentenklub SC Freiburg anders sei)
%
Ich brauche keinen Butler. Ich habe eine junge Frau!
		-- Thomas Doll
(Diese ist mittlerweile brigens mit Olaf Bodden verheiratet.)
%
Es war ein wunderschner Augenblick, als der Bundestrainer sagte:
"Komm, Stefan, zieh deine Sachen aus, jetzt geht's los."
		-- Steffen Freund
%
Ich lese keine Bcher.
		-- Klaus Fischer (auf die Frage nach seinem Lieblingsbuch)
%
Manni Bananenflanke, ich Kopf, Tor!
		-- Horst Hrubesch (schildert die Entstehung eines seiner Tore)
%
Das ist Schnee von morgen.
		-- Jens Jeremies
%
Das Tor gehrt zu 70% mir und zu 40% dem Wilmots.
		-- Ingo Anderbrgge
%
Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist
das noch nicht!
		-- Rudi Vller
%
Ja gut, der arbeitet von morgens bis abends. Ja gut, sowas nennt man
im Volksmund glaube ich Alcoholic.
		-- Rudi Vller (ber Rainer Calmund)
%
Soll ich etwa ein Lagerfeuer im Wohnzimmer machen?
		-- Anthony Yeboah
(auf die Feststellung des "Kicker", er wohne "wie ein deutscher
Musterbrger")
%
Ich wollte den Ball treffen, aber der Ball war nicht da.
		-- Anthony Yeboah (er hatte gegen Michael Schulz nachgetreten)
%
Mann, wir Schwatten mssen doch zusammenhalten!
		-- Anthony Baffoe (nach gelber Karte zum Schiri)
%
Du kannst auf meiner Plantage arbeiten.
		-- Anthony Baffoe (zu einem weien Gegenspieler)
%
Ich habe viel von meinem Geld fr Alkohol, Weiber und schnelle Autos
ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprat.
		-- George Best
%
Nein, die spielen immer mittwochs, da habe ich keine Zeit.
		-- Paul Steiner
(auf die Frage, ob die Nationalmannschaft fr ihn ein Thema sei)
%
Also bei mir geht das mit dem linken Fu genauer und mit dem rechten
fester!  
Moderator: "Und mit welchem Fu schieen sie jetzt auf die Torwand?"
Ja, mit dem rechten!
		-- Andreas Brehme
(im Sportstudio auf die Frage, mit welchem Fu er schiet)
%
Da kam dann das Elfmeterschieen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber
bei mir lief's ganz flssig.
		-- Paul Breitner
%
Ich bleibe auf jeden Fall wahrscheinlich beim KSC.
		-- Sean Dundee
%
Im Moment nicht, Yeboah und Chapuisat sind besser drauf.
		-- Uwe Fuchs
(im Sportstudio auf die Frage, ob die (deutsche) Nationalmannschaft
fr ihn noch ein Thema sei)
%
Ich mache nie Voraussagen und werde das auch niemals tun.
		-- Paul Gascoigne
%
Wir sind hierher gefahren und haben gesagt: Okay, wenn wir verlieren,
fahren wir wieder nach Hause.
		-- Marco Rehmer
%
Ich wei auch nicht, wo bei uns der Wurm hngt.
		-- Fabrizio Hayer
%
Entweder ich gehe links vorbei, oder ich gehe rechts vorbei.
		-- Ludwig Kgl
%
Seither bemhe ich mich, bei jeder leichten Berhrung, bei jedem
Zusammensto, bei jedem Foul im Gegner zuerst den Menschen zu sehen.
		-- Toni Schumacher (in bezug auf das Foul an Battiston) 
%
Es ist mir vllig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
		-- Mehmet Scholl (als werdender Vater)
%
Ein Drittel mehr Geld? Nee, ich will mindestens ein Viertel.
		-- Horst Szymaniak
%
In der ersten Liga die Balle zu halten find ich total geil. Da geht
mir voll einer bei ab.
		-- Klaus Thomforde
%
Am Montag nehme ich mir vor, zur nchsten Partie zehn Spieler
auszuwechseln.  Am Dienstag sind es sieben oder acht, am Donnerstag
noch vier Spieler. Wenn es dann Samstag wird, stelle ich fest, da
ich doch wieder dieselben elf Scheikerle einsetzen mu wie in der
Vorwoche.
		-- John Toshack (als Trainer von Real Madrid)
%
Konzepte sind Kokolores.
		-- Erich Ribbeck
%
Grundstzlich werde ich versuchen zu erkennen, ob die subjektiv geuerten
Meinungen subjektiv sind oder objektiv sind. Wenn sie subjektiv sind, werde
ich an meinen objektiven festhalten. Wenn sie objektiv sind, werde ich
berlegen und vielleicht die objektiven subjektiv geuerten Meinungen der
Spieler mit in meine objektiven einflieen lassen.
		-- Erich Ribbeck
%
Vieles was darin geschrieben wurde, ist auch wahr.
		-- Werner Lorant (ber sein Buch "Eine beinharte Story")
%
Berkant Oktan ist erst siebzehn. Wenn er Glck hat, wird er nchsten
Monat achtzehn.
		-- Franz Beckenbauer
%
Ich bin immer noch am berlegen, welche Sportart meine Mannschaft an
diesem Abend ausgbt hat.  Fuball war's mit Sicherheit nicht.
		-- Franz Beckenbauer (nach einer Bayern-Niederlage) 
%
Damals hat die halbe Nation hinter dem Fernseher gestanden.
		-- Franz Beckenbauer (ber das WM-Finale 1990)
%
Die Schweden sind keine Hollnder - das hat man ganz genau gesehen.
		-- Franz Beckenbauer
%
Irgendwelche Fragen, bevor ich gehe und mich aufhnge?
		-- Bert Papon
(der Trainer von Dumfernline auf einer Pressekonferenz nach einer
0:7-Niederlage)
%
Das grte Problem beim Fuball sind die Spieler.
Wenn wir die abschaffen knnten, wre alles gut.
		-- Helmut Schulte
%
Ich wage mal eine Prognose: Es knnte so oder so ausgehen.
		-- Ron Atkinson
%
Die Eintracht ist vom Pech begnstigt.
		-- Karl-Heinz Korbel
%
Meine Mannschaft ist 15- oder 16mal ins Abseits gerannt. Das haben wir
auch die ganze Woche gebt.
		-- Manfred Krafft
%
Ich habe zwei verschiedene Halbzeiten gesehen.
		-- Volker Finke
%
Die Situation ist bedrohlich, aber nicht bedenklich.
		-- Friedhelm Funkel
%
Fuball ist Ding, Dang, Dong. Es gibt nicht nur Ding.
		-- Giovanni Trappatoni
%
Es gibt nur einen Ball. Wenn der Gegner ihn hat, mu man sich fragen:
Warum!?
Ja, warum? Und was mu man tun? Ihn sich wiederholen!
		-- Giovanni Trappatoni
%
Franz Bohmert hat versucht, Wolfgang Sidka den Abgang so schn wie
mglich zu machen.
		-- Felix Magath
%
Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger in der Abwehr, Bruce
Willis im Mittelfeld und Jean Claude van Damme im Sturm.
		-- Rainer Bonhof
(auf die Frage, wie er die verletzten Spieler zu ersetzen gedenke)
%
Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den
Rasen kaputt.
		-- Rolf Rssmann
%
Haben Sie eine Stunde Zeit?
		-- Leo Beenhakker
(auf die Frage, wie dem deutschen Fuball zu helfen sei)
%
Wenn ich den Martin Schneider weiter aufstelle, glauben die Leute am
Ende wirklich noch, ich sei schwul.
		-- Friedel Rausch
%
Den grten Fehler, den wir jetzt machen knnten, wre, die Schuld
beim Trainer zu suchen.
		-- Karl-Heinz Krbel (als Trainer von Eintracht Frankfurt) 
%
Ihr Fnf spielt jetzt vier gegen drei.
		-- Fritz Langner
%
Wrden wir jede Woche so spielen, wren unsere Leistungen nicht so
schwankend.
		-- Bryan Robson
%
Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die
Antialkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da war's
mir wurscht. Da hab i g'sagt: Sauft's weiter.
		-- Max Merkel
%
Jrgen Klinsmann ist inzwischen 694 Minuten ohne Tor. Das hat vor ihm,
glaube ich, nur Sepp Maier geschafft.
		-- Harald Schmidt
%
Wie soll das denn dann heien? Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion?
		-- Johannes Rau
(zum Vorschlag, Fuballstadien nach Frauen zu benennen)
%
Bei der Fuball-WM habe ich mir sterreich gegen Kamerun
angeschaut. Auf der einen Seite Exoten, fremde Kultur, wilde Riten -
und auf der anderen Seite: Kamerun!
		-- Dieter Nuhr
%
Gewinnen ist wie verlieren - nur umgekehrt.
		-- Mark Kevin Glner
%
Jemand, der auf die Innenseite einer ungeschlten Banane Geburtstagsgre
an seine Tochter schreibt, ist natrlich geistig verwirrt.
		-- Jostein Gaarder
%
Mein Grovater erklrte mir, da es zwei Arten von Menschen gbe:
Solche, die arbeiten und solche, die den Lohn dafr erhalten.
Er riet mir zu versuchen, in der erstgenannten Gruppe zu sein,
denn dort ist der Konkurrenzkampf geringer.
		-- Indira Gandhi
%
Die Welt hat genug fr jedermanns Bedrfnisse, aber nicht genug fr
jedermanns Gier.
		-- Mahatma Gandhi
%
Ein "Nein" ausgesprochen mit der tiefsten berzeugung ist besser
und grer als ein "Ja" um zu gefallen oder noch schlimmer, um
Schwierigkeiten zu umgehen.
		-- Mahatma Gandhi
%
Wasimmer du auch tust ist nicht entscheidend, doch es ist wichtig, da
Du es richtig tust.
		-- Mahatma Gandhi
%
Erst lachen sie ber Euch,
dann bekmpfen Sie Euch,
und dann siegt Ihr.
		-- Mahatma Gandhi
%
Frher war ich eitel. Heute wei ich, da ich schn bin.
		-- Garfield
%
Die Historiker verflschen die Vergangenheit,
Die Ideologen die Zukunft.
		-- Phillip Gerhardt
%
Der Panther

Der Panther, der Panther,
erst lag er, dann stand er,
worauf er so erschrak,
da er gleich wieder lag.

		-- Robert Gernhardt
%
An eine Landschaft mu man sich mit den Fen erinnern, nicht mit den
Autoreifen.
		-- Jean Giono
%
Hart im Hirn, weich in der Birne, ohne Halt, einfltig und klein.
Auf der Suche nach einem Fhrer, es ist hart, allein beschrnkt zu sein.
		-- Grnemeyer - "Die Hrte"
%
Arm ist nicht der, der wenig hat, sondern der, der nicht genug
bekommen kann.
		-- Jean Guhenno
%
Ein Kritiker ist eine Henne, die gackert, wenn andere legen.
		-- Giovanni Guareschi
%
Unsere Weisheit kommt aus unserer Erfahrung. Unsere Erfahrung kommt
aus unseren Dummheiten.
		-- Sascha Guitry
%
Eigentlich lernen wir nur aus Bchern, die wir nicht beurteilen
knnen. Der Autor eines Buches, das wir beurteilen knnen, mte von
uns lernen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Mephistopheles:
  Du weit wohl nicht, mein Freund, wie grob du bist?
Baccalaureus:
  Im Deutschen lgt man, wenn man hflich ist.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust II)
%
Baccalaureus:
  Anmalich find' ich, da zur schlechtsten Frist
  Man etwas sein will, wo man nichts mehr ist.
  Des Menschen Leben lebt im Blut, und wo
  Bewegt das Blut sich wie im Jngling so?
  Das ist lebendig Blut in frischer Kraft,
  Das neues Leben sich aus Leben schafft.
  Da regt sich alles, da wird was getan,
  Das Schwache fllt, das Tchtige tritt heran.
  Indessen wir die halbe Welt gewonnen,
  Was habt Ihr denn getan? genickt, gesonnen,
  Getrumt, erwogen, Plan und immer Plan.
  Gewi! das Alter ist ein kaltes Fieber
  Im Frost von grillenhafter Not.
  Hat einer dreiig Jahr vorber,
  So ist er schon so gut wie tot.
  Am besten wr's, euch zeitig totzuschlagen.
%
Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Es irrt der Mensch, so lang er strebt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Ich bin der Geist, der stets verneint!
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Irrend lernt man.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Auch was Geschriebnes forderst du Pedant?
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Gewhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hrt, es msse
sich dabei doch auch was denken lassen.
		-- Goethe, Faust I
%
Es ist lcherlich, wenn jemand darum kmpft ein Mensch zu werden,
denn die Affen haben das schon vor etwa einer Million Jahren geschafft.
Man sollte lieber darum kmpfen, ein Papagei oder hnliches zu werden.
		-- Jack Handley, The New Mexican, 1988.
%
Angenommen Du wrdest Dich in einer Situation befinden, in der Du
entweder einen ertrinkenden Mann retten knntest oder ein
Pulitzerpreis verdchtiges Foto seines Untergangs schieen
knntest.  Welche Blende und Verschluzeit wrdest Du whlen?
		-- Paul Harvey
%
Sobald einer in einer Sache Meister geworden ist, sollte er in einer
neuen Sache Schler werden.
		-- Gerhard Hauptmann
%
Europa: Die Zehn Gebote haben 279 Wrter, die amerikanische
Unabhngigkeitserklrung hat 300 Wrter. Die EU-Verordnung zur
Einfuhr von Karamelbonbons hat 25911 Wrter
		-- Bodo H. Hauser in "Noch Fragen Kienzle? Ja, Hauser"
%
Die Annahme, das Universum she in jede Richtung gleich aus, ist in
der Realitt offensichtlich nicht wahr.
		-- Stephen Hawking
%
Der Weg zur Weisheit?  Er ist geradlinig und einfach auszudrcken:
  Irren
  und irren
  und nochmals irren
  doch weniger
  und weniger
  und immer weniger.
		-- Piet Hein
%
Manche Dinge sind so ernst, da man nur im Spa ber sie reden kann.
		-- Werner Heisenberg
%
Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen, fnfzig, um schweigen
zu lernen.
		-- Ernest Hemingway
%
Viel Wissen bedeutet noch nicht Verstand.
		-- Heraklit
%
Unter zuviel Analyse leidet die Wahrheit.
		-- Frank Herbert - Dune Messiah
%
Wer immer die Wahrheit sagt, kann sich ein schlechtes Gedchtnis
leisten.
		-- Theodor Heuss
%
[Politiker] Ja, wir bezahlen ja die Leute dafr, da sie sich
Gedanken machen, sonst knnten wir uns ja selber welche machen.
		-- Dieter Hildebrand
%
Mit zunehmendem Alter verdingsen sich die Erinnerungen.
		-- Dieter Hildebrand
%
Nicht alles Originelle ist gut, aber alles Gute ist originell.
		-- Paul Hindemith
%
Dialog ist nur ein anderer Soundeffekt.
		-- Alfred Hitchcock
%
Der Teufelspakt des Wissenschaftlers ist seine Finanzierung durch
die Rstungsindustrie.
		-- Rolf Hochhuth
%
Es gibt soziale Situationen, wo es schwierig ist, "nein" zu sagen.
Ich habe das mal ausprobiert, indem ich an einem ampelgesteuerten
Polizisten zu Fu auf der anderen Seite eine immanent gegebene Information
ausnutzte: Bei Fugngergegenverkehr will der andere in der Regel genau
entgegengesetzt zu meiner Wegrichtung gehen.

Als wir Fugnger GRN bekamen, ging ich auf ihn zu und fragte ihn
mitten auf der Strae nach dem Weg mit Ziel in meiner Gehrichtung, der so
kompliziert war, da die Grnphase nicht zur Erklrung reichte.  Er stand
in einem Gewissenskonflikt, als ROT wurde, weil er entweder unhflich sein
mute und in meine Richtung zurckgehen oder mich bitten, in seine
Richtung zu gehen und fr meinen Rckweg auf das nchste GRN zu
warten.
		-- Wau Holland, CCC
%
Wer in der Scheie sitzt, sollte nicht zwitschern.
		-- Lotti Huber
%
Geld allein mach auch nicht unglcklich.
		-- Howard Hughes
%
Melancholie ist das Vergngen, traurig zu sein.
		-- Victor Hugo
%
Wenn die Wunder nicht bald aufhren, komme ich noch ganz von Sinnen.
		-- Alexander von Humbold (bei Aufenthalt auf Kanarischen Inseln)
%
Die Zukunft ist immer ein Abenteuer.
		-- Aldous Huxley
%
So ein paar grundgelehrte Zitate sind eine Zier fr den Menschen.
		-- Heinrich Heine
%
Beine hat uns zwei gegeben
Gott der Herr, um fortzustreben,
Wollte nicht, da an der Scholle
Unsre Menschheit kleben solle.
Um ein Stillstandsknecht zu sein,
Gngte uns ein einzges Bein.

Augen gab uns Gott ein Paar,
Da wir schauen rein und klar;
Um zu glauben was wir lesen,
Wr ein Auge gnug gewesen.
Gott gab uns die Augen beide,
Da wir schauen und begaffen
Wie er hbsch die Welt erschaffen
Zu des Menschen Augenweide;
Doch beim Gaffen in den Gassen
Sollen wir die Augen brauchen
Und uns dort nicht treten lassen
Auf die armen Hhneraugen,
Die uns ganz besonders plagen,
Wenn wir enge Stiefel tragen.
		-- Heinrich Heine (Zur Teleologie)
%
Gott versah uns mit zwei Hnden,
Da wir doppelt Gutes spenden;
Nicht um doppelt zuzugreifen
Und die Beute aufzuhufen
In den groen Eisentruhn,
Wie gewisse Leute tun -
(Ihren Namen auszusprechen
Drfen wir uns nicht erfrechen -
Hngen wrden wir sie gern.
Doch sie sind so groe Herrn,
Philanthropen, Ehrenmnner,
Manche sind auch unsre Gnner,
Und man macht aus deutschen Eichen
Keine Galgen fr die Reichen.)
		-- Heinrich Heine (Zur Teleologie)
%
Gott gab uns nur eine Nase,
Weil wir zwei in einem Glase
Nicht hineinzubringen wten,
Und den Wein verschlappern mten.

Gott gab uns nur einen Mund,
Weil zwei Muler ungesund.
Mit dem einen Maule schon
Schwtzt zu viel der Erdensohn.
Wenn er doppeltmulig wr,
Fr und lg er auch noch mehr.
Hat er jetzt das Maul voll Brei,
Mu er schweigen unterdessen,
Htt er aber Muler zwei,
Lge er sogar beim Fressen.
		-- Heinrich Heine (Zur Teleologie)
%
Mit zwei Ohren hat versehn
Uns der Herr. Vorzglich schn
Ist dabei die Symmetrie.
Sind nicht ganz so lang wie die,
So er unsern grauen braven
Kameraden anerschaffen.
Ohren gab uns Gott die beiden,
Um von Mozart, Gluck und Hayden
Meisterstcke anzuhren -
Gb es nur Tonkunst-Kolik
Und Hmorrhoidal-Musik
Von dem groen Meyerbeer,
Schon ein Ohr hinlnglich wr! -
		-- Heinrich Heine (Zur Teleologie)
%
Die Briten zeigten sich sehr rde
Und ungeschliffen als Regizide.
Schlaflos hat Knig Karl verbracht
In Whitehall seine letzte Nacht.
Vor seinem Fenster sang der Spott
Und ward gehmmert an seinem Schafott.
   Viel hflicher nicht die Franzosen waren.
   In einem Fiaker haben diese
   Den Ludwig Capet zum Richtplatz gefahren;
   Sie gaben ihm keine Calche de Remise,
   Wie nach der alten Etikette
   Der Majestt gebhret htte.
Noch schlimmer ergings der Marie Antoinette,
Denn sie bekam nur eine Charrette;
Statt Chambellan und Dame d'atour
Ein Sansculotte mit ihr fuhr.
Die Witwe Capet hob hhnisch und schnippe
Die dicke habsburgische Unterlippe.
   Franzosen und Briten sind von Natur
   Ganz ohne Gemt; Gemt hat nur
   Der Deutsche, er wird gemtlich bleiben
   Sogar im terroristischen Treiben.
   Der Deutsche wird die Majestt
   Behandeln stets mit Piett.
   In einer sechsspnnigen Hofkarosse,
   Schwarz panaschiert und beflort die Rosse,
   Hoch auf dem Bock mit der Trauerpeitsche
   Der weinende Kutscher - so wird der deutsche
   Monarch einst nach dem Richtplatz kutschiert
   Und untertnigst guillotiniert.
       -- Heinrich Heine
%
Einem Abtrnnigen

O des heilgen Jugendmutes!
O, wie schnell bist du gebndigt!
Und du hast dich, khlern Blutes,
Mit den lieben Herrn verstndigt.

Und du bist zu Kreuz gekrochen,
Zu dem Kreuz, das du verachtest,
Das du noch vor wenig Wochen
In den Staub zu treten dachtest!

O, das tut das viele Lesen
Jener Schlegel, Haller, Burke -
Gestern noch ein Held gewesen,
Ist man heute schon ein Schurke.

		-- Heinrich Heine
%
Der neue Alexander  I

Es ist ein Knig in Thule, der trinkt
Champagner, es geht ihm nichts drber;
Und wenn er seinen Champagner trinkt,
Dann gehen die Augen ihm ber.
  Die Ritter sitzen um ihn her,
  Die ganze historische Schule;
  Ihm aber wird die Zunge schwer,
  Es lallt der Knig von Thule:
Als Alexander, der Griechenheld,
Mit seinem kleinen Haufen,
Erobert hatte die ganze Welt,
Da gab er sich ans Saufen.
  Ihn hatten so durstig gemacht der Krieg
  Und die Schlachten, die er geschlagen;
  Er soff sich zu Tode nach dem Sieg,
  Er konnte nicht viel vertragen.
Ich aber bin ein strkerer Mann
Und habe mich klger besonnen:
Wie jener endete, fang ich an,
Ich hab mit dem Trinken begonnen.
  Im Rausche wird der Heldenzug
  Mir spter weit besser gelingen;
  Dann werde ich, taumelnd von Krug zu Krug,
  Die ganze Welt bezwingen.
    -- Heinrich Heine
%
Der neue Alexander  II  (Erster Feldzug)

Da sitzt er und schwatzt, mit lallender Zung,
Der neue Alexander;
Den Plan der Welteroberung,
Den setzt er auseinander:
  Lothringen und Elsa, das wei ich lngst,
  Die fallen uns zu von selber;
  Der Stute folgt am End der Hengst,
  Es folgen der Kuh die Klber.
Mich lockt die Champagne, das bere Land,
Wo jene Reben sprieen,
Die lieblich erleuchten unsern Verstand
Und uns das Leben versen.
  Hier soll sich erproben mein Kriegesmut,
  Hier soll der Feldzug beginnen;
  Es knallen die Pfropfen, das weie Blut
  Wird aus den Flaschen rinnen.
Hier wird mein junges Heldentum
Bis zu den Sternen moussieren!
Ich aber verfolge meinen Ruhm,
Ich will auf Paris marschieren.
  Dort vor der Barriere mach ich Halt,
  Denn vor den Barriere-Pforten
  Da wird kein Oktroi bezahlt
  Fr Wein von allen Sorten.
    -- Heinrich Heine
%
Der neue Alexander  III

Mein Lehrer, mein Aristoteles,
Der war zuerst ein Pfffchen
Von der franzsischen Kolonie,
Und trug ein weies Beffchen.
  Er hat nachher als Philosoph
  Vermittelt die Extreme,
  Und leider Gottes hat er mich
  Erzogen nach seinem Systeme.
Ich ward ein Zwitter, ein Mittelding
Das weder Fleisch noch Fisch ist,
Das von den Extremen unsrer Zeit
Ein nrrisches Gemisch ist.
  Ich bin nicht schlecht, ich bin nicht gut,
  Nicht dumm und nicht gescheute,
  Und wenn ich gestern vorwrts ging,
  So geh ich rckwrts heute.
Ein aufgeklrter Obskurant,
Und weder Hengst noch Stute!
Ja, ich begeistre mich zugleich
Fr Sophokles und die Knute.
  Herr Jesus ist meine Zuversicht,
  Doch auch den Bacchus nehme
  Ich mir zum Trster, vermittelnd stets
  Die beiden Gtterextreme.
    -- Heinrich Heine
%
Antwort

Es ist der rechte Weg, den du betreten,
Doch in der Zeit magst du dich weidlich irren;
Das sind nicht Dfte von Muskat and Myrrhen,
Die jngst aus Deutschland mir verletzend wehten.

Wir drfen nicht Viktoria trompeten,
So lang noch Sbel tragen unsre Sbirren;
Mich ngstet, wenn die Vipern Liebe girren,
Und Wolf und Esel Freiheitslieder flten

		-- Heinrich Heine
%
Augen, die nicht ferne blicken,
Und auch nicht zur Liebe taugen,
Aber ganz entsetzlich drcken,
Sind des Vetters Hhneraugen.

		-- Heinrich Heine
%
Bamberg und Wrzburg

In beider Weichbild fliet der Gnaden Quelle,
Und tausend Wunder tglich dort geschehen.
Umlagert sieht man dort von Kranken stehen
Den Frsten, der da heilet auf der Stelle.

Er spricht: Steht auf und geht! und flink und schnelle
Sieht man die Lahmen selbst von hinnen gehen;
Er spricht: Schaut auf und sehet! und es sehen
Sogar die Blindgebornen klar und helle.

Ein Jngling naht, von Wassersucht getrieben,
Und fleht: Hilf, Wundertter, meinem Leibe.
Und segnend spricht der Frst: Geh hin und schreibe!

In Bamberg und in Wrzburg machts Spektakel,
Die Handlung Gbhardts rufet laut: Mirakel! -
Neun Dramen hat der Jngling schon geschrieben.

		-- Heinrich Heine
%
Mittelalterliche Roheit
Weicht dem Aufschwung schner Knste:
Instrument moderner Bildung
Ist vorzglich das Klavier.

Auch die Eisenbahnen wirken
Heilsam aufs Familienleben,
Sintemal sie uns erleichtern
Die Entfernung von der Sippschaft.

Wie bedaur ich, da die Darre
Meines Rckgratmarks mich hindert,
Lange Zeit noch zu verweilen
In dergleichen Fortschrittswelt!

		-- Heinrich Heine
%
An Fritz von Beughem!

Mein Fritz lebt nun im Vaterland der Schinken,
Im Zauberland, wo Schweinebohnen blhen,
Im dunkeln Ofen Pumpernickel glhen,
Wo Dichtergeist erlahmt, und Verse hinken.

Mein Fritz, gewohnt, aus heilgem Quell zu trinken
Soll nun zur Trnke gehn mit fetten Khen,
Soll gar der Themis Aktenwagen ziehen, -
Ich frchte fast er mu im Schlamm versinken.

Mein Fritz, gewohnt auf buntbeblmten Auen
Sein Flgelro, mit leichter Hand, zu leiten,
Und sich zu schwingen hoch, wo Adler horsten;

Mein Fritz wird nun, will er sein Herz erbauen,
Auf einem drren Prosagaul durchreuten
Den Knppelweg von Mnster bis nach Dorsten.

		-- Heinrich Heine
%
Das Bild

Lessing-Da Vinzis Nathan und Galotti,
Schiller-Raffaels Wallenstein und Posa,
Egmont und Faust von Goethe-Buonarotti -
Die nimm zum Muster, Houwald-Spinarosa!

		-- Heinrich Heine
%
Wenn sich die Blutegel vollgesogen,
Man streut auf ihren Rcken blo
Ein bichen Salz, und sie fallen ab -
Doch dich, mein Freund, wie werd ich dich los?

Mein Freund, mein Gnner, mein alter Blutsauger,
Wo find ich fr dich das rechte Salz?
Du hast mir liebreich ausgesaugt
Den letzten Tropfen Rckgratschmalz.

Auch bin ich seitdem so abgemagert,
Ein ausgebeutet armes Skelett -
Du aber schwollest stattlich empor,
Die Wnglein sind rot, das Buchlein ist fett.

O Gott, schick mir einen braven Banditen,
Der mich ermordet mit raschem Sto -
Nur diesen langweilgen Blutegel nicht,
Der langsam saugt - wie werd ich ihn los?

		-- Heinrich Heine
%
Burleskes Sonett

Wie nhm die Armut bald bei mir ein Ende,
Wt ich den Pinsel kunstgerecht zu fhren
Und hbsch mit bunten Bildern zu verzieren
Der Kirchen und der Schlsser stolze Wnde.

Wie flsse bald mir zu des Goldes Spende,
Wt ich auf Flten, Geigen und Klavieren
So rhrend und so fein zu musizieren,
Da Herrn und Damen klatschten in die Hnde.

Doch ach! mir Armen lchelt Mammon nie:
Denn leider, leider! trieb ich dich alleine,
Brotloseste der Knste, Poesie!

Und ach! wenn andre sich mit vollen Humpen
Zum Gotte trinken in Champagnerweine,
Dann mu ich drsten, oder ich mu - pumpen.

		-- Heinrich Heine
%
Charade

Das Erste, das ist immer,
Und wenn auch die Welt vergeht;
Das Zweite ist man und bleibt man,
Wenn man zu lesen versteht.

		-- Heinrich Heine
%
Duelle
  Zwei Ochsen disputierten sich
  Auf einem Hofe frchterlich.
  Sie waren beide zornigen Blutes,
  Und in der Hitze des Disputes
  Hat einer von ihnen, zornentbrannt,
  Den andern einen Esel genannt.
  Da Esel ein Tusch ist bei den Ochsen,
  So muten die beiden John Bulle sich boxen.
Auf selbigem Hofe zu selbiger Zeit
Gerieten auch zwei Esel in Streit,
Und heftig stritten die beiden Langohren,
Bis einer so sehr die Geduld verloren,
Da er ein wildes I-A ausstie,
Und den andern einen Ochsen hie.
Ihr wit, ein Esel fhlt sich tuschiert,
Wenn man ihn Ochse tituliert.
Ein Zweikampf, die beiden stieen
Sich mit den Kpfen, mit den Fen,
Gaben sich manchen Tritt in den Podex,
Wie es gebietet der Ehre Kodex.
  Und die Moral? Ich glaub, es gibt Flle,
  Wo unvermeidlich sind die Duelle;
  Es mu sich schlagen der Student,
  Den man einen dummen Jungen nennt.
    -- Heinrich Heine
%
Man beginnt als Herr seines Lebensstandards und endet als sein Sklave.
		-- Roger Ikor
%
Ignoranz ist der Boden, auf dem der Glaube an Wunder wchst.
		-- Robert G. Ingersoll
%
Eine spitze Zunge ist der einzige Gegenstand, der durch stndigen
Gebrauch nur noch spitzer wird.
		-- Washington Irving
%
Am X-Copyright-Header kann man also auch sehen, da die Techniker und
insbesondere Kristian zum Recht ein pragmatisches Verhltnis haben.
Fehlt nur noch ein pragmatisches Verhltnis der Juristen zur Technik,
und alles wird gut.
		--  Ulf Mller
%
<Joey> Ich habe es damals als Unix-DAU aus der Manpage rausgelesen.
Wenn Du das heute nicht auf die Reihe bekommst, ist das peinlich.
		-- #LinuxGER
%
Martin Schulze schrieb am 30. Mai 1998:
> Oh dear... Well, it's late so just a short note, please take
> a look at http://www.debian.org/ .  Debian is Debian GNU/Linux
> which is the one an only 100% free Linux distribution.  If you
> have further questions don't hesitate to contact me.

Du hast Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott
und Gott war das Wort deutlich verstndlicher geschrieben
:-)))
		-- Hanno Wagner
%
Wissenschaft ist wie Ostereier suchen.  Man versteckt etwas,
grbt es spter wieder aus und schreit: "Hurra!".
		-- Prof. Mbus
%
Oh man, wenn ich bei Windows so viele Programme installiert htte,
dann htte ich schon 100mal rebooten mssen.
		-- RealTimo unter Linux
%
Wer nachts nicht schlft, braucht mittags auch nichts zu essen.
		-- Joey
%
Mit Kirch und Thoma geht's ins Medienkoma!
		-- Jrg Prante <PranteJ@aol.com>
%
Eigentlich wollte ich mich nicht mehr zu religioesen Themen uern,
seit ich einmal mit einem Moslem ber Emacs diskutiert habe.
		-- Christian Anzenberger, dcolm
%
Du hast Erklrungen...  Soviel Fantasie braucht man wohl fr W95...
Um sich vorzustellen es wre ein BS
		-- Soenke Lange
%
Wenn mir Altavista in Reaktion auf meinen Suchbegriff eine
Senioren-Kontakt-Brse als Bannerwerbung anbietet...
Wie ernsthaft mu ich mir dann Gedanken machen?
		-- #LinuxGER
%
Ich hatte gehofft, da das durch je hher der Kirchturm desto
bim aufgefangen wird.  *lautdenk*
		-- banshee auf #LinuxGER
%
Ich bemhe mich, Programme zum Abschieen von W95 zu bekommen...
Dabei liefert M$ die fr W95 Enduser schon gleich beim BS mit
		-- Soenke Lange
%
Schon wieder Telefon... Ein noier Juser... :-)
Aber der tippt so langsam, da kann ich locker bei ircen ]:-)
		-- Quelle bekannt
%
Manchmal bekomme ich sogar vor mir selber Angst
		-- AnsgarX
%
Wenn ich deinen Hals berhr,
Deinen Mund zu meinem fhr'
Oh, wie sehn' ich mich nach Dir,
Hei geliebte Flasche Bier.
		-- Sascha auf #Artis
%
Ich hoffe Du hast fr PGP 6.0 - das ist die Integration von PGP in M$
Windows - schon die c't Seiten freigehalten.  Endlich Klicken statt Denken.
		-- Lutz Donnerhacke
%
Ich wrde meinen Kindern lieber Drogen geben als DOS...
		-- Scott McNeely (Sun-Chef)
%
Hrt man eigentlich das Meer rauschen, wenn man sich die bash ans Ohr hlt?
		-- stesch auf #LinuxGER
%
Sag blo, du bestellst deine Pizza immer noch per Snailmail?
Ich lasse sie mir immer faxen, da kommt sie garantiert noch hei an.
		-- Dieter Brgmann in de.talk.bizarre
%
Wenn Du nur klicken willst, dann stell Dich an einen Flipper.
		-- Lutz Donnerhacke
%
<Sascha> Tja, der Mensch lebt nicht vom Netz allein...
		-- #Artis
%
Wer ActiveX untersttzt, handelt grob fahrlssig!
		-- Wau Holland, CCC
%
Eine Firma, deren Schwerpunkte sich alle 3 Monate verlagern fhrt
einen Schlingerkurs .... es sei denn sie heit Apple, dann heit
das kontinuierliche Restrukturierung.
		-- Herwig Henseler
%
Was ein Sysop ist wei ein BWL'er doch nicht.
Der wei ja nicht mal, da er ein DAU ist :)
		-- JeLuF on #LinuxGER
%
Ansgar behauptet ernsthaft, der Schneider CPC wre ein besserer Compi als ein C64
  ... absolut lcherlich
Das wre genauso als wenn er behaupten wrde, Win95 wre ein stabileres OS als Linux.
		-- RealTimo
%
Eine Schneebhe hat mein /sbin/init.d/network start erfat und das ist umgefallen ;)
		-- Banzai auf #LinuxGER
%
Legt euch doch alle auf die Datenautobahn und lat euch berfahren.
		-- Volker 'Yegg' Paulsen, 1995
%
UNIX ist wie SEX: Wenn du es nicht kennst vermisst du es nicht.
                  Wenn du es kennst willst du es immer wieder.
		-- Unknown source
%
Die Realitt ist eine Illusion, die durch Mangel an Alkohol hervorgerufen
wird.  Durch Alkohol wird die Illusion der Realitt zerstrt und die
wahre Realitt offenbart sich einem.
		-- Drogos on #Artis
%
<NICK_1> nick_2: heisst das also da mein 486er schneller ist als ein
         Pentium 75 ?  pentium: 35.xx  486er: 49.xx bogomips  !!
<NICK_2> nick_1: nein, es heit nur, da dein 486er schneller warten
         kann als die pentium.
		-- Seen on #LinuxGER
%
Warum ich fr NeXT und nicht fr Windows programmiere?
Ich knnte ja auch Banken berfallen und in Schulen Drogen
verkaufen, aber man mu sich ein gewisses Ma an Wrde bewahren.
		-- Unbekannte .signature
%
Mittlerweise besteht das Internet zu 90% aus Homepage-Inhabern, die
andere Homepage-Inhaber besuchen, um beruhigt festzustellen, da die
anderen auch keine Ahnung haben.
		-- Lindemann, se0088@aixrs1.hrz.uni-essen.de in de.comm.internet.software
%
	Der Bildschirm ist das Prservativ der Realitt.
		-- Werner Schneyder
%
Plonk ist das Gerusch, das eine Mailadresse macht, wenn sie im
Killfile landet. blicherweise das Zeichen dafr, da man keine Zeit
mehr mit Postings von der betroffenen Person verschwenden will.
		-- Peter Brlls
%
Ich bin dagegen, Computer zu vermenschlichen.
Sie mgen es nicht!"
		-- Helge Baumann
%
Schreiben Sie langsam, ich bin AOL-User
		-- cbbln@aol.com
%
Es gibt fr keinen Menschen einen Grund, zu Hause einen Computer zu
haben.
		-- Ken Olson, President of DEC, World Future Society Convention, 1977
%
Wer nach allen Seiten offen ist kann nicht ganz dicht sein.
		-- stesch on #LinuxGER
%
NT IST SCHROTT!  Ich habe nie was anderes gesagt...
Ich meine... Is ja ganz nett, wenn die hohen Lizenzgebhren nicht wren...
Ich meine, da zahlt man 1000ende Mark fr nen Betriebsystem, das buggy ist,
fr das Du keine Source und keinen Support bekommst, und das weniger kann
als ein Umsonstbetriebsystem...
		-- lolo on #LinuxGER
%
Man darf perl m.E. nicht als Erstsprache lernen.  Man _kann_ sich mit Perl
klares Denkvermgen fr den Rest des Lebens versauen, man mu es aber nicht.
		-- Gefunden in de.comp.lang.perl
%
"Router" auf PC-MSDOS-Basis sind bestenfalls Gerll...
		-- Gert Doering
%
Meiner Meinung nach sind die Netscape-Programmierer auch alle betrunken.
		-- Patrick Feldhusen
%
IRC ist ein Dienst, der von den IRCADMINS in ihrer Freizeit verwaltet wird.
IRC ist kein RECHT, es ist ein PRIVILEG! Und aus diesem Grund sind IRCADMINS
auch nicht dazu verpflichtet ihr Handeln mit irgendwem abzusprechen.
		-- Bytewurm
%
Der Trick besteht ganz einfach darin, kein Windows zu laden. Es ist
immer wieder erstaunlich, wie viel Leistung dann auf einmal da ist
und wie wenig RAM man noch braucht.
		-- Tilman Schmidt in de.comm.internet.routing
%
Diese [..] machen das Unix-95-Branding so sinnvoll wie eine
Nichtdurchrostungsgarantie fr Formel-1-Rennwagen.
		-- Juergen Seeger im Editorial zur iX 12/96
%
Die Leute sprechen ja auch in einem Atemzug von "DOS" und "Betriebssystem".
Hier wre "Spielestarter" sicher passender, die meisten wrden es aber
nur als Gag empfinden.
		-- Hubert Mantel
%
Auch wenn es fr das Netz kein Mindestalter gibt, so
brauchen wir uns nicht in Kindergartensprache zu unterhalten,
wo funzende Proggies Messies ins Brett stellen.
		-- Heiko Schlichting
%
Mittlerweile sehe ich das so, da "Sysop" per Definition
inkompetent bedeutet.  Wer sich so bezeichnet, ist ein Idiot.
Punkt.
		-- Christian 'naddy' Weisgerber
%
Die Faszination des Internet macht schlielich aus, da es sich um
eine Vision in der Tradition klassischer Utopien handelt.  Hier
tummelt sich ein groer Teil derer, die auf der Suche nach anderen,
besseren Werten sind.  Es sind diejenigen, welchen im Kampf um
Parkpltze, Fernreisen und die lngste Praline der Welt noch nicht
vllig abgestumpft sind und die ihr Unbehagen an der Kultur des
Postkapitalismus noch immer spren.
		-- c't 9/95, "Das Netz, der Mll und der Tod"
%
Wer meint, LINUX sei umsonst, der irrt.  LINUX kostet (nur etwas)
Mhe. (Ergnzung: Andere Systeme kosten Geld und viel Mhe.)
		-- Thomas Corell
%
TeXse [...chs...] die; -, -n (ugs. abwertend fr: TeX-Schreiberin)
		-- Eberhard Mattes
%
Ich bin mde, also bin ich.
		-- Andreas Porr
%
Es wird Zeit, auch bei Rechnern das Zwei-Schichten-System einzufhren.
Eine Schicht DOS, eine Schicht Erde, ....
		-- Jens-Goerke
%
La Dich mit Hirn fttern, bevor man Dich mit X11 fttert.
		-- Heiko Schlichting
%
<F> Hat hier schon jemand Erfahrungen gemacht mit dem Provider contrib.net?
<A> Ja, man nennt ihn neuerdings timeout.net
		-- Oliver Raupach
%
Bernd Eckenfels: gut geklaut :)
Lutz Donnerhacke: Natrlich, auf gute Gedanken komme ich eh' nicht von allein.
%
Es wird hier viele Leser geben die den englischen Namen
einer Newsgruppe zwar _bersetzen_ aber nicht _interpretieren_
knnen.  Da liegt der Haken.
		-- Martin Spott
%
Um Rekursion zu verstehen, mu man entweder einen kennen,
der sie versteht, oder sie schon verstanden haben. 
		-- M. Freericks
%
> Betriebssystem ...  : MS-DOS
Falsche Angabe.  Hier drfen nur Betriebsysteme eingetragen werden.
		-- Nora E. Etukudo
%
Durchsetzen wird sich das, was am meisten Machtinteressen hinter sich
vereint.
		-- AK Datenbrgersteige, KIF 23,0
%
Es braucht dann allerdings Tage, bis jemand sehr lange Ohren bekommt.
		-- Lutz Donnerhacke zu Spamcancels
%
Merke: Das Wort ALLE gibts im Internet nur einmal:
ALLE Hosts verwenden die TCP/IP-Protokolle. 
		-- Wulf Alex
%
Wenn ich mir so die Qualitt mancher Gateways anschaue, wundert es mich nicht,
da die Programmierer sich nicht trauen, den Source rauszurcken.  Wo sollten
sie den auch posten?  In de.talk.jokes? 
		-- Heiko Schlichting, de.admin.news.misc
%
Hacker beim Surfen auf Datenautobahn schwer verunglckt.
		-- Helge Oldachs berschriftenvorschlag fr Boulevardpresse
%
<K> Versionen 1 und 2 von ZConnect sind niemals an die ffentlichkeit gelangt
<A> Man haette diese Vertriebspolitik beibehalten sollen....
		-- Kristian Khntopp und Axel Zinser in de.admin.news.misc
%
Nachklausuren sind ja so etwas enttuschendes ... 
wenn der Spreu versucht, sich als Weizen zu tarnen.
		-- Herwig Henseler, Uni Oldenburg
%
TELEKOM und CHAOS stehen immer in einer SEHR engen Beziehung.
		-- Thomas Meier
%
Mit Gateways wchst zusammen, was nicht zusammen gehrt.
		-- Heiko Schlichting
%
Der Auslieferungszustand manches kommerziellen Un*xes ist unsicherer
als ein Linux-System ohne root Passwort...
		-- Bernd Eckenfels
%
Ein Auto mit KAT pustet weniger Schadstoffe in die Umwelt als eins
ohne KAT. Aber deshalb verpestet es trotzdem weiterhin die Umwelt.
Und deshalb sollte man sich weiterhin genau berlegen, wann man
das Auto benutzt und wann man es lieber mal stehen lt.

Das gleiche gilt fr Crosspostings...
		-- Andreas M. Kirchwitz
%
Du sollstest nach einem InterNet Anschlu suchen, was Du momentan
hast ist ein Anschlu bei Germany.Net und das ist vergleichbar mit einem
Telefon ohne Whlscheibe und Klingel...
Klar da Dir ein Telefonbuch nichts ntzt.
		-- Lutz Donnerhacke
%
Ihr seid alle durchgeknallt.
		-- Olaf Titz zu Mail Wars zwischen P. Mandrella und R. Babel
%
Nur ein isoliertes ZConnect-System ist ein gutes ZConnect-System.
		-- Christian 'naddy' Weisgerber
%
Wenn mich einer "Sysop" nennt, schmei ich ihn gleich wieder zur Tr
raus. Ich la mich doch nicht von jedem dahergelaufenen DAU beleidigen.

PS: Die korrekte Anrede ist latrnich "Herr Datenrat". :-)
		-- Ulli 'Framstag' Horlacher
%
Hattest du mal lnger nichts zu tun oder woher weit du das alles???
		-- Thomas Heyligers ber Joey
%
Wenn eine Gruppe "sex" im Namen hat, dann ist sie schon
von Vornherein als Sex-Gruppe abgestempelt.
		-- Florian Koelln (koelln@cs.tu-berlin.de)
%
"Wie schreibt man SunOS?" "SunOS. Wie man es spricht. Mit groem SOS."
		-- gewidmet Roland Kaltefleiter
%
Internet? Das ist doch dieses WWW-Netz?
		-- IBM Technischer Support, November 1994
%
Nicht derjenige, der Datenschutz fordert, attakiert das Netz, sondern
derjenige, der ihn aus Jux und Dollerei (aus Neugier, Spieltrieb, ...)
verletzt.
		-- Werner Icking (icking@sunick.gmd.de)
%
Jaja. Die Heisenbergsche Unschrferelation soll nur die Rechenfehler
der Simulationshardware verdecken.
		-- lutz@iks-jena.de (Lutz Donnerhacke) ber simulierte Realitt
%
> Zur Strafe, weil Du nicht rechnen kannst, musst Du zwei Wochen lang
> ein "Rechenzentrum" mit 25 NT Servern administrieren.
Heisst das nicht Rebootzentrum? :)
		-- Roger Schwentker u. Philipp Buehler in d.a.s.r 
%
Ein Programm sollte nicht nur Hand und Fu, sondern auch Herz und Hirn haben.
		-- Michael Anton
%
Wenn man sich nher mit Linux beschftigt, wird man nie versuchen,
WinNT das Attribut "stabil" aufzudrcken!
		-- b_rad.fire@wolfsburg.de
%
Windows ist der One-Night-Stand unter den Betriebssystemen. Man fhlt
sich so billig, wenn man es benutzt hat.
		-- Illiad in uf
%
MS-Benutzer zu verhohnepiepeln ist eigentlich so
unweidmnnisch wie tote Schafe zu treten. Trotzdem sehr
angenehm wollig-warm im Tritt.
		-- Andreas Kabel in de.admin.net-abuse.misc
%
Wenn Schwachsinn Beine htte, wrde er weglaufen.
		-- Andreas Kalbitz <felix-hh@t-online.de> in Pingos-Mailingliste
%
Mit doppelseitig bestrichenen Sandwiches baut man das
Perpetuum Mobile nach Murphy.
		-- Kristian Koehntopp in dasr
%
Auerdem noch [..] die Distribution fr Puristen, denen technische
Eleganz und Qualitt und philosophisch reine Lehre der `freien Software'
ber totale Einfachheit geht (Debian) und viele mehr.
		-- Anselm Lingnau in de.comp.os.unix.discussion
%
Als Newbie mchte ich wissen ob man unter Linux Vieren befrchten mu?       
Rein statisch gesehen, ist die Wahrscheinlichkeit, unter Linux von einer     
Vier erwischt zu werden, nicht grer, als eine Null verpat zu bekommen.  
		-- Christoph Lorentz in dcoulm
%
Was ist das, ein Winword-Dokument? Stell' Dir vor, es gibt tatschlich
noch Leute, deren Anwendersoftware oder sogar Betriebssystem nicht von
der kleinen unbedeutenden Klitsche aus Redmond stammen.
		-- Ulf Neumann in d.r.t.k
%
NT ist auch ein UNIX - es ist ja schlielich in C geschrieben.
		-- Compaq Techsupport Hotline
%
Administrator kann sich heute anscheinend jeder nennen, der NT ohne
Mami installieren kann.
		-- Sebastian Seitz in de.comp.os.ms-windows.nt
%
Das ist aber was Xiges. Und ich bin doch was consoliges ... :(
		-- Sven Paulus in de.alt.sysadmin.recovery
%
Assembler ist eine Methode, Programme, die zu langsam laufen,
so umzuschreiben, da sie berhaupt nicht mehr laufen.
		-- Programmiererweisheit
%
Wenn ich einem Schwein eine RedHat-CD um den Hals binde und es trete
kann man sagen, dass KDE & Co. auch ohne Ram schnell laufen.
		-- Robin S. Socha in de.comp.os.unix.linux.newusers--
%
Wir alle wissen, da Linux groartig ist.  Es bentigt fr unendliche
Schleifen lediglich 5 Sekunden.
		-- Linus Torvalds
%
Portablilitt ist fr Leute, die keine neuen Programm schreiben knnen.
		-- Linus Torvalds
%
Wahre Mnner machen kein Backup.
Sie legen ihre Quellen auf ffentliche FTP-Server und lassen die Welt kopieren.
		-- Linus Torvalds
%
Du hast eine API. Ob Du diese API mit Assembler, C, C++ oder in
Keilschrift ansprichst ist eigentlich egal.
		-- Christian Palmes (in einer Assemblernewsgroup zum Thema VC++ und
  DirectX/OpenGL-API)
%
Die drei Feinde des Programmierers? Sonnenlicht, Frischluft und das 
unertrgliche Gebrll der Vgel.
		-- Spruch in einer Newsgroup.
%
[GEMA-freie Musik:] Hrt sich an wie Hardcore-Esotherik-Gesynthesize
aus dem Bachblten-Shop.
		-- Thomas Schreyegg 
%
Jeden Tag werden wir mit Anrufern konfrontiert, die einfach die
Dokumentation nicht gelesen haben und deswegen unseren User Help Desk
in Anspruch nehmen. Deshalb hat sich hier der Spruch "Wer lesen kann,
ist klar im Vorteil!" eingebrgert.

Da wir viele auslndische Kollegen haben und Englisch Umgangssprache
ist, habe ich das mal vom Babelfish bersetzen lassen. Aus dem Spruch
"Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!" wurde
"Who can read is clear in the advantage", 
logisch, da wir seither die englische bersetzung verwenden..."
%
Wenn sie ihre E-Mail verschlsseln wollen, dann stecken sie die 
Nachricht doch einfach in eine PowerPoint-Datei. Die knnen die 
meisten sowieso nicht lesen.
 -- Scott McNealy, Sun.
%
Es ist weder ntig, noch sinnvoll, vor Satzzeichen ein Leerzeichen
einzufgen (plenken). Tut man es dennoch , wie in diesem Beispiel
, knnte das so aussehen .
		-- Hajo Pflger in d.n.q.
%
"Frag mal, auf was fr uptimes man kommt, wenn man Software-Entwicklung
 unter NT macht..."
"Das knnen bis zu dreiig Minuten werden - in der  Mittagspause."
		-- Andreas Bogk, Kai Fett, de.alt.sysadmin.recovery
%
Der SM-BOFH empfiehlt wild geschwungenes AUI-Kabel mit aufgesteckten
Transceivern, whrend man auf seinem RAID-Rack, gezogen von 12 Winword-Usern,
durch die Gnge brettert. (Dazu Wagner_Walkuerenritt.mp3)
		-- Daniel Moehwald in d.c.o.l.m.
%
Geh doch z.B. mal zu Vobis und frag nach einem Token Ring. Die schicken
Dich wahrscheinlich ins nchste Sportgeschft.
%
Linux: die Schweizer Offizierskettensge
%
> Naja, kann aber nicht das Heilmittel sein. Ich hab IE5 mit OE5
Klingt richtig gut! Wann kommt aeeeh5 und wann ueeeh5?
		-- Helmut Hullen
%
Sie: "Sie werden primr mit NT arbeiten, ..."
Ich: "... wenn ich ab und an mal fluchen darf..."
Sie: "Ach - das geht sowieso unter."
%
> Spiele ich halt wieder Frisbee mit der NT CD.  [Ulrich Eckhardt]
Funktioniert nicht. Strzt immer ab.           [Hans Pueschel]
%
Was ist der Name fr einen Tag, an dem jeder Computer in Deiner Nhe
nur Scheisse baut?
Ein Wochentag.
  de.alt.sysadmin.recovery
%
Ein Computer, dessen System schlauer sein will als der Benutzer, ist
wie ein Hammer, der nur Ngel mit exakt 5 cm Lnge in die Wand schlgt.
		-- A. Schwenke
%
Microsoft Gesundheit 2000 konfiguriert Ihr Immunsystem.  Dies kann
einige Zeit dauern. Wenn Ihr Krper fr lngere Zeit nicht reagiert,
sterben Sie bitte: Die Installation wird dann nach Ihrer Auferstehung
fortgesetzt.
		-- A. Skau in asr
%
Werden bei "NT Server" die Turnschuhe eigentlich mitgeliefert?
		-- Jens Dittmar in de.comp.os.unix.discussion
%
Eine root shell ist wie eine ungesicherte Pump gun:  Einmal husten und 
Du hast Schuhgre 82.
		-- Jens Benecke
%
Heute kann man ja noch nicht einmal mehr eine AOL-CD aus dem Fenster
werfen, ohne jemanden zu erschlagen, der gerade einen SUSE Karton nach
Hause schleppt.
		-- dasr
%
Witz des Tages: Habe Suse 6.x installiert, beim booten bricht linux
mit der Fehlermeldung "login" ab. Was mache ich falsch?
%
> Ich seh da nur Kstchen und Hyrogliephen (oder wie die Dinger heien)
Es sind Dortoglyphen, denn sie sind ja nicht hier. Sonst wren es
Hieroglyphen.
		-- Falk Dbbert <falk.duebbert@gmx.de> in de.rec.fotografie
%
> Dann hast du keine japanischen Fonts installiert. Aber Bilder sagen
> mehr als 1000 Worte.
DAS habe ich gesehen. Ich hab jap. Fonts einfach aus
Kompabilittsgrnden mit meinem Gehirn nicht installiert.
		-- Andreas Gugau <postmaster@andreas-gugau.de> in de.rec.fotografie
%
>>Habt Ihr noch alle Tassen im Schrank ?
>Die vi-Referenztassen?
Nun, das Emacs - Referenzfa war jedenfalls nicht gemeint ...
		-- Hans Bonfigt und Christoph Moench-Tegeder, de.org.ccc
%
Zitat aus einer Microsoft-Verffentlichung zu Linux im Handel:
   'Geringe Sicherheit
     "Open Source" heit, jeder Anwender erhlt eine Kopie des Quellcodes.
     Dabei stoen Entwickler, die mit Linux arbeiten, hufig auf
     Sicherheitslcken. Auf Microsoft Windows trifft dies nicht zu.'

So formuliert wrde der Satz stimmen:
'"Open Source" heit, jeder Anwender erhlt eine Kopie des Quellcodes.
 Auf Microsoft Windows trifft dies nicht zu.'

Man muss nur dieses komische, zusammenhanglose Ding in der Mitte streichen.

		-- Patrick von der Hagen (in debian-user-de@jfl.de)
%
... Schade. Einer, der den grossen Durchblickstrudel berstanden
hatte, und gerade andgefangen hatte, ber das Gesehene zu plaudern....
 -- Boris Harss (als Kommentar zu Douglas Adams Tod in de.rec.fotografie)
%
Quick C ist nicht Quick, SMTP ist nicht Simple, LDAP ist nicht
Lightweight, SQL ist nicht Structured, Windows 2000 Professional ist
nicht Professional.  Seht ihr?  Ist doch ganz einfach.
		-- Felix von Leitner in de.comp.security.misc
%
Man knnte doch heute keinen NT Rechner mehr aus dem Fenster schmeien,
ohne auf dem Gehweg jemanden zu treffen, der gerade ein SuSE Linux Paket
unter dem Arm schleppt? 
		-- Detlef Bosau in de.comp.os.unix.networking
%
>| X-Mailer: Mozilla 4.73 [en] (Win98; I)
Wie sollst Du auch verstehen knnen?
		-- Stefan Scholl in dasr
%
"Wie haben andere Linux Benutzer ihr `erstes Mal' mit Linux erlebt??"
"Wir haben danach gemeinsam eine Gitanes geraucht und nochmal ber
alles geredet."
		-- P.Vollmann und Stefanie Teufel in dcolm
%
Man tut was man kann. Kann man aber wirklich immer das was man tut?
		-- WoKo in dag
%
Genie ist oft nur die Fhigkeit, auf ungewhnliche Art zu schauen.
		-- William James
%

Man kann den 20-bndigen Brockhaus auf eine Rolle Tesafilm schreiben.
Das wird dann wohl Tesa-Rom heien.
		-- Gnter Jauch am 10.2.99 in Stern TV
%
Erfolg ist die Kunst, Fehler zu machen, die kein anderer bemerkt.
		-- Martin Jente
%
Der Krieg ist das Ergebnis entsetzlicher Phantasielosigkeit!
		-- Franz Kafka
%
Und falls Sie sich fragen, wie wohl die ersten Versuche des Homo
Sapiens aussahen, halbwegs aufrecht zu gehen, dann schauen Sie
einfach mal Dieter Bohlen beim Gitarrespielen an.
		-- Oliver Kalkofe
%
Aufklrung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten
Unmndigkeit. Unmndigkeit ist das Unvermgen, sich seines Verstandes ohne
Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmndigkeit,
wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der
Entschlieung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu
bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen! ist also
der Wahlspruch der Aufklrung!
		-- Immanuel Kant (Was ist Aufklrung 1784)
%
Vier Heilmittel empfehle ich fr unsere Zeit: das Gewissen, das
Vorbild, die Kindheit, den Humor.
		-- Erich Kstner
%
Auf dieser Welt lebt keiner vergebens, der die Brde eines anderen
leichter zu machen sucht.
		-- Helen Keller
%
Jeder sollte etwas Freundliches tun in einer unfreundlichen Zeit.
		-- Helen Keller
%
Der Mensch ist immer noch der beste Computer.
		-- John F. Kennedy
Tot sein ist stinklangweilig.  Wenn man Pech hat, wird man
nmlich nicht mehr lebendig.
		-- King Loui aus dem Dschungelbuch
%
%
Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Hhe unserer Gehlter oder nach
der Gre unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer
Hilfsbereitschaft und dem Ma unserer Menschlichkeit.
  - Martin Luther King
%
Bevor ich eine meiner blichen Fehlentscheidungen treffe, mchte ich
erstmal ein Schlckchen Kaffee zu mir nehmen.
		-- J.T. Kirk in "Was summt denn da?"
%
Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch
nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch nachahmen, das ist der
leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.
		-- Konfuzius
%
Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen
zweiten.
		-- Konfuzius
%
Ich versuche mich mit den Menschen zu solidarisieren, sie jedoch, wenn
es mir ntig scheint, fr ihr Handeln zu kritisieren.  Ich bin
hoffnungsvoll, da dies anderen, die dies noch nicht so handhaben,
irgendwann auch gelingt!
		-- Gerold Korbus
%
Beim Rauchen bleibt mir einfach die Luft weg.
Bin ich deshalb Antiraucher?
Oder sind die anderen nicht vielmehr Anti-Nichtraucher?
		-- Gerold Korbus
%
Talente finden Lsungen, Genies entdecken Probleme.
		-- Krailsheimer
%
Das sind die wahren Wunder der Technik, da sie das, wofr sie
entschdigt auch wirklich kaputt macht.
		-- Karl Kraus
%
Nach gypten wr's nicht so weit. Aber bis man zum Sdbahnhof kommt.
		-- Karl Kraus
%
Was mich immer tief alteriert hat, das ist die
Selbstverstndlichkeit, mit der die meisten Menschen ihr Gesicht tragen.
		-- Karl Kraus
%
Helmut Kohl stand fr die Wahl 1998 wieder als Kanzlerkandidat zur
Verfgung. Er war damals ein Jahr lnger im Amt als Adenauer, fnf
Jahre lnger als Helmut Schmidt und fnfzehn Jahre lnger als ntig.
		-- Friedrich Kppersbusch
%
Verantwortlich ist man nicht nur fr das, was man tut, sondern auch
fr das, was man unterlt.
		-- Laotse
%
Nichtstun ist besser als mit viel Mhe nichts schaffen.
		-- Laotse
%
Der Eigennutz, dem man alle unsere Vergehen aufbrdet, verdient oft
das Lob fr unsere guten Handlungen.
		-- LaRochefoucauld
%
Die Gromut ist durch ihren Namen hinlnglich bezeichnet; gleichwohl
knnte man sagen, sie sei der Scharfsinn des Stolzes und das edelste
Mittel, bewundert zu werden.
		-- LaRochefoucauld
%
Wir verzeihen oft denen, die uns langweilen, aber niemals denen, die
wir langweilen.
		-- LaRochefoucauld
%
Die gefhrlichsten Menschen auf der Welt sind die enttuschten
Individualisten.
		-- Halldor Laxness
%
Des Menschen Gewissen ist ein unzuverlssiger Richter ber Recht und
Unrecht.  Es ist weiter nichts denn der Hund in uns, der, mehr oder
weniger gut abgerichtet, seinem Herrn, dem Gebot der Umgebung, gehorcht.
Es kann, je nach den Umstnden, einen guten oder einen schlechten Herrn
haben.  Manchmal kann es einen Herrn haben, der selber ein Schurke ist.
		-- Halldor Laxness
%
Das Telefon ist eine gute Mglichkeit mit anderen Menschen zu reden
ohne ihnen etwas zu Trinken abbieten zu mssen.
		-- Fran Lebowitz, "Interview"
%
Es kommt anders als man denkt, deshalb denken viele nicht, damit es nicht
anders kommt. Heute haben die ewig gestrigen wieder Zukunft.
		-- Isgard Lechleitner
%
Ich htte viele Dinge begriffen, htte man sie mir nur nicht erklrt.
		-- Stanislaw Jerzy Lec
%
Nicht geschehene Taten ziehen oft einen erstaunlichen Mangel an Folgen
nach sich.
		-- Stanislaw Jerzy Lec
%
Es mgen Situationen eintreten, in denen den Interessen der gesamten
Menschheit der Vorrang von den Klasseninteressen des Proletariats
eingerumt werden mu.
		-- Wladimir Iljitsch Lenin
%
Leben ist das was passiert, whrend Du andere Plne schmiedest.
		-- John Lennon
%
Zuerst wollen sie eine bessere Welt, aber am Ende glauben sie, ihr Ziel
nur dadurch erreichen zu knnen, da sie alles aus dieser Welt tilgen,
was zu ihrer Vorstellung von der Welt nicht pat.  Sie werden auf dem
Scheiterhaufen enden ...
		-- Donna Leon, Venezianische Scharade --
%
Es gibt Kreativitt auch ohne totale Kontrolle.
		-- Lawrence Lessig
%
Enzyme sind von Biologen erfundene Dinge, die Dinge erklren, die
ansonsten tieferes Nachdenken erfordern wrden.
		-- Jerome Lettvin
%
Auf die Arbeit schimpft man nur so lange, bis man keine mehr hat.
		-- Sinclair Lewis
%
Es ist fast unmglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedrnge zu
tragen, ohne jemanden den Bart zu versengen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Gott bevorzugt gewhnliche Menschen.  Darum schuf er so viele von ihnen.
		-- Abraham Lincoln
%
Es gibt wirklich viele Menschen die blo lesen, damit sie nicht
zu denken brauchen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der groe Kunstgriff kleine Abweichungen von der Wahrheit fr die
Wahrheit selbst zu halten, worauf die ganze Differential- Rechnung
gebaut ist, ist auch zugleich der Grund unsrer witzigen Gedanken, wo
oft das Ganze hinfallen wrde, wenn wir die Abweichungen in einer
philosophischen Strenge nehmen wrden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist eine Frage ob in den Wissenschaften und Knsten ein Bestes
mglich sei, ber welches unser Verstand nicht gehen kann. Vielleicht
ist dieser Punkt unendlich weit entfernt, ohnerachtet wir bei jeder
Nherung weniger vor uns haben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Um eine allgemeine Charakteristik zustande zu bringen, mssen wir erst
von der Ordnung in der Sprache abstrahieren, die Ordnung ist eine
gewisse Musik, die wir festgesetzt, und die in wenigen Fllen (z. E.
femme sage, sage femme) einen sonderbaren Nutzen hat. Eine solche
Sprache die den Begriffen folgt mssen wir erst haben, oder wenigstens
fr besondere Flle suchen, wenn wir in der Charakteristik fortkommen
wollen. Weil aber unsere wichtigsten Entschlsse, wenn wir sie ohne
Worte denken, oft nur Punkte sind, so wird eine solche Sprache ebenso
schwer sein zu entwerfen, als die andere, die daraus gefolgert werden
soll.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Gesichter der Menschen sind oft bis zum Ekelhaften hlich. Warum
dieses? Vermutlich konnte die ntige Verschiedenheit der Gemts-Arten
nicht erhalten werden ohne eine solche Einrichtung; man kann dieses
als eine Seelen-Charakteristik ansehen, welche zu lesen wir uns
vielleicht mehr befleiigen sollten. Um einigen Grund in dieser
schweren und weitlufigen Wissenschaft zu legen mte man, bei
verschiednen Nationen, die grten Mnner, die Gefngnisse und die
Tollhuser durchsehen, denn diese Fcher sind so zu reden die 3
Hauptfarben, durch deren Mischung gemeiniglich die brigen entstehen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn man, wie die Metaphysiker oft verfahren, glaubt man verstehe
etwas, das man nicht versteht, so kann man dieses nennen affirmative
nescire.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Pythagoras konnte einer einzigen Erfindung halber hundert Ochsen
opfern, Kepler wrde bei seinen vielen Entdeckungen zufrieden gewesen
sein, wenn er 2 gehabt htte.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Bei einem groen Genie gehet das in einem Augenblicke vor, was oft bei
einem andern ganze Stunden dauert. Ein gewisser Mensch, der eben keine
groen Gaben hatte, hielt einen zum Betrug mit der Feder nachgemachten
Druck eine Stunde wirklich dafr, andere sahen es im ersten
Augenblick.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Elastizitt der Krper (und es wird wohl keine vllig harten oder
vllig weichen geben) ist gleichsam das Leben derselben, wir bekommen
dadurch ein Gefhl ihrer Gegenwart durch das Gehr, Gesicht und fters
das Gefhl, ein Krper, welcher dieses Lebens beraubt ist, wrde,
unkenntlich und unbrauchbar, seine Lcke ausfllen. Die elastischen
Krfte der Krper sind die Dolmetscher wodurch sie so zu sagen mit uns
sprechen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist schwer anzugeben, wie wir zu den Begriffen gekommen sind die
wir jetzo besitzen, niemand, oder sehr wenige werden angeben knnen,
wenn sie den Herrn von Leibniz zum erstenmal haben nennen hren: weit
schwerer aber wird es noch sein, anzugeben, wenn wir zum erstenmal zu
dem Begriff gekommen, da alle Menschen sterben mssen, wir erlangen
ihn nicht so bald, als man wohl glauben sollte. So schwer ist es den
Ursprung der Dinge anzugeben, wenn wir hierin (etwas) in Dingen auer
uns zustande bringen wollen?
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Da schon Herr Goguet leugnet, da wir die Geometrie dem Nil zu danken
htten, sondern vielmehr der frhzeitigen guten Einrichtung des
gyptischen Staats, der unmglich [ohne] eine Geometrie lang htte
bestehen knnen, so ist die Frage, ob man wirklich durch die
Einteilung der Felder auf die Geometrie gekommen sei oder ob man eine
schon vorher gefundene Theorie angewendet habe? Diese Einteilung kann
freilich nicht ohne Geometrie verrichtet werden, und der dmmste Bauer
wird auf geometrische Lehrstze verfallen, wenn er ein Feld in gleiche
Teile teilen wollte. Allein ein Volk kann es hierin sehr weit bringen
ohne ohne jemals auf den Satz von der Gleichheit der Dreiecke zu
verfallen. Unsere Kunstgrtner sind keine Geometers, allein sie wissen
sich aus allen Fllen oft sehr geschickt zu helfen. Es wre eine
Frage, was wohl im gemeinen Leben am geschicktesten die Menschen auf
wichtige geometrische Stze zu fhren. Gewi ist es, da man nicht von
der graden Linie darauf gekommen sei.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Erfindung der wichtigsten Wahrheiten hngt von einer feinen
Abstraktion ab, und unser gemeines Leben ist eine bestndige
Bestrebung uns zu derselben unfhig zu machen, alle Fertigkeiten,
Angewohnheiten, Routine, bei einem mehr, als bei dem andern, und die
Beschftigung der Philosophen ist es, diese kleinen blinden
Fertigkeiten, die wir durch Beobachtungen von Kindheit an uns erworben
haben, wieder zu verlernen. Ein Philosoph sollte also billig als ein
Kind schon besonders erzogen werden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Am Ende der Sammlung von Leibnizischen Schriften, die Herr Raspe in
Hannover besorgt hat, steht eine Abhandlung unsers groen Weltweisen
von der Characteristica universali, wo verschiedene schne Sachen von
ihm selbst vorkommen. Er sagt unter anderem, er habe in allen
Wissenschaften, die er gelernet htte, gleich erfinden wollen, auch
wenn er fters mannigmal die principia noch nicht inne gehabt htte,
dieses habe ihn endlich bewogen, auf die ersten Grundstriche der
Wissenschaften zurckzugehen und daher sich aus allen Fllen durch
eigene Regeln herauszuhelfen. Bei dieser Gelegenheit, fhrt er fort,
Incidi in contemplationem admirandam, quod scilicet excogitari possit
quoddam Alphabetum cogitationum humanarum, et quoad litterarum hujus
alphabeti combinatione et vocabulorum ex ipsis factorum analalysi
omnia inveniri et dijudicari possent. Eine Art, wie dieses zu
bewerkstelligen sei, sagt er, habe er schon, nur fehle es ihm noch an
geschickten Zeichen. Es ist dieses diejenige Wissenschaft, wovon ein
undeutliches Gefhl die Menschen auf die Cabbala gebracht hat, welches
aber lauter elende Irrwege waren. Jacobus Bohemus hat unter seiner
Natursprache vielleicht etwas hnliches verstanden. Niemand, sagt
Leibniz, wrde mehr hierin haben leisten knnen, als Joachim Jung aus
Lbeck, ein groes und tiefsinniges Genie, das aber wenig bekannt
geworden ist. Dabei uert er einige sehr artige Gedanken: er sagt
numerus est quasi figura metaphysica, et arithmetica statica universi,
qua rerum potentiae explorantur.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn wir auf einen Gegenstand hinsehen, so sehen wir noch viele andere
zugleich mit, aber weniger deutlich. Es ist die Frage, ob dieses
Gewohnheit ist, oder ob es eine andere Ursache habe? Im ersten Fall
mten wir uns auch angewhnen knnen Dinge deutlich zu sehen,
ohnerachtet wir unsere Augen nicht unmittelbar darauf wenden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Man knnte in einer besonderen Wissenschaft die niedrigeren Stufen so
wohl als die hheren der Dinge betrachten, wie sie jetzo sind, und das
Grte und kleinste darinnen bestimmen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
So wie das Ohr Verhltnisse mit, so berechnet vielleicht die Zunge
Flchen von Krpern.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
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Eine geringe Vernderung in der gemeinsten Verknpfung der Dinge kann
unsere Abstraktion leicht so sehr verwirren, da man mit leichter Mhe
Taschenspieler-Knste aus den gewhnlichsten Dingen herauslockt, wenn
man kleine Umstnde verndert.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Bemhung ein allgemeines Principium in manchen Wissenschaften zu
finden ist vielleicht fters ebenso fruchtlos, als die Bemhung
derjenigen sein wrde, die in der Mineralogie ein erstes Allgemeines
finden wollten durch dessen Zusammensetzung alle Mineralien entstanden
seien. Die Natur schafft keine genera und species, sie schafft
individua und unsere Kurzsichtigkeit mu sich hnlichkeiten aussuchen
um vieles auf ein Mal behalten zu knnen. Diese Begriffe werden immer
unrichtiger je grer die Geschlechter sind, die wir uns machen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
In Werken des Geschmacks ist es sehr schwer weiter zu kommen, wenn man
schon einigermaen weit ist, weil leicht hierin ein gewisser Grad von
Vollkommenheit unser Vergngen werden kann, so da wir nur diesen Grad
zum Endzweck unserer Bemhungen setzen weil dieser unsern ganzen
Geschmack ausfllt, in andern Stcken, die nicht blo auf das
Vergngen ankommen, verhlt es sich ganz anders, daher haben wir in
den letzteren den Alten es weit zuvorgetan, in den ersten aber sind
wir noch tief unter ihnen, ohnerachtet wir sogar Muster von ihnen vor
uns haben. Dieses kommt daher, das Gefhl des neueren Knstlers ist
nicht scharf genug, es geht nur bis auf die krperliche Schnheiten
seines Musters, und nicht auf die moralischen wenn ich so reden darf.
Man kann das Gesicht eines redlichen Menschen sehen, man kann es aber
auch gewissermaen fhlen, das letztere ist das erstere verbunden mit
einer Rcksicht auf das moralische Gute, womit wir in ihm oft die
Mienen begleitet sehen. Was ich hier sagen will wird wohl jeder
verstehen fr den ich eigentlich schreibe. Solange der Knstler nur
blo nach den Augen zeichnet, wird er nie einen Laokoon herausbringen,
der etwas mehr als Zeichnung hat, der mit Gefhl verfertigt ist.
Dieses Gefhl ist dem Knstler unumgnglich ntig, aber wo soll er es
lernen und wie? Unsre sthetiken sind bei weitem noch nicht praktisch
genug.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die grten Dinge in der Welt werden durch andere zuwege gebracht, die
wir nichts achten, kleine Ursachen, die wir bersehen, und die sich
endlich hufen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
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Es ist nicht so angenehm, wenn uns andere von einem Taschenspieler
erzhlen, als ihn selbst zu sehen, weil uns bei dem ersten immer ein
Grad von Unglauben zurckbleibt, oder wir denken, die erzhlende
Person sei nicht fein genug gewesen, wie sie die Sache betrachtet
habe.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Rousseau nennt mit Recht den Akzent die Seele der Rede (Emile p. 96 T.
1.) und Leute werden von uns oft fr dumm angesehn und wenn wir es
untersuchen, so ist es blo der einfache Ton in ihren Reden. Weil nun
dieses bei den Schriften wegfllt, so mu der Leser auf den Akzent
gefhrt werden, dadurch da man deutlicher durch die Wendung anzeigt,
wo der Ton hingehrt, und dieses ist es, was die Rede im gemeinen
Leben vom Brief unterscheidet und was auch eine blo gedruckte Rede
von derjenigen unterscheiden sollte, die man wirklich hlt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Einflu des Stils auf unsere Gesinnungen und Gedanken, von dem ich
an einem andern Ort geredet habe, zeigt sich sogar bei dem sonst
genauen Linnaeus, er sagt die Steine wachsen, die Pflanzen wachsen und
leben, die Tiere wachsen leben und empfinden, das erste ist falsch,
denn der Wachstum der Steine hat keine hnlichkeit mit dem Wachstum
der Tiere und Pflanzen. Vermutlich hat ihn das Steigende des
Ausdrucks, den er bei den letzten gesprt hat, auf den Gedanken
gebracht, auch die erstem mit unter diese Klasse zu bringen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Versart den Gedanken anzumessen ist eine sehr schwere Kunst, und
eine Vernachlssigung derselben ist ein wichtiger Teil des
Lcherlichen. Sie verhalten sich beide zusammen wie im gemeinen Leben
Lebens-Art und Amt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Was mgen dieses wohl fr verborgene Gesetze und Wege sein, durch
welche die Natur die Triebe in dem nmlichen Tier abndert und ihn
seine vorige vergessen macht. Das Hhnchen kriecht unter seine Glucke.
Es wird endlich selbst eine Glucke und kriecht nicht mehr unter,
sondern lt unter sich kriechen. Bei allen Tieren ist der uere
Zustand ihres Krpers und die Vernderung der sinnlichen Werkzeuge
derselben allzeit eine Funktion ihrer Handlungen und ihrer Lebensart.
Bei dem Menschen ist dieses zwar auch wahr, allein indem eine der
vernderlichen Gren zunimmt, kann die andere abnehmen und umgekehrt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Da alle Glieder der Tiere eine sehr weisliche Absicht ihres groen
Schpfers zeigen, so fragt sich, warum die Menschen oft Gewchse,
Glieder ohne Absicht bekommen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Esel haben die traurige Situation, worin sie jetzo in der Welt
leben, vielleicht blo dem witzigen Einfall eines losen Menschen zu
danken, dieser ist schuld, da sie zum verchtlichsten Tier auf immer
geworden sind und es auch bleiben werden, denn viele Eselstreiber
gehen deswegen mit ihren Eleven so frchterlich um, weil es Esel,
nicht weil es trge und langsame Tier sind.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Plato sagt das poetische Genie werde durch die Harmonie und die
Versart rege gemacht, und dieses setze den Dichter in den Stand ohne
berlegung seine Gedichte zu verfertigen. Plato thou reason'st well,
ein jeder wird dieses bei sich versprt haben, wenn er mit Feuer Verse
gemacht hat, vielleicht knnten wir durch hnliche Kunstgriffe unsre
brige Fhigkeiten ebenso in Bewegung setzen, hauptschlich auch die
Ausbung der Tugend. Eine groe Fertigkeit im Dividieren und zwar nach
der Methode, die man ber sich dividieren heit, die ich bei jemand
bemerkte, brachte mir zuerst den Lusten zur Rechenkunst bei; ich
dividierte mehr der eifrmigen Gestalt der Auflsung willen, als aus
einer andern Absicht. Ich habe junge Mathematicos gekannt (Herrn
Klgel und Herrn von Hahn) die oft ein solches Vergngen darin
(fanden) die Worte Calcul und Vues in dem Calcul auszusprechen, da
ich nicht zweifle, da kleine Neben-Ergtzlichkeiten, die sie in
dergleichen Vorstellungen fanden, ihren Flei munter erhalten haben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn wir uns eine Philosophie entwerfen wollen die uns im Leben ntzen
soll, oder wenn wir allgemeine Regeln zu einem bestndig vergngten
Leben geben wollen, so mssen wir freilich von dem abstrahieren, was
eine gar zu groe Verschiedenheit in die Betrachtungen bringt,
ohngefhr wie wir in der Mechanik oft tun, wenn wir Friktion und
andere dergleichen besondere Eigenschaften der Krper vergessen um uns
die Berechnung nicht zu schwer zu machen, oder wenigstens nur einen
Buchstaben an ihre Stelle setzen. Kleine Unglcksflle bringen
ohnstreitig eine groe Ungewiheit in diese praktische Regeln hinein,
daher mssen wir uns dieser entschlagen, und uns nur gegen die
Bezwingung der greren wenden. Dieses ist ohnstreitig der wahre
Verstand verschiedner Stze der stoischen Philosophie.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Aberglauben gemeiner Leute rhrt von ihrem frhen und allzu
eifrigen Unterricht in der Religion her, sie hren von Geheimnissen,
Wundern, Wirkungen des Teufels, und halten es fr sehr wahrscheinlich
da dergleichen Sachen berall in allen Dingen geschehen knnten.
Hingegen wenn man ihnen erst die Natur selbst zeigte, so wrden sie
leichter das bernatrliche und Geheimnisvolle der Religion mit
Ehrfurcht betrachten, da sie hingegen jetzo dieses fr etwas sehr
Gemeines halten, so da sie es fr nichts Sonderliches halten, wenn
ihnen jemand sagte, es wren heute 6 Engel ber die Strae gegangen.
Auch die Bilder in den Bibeln taugen nicht fr Kinder.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es gibt keine Synonyma, die Wrter die wir dafr halten haben ihren
Erfindern gewi nicht Einerlei sondern vermutlich Species ausgedruckt.
Bttner.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
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Die Schnecke baut ihr Haus nicht, sondern es wchst ihr aus dem Leib.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
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Man knnte die Gewohnheit eine moralische Tradition nennen, etwas, was
den Geist nicht leicht ber die Dinge hinstreichen lt, sondern ihn
damit verbindet, so da es ihm schwer wird, sich davon los zu machen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
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Aus den Trumen der Menschen, wenn sie dieselben gnau anzeigten, liee
sich vielleicht vieles auf ihren Charakter schlieen. Es gehrte aber
dazu nicht etwa einer sondern eine ziemliche Menge.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Jeder Gedanke hat gewi bei uns eine besondere relative Stellung der
Teile unsers Krpers, die ihn allemal begleitet, allein Furcht oder
berhaupt Zwang ersticken und hemmen sie oft ohnerachtet sie freilich
nicht allemal so heftig sind, da sie andern in die Sinne fallen, so
sind sie doch da und der Geist zeigt sich desto freier je weniger er
diese uere Bewegungen an sich halten darf, denn ein solches
Zurckhalten schadet dem freieren Fortgang der Gedanken ebensosehr als
der Zorn, den man nicht darf ausbrechen lassen. Daher sieht man warum
in einer Versammlung von den vertrautesten Freunden die guten Gedanken
sich selbst nach und nach herbeifhren.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Am 4ten Julii 1765 lag ich an einem Tag, wo immer heller Himmel mit
Wolken abwechselte, mit einem Buche auf dem Bette, so da ich die
Buchstaben ganz deutlich erkennen konnte, auf einmal drehte sich die
Hand, worin ich das Buch hielt, unvermutet, ohne da ich etwas
versprte, und weil dadurch mir einiges Licht entzogen wurde, so
schlo ich es mte eine dicke Wolke vor die Sonne getreten sein, und
alles schien mir dster, da sich doch nichts von Licht in der Stube
verloren hatte. So sind oft unsere Schlsse beschaffen, wir suchen
Grnde in der Ferne, die oft in uns selbst ganz nahe liegen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Eine sehr ntzliche und wichtige Frage, die wir allezeit an uns selbst
tun sollten, ist ohnstreitig diese: Wie kann ich dieses Ding oder den
gegenwrtigen Augenblick am besten ntzen? Das Maximum das hier
stattfindet wird sich wohl schwerlich allemal sogleich finden lassen,
zwischen allen den mglichen Verrichtungen,die sich mit gleichen
Krften in einem Augenblick tun lassen, ist eine groe
Verschiedenheit, und eine ebenso groe zwischen denjenigen die sich
mit der strksten Kraft die in meiner Macht stehet, in einem jeden
Augenblick tun lt. Das Ma des inneren Werts unserer moralischen
Handlungen wird also wohl dieses sein, da wir sie so weit treiben bis
auf den Punkt, da sie uns verdrlich werden wrden, wenn wir ihn
berschritten, alsdenn sind wir versichert, da wir die grte Kraft
angewendet haben, und dieses tun auch tugendhafte Leute wrklich, ohne
es zu wissen. Die grte Kraft aber am besten zu gebrauchen ist eine
Sache die schwerer zu bestimmen ist, und solange wir hier noch keine
Tafel ber unserer Pflichten haben, wo sie nach ihrem Wert geordnet
sind, so wird sich wohl schwerlich das perfice te mit einigem Nutzen
anwenden lassen, alsdann werden wir berechnen knnen, wenn in jeder
Handlung die wir unternehmen, das was darin Gott, uns selbst und
andere Geschpfe angeht die grte Summe geben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
In den Fragen im gemeinen Leben, wie man etwas am besten tun knnte,
wird ein gewisses Maximum gesucht.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
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Man sollte in der Woche wenigstens einmal ditetische Predigten in der
Kirche halten, und wenn diese Wissenschaft auch von unsern Geistlichen
erlernt wrde, so knnte man doch geistliche Betrachtungen
einflechten, die sich gewi hier sehr gut wrden anbringen lassen,
denn es ist nicht zu glauben (wie) geistliche Betrachtungen mit etwas
Physik vermischt die Leute aufmerksam erhlt, und ihnen Gott strker
darstellt, als die oft bel angebrachten Exempel seines Zorns.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wir wrden gewi Menschen von sonderbarer Gemts-Art kennen lernen,
wenn die groen Striche die jetzo Meer sind, bewohnt wren, und wenn
vielleicht in einigen Jahrtausenden unser gegenwrtiges festes Land
Meer und unsere Meere Lnder sein werden, so werden ganz neue Sitten
entstehen, ber die wir uns jetzo sehr wundern sollten.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Furcht vor dem Tod, die den Menschen eingeprgt ist, ist zugleich
ein groes Mittel, dessen sich der Himmel bedient, sie von Untaten
abzuhalten, vieles wird aus Furcht vor Lebensgefahr oder Krankheit
unterlassen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Da der Mensch grob sndigen kann, daran ist mehr die Beschaffenheit
der ueren Dinge als seine eigene Schuld, knnte er nicht die Wirkung
gewisser Dinge hindern, andere zerstren, wie knnte er stehlen, wenn
alles, was er gegen die Wesen auer ihm vornhme, denselben zum
Vorteil gereichte?
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Beweis der Philosophen, da es ein knftiges Leben gebe, wenn sie
sagen, Gott knne sonst den letzten Augenblick nicht belohnen, gehret
mit unter die Beweise durch Exempel, wir belohnen immer nach der Tat,
daher belohnt Gott auch so, wir tun es aus Mangel der Voraussehung, wo
uns diese nicht hindert, so belohnen wir auch zum voraus, wir
praenumerieren ja auf Universitten. Kann Gott nicht auch
praenumeriert haben? Wenn Plutarch sagt: Whrend dem Streit werden die
Sieger nicht gekrnt, sondern nach demselben; ist mit dem
vorhergehenden verdeckt einerlei, ein bloes Gleichnis, eine Art zu
beweisen, die so falsch und so gemein ist.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Speisen haben vermutlich einen sehr groen Einflu auf den Zustand
der Menschen, wie er jetzo ist, der Wein uert seinen Einflu mehr
sichtbarlich, die Speisen tun es langsamer, aber vielleicht ebenso
gewi, wer wei ob wir nicht einer gut gekochten Suppe die Luftpumpe
und einer schlechten den Krieg oft zu verdanken haben. Es verdiente
dieses eine gnauere Untersuchung. Allein wer wei ob nicht der Himmel
damit groe Endzwecke erreicht, Untertanen treu erhlt, Regierungen
ndert und freie Staaten macht, und ob nicht die Speisen das tun was
wir den Einflu des Klima nennen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wir mssen uns freilich unsre gegenwrtigen Augenblicke allemal zu
Nutz zu machen suchen, und dieses wre nicht sehr schwer, denn wir
drften nur jeden Augenblick tun, was uns am meisten gefllt, allein
wer sieht nicht da uns bald Stoff dazu fehlen wrde. 2 Jahre so
hingebracht wrden uns alle knftige verderben; jeder gegenwrtige
Augenblick ist ein Spiegel aller knftigen und unser gegenwrtiges
Vergngen, verglichen mit dem da er ein knftiger wird kann darin ein
grtes werden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wir finden nur alsdann Vergngen, wo wir Absicht bemerken, wenigstens
urteilt unser Auge und Ohr nach diesem Grundsatz, der Flgel des
Schmetterlings gefiel anfangs wegen der regelmigen Farben, dieses
ward man gewohnt, und jetzt gefllt er wieder von neuem, wenn man
sieht, da er aus Federn besteht, der Quarz mehr als [der] unfrmliche
Sandstein. Vergngen zu erwecken mssen wir dieses aufsuchen in den
Dingen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Heftigen Ehrgeiz und Mitrauen habe ich noch allemal beisammen
gesehen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wir arbeiten fters daran einen lasterhaften Affekt zu dmpfen, und
wollen dabei unsere brigen guten alle behalten, dieses kommt aus
unserer Methode her, womit wir den Menschen schildern, wir sehen den
Charakter desselben nicht als ein sehr richtig zusammengefgtes Ganzes
an, das nur in seinen Teilen verschiedene relative Stellungen annehmen
kann, sondern wir sehen die Affekte wie aufgeklebte Schnpflsterchen
an, die wir verlegen und wegwerfen knnten. Viele dergleichen Irrtmer
beruhen auf den dabei so ntigen Sprachen, weil diese keine Verbindung
notwendig unter sich haben, sondern sie erst durch die beigefgte
Erinnerungen bekommen, so kommt die gewhnlichste Bedeutung uns immer
in den Sinn, sobald man die Erinnerung ein wenig nur aus der Acht
lt, daher wenn eine allgemeine Charakteristik erfunden werden soll,
so mu notwendig erst eine solche Sprache hervorgesucht werden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Zu den Werken unsrer Kunst werden bestndig Dinge verschwendet, alles
mu bei uns strker gemacht werden, als der Gebrauch es erfordert,
weil wir nicht alle Umstnde bersehen knnen, bei unsern Kleidern,
Schrnken, Sthlen, Husern mssen wir allzeit in die wahre Gleichung
der Dinge noch eine unbestimmte Gre hinzusetzen, die wir nach
Gefallen annehmen. Wenn ab hinlnglich wre, etwas zu erreichen, ohne
da man das geringste davon nehmen knnte, so mssen wir ab + x dafr
nehmen, da die Natur allemal ab + d setzt und auf einmal alles
bestimmt, durch Vernderung dieses d macht die Natur Varietten und
befrdert die ntige gnzliche Vernderung, wenn es negativ wird.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ich habe etliche mal bemerkt, da ich Kopf-Weh bekam, wenn ich mich
lange in einem Hohl-Spiegel betrachtete.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn ich bisweilen viel Kaffee getrunken hatte und daher ber alles
erschrak, so konnte ich ganz gnau merken, da ich eher erschrak, ehe
ich den Krach hrte, wir hren also gleichsam noch mit anderen
Werkzeugen als mit den Ohren.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Leute, die nicht die feine Verstellungskunst vllig inne haben, und
andere mit Flei hintergehen wollen, entdecken uns gemeiniglich das
Generelle ihrer ganzen Denkungs-Art bei der ersten Zusam- menkunft,
wer also der Neigung eines andern schmeicheln will und sich in
dieselbe schicken lernen will, der mu bei der ersten Zusammenkunft
sehr acht geben, dort findet man gemeiniglich die bestimmende Punkte
der ganzen Denkungs-Art vereinigt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ich trumte neulich an einem Morgen, ich lge wachend im Bette und
knnte keinen Atem bekommen, darauf erwachte ich ganz helle und
sprte, da ich nur ganz mig Mangel nach meiner damaligen Lage daran
hatte, einem blo fhlenden Krper kommen bse Empfindungen allzeit
grer vor, als einem, der mit einer denkenden Seele verknpft ist, wo
selbst oft der Gedanke, da die Empfindungen nichts zu bedeuten haben,
oder da man sich, wenn man nur wollte, davon befreien knnte, vieles
vom unangenehmen vermindert. Wir liegen fters mit unserm Krper so,
da gedrckte Teile uns heftig schmerzen, allein, weil wir wissen, da
wir uns aus dieser Lage bringen knnten, wenn wir nur wollten, so
empfinden wir wirklich sehr wenig. Dieses bestrkt eine Anmerkung, die
ich unten gemacht habe, nmlich, da man sich durch drcken die
Kopfschmerzen vermindern kann.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Tod ist eine unvernderliche Gre, allein der Schmerz ist eine
vernderliche, die unendlich wachsen kann. Dieses ist ein Satz, den
die Verteidiger der Folter zugeben mssen, denn sonst foltern sie
vergeblich, allein in vielen wird der Schmerz ein Grtes und kleiner
als der Tod.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
vid auf der 5t. S. dieses Buchs. Herr Unzer beweist in seinem Arzt T.
VI. St. 146 aus denen Nachrichten des Herrn Khlers, der selbst in
Italien war, da die Krankheit, die man mit Musik kuriert gar nicht
von der Tarantel herkomme, sondern man mutmae es nur, es sei in der
Tat eine Art von Milzsucht, wobei Personen wrklich sehr alt werden
knnen, und nur allemal im Junius tanzen, sollte nicht diese Meinung
da diese Spinne den Stich hervorbringe aus der Sprache knnen
hergeleitet werden. Denn es ist mir sehr wahrscheinlich da die
meisten Irrtmer des Pbels aus der Sprache stammen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der berhmte Bauer Jededioh Buxton nicht weit von Chesterfield in
Derbishire dessen im Gentlemans Magazin Febr: 1751 Erwhnung geschieht
hatte ein so erstaunliches Gedchtnis und Einbildungskraft da er das
Quadrat dieser Zahl 725958238096074907868531656993638851106 im Kopf
machte, er brachte aber drittehalb Monate mit zu, wobei er lange
ausruhte und dann wieder fortfuhr. Er fand sie
5270153634595573856737335426385917212132989660793075249043813894992516
37423236. Er hatte niemals schreiben gelernt und vermutlich wrde er
nicht so haben rechnen lernen, wenn er schreiben gekonnt htte. Diesen
Punkt sollte alle die Personen recht durchdenken, welche Leute zu
einer gewissen Absicht erziehn wollen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Das Argument gegen die Materialisten, welches Herr Untzer. Arzt T. VI
148 St. negiert, und welches von der Vernderung unseres Krpers
hergeholt ist, hat wirklich einiges Gewicht. Es ist klar, die Teile
sind nicht mehr wir, wenn wir einige Jahre lter sind, wie knnten
sukzessive Seelen so zu sagen sich ihr Bewutsein mitteilen. Man kann
freilich antworten, da die Vernderung sehr allmhlich geschehe, so
wie sich in der ersten Welt Dinge durch Tradition fortgepflanzt haben,
ohneracht die Welt alle 80 Jahre eine andere war. So wird Lamettrie
antworten. Ein anderer Beweis, auf den Herr Fontenelle sehr viel hlt,
da nmlich sich die erstaunten Wirkungen eines Gedankens auf den
Krper nicht erklren lieen, wenn der Gedanke nach den Regeln der
Mechanik wirkte, ist nicht viel erheblicher. Es ist wahr, ein Mensch,
dem ich ganz sachte ins Ohr sage er werde arretiert werden, wenn er
sich nicht augenblicklich fortmachte, geht durch und lauft viele
Meilen mit der erschrecklichsten Bewegung fort. Allein nicht zu
gedenken, da wir die Wirkung eines Dings nicht nach dem Schalle
schtzen mssen, den das Wort [macht], welches ihn erregt, so wenig,
als man ein Crimen laesae majest[atis]. nach dem Knalle schtzt, den
es tut, so wirkt der Gedanke bestndig, und vielleicht auf eine Art,
wie der Funke auf das Pulver.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Herr Gunkel kann die Pupille willkrlich kleiner und grer machen, im
ersten Fall kann er kein Objekt mehr unterscheiden, ich [habe] mir
diesen Versuch von ihm 100mal machen lassen. Ob nun sein Wille
unmittelbar auf die Trauben-Haut wirkt, oder ob er sonst einen dem
Willen mehr unterworfenen Teil des Auges in Bewegung setzt, auf den
die Verengerung der Pupille mechanisch folgt, wei ich nicht.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Vorurteile sind so zu reden die Kunsttriebe der Menschen, sie tun
dadurch vieles, das ihnen zu schwer werden wrde bis zum Entschlu
durchzudenken, ohne alle Mhe.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Eine Sprache, die allemal die Verwandschaft der Dinge zugleich
ausdrckte, wre fr den Staat ntzlicher als Leibnitzens Charak-
teristik. Ich meine solche wie zum Ex. Seelsorger statt Prediger,
Dummkopf statt Stutzer, Wassertrinker statt Anakreontischer Dichter.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ich wnschte mir an jedem Abend die Sekunde des vergangenen Tages zu
wissen, da mein Leben den geringsten Wert hatte, das ist, da, wenn
Reinigkeit der Absichten, und Sicherheit des Leben Geld wert sind, ich
am allermeisten wrde gegolten haben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Debitum naturae reddere heit auf lateinisch gemeiniglich sterben. O
es knnte noch mehr heien! Viele Schwachheiten die wir begehen sind
Schulden, die wir der Natur bezahlen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Man mu sich in acht nehmen, da man um die Mglichkeit mancher Dinge
zu erweisen nicht gar zu bald auf die Macht eines hchstvollkommenen
Wesens appelliert, denn sobald man z.E. glaubt [da] Gott die Materie
denken mache, so kann man nicht mehr erweisen, da ein Gott auer der
Materie sei.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der dreifache Punkt bei den krummen Linien ist wenigstens ein eben so
schickliches Bild der Dreieinigkeit, als die Leibnizsche 1 ein Bild
des Heiligen Geistes bei der Schpfung ist.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Unser Leben hngt so gnau in der Mitte zwischen Vergngen und Schmerz,
da uns schon zuweilen Dinge schdlich werden knnen, die uns zu
unserm Unterhalt dienen, wie ganz natrlich vernderte Luft, da wir
doch in die Luft geschaffen sind. Allein wer wei, ob nicht vieles von
unserm Vergngen von diesem Balancement aghngt, diese Empfindlichkeit
ist vielleicht ein wichtiges Stck von dem, was unsern Vorzug vor den
Tieren ausmacht.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Eine Empfindung die mit Worten ausgedruckt wird, ist allzeit wie Musik
die ich mit Worten beschreibe, die Ausdrcke sind der Sache nicht
homogen genug. Der Dichter, der Mitleiden erregen will, verweist doch
noch den Leser auf eine Malerei und durch diese auf die Sache. Eine
gemalte schne Gegend reie augenblicklich hin, da eine besungene erst
im Kopf des Lesers gemalt werden mu. Bei der ersten hat der Zuschauer
nichts mehr mit der Einrichtung zu tun, sondern er schreitet gleichsam
zum Besitz, wnscht sich die Gegend, das gemalte Mdgen, bringt sich
in allerlei Situationen, vergleicht sich mit allerlei Umstnden bei
der Sache.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist in der Tat ein sehr blindes und unsern aufgeklrten Zeiten sehr
unanstndiges Vorurteil, da wir die Geographie und die rmische
Historie eher lernen, als die Physiologie und Anatomie, ja die
heidnische Fabellehre eher, als diese fr Menschen beinah so
unentbehrliche Wissenschaft da sie nchst der Religion sollte
getrieben werden. Ich glaube da einem hheren Geschpfe, als wir
Menschen sind, dieses das reizendste Schauspiel sein mu, wenn er
einen groen Teil des menschlichen Geschlechts starr ein paar tausend
Jahre hinter sich gehen she, und aufs Ungewisse und unter dem
Freibrief Regeln fr die Welt aufzusuchen sich und der Welt unntz
sterben, [die] ihren Krper der doch ihr vornehmster Teil war nicht
kannten, da ein Blick auf ihn sie, ihre Kinder, ihren Nchsten, ihre
Nachkommen, htte glcklich machen knnen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ein gewisses groes Genie fngt aus einem besondern Hang an eine
Verrichtung vorzglich zu treiben, weil es schwer war, so wird er
bewundert, andere reizt dieses. Nun demonstriert man den Nutzen dieser
Beschftigungen. So entstehen Wissenschaften.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es wre zu untersuchen, was man zum allgemeinen Mastab der
Bedienungen in der Welt annehmen soll, um gleich einer Nation
begreiflich zu machen, wie hoch ein gewisser Mann anzusehen sei. Es
fragt [sich] also gleich, gibt es Leute, die solche Verrichtungen
haben, die bei allen Nationen ntig sind und bei allen gleich hoch
geschtzt werden. Die Priester lassen sich wohl nicht dazu annehmen,
dieser Mastab ist sehr ungewi und in vielen Lndern zu klein. Ein
Mdgen ginge noch eher an, diese werden ziemlich gleichfrmig in
Europa wenigstens geliebt. So da ich glaube, da der Ausdruck
bedeutender ist: er liebte ihn, wie sein Mdgen, als der: er liebte
ihn wie seinen Vater.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Mensch scheint eine Kreatur zu sein, die sehr zur abgenderten
Witterung gemacht zu sein scheint, weil er unter der Linie und an den
Polen dumm ist.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wir empfinden nicht die unmittelbare Berhrung uerer Krper beim
Sehen und Hren, sagt Home, wie bei den brigen Sinnen. (Wenn wir
keine Augen htten, so wrde vielleicht die Empfindung des Gefhls
ebenso innerhalb uns vorzugehen scheinen; allein unsere Augen machen,
da wir die Empfindung dahin versetzen, wo wir sehen, da der Grund
liegt p. m.)
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Um uns ein Glck, das uns gleichgltig scheint, recht fhlbar zu
machen mssen wir immer denken, da es verloren sei, und da wir es
diesen Augenblick wieder erhielten. Es gehrt aber etwas Erfahrung in
allerlei Leiden dazu um diese Versuche glcklich anzustellen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Diejenigen verba, welche die Leute tglich im Munde fhren, sind in
allen Sprachen die irregulrsten. Sum, Sono, eimi, ich bin, Je suis,
Jag r, I am.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Kritiker lehren uns, uns an die Natur zu halten, und die
Schriftsteller lesen es, sie halten es aber immer fr sicherer sich an
Schriftsteller zu halten, die sich an die Natur gehalten haben. Die
meisten lesen die Regeln des Hume und wenn sie schreiben wollen denken
sie an eine Stelle des Shakespeare. Es ist freilich gut ein so groes
Original vor Augen zu haben, allein es ist klar, da, wenn man eine
solche Kopie nicht erreicht, die Entfernung davon nach der Seite zu
geschieht die von der Natur noch weiter abweicht, oder es mu ein
groes Genie sein, das sich der Natur noch mehr nhert als die erste
Kopie derselben. Geschieht aber dieses, so mu notwendig der Verfasser
mehr die Natur als die Kopie zu erreichen gesucht haben, und man kann
eigentlich alsdann nicht mehr sagen, da er nach einer Malerei
gezeichnet hat, sondern er bedient sich derselben nur so wie man sich
in der praktischen Geometrie des Augenmaes zuweilen bedient Messungen
zu probieren, nicht um dadurch berhaupt zu sehen ob man gnau gemessen
hat, sondern zu sehen ob man nicht durch einen Irrtum in der Rechnung
einen Fehler begangen hat, der die Hlfte des Gesuchten betrgt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Entschuldigungen, die man bei sich selbst sich macht wenn man
etwas unternehmen will, sind ein vortrefflicher Stoff fr Monologen,
denn sie werden selten anders gemacht, als wenn man allein ist und
sehr oft laut.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn man einen guten Gedanken liest, so kann man probieren, ob sich
etwas hnliches bei einer andern Materie denken und sagen lasse. Man
nimmt hier gleichsam an, da in der andern Materie etwas enthalten sei
das diesem hnlich sei. Dieses ist eine Art von Analysis der Gedanken,
die vielleicht mancher Gelehrter braucht ohne es zu sagen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist etwas Unbegreifliches, da es uns schwer wird, in Komdien
natrlich zu schreiben, da uns doch das natrliche am natrlichsten
ist. Es kommt blo daher, da wir das natrliche mit einem Ausdrucke
zuweilen verbinden mssen, der nicht so ganz gemein ist, und man ist
sehr geneigt, wenn der Geschmack sich nicht auf Philosophie und
Vernunft und das menschliche Herz grndet, die Grenzen zu
berschreiten.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Dinge, die man tglich vor Augen sieht von einer anderen Seite zu
betrachten, oder vielmehr durch ein Vergrerungsglas anzusehen, ist
oft ein Mittel, die Welt mit Erfolg zu lehren. Lebermllersche
Belustigungen lieen sich auch in der Moral schreiben. Eins solches
Mikroskop wrde uns unglaubliche Dinge zeigen. Man sehe nur in den
Home. Rousseau sagt Heloise T. I. Lettre XII Le Gout est le Microscope
du Jugement.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ein allgemeines Ma fr das Verdienst oder fr die Wichtigkeit einer
Verrichtung, das allen Stnden sogleich die Gre einer Tat angbe,
wre eine Erfindung, die eines moralischen Newton wrdig wre. Z.E.
eine Compagnie vor des Kommandanten Haus zu exerzieren ist gewi nicht
so schwer als ein paar Schuh zu sohlen (ich wei es freilich, da die
Ehre eine Besoldung ist, sie auszuzahlen legt der Frst eine Steuer
auf die Hte und den Nacken der Untertanen. Wenn ein Handwerkspursche
vor dem Offizier den Hut zieht, so denke ich immer, dieser Pursche ist
eine Art von Kriegszahlmeister. Und wie ungeschliffen sind die
Offiziers, die sie ohne Quittung annehmen, ich meine die nicht wieder
an den Hut greifen) und ich behaupte ein Kleid gut zu schneiden ist
zuverlssig schwerer, als Hof-Kavalier zu sein, zuverlssig schwerer,
ich meine den Hof-Kavalier in abstracto. Eine solche Rangordnung, die
aber gewi dem Verfasser und dem Verleger den Kopf kosten wrde,
wnschte ich gedruckt zu sehen, sie existiert gewi in dem Kopf jedes
rechtschaffenen Mannes. Man knnte zu einem solchen Ma das
Balancieren auf der Nase nehmen, weil dieses ohngefhr alle Menschen
mit gleicher Geschwindigkeit lernen, und durch die Lnge der
Tabakspfeife in Zollen die Grade der Schwierigkeit messen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Plato hat schon den Gedanken geuert, da man die Menschen zu bessern
bei den Frauenzimmern anfangen msse, Rousseau in der bekannten
Schrift ber die Schdlichkeit der schnen Wissenschaften sagt in
einer Note eben das und wnscht, da ein groer Mann den Anfang machen
mge, vielleicht hat Herr Fordyce mit seinen Frauenzimmerpredigten
diesen Wunsch erfllt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Rousseau selbst (in einer Antwort auf eine Widerlegung der
vorhergehenden Schrift) gesteht, da die schnen Wissenschaften etwas
gttliches seien, abstrakt betrachtet, aber nicht fr den Menschen; so
entschuldigt er die Widersprche, die sich in der Preisschrift
befinden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Dante Alighieri nennt in seiner Komdie den Vergil mit einem Respekt
seinen Lehrer, und hat ihn, wie Herr Meinhard bemerkt, doch so
schlecht gentzt, eine deutliche Probe, da man schon damals die Alten
lobte, ohne zu wissen warum, sie zu loben und andere Sachen tun,
dieser Respekt gegen Dichter, die man nicht versteht und doch
erreichen will, ist die Quelle unserer schlechten Schriften.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn wir so vollstndig sprechen knnten als wir empfinden, die Redner
wrden wenige Widerspenstige, und die Verliebten wenig Grausame
finden. Unser ganzer Krper wnschet bei der Abreise eines geliebten
Mdgens, da sie da bleiben mchte, kein Teil drckt es aber so
deutlich aus als der Mund: wie soll er sich aber ausdrcken, da man
auch etwas von den Wnschen der brigen Teile empfindet? Gewi das ist
sehr schwer zu raten, wenn man noch nicht in dem Fall wirklich ist,
und noch schwerer wenn man nie darin war.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Bei einem Verbrechen ist das was die Welt das Verbrechen nennt selten
das was die Strafe verdient, sondern da ist es, wo unter der langen
Reihe von Handlungen womit es sich gleichsam als mit Wurzeln in unser
Leben hinein erstreckt diejenige ist, die am meisten von unserm Willen
dependierte, und die wir am allerleichtesten htten nicht tun knnen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist ein Fehler in unsern Erziehungen, da wir gewisse Wissen-
schaften so frh anfangen, sie verwachsen sozusagen in unsern
Verstand, und der Weg zum Neuen wird gehemmt. Es wre die Frage ob
sich die Seelenkrfte nicht strken lieen ohne sie auf eine
Wissenschaft anzuwenden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn sich das menschliche Geschlecht noch mehr vermehrt, so mu man
mehr als 2 oder drei Vornamen haben, um der Verwechslung vorzubeugen,
die Kinder der eigentlichen Huren bringen neue Namen herein, noch ein
Nutzen den sie haben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn die Substanzen Eigenschaften besitzen, die sich andern
vergegenwrtigen lassen, so knnen wir zugleich Glieder in
verschiedenen Welten sehn ohne uns jedoch in mehr als einer bewut zu
sein, denn Eigenschaften der Substanzen sind so zu reden
durchdringlich. So knnen wir sterben und in einer andern Welt
fortleben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Shakespear unterscheidet sich in seinen Ausdrcken hufig dadurch von
allen brigen Schriftstellern, da er nicht so leicht Metaphern whlt,
die im Gemeinleben rezipiert sind, als zum Exempel Triebfeder, der
G.... sondern lieber statt dessen ein besonderes [Bild,] aus eben
dieser Sache hergeholtes, whlt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ein gewisser Philosoph sagt man msse [bei] Zeiten den Geist mit
ntzlichen Wahrheiten [speisen]. Herr N. hatte ihn zuweilen halbe
Jahre [hun]gern lassen und auf einmal wieder so gefttert, da man auf
allen Messen sagte: Mein Gott der Mensch hat sich bernommen (pm).
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es gibt eine gewisse Art Menschen, die mit jedem leicht Freundschaft
machen, ihn eben so bald wieder hassen und wieder lieben, stellt man
sich das menschliche Geschlecht als ein Ganzes vor, wo jeder Teil in
seine Stelle pat, so werden dergleichen Menschen zu solchen
Ausfll-Teilen die man berall hinwerfen kann. Man findet unter dieser
Art von Leuten selten groe Genies, ohneracht sie am leichtesten dafr
gehalten werden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Man kann sich das menschliche Geschlecht als einen Polypen denken, so
kommt man schon auf mein System von Seelenwanderung.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Um ein Stckgen Fleisch wieder in Erde zu verwandeln, damit es andern
Vegetabilien oder Tieren ntzen knne, lt es die Natur nicht blo
durch eine Verwesung auflsen, sondern hat lieber andere kleine
Kreaturen hervorgebracht, die es auffressen, sie htte vielleicht
dieses ohne diese Tiere erhalten knnen, allein es ist dadurch die
Summe des Vergngens in empfindenden Geschpfen auf der Welt vermehrt
worden, und es lt sich wahrscheinlich mutmaen, da allzeit das
Vergngen der empfinden[en ]Substanzen in der Welt ein Grtes ist, so
da, wenn es bei einer Gattung wchse, es bei den andern abnehmen
mte.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die wahre Bedeutung eines Wortes in unsrer Muttersprache zu verstehen
bringen wir gewi oft viele Jahre hin. Ich verstehe auch zugleich hier
mit die Bedeutungen die ihm der Ton geben kann. Der Verstand eines
Wortes wird uns um mich mathematisch auszudrcken durch eine Formul
gegeben, worin der Ton die vernderliche und das Wort die bestndige
Gre ist. Hier erffnet sich ein Weg die Sprachen unendlich zu
bereichern ohne die Worte zu vermehren. Ich habe gefunden, da die
Redens-Art: Es ist gut auf fnferlei Art von uns ausgesprochen wird,
und allemal mit einer andern Bedeutung, die freilich auch oft noch
durch eine dritte vernderliche Gre nmlich die Miene bestimmt wird.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Geschpfe machen nicht sowohl eine Kette aus wie die Poeten (Pope)
fters sich ausdrcken, sondern ein Netz, denn sie kommen auch fters
von der Seite wieder zusammen. Wie die bergnge der Tiere und Steine
aus einer Species in die andere und aus einem Genus in das andere
deutlich zeigen. Bttner.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Reim ist etwas, das mehr den nordlichern Lndern eigen ist, so wie
das Silben-Ma mehr in den sdlichern verehrt wurde, bei diesen ist
alles Musik, da bei jenen nur zuweilen aber desto strker die Kunst
und Harmonie sichtbar wird; ich zweifle nicht, da die Griechen und
Rmer nicht mannigmal auf Reime verfallen seien, es war aber dieses
Knstliche in ihnen allzu fhlbar und ihnen daher verhat, so wie uns
die Reime schmetterte und kletterte, dahingegen ihr zrteres Ohr schon
eher Fe zhlen konnte, als wie unseres, das sich daher ein fhlbares
Silbenma, den Reim erfand. Daher haben die alten deutschen Verse oft
nur Reime und fast gar kein metrum.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn man die Charaktere der Menschen, oder besser, wenn man die
Menschen nach den Charakteren ordnen knnte, welches leicht mglich
wre, wenn wir mehr Erfahrungen in diesem Stck sammelten, so wrde
man die Klassen fr die Knstler und Gelehrten leicht merken, und
wrde sich alsdann nicht mehr bemhen einem aus dem Genere passerum
sprechen zu lernen, da es ausgemacht ist, da dieses nur den Picis
zukommt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn wir die abstrakten Wahreiten, die unsere Vernunft ohne viele
vorhergegangene Empfindungen erkennt, so ordnen knnten, da wir den
bergang zu den angewandten treffen knnten, so wrde vieles eine
brauchbare Metaphorik geben, allein dieser bergang fehlt noch jetzo
unserer Metaphorik.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Zu Dorlar einem Dorf an der Lahn nicht weit von Gieen haben fast alle
Leute rote Haare.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Herr Fielding sucht in der Vorrede zu seinem Andrews den Grund des
Lcherlichen in einer gezwungenen Nachahmung, allein er hat nicht
bedacht, da alsdann allemal das lcherliche nur im affektierten
bestnde, da es doch viele Handlungen gibt, die an sich ohne Beziehung
auf etwas anderes lcherlich sind; und auf diese Art fllt eine der
grten Quellen des lcherlichen weg, nmlich wenn jemand etwas fr
sehr wichtig im Ernst hlt, was nur eine Kleinigkeit ist, wie Orgon,
da er von einer Fliege gestochen wird, oder der Verweis des Don
Sylvio, den er dem Pedrillo gibt, weil er so frei im Palast der weien
Katze schwatzt, und dergleichen mehr.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Herr Home beantwortet in seinen Elements of Criticism (Kapitel 12) die
Frage, ob sich die Wahrheit durch das belachenswerte prfen lasse, mit
Ja, und begegnet dem Einwurf: da sich auch das ernsthafteste
lcherlich machen liee, dadurch, da er sagt, ein solcher Witz werde
die Prfungen eines feinen Geschmacks nicht aushalten. Dennoch glaube
ich aber, da das ernsthafteste fters mit Geschmack kann lcherlich
gemachte werden, wenn man anders davon abstrahiert, da es schon an
sich nicht viel Geschmack verrt, wenn man ernsthafte Sachen
lcherlich machen will.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Home sagt in der Einleitung zu seinen Elements of Criticism, da eine
gesunde Kritik die Tugend untersttze, dieses ist sehr richtig, wenn
man eine Kritik versteht, die nach den feinen Grundstzen des Herrn
Home agiert, allein es gibt oft eine angeborne Kritik, die ihrem
Subjekt das Schne augenblicklich zeigt, ohne da es merkt, auf was
fr Regelmige bereinstimmungen sich diese Empfindungen grnden. So
bald dieser feine Geschmack erworben ist, und nicht angeboren, so hat
Herr Home recht, und vielleicht versteht er auch nur einen solchen
erworbenen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Man hat bisher in der Abhandlung andrer Wahrheiten, als der
mathemat[ischen] und physikalischen, die Stze, die man erweisen,
andern erlutern wollte gleich zu verwickelt angenommen, und man
geriet notwendigerweise in Verwirrungen. Wenn man den Ursprung der
Winde erlutern will, so betrachtet man eine Luftkugel, ohne auf
Wasser oder Erde zu sehen und sieht, was die anziehende Kraft des
Monds fr Vernderungen in derselben hervorbringen kann. Wenn man die
Regeln des Geschmacks aussuchen will, sollte man erst berhaupt die
Vernderung einer empfinden[den] Substanz betrachten, hernach immer
Leidenschaften zusetzen, immer neues Interesse addieren, bis wir
endlich den Menschen heraus htten.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Worte sind eine Art von Buchstabenrechenkunst fr die natrlichen
Zeichen der Begriffe, welche in Gebrden und Stellungen besteht, die
Casus der Substantiven sind die Zeichen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Sind wohl solche Zahlzeichen mglich, die wenn ich das Blatt
herumkehre und alsdann ausspreche z.E. so viel bedeuten als die Hlfte
der vorhergehenden..
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Herr Home bemerkt (T. 1 Abschn. 3) da man bei Erblickung einer
tugendhaften Handlung eben eine solche Bewegung fhlt, die eben die
Absicht hat, als wie der Trieb zur Fortpflanzung seines Geschlechts,
eine Empfindung, die derjenigen hnlich ist, wie diejenige, die die
Handlung hervorgebracht hat.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Das aimer par compagnie das Perrault, welches auch Home kennt, ist die
Seele der Mode, und eine Definition des Schnen wrde sehr leicht
werden, wenn wir dieses von dem eigentlich gefallenden trennen
knnten.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die sonderbare Empfindung, die ich habe, wenn mit einem spitzigen
Instrument gegen die Augen zu fahre?
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Jedermann gesteht, da schmutzige Historien, die man selbst aufsetzet,
lange nicht die gefhrliche Wirkung auf uns tun, als die von Fremden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die animalcula infusoria sind Blasen mit Neigungen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Das Ma des Wunderbaren sind wir, wenn wir ein allgemeines Ma
suchten, so wrde das Wunderbare wegfallen und wrden alle Dinge
gleich gro sein.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Geister ohne eine Welt auer ihnen mssen seltsame Geschpfe sein,
denn da von jedem Gedanken der Grund in ihnen liegt, so sind die
seltsamsten Verbindungen von Ideen allzeit recht. Leute nennen wir
rasend, wenn sich die Ordnung ihrer Begriffe nicht mehr aus der Folge
der Begebenheiten in unsrer ordentlichen Welt bestimmen lt, deswegen
ist gewi eine sorgfltige Betrachtung der Natur, oder auch die
Mathematik das sicherste Mittel wider Raserei, die Natur ist sozusagen
das Laufseil, woran unsere Gedanken gefhrt werden, da sie nicht
ausschweifen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Einrichtung unserer Natur ist so weise, da uns sowohl vergangener
Schmerz, als vergangene Wollust Vergngen erweckt; da wir nun ferner
eher eine zuknftige Wollust voraussehen als einen zuknftigen
Schmerz, so sehen wir da wirklich nicht einmal die traurige und
angenehme Empfindung in der Welt gleich verteilt sind, sondern da
wirklich auf Seiten des Vergngens ein greres stattfindet.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Krmer, der etwas abwiegt, schafft so gut die unbekannten Gren
auf die eine Seite und die bekannten auf die andere als der
Algebraist.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Streit ber bedeuten und sein, der in der Religion so viel Unheil
angestiftet hat, wre vielleicht heilsamer gewesen, wenn man ihn ber
andere Materien gefhrt htte, denn es ist eine allgemeine Quelle
unsers Unglcks, da wir glauben die Dinge seien das wirklich, was sie
doch nur bedeuten.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Das Leben kann als eine Linie angesehen werden, die mit verschiedenen
Krmmungen ber einen Graben (der Grenze des Lebens) hinluft. Der
pltzliche Tod ist ein perpendikulrer Lauf nach dieser Linie,
Krankheit auf Parallelen mit derselben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Das Glck der Menschen besteht in einer richtigen Verhltnis seiner
Gemts-Eigenschaften und seiner Affekten, wenn eine wchst, so leiden
alle andern, daraus entstehen unzhlige Mischungen. Das was man einen
groen Geist nennt kann so gut eine Migeburt sein, als es ein groer
Spieler ist, aber eine ntzliche Migeburt, so waren Savage und
Gnther wahrhafte Migeburten, der Mann der ruhig und vergngt lebt,
ist der eigentliche Mensch, und ein solcher Mensch wird es selten sehr
weit in einer Wissenschaft bringen, weil jede Maschine die zu Vielem
ntzen soll selten zu jedem so stark ntzen kann als eine die nur
allein zu einer einzigen Absicht gemacht ist. Deswegen ist es ebenso
weis eingerichtet, da wenige Leute Genie haben, als es weislich ist,
da nicht alle Leute taub oder blind sind. Newton war am Geist ein
Macrochir, er konnte hher hinauflangen, die Offenbarung Johannis
erklrte er schlecht, weil vielleicht dazu eine groe Nase ntig war.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ein Narr, der sich einbildet, ein Frst zu sein, ist von dem Frsten,
der es in der Tat ist, durch nichts unterschieden, als da jener ein
negativer Frst und dieser ein negativer Narr ist, ohne Zeichen
betrachtet sind sie gleich.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist ein ganz unvermeidlicher Fehler aller Sprachen, da sie nur
genera von Begriffen ausdrcken, und selten das hinlnglich sagen was
sie sagen wollen. Denn wenn wir unsere Wrter mit den Sachen
vergleichen, so werden wir finden da die letzteren in einer ganz
andern Reihe fortgehen als die erstem. Die Eigenschaften die wir an
unserer Seele bemerken hngen so zusammen, da sich wohl nicht leicht
eine Grenze wird angeben lassen, die zwischen zweien wre, die Wrter,
womit wir sie ausdrcken, sind nicht so beschaffen, und zwei auf
einander folgende und verwandte Eigenschaften werden durch Zeichen
ausgedrckt, die uns keine Verwandtschaft zu erkennen geben. Man
sollte die Wrter philosophisch deklinieren knnen, das ist ihre
Verwandtschaft von der Seite durch Vernderungen angeben knnen. In
der Analysi nennt man einer Linie a unbestimmtes Stck x, das andere
nicht y wie im gemeinen Leben, sondern a - x. Daher hat die
mathematische Sprache so groe Vorzge fr der gemeinen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Kein Frst wird jemals den Wert eines Mannes durch seine Gunst
bestimmen, denn es ist ein Schlu, der nicht auf eine einzige
Erfahrung etwa gegrndet ist, da ein Regent meistens ein schlechter
Mann ist. Der in Frankreich backt Pasteten und betrgt ehrliche
Mdgen, der Knig von Spanien haut unter Pauken und Trompeten Hasen in
Stcken, der letzte Knig in Polen der Kurfrst von Sachsen war scho
seinem Hofnarren mit dem Blasrohr nach dem Arsch, der Frst von
Lwenstein beklagt bei einem groen Brand nichts als seinen Sattel,
der Landgraf von Kassel fhrt einer Tnzerin zu Gefallen in der Suite
eines Frsten der nicht viel mehr ist als er und wird durch die
erbrmlichsten Leute betrogen, der Herzog von Wrttemberg ist ein
Wahnsinniger, der Knig von Engelland macht....... Engellnderin P....
., der Frst von Weilburg badet sich ffentlich in der Lahn; die
meisten brigen Beherrscher dieser Welt sind Tambours, Fourriers,
Jger. Und dieses sind die Obersten unter den Menschen; wie kann es
denn in der Welt nur ertrglich hergehen; was helfen die Einleitungen
ins Kommerzien-Wesen, die arts de s'enrichir par l'agriculture, die
Hausvter, wenn ein Narr der Herr von allen ist, der keine Oberen
erkennt als seine Dummheit, seine Caprice, seine Huren und seinen
Kammerdiener, o wenn doch die Welt einmal erwachte, und wenn auch drei
Millionen am Galgen strben, so wrden doch vielleicht so bis 8o
Millionen dadurch glcklich; so sprach einst ein Perckenmacher in
Landau auf der Herberge, man hielt ihn aber mit Recht fr vllig
verrrckt, er wurde ergriffen, und von einem Unteroffizier noch ehe er
in Verhaft gebracht wurde mit dem Stock todgeschlagen, der
Unteroffizier verlor den Kopf.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn Plato sagt die Leidenschaften und die natrlichen Triebe seien
die Flgel der Seele, so drckt er sich sehr lehrreich aus, solche
Vergleichungen erlutern die Sache und sind gleichsam bersetzung der
schweren Begriffe eines Mannes in eine jedermann bekannte Sprache,
wahrhafte Definitionen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es kann ohnstreitig Kreaturen geben, deren Organe so fein sind, da
sie nicht imstande sind durch einen Lichtstrahl durchzugreifen, so wie
wir nicht durch einen Stein durchgreifen knnen, weil unsere Hnde
eher zerstrt werden wrden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist eine richtige Beobachtung wenn [man] sagt da Leute die zu
stark nachahmen ihre eigene Erfindungskraft schwchen. Dieses ist die
Ursache des Verfalls der italienischen Baukunst, wer nachahmt und die
Grnde der Nachahmung nicht einsieht fehlt gemeiniglich so bald ihn
die Hand verlt, die ihn fhrte.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Vielleicht ist ein Gedanke der Grund aller Bewegung in der Welt, und
die Philosophen, welche gelehrt haben, da die Welt ein Tier sei, sind
vielleicht durch diesen Weg darauf gekommen, sie haben sich vielleicht
nur nicht so eigentlich ausgedruckt wie sie vielleicht htten tun
sollen. Unsere ganze Welt ist nichts als die Wirkung eines Gedankens
von Gott auf die Materie.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Welt ist ein allen Menschen gemeiner Krper, Vernderungen in ihr
bringen Vernderung in der Seele aller Menschen vor die just diesem
Teil zugekehrt sind.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Trume fhren uns oft in Umstnde, und Begebenheiten hinein, in die
wir wachend nicht leicht htten knnen verwickelt werden, oder lassen
uns Unbequemlichkeiten fhlen welche wir vielleicht als klein in der
Ferne verachtet htten, und eben dadurch mit der Zeit in dieselben
verwickelt worden wren. Ein Traum ndert daher oft unsern Entschlu,
sichert unsern moralischen Fond besser als alle Lehren, die durch
einen Umweg ins Herz gehen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Nicht da sein heit bei den Naturforschern, wenigstens bei einer
gewissen Klasse so viel als nicht empfunden werden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Fr das Knftige sorgen, mu bei Geschpfen die das Knftige nicht
kennen sonderbare Einschrnkungen leiden. Sich auf sehr viele Flle
zugleich schicken, wovon oft eine Art die andern zum Teil aufheben
mu, kann von einer vernnftigen Gleichgltigkeit gegen das Zuknftige
wenig unterschieden sein.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Mit einem erstaunenden Vergngen finde ich in des Herrn Lavaters
Aussichten in die Ewigkeit T.I. p. 43 seq., da er vor dem Schlaf
hnliche Empfindungen mit mir hat, ich habe jahrelang vorher ehe
dieses Buch erschien schon Herrn Ljungberg die Erffnung getan, ja als
ich noch auf Schulen war habe ich meinem Freund Herrn Ewein schon
etwas davon gesagt, aber nie gehrt, da er oder Herr Ljungberg jemals
etwas hnliches empfunden, meine Betrachtungen in diesem Zustand gehen
gemeiniglich auf den Tod, oder die Seele berhaupt, und das was
Empfindung ist, und endigen sich in einer Bewunderung der Einrichtung
des Menschen, alles ist mehr Gefhl als Reflexion und unbeschreiblich.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Bauer, welcher glaubt, der Mond sei nicht grer als ein
Pflug-Rad, denkt niemals daran da in einer Entfernung von einigen
Meilen eine ganze Kirche nur wie ein weier Fleck aussieht, und da
der Mond hingegen immer gleich gro scheint, was hemmt bei ihm diese
Verbindung von Ideen, die er einzeln alle hat? Er verbindet in seinem
gemeinen Leben auch wirklich Ideen vielleicht durch knstlichere
Bande, als diese. Diese Betrachtung sollte den Philosophen aufmerksam
machen, der vielleicht noch immer der Bauer in gewissen Verbindungen
ist. Wir denken frh genug aber wir wissen nicht da wir denken, so
wenig als wir wissen da wir wachsen oder verdauen, viele Menschen
unter den Gemeinen erfahren es niemals. Eine gnaue Betrachtung der
ueren Dinge fhrt leicht auf den betrachtenden Punkt, uns selbst,
zurck und umgekehrt wer sich selbst einmal erst recht gewahr wird
gert leicht auf die Betrachtung der Dinge um ihn. Sei aufmerksam,
empfinde nichts umsonst, messe und vergleiche; dieses ist das ganze
Gesetz der Philosophie.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es gibt Grade des Verlierens, ein Ding in keiner einzigen gegebenen
Zeit wieder finden knnen, heit dieses Ding verloren haben, zuweilen
lt sich aus den Umstnden nicht schlieen, ob diese Zeit unendlich
werden wird oder nicht, wird aber oft endlich befunden. Man kann etwas
wirklich verloren haben, wenn man auch gleich wei, da man es nach
einer halben Stunde Flei wieder finden knnte.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Was ist es, das macht, da wir uns zuweilen eines geheimen Kummers
standhaft entschlagen knnen, da die Vorstellung, da wir unter dem
Schutz einer hchstgtigen Vorsicht stehen, die grte Wirkung auf uns
hat, und dennoch oft in der nchsten halben Stunde diesem nmlichen
Kummer beinah unterliegen. Mit mir ist es wenigstens so, ohne da ich
sagen knnte, da ich bei der 2ten Vorstellung meinen Kummer von einer
neuen Seite betrachte, andere Relationen einsehe, nichts weniger.
Fnde dieses statt, so wurde ich diese Anmerkung nicht einmal
niedergeschrieben haben. Ich glaube vielmehr, da die moralische
Empfindlichkeit im Menschen zu unterschiedenen Zeiten verschieden ist,
des Morgens strker als des Abends.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Was man sieht, tut oder liest, suche man immer auf den Grad der
Deutlichkeit zurckzubringen, da wir wenigstens die gemeinsten
Einwrfe dagegen beantworten knnen, alsdann lt es sich zu dem
errichteten Fond unserer Wissenschaft schlagen. Kein streitiges
Vermgen mu je darunter gerechnet werden. Will sich etwas allgemein
angenommenes nicht mit unserem System vereinigen, so fehlen uns
vielleicht noch Grundideen, und Erlernung solcher ist ein groer
Gewinn.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es donnert, heult, brllt, zischt, pfeift, braust, saust, summet,
brummet, rumpelt, qukt, chzt, singt, rappelt, prasselt, knallt,
rasselt, knistert, klappert, knurret, poltert, winselt, wimmert,
rauscht, murmelt, kracht, gluckset, rcheln, klingelt, blset,
schnarcht, klatscht, lispeln, keuchen, es kocht, schreien, weinen,
schluchzen, krchzen, stottern, lallen, girren, hauchen, klirren,
blken, wiehern, schnarren, scharren, sprudeln. Diese Wrter und noch
andere, welche Tne ausdrcken, sind nicht bloe Zeichen, sondern eine
Art von Bilderschrift fr das Ohr.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Das Zurcktreten von Personen die heftig mit andern zanken kann
zuweilen seinen Grund in einer Furcht vor der eigenen Unenthaltsamkeit
anzeigen. So tritt Apollo beim Homer zurck nachdem er den Diomed der
ihn bekmpfen wollte an seinen unermelichen Abstand von Gttern und
an seinen Raupenstand erinnert hat. Iliad. Book V. v. 539 Pope's
bersetzung.
So spoke the God who darts celestial fires,
He dreads his fury and some steps retires.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Menschliche Philosophie berhaupt ist die Philosophie eines einzelnen
gewissen Menschen durch die Philosophie der andern selbst der
Menschliche Philosophie berhaupt ist die Philosophie eines einzelnen
gewissen Menschen durch die Philosophie der andern selbst der Narren
korrigiert und dieses nach den Regeln einer vernnftigen Schtzung der
Grade der Wahrscheinlichkeit. Stze worber alle Menschen
bereinkommen sind wahr, sind sie nicht wahr, so haben wir gar keine
Wahrheit. Andere Stze fr wahr zu halten zwingt uns oft die
Versicherung solcher Menschen, die in der Sache viel gelten, und jeder
Mensch wrde das glauben, der sich in eben den Umstnden befnde, so
bald dieses nicht ist, so ist eine besondere Philosophie und nicht
eine die in dem Rat der Menschen ausgemacht ist, Aberglaube selbst ist
Lokal-Philosophie, er gibt seine Stimme auch.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Weiser werden heit immer mehr und mehr die Fehler kennen lernen,
denen dieses Instrument, womit wir empfinden und urteilen, unterworfen
sein kann. Vorsichtigkeit im Urteilen ist was heutzutage allen und
jeden zu empfehlen ist, gewnnen wir alle 10 Jahre nur eine
unstreitige Wahrheit von jedem philosophischen Schriftsteller, so wre
unsere Ernte immer reich genug.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es gibt Menschen, die sogar in ihren Worten und Ausdrcken etwas
Eigenes haben, (die meisten haben wenigstens etwas, das ihnen eigner
ist) da doch Redensarten durch eine lange Mode so und nicht anders
sind, solche Menschen sind allzeit einer Aufmerksamkeit wrdig, es
gehrt viel Selbstgefhl und Unabhngigkeit der Seele [dazu] bis man
so weit kommt. Mancher fhlt neu und sein Ausdruck womit der dieses
Gefhl andern deutlich machen will ist alt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Den Mnnern in der Welt haben wir so viel seltsame Erfindungen in der
Dichtkunst zu danken, die alle ihren Grund in dem Erzeugungstrieb
haben, alle die Ideale von Mdchen und dergleichen. Es ist schade, da
die feurigen Mdchen nicht von den schnen Jnglingen schreiben drfen
wie sie wohl knnten, wenn es erlaubt wre. So ist die mnnliche
Schnheit noch nicht von denjenigen Hnden gezeichnet, die sie allein
recht mit Feuer zeichnen knnten. Es ist wahrscheinlich, da das
Geistige, was ein Paar bezauberte Augen in einem Krper erblicken, der
sie bezaubert hat, ganz von einer andern Art sich den Mdchen in
mnnlichen Krpern zeigt, als es sich dem Jngling in weiblichen
Krpern entdeckt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist zum Erstaunen, wie wenig dasjenige oft, was wir fr ntzlich
halten, und was auch leicht zu tun wre, doch von uns getan wird. Die
Begierde, geschwind viel wissen zu wollen, hindert oft die gnauen
Untersuchungen, allein es ist selbst dem Menschen, der dieses wei,
sehr schwer etwas gnau zu prfen, da er doch wei, er kommt auch nicht
zu seinem Endzwecke viel zu lernen, wenn er nicht prft.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Aus einer Menge von unordentlichen Strichen bildet man sich leicht
eine Gegend, aber aus unordentlichen Tnen keine Musik.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
Das Problem ist, da es eine endlose Zahl weier Mnner, doch nur eine
begrenzte Anzahl von Menschen gibt.
		-- Little Big Man
%
Nichts ist einfacher als beschftigt zu sein, doch nichts ist schwerer
als effektiv zu sein.
		-- R. Alec Mackenzie
%
Die Sprache, dnkt mich, ist reich, ist berschwenglich reich
im Vergleich mit der Drftigkeit und Begrenztheit des Lebens.
Der Schmerz hat seine Grenzen: der krperliche in der Ohnmacht,
der seelische im Stumpfsinn, -- es ist mit dem Glck nicht anders!
Das menschliche Mitteilungsbedrfnis aber hat sich Laute erfunden,
die ber diese Grenzen hinweglgen.
		-- Thomas Mann, Enttuschung
%
Militrische Intelligenz ist ein Widerspruch in sich.
		-- Groucho Marx
%
Deutschland ist ein geheimnisvolles Land und mu es auch sein. Wegen
Nostradamus X,31. 
		-- Norbert Marzahn
%
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit.
		-- William Sommerset Maugham
%
Man soll dort bleiben, wo man sich glcklich fhlt. Glck ist ein
transportempfindliches Mbelstck.
		-- William Somerset Maugham
%
Es ist unser aller Fehler, da wir die Worte fr wichtiger halten als
die Taten.
		-- Andr Maurois
%
Das Verhalten von Gates hatte mir bewiesen, da ich auf ihn und seine
beiden Gefhrten nicht rechnen durfte.
		-- Karl May, Winnetou Bd. 3
%
Je lter ich werde desto mehr zweifle ich an der altbekannten Tatsache,
da das Alter die Weisheit bringt.
		-- H.L. Mencken
%
Gewissen ist die innere Stimme, die uns warnt, da jemand zuschauen knnte.
		-- H.L. Mencken
%
Wenn es stimmt, da Zeit Geld ist, ist es jetzt genau 7 Mark und 20 Pfennige
		-- John Ment, Radio Hamburg
%
Gut ist auch das Emporkommen von Linux als Herausforderer von Microsoft.
		-- CDU-Vorsitzende Angela Merkel im Interview mit der "Zeit" vom 4. Mai
%
Je schrfer man die Parteispendengesetze fat, desto schwerer ist es ja,
sich daran zu halten
		-- CDU-Vorsitzende Angela Merkel
Das sieht der Bundesverband der Berufsverbrecher hnlich.
  (Anmerkung von Volker Pispers)
%
Es gibt keine Personaldiskussion in der CDU und deshalb wird sie jetzt
auch sofort eingestellt.
		-- CDU-Vorsitzende Angela Merkel bei der Verabschiedung von Ruprecht Polenz
%
Wenn die Katze ein Pferd wre, knnte man die Bume hinaufreiten.
		-- Rolf Miller
%
Wer den Himmel auf Erden sucht, hat im Erdkundeunterricht nicht aufgepat.
		-- Rolf Miller
%
Zeitknappheit ist die Rache des Wohlstandes.
Die Navacho Indianer kannten 256 Gegenstnde.  All unsere Gegenstnde
erfordern unsere Zeit, das Resultat ist Hektik und Stre.
		-- Misereor --
%
Wenn sich zwei mnnliche Wildschweine treffen, gibt es eine Keilerei.
		-- Werner Mitsch
%
Wir wissen wenig und zweifeln an allem.
		-- Robert Msbauer
%
Die Radfahrer haben eien alten Wunsch der Menschheit verwirklicht:
im Sitzen zu wandern.
		-- Franz Molnar
%
Alkohol ist keine Antwort, aber man vergit beim Trinken die Frage.
		-- Henry Mon
%
Jedem kann es mal passieren, da er Unsinn redet, schlimm wird es
erst, wenn er es feierlich tut.
		-- Montaigne
%
Wer Pfefferminztee nachmacht oder verflscht, nachgemachten oder
verflschten sich verschafft oder in Umlauf bringt, ist ein Falschminzer.
		-- MTS
%
Zehn Deutsche sind blder als fnf Deutsche.
		-- Heiner Mller
%
Gut honorierte zornige junge Mnner haben groe Mhe, zornige junge
Mnner zu bleiben.
		-- Malcolm Muggeridge
%
Mit dem Aberglauben ist das so eine Sache. Ich habe noch keinen
Menschen getroffen, der sein 13. Monatsgehalt zurckgegeben htte.
		-- Fritz Muliar
%
Ich beurteile eine Religion danach, ob seine Anhnger durch sie
bessere Menschen werden oder nicht.
		-- Joe Mullally
%
Die zur Wahrheit wandern, wandern allein.
		-- Christian Morgenstern 
%
Es gibt kaum eine grere Enttuschung, als wenn Du mit einer recht
groen Freude im Herzen zu gleichgltigen Menschen kommst.
		-- Christian Morgenstern
%
Einander kennenlernen heit lernen, wie fremd man einander ist.
		-- Christian Morgenstern
%
Die Ameisen oder Emsen
sind so weit jetzt, da sie Gemsen
sich als Sklaven halten (aus
Grnden ihres Krperbaus).
  Da sie selber sehr viel kleiner,
  so bedienen sie sich einer
  Gemse oder zweier Gemsen
  zu Gebirgspartien, die Emsen.
Ist sodann ein Adlernest
abgesucht bis auf den Rest,
gehn sie endlich, zog der Weih
schon den Ameisbren bei,
  wieder ihm aus Horst und Rock --
  und besteigen ihren Bock,
  der sie, wie ein Stein, der springt,
  heim zu ihrem Hgel bringt.
Angepflckt, so stehn die Gemsen
In der Nhe dort der Emsen,
bei den Lusen u.s.w.
und verwnschen ihre Reiter.
		-- Christian Morgenstern
%
    Anto-logie
Im Anfang lebte, wie bekannt,
als grter Suger der Gig-ant.
  Wobei gig eine Zahl ist, die
  es nicht mehr gibt, - so gro war sie!
Doch jene Gre schwand wie Rauch.
Zeit gab's genug -- und Zahlen auch.
  Bis eines Tags, ein winzig Ding,
  der Zwlef-ant das Reich empfing.
Wo blieb sein Reich? Wo blieb er selb?-
Sein Bein wird im Museum gelb.
  Zwar gab die gtige Natur
  den Elef-anten uns dafur.
Doch ach, der Pulverpavian,
der Mensch, voll Gier nach seinem Zahn,
  erschiet ihn, statt ihm Zeit zu lassen,
  zum Zehen-anten zu verblassen.
O Klub zum Schutz der wilden Tiere,
hilf, da der Mensch nicht ruiniere
  die Sprossen dieser Riesenleiter,
  die stets noch weiter fhrt und weiter!
Wie dankbar wird der Ant dir sein,
lt du ihn wachsen und gedeihn, --
  bis er dereinst im Nebel hinten
  als Nulel-ant wird stumm verschwinden.

		-- Christian Morgenstern
%
   Bim, Bam, Bum

Ein Glockenton fliegt durch die Nacht,
als htt' er Vogelflgel,
er fliegt in rmischer Kirchentracht
wohl ber Tal und Hgel.

Er sucht die Glockontnin BIM,
die ihm vorausgeflogen;
d. h. die Sache ist sehr schlimm,
sie hat ihn nmlich betrogen.

O komm so ruft er, komm, dein BAM
erwartet dich voll Schmerzen.
Komm wieder, BIM, geliebtes Lamm,
dein BAM liebt dich von Herzen!

Doch BIM, da ihr's nur alle wit,
hat sich dem BUM ergeben;
der ist zwar auch ein guter Christ,
allein das ist es eben.

Der BAM fliegt weiter durch die Nacht
wohl ber Wald und Lichtung.
Doch, ach, er fliegt umsonst! Das macht,
er fliegt in falscher Richtung.

		-- Christian Morgenstern
%
Bundeslied der Galgenbrder

O schauerliche Lebenswirrn,
wir hngen hier am roten Zwirn!
Die Unke unkt, die Spinne spinnt,
und schiefe Scheitel kmmt der Wind.

O Greule, Greule, wste Greule!
Du bist verflucht! so sagt die Eule.
Der Sterne Licht am Mond zerbricht.
Doch dich zerbrach's noch immer nicht.

O Greule, Greule, wste Greule!
Hrt ihr den Ruf der Silbergule?
Es schreit der Kauz: pardauz! pardauz!
da taut's, da graut's, da braut's, da blaut's!

		-- Christian Morgenstern
%
Die Fingur

Es lacht die Nachtalp-Henne,
es weint die Windhorn-Gans,
es blst der schwarze Senne
zum Tanz.

Ein Uhu-Tauber turtelt
nach seiner Uhuin.
Ein kleiner Sechs-Elf hurtelt
von Busch zu Busch dahin..

Und Wiedergnger gehen,
und Raben rufen kolk,
und aus den Teichen sehen
die Fingur und ihr Volk...

		-- Christian Morgenstern
%
Fisches Nachtgesang

                                     -
                                    U U
                                    -- -
                                  U U U U
                                    -- -
                                  U U U U
                                    -- -
                                  U U U U
                                    -- -
                                  U U U U
                                    -- -
                                    U U
                                     -

		-- Christian Morgenstern
%
Die beiden Flaschen

Zwei Flaschen stehn auf einer Bank,
die eine dick, die andre schlank.
Sie mchten gerne heiraten.
Doch wer soll ihnen beiraten?

Mit Ihrem Doppel-Auge leiden
sie auf zum blauen Firmament . .
Doch niemand kommt herabgerennt
und kopuliert die beiden.

		-- Christian Morgenstern
%
Galgenbruders Frhlingslied

Es lenzet auch auf unserm Spahn,
o selige Epoche!
Ein Hlmlein will zum Lichte nahn
aus einem Astwurmloche.

Es schaukelt bald im Winde hin
Und schaukelt bald drin her.
Mir ist beinah, Ich wre wer,
der ich doch nicht mehr bin . .

		-- Christian Morgenstern
%
    Der Gaul
Es lautet beim Professor Stein.
Die Kchin rupft die Hhner.
Die Minna geht: Wer kann das sein? --
Ein Gaul steht vor der Tre.
   Die Minna wirft die Tre zu.
   Die Kchin kommt: Was gibt's denn?
   Das Frulein kommt im Morgenschuh.
   Es kommt die ganze Familie.
Ich bin, verzeihn Sie, spricht der Gaul,
der Gaul vom Tischler Bartels.
Ich brachte Ihnen dazumaul
die Tr und Fensterrahmen!
   Die vierzehn Leute samt dem Mops,
   sie stehn, als ob sie trumten.
   Das kleinste Kind tut einen Hops,
   die andern stehn wie Bume.
Der Gaul, da keiner ihn versteht,
schnalzt blo mal mit der Zunge,
dann kehrt er still sich ab und geht
die Treppe wieder hinunter.
   Die dreizehn schaun auf lhren Herrn,
   ob er nicht sprechen mchte.
   Das war, spricht der Professor Stein,
   ein unerhrtes Erlebnis!..

		-- Christian Morgenstern
%
Das Gebet

Die Rehlein beten zur Nacht,
hab acht!
Halb neun!
Halb zehn!
Halb elf!
Halb zwlf!
Zwlf!
Dle Rehlein beten zur Nacht,
hab acht!
Sie falten die kleinen Zehlein,
die Rehlein.

		-- Christian Morgenstern
%
Der Gingganz

Ein Stiefel wandern und sein Knecht
von Knickebhl gen Entenbrecht.
Urpltzlich auf dem Felde drau
begehrt der Stiefel: Zich mich aus!
Der Knecht drauf: Es ist nicht an dem;
doch sagt mir, lieber Herre, -- : wem?
Dem Stiefel gibt es einen Ruck:
Frwahr, beim heiligen Nepomuk,
ich GING GANZ in Gedanken hin . . .
Du weit, da ich ein andrer bin,
seitdem ich meinen Herrn verlor. . .
Der Knecht wirft beide Arm' empor,
als wollt' er sagen: La doch, la!
Und weiter zieht das Paar frba.

		-- Christian Morgenstern
%
Das Hemmed

Kennst du das einsame Hemmed?
Flattertata, flattertata.
Der's trug, ist ba verdmmet!
Flattertata, flattertata.
Es knattert und rattert im Winde.
Windurudei, windurudei.
Es weint wie ein kleines Kinde.
Windurudei, windurudei.
Das ist das einsame
Hemmed.

		-- Christian Morgenstern
%
Himmel und Erde

Der Nachtwindhund weint wie ein Kind,
dieweil sein Fell von Regen rinnt.
Jetzt jagt er wild das Neumondweib,
das hinflicht mit gebognem Leib.
Tief unten geht, ein dunkler Punkt,
querberfeld ein Forstadjunkt.
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Huhn

In der Bahnhofhalle, nicht fr es gebaut,
geht ein Huhn
hin und her...
Wo, wo ist der Herr Stationsvorsteh'r?
Wird dem Huhn
man nichts tun?
Hoffen wir es! Sagen wir es laut:
da ihm unsre Sympathie gehrt,
selbst an dieser Sttte, wo es -- ,strt'!
		-- Christian Morgenstern
%
  Die Hystrix

Das hinterindische Stachelschwein
(hystrix grotei Gray),
das hinterindische Stachelschwein
aus Siam, das tut weh.
Entdeckst du wo im Walde drau
bei Siam seine Spur,
dann tritt es manchmal, sagt man, aus
den Schranken der Natur.
Dann gibt sein Zorn Ihm so Gewalt,
da, eh' du dich versiehst,
es seine Stacheln jung und alt
auf deinen Leib verschiet.
Von eben bis hinab sodann
stehst du gespickt am Baum,
ein heiliger Sebastian,
und traust den Augen kaum.
Die Hystrix aber geht hinweg,
an Leib und Seele wst.
Sie sitzt im Dschungel im Versteck
und bt.
		-- Christian Morgenstern
%
  Igel und Agel

Ein Igel sa auf einem Stein
und blies auf einem Stachel sein.
Schalmeiala, schalmeial!
Da kam sein Feinslieb Agel
und tat ihm schnigel schnagel
zu seinen Melodein.
Schnigula schnagula
schnaguleia l!
Das Tier verblies sein Fltenhemd...
Wie siehst Du aus so furchtbar fremd!?
Schalmeiala, schalmeial -- .
Feins Agel ging zum Nachbar, ach!
Den Igel aber hat der Bach
zum Weiher fortgeschwemmt.
Wigula wagula
waguleia w
t t .
		-- Christian Morgenstern
%
  Km 21

Ein Rabe sa auf einem Meilenstein
und rief Ka-em-zwei-ein, Ka-em-zwei-ein..
Der Werhund lief vorbei, im Maul ein Bein,
Der Rabe rief Ka-em-zwei-ein, zwei-ein.
Vorber zottelte das Zapfenschwein,
der Rabe rief und rief Ka-em-zwei-ein.
Er ist besessen! - kam man berein.
Man fhre ihn hinweg von diesem Stein!
Zwei Hasen brachten ihn zum Kruterdachs.
Sein Hirn war ganz verstrt und weich wie Wachs.
Noch sterbend rief er (denn er starb dort) sein
Ka-em-zwei-ein, Ka-em-Ka-em-zwei-ein . .
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Knie

Ein Knie geht einsam durch die Welt.
Es ist ein Knie, sonst nichts!
Es ist kein Baum! Es ist kein Zelt!
Es ist ein Knie, sonst nichts.
Im Kriege ward einmal ein Mann
erschossen um und um.
Das Knie allein blieb unverletzt --
als wr's ein Heiligtum.
Seitdem geht's einsam durch die Welt.
Es ist ein Knie, sonst nichts.
Es ist kein Baum, es ist kein Zelt.
Es ist ein Knie, sonst nichts.
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Lied vom blonden Korken

Ein blonder Korke spiegelt sich
In einem Lacktablett --
allein er sh' sich dennoch nich',
selbst wenn er Augen htt'!
Das macht, dieweil er senkrecht steigt
zu seinem Spiegelbild!
Wenn man ihn freilich seitwrts neigt,
zerfllt, was oben gilt.
O Mensch, gesetzt, du spiegelst dich
Im, sagen wir, -- im All!
Und senkrecht! -- wrest du dann nich'
ganz in demselben Fall?
		-- Christian Morgenstern
%
  Kronprtendenten

-- Ich bin der Graf von Raumur
und hass' euch wie die Schande!
Dient nur dem Celsio fr und fr,
Ihr Apostatenbande!
Im Winkel Knig Fahrenheit
hat still sein Mus gegessen.
-- Ach Gott, sie war doch schn, die Zeit,
die man nach mir gemessen!
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Weiblein mit der Kunkel

Um 'stille Stbel schleicht des Monds
barbarisches Gefunkel --
im Gchen hoch im Norden wohnt's,
das Weiblein mit der Kunkel.
Es spinnt und spinnt. Was spinnt es wohl?
Es spinnt und spintisieret...
Es trgt ein weies Kamisol,
das seinen Krper zieret.
Um stille Stbel schleicht des Monds
barbarisches Gefunkel-
im Gchen hoch im Norden wohnt's,
Das Weiblein mit der Kunkel.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.
Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends pltzlich da --
und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein groes Haus.
Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum,
Ein Anblick grlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.
Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri -- od -- Ameriko.
		-- Christian Morgenstern
%
Lunovis

Lunovis in planitie stat
Cultrumque magn' expectitat
Lunovis.
Lunovis herba rapta it
In montes, unde cucurrit.
Lunovis.
Lunovis habet somnium:
Se culmen rer' ess' omnium.
Lunovis.
Lunovis mane mortuumst.
Sol ruber atque ips' albumst.
Lunovis.
		-- Christian Morgenstern
%
  Die Mitternachtsmaus

Wenn's mitternchtigt und nicht Mond
noch Stern das Himmelshaus bewohnt,
luft zwlfmal durch das Himmelshaus
die Mitternachtsmaus.
Sie pfeift auf ihrem kleinen Maul, --
lm Traume brllt der Hllengaul . . .
Doch ruhig luft ihr Pensum aus
die Mitternachtsmaus.
Ihr Herr, der groe weie Geist,
ist nmlich solche Nacht verreist.
Wohl ihm! Es htet ihm sein Haus
die Mitternachtsmaus.
		-- Christian Morgenstern
%
  Mwenlied

Die Mwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hieen.
Sie tragen einen weien Flaus
und sind mit Schrot zu schieen.
Ich schiee keine Mwe tot,
Ich la sie lieber leben --
und fttre sie mit Roggenbrot
und rtlichen Zibeben.
O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Mwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heiest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.
		-- Christian Morgenstern
%
  Mondendinge

Dinge gehen vor im Mond,
die das Kalb selbst nicht gewohnt.
Tulemond und Mondamin
liegen heulend auf den Knien.
Heulend fletschen sie die Zhne
auf der schwefligen Hyne.
Aus den Kratern aber steigt
Schweigen, das sie berschweigt.
Dinge gehen vor im Mond,
die das Kalb selbst nicht gewohnt.
Tulemond und Mondamin
liegen heulend auf den Knien . . .
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Mondschaf

Das Mondschaf steht auf weiter Flur.
Es harrt und harrt der groen Schur.
Das Mondschaf.
Das Mondschaf rupft sich einen Halm
Und geht dann heim auf seine Alm.
Das Mondschaf.
Das Mondschaf spricht zu sich im Traum:
Ich bin des Weltalls dunkler Raum.
Das Mondschaf.
Das Mondschaf liegt am Morgen tot.
Sein Leib ist wei, die Sonn' ist rot.
Das Mondschaf.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Mond

Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:
Beim Zu-sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,
ein A formierend und ein Z --
da keiner gro zu denken htt'.
Befolgend dies ward der Trabant
ein vllig deutscher Gegenstand.
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Nasobm

Auf seinen Nasen schreitet
einher das Nasobm,
von seinem Kind begleitet.
Es steht noch nicht im Brehm.
Es steht noch nicht im Meyer.
Und auch im Brockhaus nicht.
Es trat aus meiner Leyer
zum ersten Mal ans Licht.
Auf seinen Nasen schreitet
(wie schon gesagt) seitdem,
von seinem Kind begleitet,
einher das Nasobm.
		-- Christian Morgenstern
%
  Nein!

Pfeift der Sturm?
Keift ein Wurm?
Heulen
Eulen
hoch vom Turm?
Nein!
Es ist des Galgenstrickes
dickes
Ende, welches chzte,
glelch als ob
Im Galopp
eine mdgehetzte Mhre
nach dem nchsten Brunnen lechzte
(der vielleicht noch ferne wre).
		-- Christian Morgenstern
%
  Palmstrm

Palmstrm steht an einem Teiche
und entfaltet gro ein rotes Taschentuch:
Auf dem Tuch ist eine Eiche
dargestellt, sowie ein Mensch mit einem Buch.
Palmstrm wagt nicht sich hineinzuschneuzen, --
er gehrt zu jenen Kuzen,
die oft unvermittelt-nackt
Ehrfurcht vor dem Schnen packt.
Zrtlich faltet er zusammen,
was er eben erst entbreitet.
Und kein Fhlender wird ihn verdammen,
weil er unzeschneuzt entschreitet.
		-- Christian Morgenstern
%
  Philanthropisch

Ein nervser Mensch auf einer Wiese
wre besser ohne sie daran;
darum seh' er, wie er ohne diese
(meistens mindstens) leben kann.
Kaum da er gelegt sich auf die Grser
naht der Ameis, Heuschreck, Mck und Wurm,
naht der Tausendfu und Ohrenblser,
und die Hummel ruft zum Sturm.
Ein nervser Mensch auf einer Wiese
tut drum besser, wieder aufzustehn
und dafr in andre Paradiese
(beispielshalber: weg) zu gehn.
		-- Christian Morgenstern
%
  Die Probe

Zu einem seltsamen Versuch
erstand ich mir ein Nadelbuch.
Und zu dem Buch ein altes zwar,
doch uerst khnes Dromedar.
Ein Reicher auch daneben stand,
zween Scke Gold in jeder Hand.
Der Reiche ging alsdann herfr
und klopfte an die Himmelstr
Drauf Petrus sprach: Geschrieben steht,
da ein Kamel weit eher geht
durchs Nadelhr, als Du, du Heid
durch diese Tre gro und breit!
Ich, glaubend fest an Gottes Wort,
ermunterte das Tier sofort,
Ihm zeigend hinterm Nadelhr
ein Zuckerhrnchen als Douceur.
Und in der Tat! Das Vieh ging durch,
obzwar sich quetschend wie ein Lurch!
Der Reiche aber sah ganz stier
und sagte nichts als: Wehe mir!
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Problem

Der Zwlf-Elf kam auf sein Problem
und sprach: Ich heie unbequem.
Als hie' ich etwa Drei-Vier
statt Sieben -- Gott verzeih mir!
Und siche da, der Zwlf-Elf nannt' sich
von jenem Tag ab Dreiundzwanzig.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der heroische Pudel

Ein schwarzer Pudel, dessen Haar
des abends noch wie Kohle war,
betrbte sich so hllenhei,
weil seine Dame Flgel spielte,
trotzdem er heulte; da (o Preis
dem Schmerz, der solchen Sieg erzielte!)
er beim Gekrh der Morgenhhne
aufstand als wie ein hoher Greis --
mit einer silberweien Mhne.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Purzelbaum

Ein Purzelbaum trat vor mich hin
und sagte: Du nur siehst mich
und weit, was fr ein Baum ich bin:
Ich schiee nicht, man schiet mich.
Und trag' ich Frucht? Ich glaube kaum;
auch bin ich nicht verwurzelt.
Ich bin nur noch ein Purzeltraum,
sobald ich hingepurzelt.
Jenun, so sprach ich, bester Schatz,
du bist doch klug und siehst uns; --
nun, auch fr uns besteht der Satz:
wir schieen nicht, es schiet uns.
Auch Wurzeln treibt man nicht so bald,
und Frchte nun erst recht nicht.
Geh heim in deinen Purzelwald,
und lstre dein Geschlecht nicht.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Rabe Ralf

Der Rabe Ralf
will will hu hu
dem niemand half
still still du du
half sich allein
am Rabenstein
will will still still
hu hu
Die Nebelfrau
will will hu hu
nimmt's nicht genau
still still du du
sie sagt nimm nimm
's ist nicht so schlimm
will will still still
hu hu
Doch als ein Jahr
will will hu hu
vergangen war
still still du du
da lag im Rot
der Rabe tot ,
will will still still
du du
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Schaukelstuhl
  auf der verlassenen Terrasse.

Ich bin ein einsamer Schaukelstuhl
und wackel im Winde, im Winde.
Auf der Terrasse, da ist es kuhl,
und ich wackel im Winde, im Winde.
Und ich wackel und nackel den ganzen Tag.
Und es nackelt und rackelt die Linde
Wer wei, was sonst wohl noch wackeln mag
		-- Christian Morgenstern
%
  Unter Schwarzknstlern

Eines Mittags las man:
Pfiffe zu mieten gesucht!
Hundertweis, zu jedem Preis!
Victor Emanuel Wasmann!
Um sechs Uhr kam der erste Pfiff
von einem alten Kohlenschiff.
Um acht Uhr waren's tausend schon.
Um neun Uhr eine halbe Million.
Victor Emanuel Wasmann schlug
die Tre zu: Nun ist's genug!
Hrt zu, ihr Pfiffe!
Ich habe einen Feind (hrt! hrt!),
der mir des nachts die Ruhe strt,-
auf den sollt ihr marschieren!
Er hat Gelchter angestellt,
die schickt er nachts mir an mein Bett,
da hocken sie auf der Decke,
mit Flgeln wei und Flgeln rot,
und krhn und flattern mich zu Tod. --
Doch alles hat sein Ende.
Die Pfiffe pfiffen wie Ein Mann;
empfingen ihren Sold sodann.
(Ein Schusterjungenpfiff sogar
bot Wasmann sich als Bravo dar.)
Drauf lie er sie durchs Ofenloch..
Doch lange stand er brtend noch,
schrieb Zeichen, hob die Hand und schwur,
ein schwarzer Meister der Natur..
*
Bald nach diesem ging
ein Herr Axel Ring
kurzerhand
auer Land. --
Wasmann hatte gesiegt.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Seufzer

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nchtlichem Eis
und trmte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneewei
glnzten die Stadtwallgebude.
Der Seufzer dacht' an ein Maidelein
und blieb erglhend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm --
und er sank -- und ward nimmer gesehen.
		-- Christian Morgenstern
%
  Galgenbruders Lied an Sophie, die Henkersmaid

Sophie, mein Henkersmdel,
komm, ksse mir den Schdel!
Zwar ist mein Mund
ein schwarzer Schlund --
doch du bist gut und edel!
Sophie, mein Henkersmdel,
komm, streichle mir den Schdel!
Zwar ist mein Haupt
des Haars beraubt --
doch du bist gut und edel!
Sophie, mein Henkersmdel,
komm, schau mir in den Schdel!
Die Augen zwar,
sie fra der Aar --
doch du bist gut und edel!
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Tanz

Ein Vierviertelschwein und eine Auftakteule
trafen sich im Schatten einer Sule,
die im Geiste Ihres Schpfers stand.
Und zum Spiel der Fiedelbogenpflanze
reichten sich die zwei zum Tanze
Fu und Hand.
Und auf seinen dreien rosa Beinen
hpfte das Vierviertelschwein grazis,
und die Auftakteul' auf ihrem einen
wiegte rhythmisch ihr Gekrs.
Und der Schatten fiel,
und der Pflanze Spiel
klang verwirrend melodis.
Doch des Schpfers Hirn war nicht von Eisen,
und die Sule schwand, wie sie gekommen war;
und so mute denn auch unser Paar
wieder in sein Nichts zurcke reisen.
Einen letzten Strich
tat der Geigerich-
und dann war nichts weiter zu beweisen.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Traum der Magd

Am Morgen spricht die Magd ganz wild:
Ich hab heut nacht ein Kind gestillt --
ein Kind mit einem Ks als Kopf --
und einem Horn am Hinterschopf!
Das Horn, o denkt euch, war aus Salz
und ging zu essen, und dann --
Halt's --
halt's Maul! so spricht die Frau, und geh
an deinen Dienst, Z-zi-li-!
		-- Christian Morgenstern
%
                                Die Trichter
                                      
                   Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.
                    Durch ihres Rumpfs verengten Schacht
                          fliet weies Mondlicht
                              still und heiter
                                 auf ihren
                                  Waldweg
                                   U. S.
                                     W.
		-- Christian Morgenstern
%
  Unter Zeiten

Das Perfekt und das Imperfekt
tranken Sekt.
Sie stieen aufs Futurum an
(was man wohl gelten lassen kann).
Plusquamper und Exaktfutur
blinzten nur.
		-- Christian Morgenstern
%
  Gei und Schleiche

Die Schleiche singt ihr Nachtgebet,
die Waldgei staundend vor ihr steht.
Die Waldgei schttelt ihren Bart,
wie ein Magister Hochgelahrt.
Sie wei nicht, was die Schleiche singt,
sie hrt nur, da es lieblich klingt.
Die Schleiche fllt in Schlaf alsbald.
Die Gei geht sinnend durch den Wald.
		-- Christian Morgenstern
%
       Der Werwolf
Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: Bitte, beuge mich!
  Der Dorfschulmeister stieg hinauf
  auf seines Blechschilds Messingknauf
  und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
  geduldig kreuzte vor dem Toten:
Der Werwolf -- sprach der gute Mann,
des Weswolfs, Genitiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie man's nennt,
den Wenwolf, -- damit hat's ein End.
  Dem Werwolf schmeichelten die Flle,
  er rollte seine Augenblle.
  Indessen, bat er, fge doch
  zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!
Der Dorfschulmeister aber mute
gestehn, da er von ihr nichts wute.
Zwar Wlfe gb's in groer Schar,
doch Wer gb's nur im Singular.
  Der Wolf erhob sich trnenblind --
  er hatte ja doch Weib und Kind!!
  Doch da er kein Gelehrter eben,
  so schied er dankend und ergeben.

		-- Christian Morgenstern
%
       Die Werwlfe

Doch als er so nach Hause kam
ward seine Frau mit ihm ganz gram.
'Was!', rief sie aus, 'die Mehrzahl fehlt?
Das kann nicht sein! Wie mich das qult!
  Du hast den falschen Mann gefragt,
  der dumm geblieben bis in's Grab.
  Sofort zurck zum nchsten Ort,
  erneut gefragt und dann Rapport!'
Der Werwolf also schlich bekmmert
erneut zum Fridhof als es dmmert.
Dort findet er nach langem Suchen
das Grab von Meister Konrad Duden.
  Verneigt sich dort und bittet hflich
  um Beugung seiner Frau (falls mglich).
  Und auch sein Kind. - Sie all'mit Bangen
  nach Beugung Plural sie verlangen.
Zunchst Herr Duden ist emprt,
im Grabe fhlt er sich gestrt.
Doch als er das Problem vernommen,
ist Mitleid ber ihn gekommen.
  Er legt die blasse Stirn in Falten,
  wirkt freundlich, nicht mehr ungehalten
  und spricht nach kurzer berlegung
  (nicht ohne innere Erregung):
'Sag'deinem Weib und deinem Kind,
wo drei Werwlf zusammen sind
und Beugung aller drei erbeten,
ein Plural ist wie folgt vonnten:
  Die Werwlfe', hob er dann an,
  'der Weswlfe, die folgen dann.
  Den Wemwlfen - man sieht sie selten,
  die Wenwlfe, als Spuk sie gelten.'
Der Werwolf dankte hocherfreut
und rannte heim zu seiner Meut'.
Und seitdem feiern jedes Jahr
die Werwlfe auch im Plural.

		-- Udo Bahntje (Nachfahre Christian Morgensterns zu dessen Werwolf)
%
  Die Weste

Es lebt in Sditalien eine Weste
an einer Kirche dmmrigem Altar.
Versteht mich recht: Noch dient sie Gott aufs beste.
Doch wie in Adam schon Herr H&alig;ckel war,
(zum Beispiel blo), so stockt in diesem Reste
Brokat voll Silberblmlein wunderbar
schon heut der krause bergang verborgen
vom Geist von gestern auf den Wanst von morgen.
		-- Christian Morgenstern
%
  Die Westksten

Die Westksten traten eines Tages zusammen
und erklrten, sie seien keine Westksten,
weder Ostksten noch Westksten-
da sie nicht wten!
Sie wollten wieder ihre Freiheit haben
und fr immer das Joch des Namens abschtteln,
womit eine Horde von Menschenbtteln
sich angemat habe, sie zu begaben.
Doch wie sich befreien, wie sich erretten
aus diesen widerwrtigen Ketten?
Ihr Westksten, fing eine an zu spotten,
gedenkt ihr den Menschen etwan auszurotten?
Und wenn schon! rief eine andre schrill.
Wenn ich seine Magd nicht mehr heien will? --
Dann blieben aber immer noch die Atlanten --
meinte eine von den asiatischen Tanten.
Schlielich, wie immer in solchen Fllen,
tat man eine Resolution aufstellen.
FnfhundertTintenfische wurden aufgetrieben,
und mit ihnen wurde folgendes geschrieben;
Wir Westksten erklren hiermit einstimmig,
da es uns nicht gibt, und zeichnen hoch-achtungsvoll:
Die vereinigten Westktsten der Erde.-
Und nun wollte man, da dies verbreitet werde.
Sie riefen den Walfisch, doch er tat's nicht achten;
sie riefen die Mwen, doch die Mwen lachten;
sie riefen die Wolke, doch die Wolke vernahm nicht;
sie riefen ich wei nicht was, doch ich wei nicht was kam nicht
Ja, wieso denn, wieso? schrie die Kste von Ecuador:
Wrst du etwa kein Walfisch, du grober Tor?
Sehr richtig, sagte der Walfisch mit vollkommener Ruh:
Dein Denken, liebe Kste, dein Denken macht mich erst dazu.
Da war's den Ksten, als sh'n sie sich im Spiegel;
ganz seltsam erschien ihnen pltzlich Ihr Gewiegel.
Still schwammen sie heim, eine jede nach ihrem Land.
Und die Resolution, die blieb unversandt.
		-- Christian Morgenstern
%
  Das
sthetische
Wiesel

Ein Wiesel
sa auf einem Kiesel
Inmitten Bachgeriesel.
Wit ihr
weshalb?
Das Mondkalb
verriet es mir
Im Stillen:
Das raffinier-
te Tier
tat's um des Reimes willen.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Wrfel

Ein Wrfel sprach zu sich: Ich bin
mir selbst nicht vllig zum Gewinn!
Denn meines Wesens sechste Seite,
und sei es auch Ein Auge blo
sieht immerdar statt in die Weite,
der Erde ewig dunklen Scho.
Als dies die Erde, drauf er ruhte,
vernommen, ward ihr schlimm zu Mute.
Du Esel, sprach sie, ich bin dunkel,
weil dein Ges mich just bedeckt!
Ich bin so licht wie ein Karfunkel,
sobald du dich hinweggefleckt.
Der Wrfel, innerlichst beleidigt,
hat sich nicht weiter drauf verteidigt.
		-- Christian Morgenstern
%
  Die Beichte des Wurms

Es lebt in einer Muschel
ein Wurm gar seltner Art;
der hat mir mit Getusches
sein Herze offenbart.
Sein armes kleines Herze,
hei, wie das flog und schlug!
Ihr denket wohl, ich scherze?
Ach, denket nicht so klug.
Es lebt in einer Muschel
ein Wurm gar seltner Art;
der hat mir mit Getuschel.
sein Herze offenbart.
		-- Christian Morgenstern
%
  Die zwei Wurzeln

Zwei Tannenwurzeln gro und alt
unterhalten sich im Wald.
Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.
Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strmpfe fr die zwei.
Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag.
Das ist genug fr einen Tag.
		-- Christian Morgenstern
%
       Der Zwlf-Elf
Der Zwlf-Elf hebt die linke Hand:
Da schlgt es Mitternacht im Land.
Es lauscht der Teich mit offnem Mund
Ganz leise heult der Schluchtenhund.
Die Dommel reckt sich auf im Rohr
Der Moosfrosch lugt aus seinem Moor.
Der Schneck horcht auf in seinem Haus
Desglelchen die Kartoffelmaus.
Das Irrlicht selbst macht Halt und Rast
auf einem windgebrochnen Ast-
Sophie, die Maid, hat ein Gesicht:
Das Mondschaf geht zum Hochgericht.
Die Galgenbrder wehn im Wind.
Im fernen Dorfe schreit ein Kind.
Zwei Maulwrf kssen sich zur Stund
als Neuvermhlte auf den Mund.
Hingegen tief im finstern Wald
ein Nachtmahr seine Fuste ballt:
Dieweil ein spter Wanderstrumpf
sich nicht verlief in Teich und Sumpf.
Der Rabe Ralf ruft schaurig: Kra!
Das End ist da! Das End ist da!
Der Zwlf-Elf senkt die linke Hand:
Und wieder schlft das ganze Land.
		-- Christian Morgenstern
%
      Der Glaube
Eines Tags bei Kohlhasficht
sah man etwas Wunderbares.
Doch da zweifellos und wahr es,
dafr brgt das Augenlicht.
  Nmlich standen dort zwei Hgel,
  hchst solid und wohl bestellt;
  einen schmckten Windmhlflgel
  und den andern ein Kornfeld.
Pltzlich eines Tags um viere
wechselten die Pltze sie;
furchtbar brllten die Dorfstiere,
und der Mensch fiel auf das Knie.
  Doch der Bauer Anton Metzer,
  weit berhmt als frommer Mann,
  sprach: Ich war der Landumsetzer,
  zeigt mich nur dem Landrat an.
Niemand anders als mein Glaube
hat die Berge hier versetzt.
Da sich keiner was erlaube:
Denn ich fhle stark mich jetzt.
  Aller Auge stand gigantisch
  offen, als er dies erzhlt.
  Doch das Land war protestantisch,
  und in Dalldorf starb ein Held.
 
		-- Christian Morgenstern
%
   Gruselett

Der Flgelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert,
und grausig gutzt der Golz.

		-- Christian Morgenstern
%
    Die Kugeln

Palmstrm nimmt Papier aus seinem Schube.
Und verteilt es kunstvoll in der Stube.

Und nachdem er Kugeln draus gemacht.
Und verteilt es kunstvoll, und zur Nacht.

Und verteilt die Kugeln so (zur Nacht),
da er, wenn er pltzlich nachts erwacht,

da er, wenn er nachts erwacht, die Kugeln
knistern hrt und ihn ein heimlich Grugeln

packt (da ihn dann nachts ein heimlich Grugeln
packt) beim Spuk der packpapiernen Kugeln ...

		-- Christian Morgenstern
%
    Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der Terasse,
auf da er sich ein Opfer fasse

- und strzt alsbald mit groem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert prompt: "Pitsch!"
und hat ihn drauf bis Montag frh.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Elster

Ein Bach, mit Namen Elster, rinnt
durch Nacht und Nebel und besinnt
inmitten dieser stillen Handlung
sich seiner einstigen Verwandlung,
die ihm vor mehr als tausend Jahren
von einem Magier widerfahren.

Und wie so Nacht und Nebel weben,
erwacht in ihm das alte Leben,
Er fhrt in eine in der Nhe
zufllig eingeschlafene Krhe
und fliegt, dieweil sein Bett verdorrt,
wie dermaleinst als Vogel fort.

		-- Christian Morgenstern
%
  Entwurf zu einem Trauerspiele

Ein Flu, namens Elster,
besinnt sich auf seine wahre Gestalt
und fliegt eines Abends
einfach weg.

Ein Mann, namens Anton,
erblickt ihn auf seinem Acker und schiet
ihn mit seiner Flinte
einfach tot.

Das Tier, namens Elster,
bereut zu spt seine selbstische 'Tat
(denn - Wassersnot tritt
einfach ein).

Der Mann, namens Anton,
(und das ist leider kein Wunder) wei
von seiner Mitschuld
einfach nichts.

Der Mann, namens Anton,
(und das vershnt in einigem Ma)
verdurstet gleichwohl
einfach auch.

		-- Christian Morgenstern
%
  Es ist Nacht

Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hlt's nicht aus,
hlt's nicht aus mehr bei mir.

Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.

Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du.

		-- Christian Morgenstern
%
  Gespenst

Es gibt ein Gespenst,
das frit Taschentcher;
Es begleitet dich
auf deiner Reise,
es frit dir aus dem Koffer,
aus dem Bett,
aus dem Nachttisch,
wie ein Vogel
aus der Hand,
vieles weg, -
nicht alles, nicht auf ein Mal.
Mit achtzehn Tchern,
stolzer Segler,
fuhrst du hinaus
aufs Meer der Fremde,
mit acht bis sieben
kehrst du zurck,
ein Gram der Hausfrau.

		-- Christian Morgenstern
%
  Gruselett

Der Flgelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert,
und grausig gutzt der Golz.

		-- Christian Morgenstern
%
  Palmstrm legt des Nachts sein Chronometer

Palmstrm legt des Nachts sein Chronometer,
um sein lstig Ticken nicht zu hren,
in ein Glas mit Opium oder ther.

Morgens ist die Uhr dann ganz 'herunter'.
Ihren Geist von neuem zu beschwren,
wscht er sie mit schwarzem Mokka munter.

		-- Christian Morgenstern
%
  Zzilie

Zzilie soll die Fenster putzen,
sich selbst zum Gram, jedoch dem Haus zum Nutzen.

"Durch meine Fenster mu man," spricht die Frau,
"so durchsehn knnen, da man nicht genau,
erkennen kann, ob dieser Fenster Glas
Glas oder bloe Luft ist. Merk dir das."
Zzilie ringt mit allen Menschen-Waffen ...
Doch hnlichkeit mit Luft ist nicht zu schaffen.
Zuletzt ermannt sie sich mit einem Schrei -
und schlgt die Fenster allesamt entzwei!
Dann subert sie die Rahmen von den Resten,
und ohne Zweifel ist es so am besten.
Sogar die Dame spricht zunchst verdutzt:
"So hat Zzilie ja noch nie geputzt"

Doch alsobald ersieht man, was geschehn,
und sagt einstimmig: "Diese Magd mu gehn!"

		-- Christian Morgenstern
%
  Auf dem Fliegenplaneten

Auf dem Fliegenplaneten,
da geht es dem Menschen nicht gut:
Denn was er hier der Fliege,
die Fliege dort ihm tut.

An Bndern voll Honig kleben
die Menschen dort allesamt,
und andere sind zum Verleben
in sliches Bier verdammt.

In einem nur scheinen die Fliegen
dem Menschen vorauszustehn:
Man bckt uns nicht in Semmeln,
noch trinkt man uns aus Versehn.

		-- Christian Morgenstern
%
Der Trumer

Palmstrm stellt ein Bndel Kerzen
auf des Nachttischs Marmorplatte
und verfolgt es beim Zerschmelzen.

Seltsam formt es ein Gebirge
aus herabgefloner Lava,
bildet Zotteln, Zungen, Schnecken.

Schwankend ber dem Gerinne
stehn die Dochte mit den Flammen
gleichwie goldene Zypressen.

Auf den weien Mrchenfelsen
schaut des Trumers Auge Scharen
unverzagter Sonnenpilger.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Enten laufen Schlittschuh

Die Enten laufen Schlittschuh
auf ihrem kleinen Teich.
Wo haben sie denn die Schlittschuh her -
sie sind doch gar nicht reich?

Wo haben sie denn die Schlittschuh her?
Woher? Vom Schlittschuhschmied!
Der hat sie ihnen geschenkt, weit du,
fr ein Entenschnatterlied.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Nabelschnur

Auch der Kaufmann hier in Babel
ist ein heimlicher Feldwabel,
treibt's in seinen Auslagscheiben,
wie's die Tempelhofer treiben,
  lt die Waren aufmarschieren,
  sich in Reih und Glied formieren,
  rechts Console, links Console,
  mittendrin Tablett mit Bowle.
Weiter vorn am Rand der Rampe
links ne Lampe, rechts ne Lampe.
Oben in der Mitte Gips
und im Halbkreis unten Nippes.
  Steht so alles stramm gefget,
  hat er seiner Pflicht genget
  und beim Zwlfuhr-Wache-Schritt
  klirn sein Fenster lustig mit.
Ja, es trgt in diesem Babel
jeder noch die Schnur am Nabel,
welche zu dem Korporal
fhrt von anno dazumal.

		-- Christian Morgenstern
%
  Das Polizeipferd

Palmstrm fhrt ein Polizeipferd vor.
Dieses wackelt mehrmals mit dem Ohr
und berechnet den ertappten Tropf
logarhythmisch und auf Spitz und Knopf.

Niemand wagt von nun an einen Streich:
denn der Gaul berechnet ihn sogleich.
Offensichtlich wchst im ganzen Land
menschliche Gesittung und Verstand.

		-- Christian Morgenstern
%
  Von dem groen Elefanten

Kennst du den groen Elefanten,
du weit, den Onkel von den Tanten,
den ganz ganz groen, weit du, der -
der immer so macht, hin und her.

Der lt dich nmlich vielmals gren,
er hat mit seinen eignen Fen
hineingeschrieben in den Sand:
Gr mir Sophiechen Windelband!

Du darfst mir ja nicht drber lachen.
Wenn Elefanten so was machen,
so ist dies selten, meiner Seel!
Weit seltner als bei dem Kamel.

		-- Christian Morgenstern
%
  Der Sperling und das Knguruh

In seinem Zaun das Knguruh -
es hockt und guckt dem Sperling zu.

Der Sperling sitzt auf dem Gebude -
doch ohne sonderliche Freude.

Vielmehr, er fhlt, den Kopf geduckt,
wie ihn das Knguruh beguckt.

Der Sperling strubt den Federflaus -
die Sache ist auch gar zu kraus.

Ihm ist, als ob er kaum noch se . . .
Wenn nun das Knguruh ihn fre?!

Doch dieses dreht nach einer Stunde
den Kopf aus irgend einem Grunde,

vielleicht auch ohne tiefern Sinn,
nach einer andern Richtung hin.

		-- Christian Morgenstern
%
  Das Auge der Maus

Das rote Auge einer Maus
lugt aus dem Loch heraus.

Es funkelt durch die Dmmerung . . .
Das Herz gert in Hmmerung.

"Das Herz von wem?" Das Herz von mir!
Ich sitze nmlich vor dem Tier.

O Seele, denk an diese Maus!
Alle Dinge sind voll Graus.

		-- Christian Morgenstern
%
  Nachtbild

Es horcht ein Hofhund hinterm Zaun -
("Achtung! Hunde!")
Es horcht ein Hofhund hinterm Zaun
zur mitternchtigen Stunde.
Mit glhenden Augen steht der Hund
an einem Mbelwagen . . .
Der Mensch ist fort. Die Nacht ist rund
mit Sternen ausgeschlagen.

		-- Christian Morgenstern
%
  Kleine Geschichte

Litt einst ein Fhnlein groe Not,
halb war es gelb, halb war es rot
und wollte gern zusammen
zu einer lichten Flammen.

Es zog sich, wand sich, wellte sich,
es knitterte, es schnellte sich -
umsonst! es mocht nicht glcken,
die Naht zu berbrcken.

Da kam ein Wolkenbruch daher
und wusch das Fhnlein kreuz und quer,
da Rot und Gelb, zerflossen,
voll Inbrunst sich genossen.

Des Fhnleins Herren freilich war
des Vorgangs Freudigkeit nicht klar -
indes, die sich besaen,
nun alle Welt vergaen.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die zwei Parallelen

Es gingen zwei Parallelen
ins Endlose hinaus,
zwei kerzengerade Seelen
und aus solidem Haus.
  Sie wollten sich nicht schneiden
  bis an ihr seliges Grab:
  Das war nun einmal der beiden
  geheimer Stolz und Stab.
Doch als sie zehn Lichtjahre
gewandert neben sich hin,
da wards dem einsamen Paare
nicht irdisch mehr zu Sinn.
  Warn sie noch Parallelen?
  Sie wutens selber nicht, -
  sie flossen nur wie zwei Seelen
  zusammen durch ewiges Licht.
Das ewige Licht durchdrang sie,
da wurden sie eins in ihm;
die Ewigkeit verschlang sie
als wie zwei Seraphim.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch,
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrber, da schneit es, hu!

Sie rcken zusammen dicht an dicht,
so warm wie Hans hat's niemand nicht.

Sie hr'n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

		-- Christian Morgenstern
%
  Der sthet

Wenn ich sitze, will ich nicht
sitzen, wie mein Sitz-Fleisch mchte,
sondern wie mein Sitz-Geist sich,
se er, den Stuhl sich flchte.

Der jedoch bedarf nicht viel,
schtzt am Stuhl allein den Stil,
berlt den Zweck des Mbels
ohne Grimm der Gier des Pbels.

		-- Christian Morgenstern
%
  Mgde am Sonnabend

Sie hngen sie an die Leiste,
die Teppiche klein und gro,
sie hauen, sie hauen im Geiste
auf ihre Herrschaft los.

Mit einem wilden Behagen,
mit wahrer Berserkerwut,
fr eine Woche voll Plagen
khlen sie sich den Mut.

Sie hauen mit splitternden Rohren
im infernalischen Takt.
Die vorderhuslichen Ohren
nehmen davon nicht Akt.

Doch hinten jammern, zerrissen
im Tiefsten, von Hieb und Sto,
die Lufer, die Perserkissen
und die dicken deutschen Plumeaus.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Vogelscheuche

Die Raben rufen: "Krah, krah, krah!
Wer steht denn da, wer steht denn da?
Wir frchten uns nicht, wir frchten uns nicht
vor dir mit deinem Brillengesicht.

Wir wissen ja ganz genau,
du bist nicht Mann, du bist nicht Frau.
Du kannst ja nicht zwei Schritte gehn
und bleibst bei Wind und Wetter stehn.

Du bist ja nur ein bloer Stock,
mit Stiefeln, Hosen, Hut und Rock.
Krah, krah, krah!"

		-- Christian Morgenstern
%
  Das Geierlamm

Der Lmmergeier ist bekannt,
das Geierlamm erst hier genannt.

Der Geier, der ist offenkundig,
das Lamm hingegen untergrundig.

Es sagt nicht hu, es sagt nicht mh
und frit dich auf aus nchster Nh.

Und dreht das Auge dann zum Herrn.
Und alle habens herzlich gern.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Windhosen

Beim Windhosenschneider Amorf
erstehen sich Palmstrm und Korf
zwei Windbeinkleider aus best-
empfohlenem Nordnordwest.

So angetan wirbeln sie quer
und kreuz ber Festland und Meer
und fassen die Schurken beim Schopf
und lassen die Guten beim Topf.

Der Wetterwart schaut sie und stutzt:
Zum ersten Mal sieht er verdutzt,
was sonst rein phnomenal,
im Dienst einer klaren Moral.

		-- Christian Morgenstern
%
  Fips

Ein kleiner Hund mit Namen Fips
erhielt vom Onkel einen Schlips
aus gelb und roter Seide.

Die Tante aber hat, o denkt,
ihm noch ein Glcklein drangehngt
zur Aug- und Ohrenweide.

Hei, war der kleine Hund da stolz.
Das merkt sogar der Kaufmann Scholz
im Hause gegenber.

Den grte Fips sonst mit dem Schwanz;
jetzt ging er voller Hoffart ganz
an seiner Tr vorber.

		-- Christian Morgenstern
%
  Der Papagei

Es war einmal ein Papagei,
der war beim Schpfungsakt dabei
und lernte gleich am rechten Ort
des ersten Menschen erstes Wort.

Des Menschen erstes Wort war A
und hie fast alles, was er sah,
z. B. Fisch, z. B. Brot,
z. B. Leben oder Tod.

Erst nach Jahrhunderten voll Schnee
erfand der Mensch zum A das B
und dann das L und dann das Q
und schlielich noch das Z dazu.

Gedachter Papagei indem
ward lter als Methusalem,
bewahrend treu in Brust und Schnabel
die erste menschliche Vokabel.

Zum Schlusse starb auch er am Zips.
Doch heut noch steht sein Bild in Gips,
geschmckt mit einem grnen A,
im Staatsschatz zu Ekbatana.

		-- Christian Morgenstern
%
      Bahn frei!
Nur mt ihr mich nicht halten wollen,
wenn die Rosse der Phantasie
vor meiner Geiel dahinrasen!
Wehe dem Schurken,
der mir in die Zgel fllt, -
siebenmal schleif ich ihn
um den Bezirk
meiner Welt.
Wehe vor allem dem Rezensenten,
der mir
mit hchst ungriechischem Feuer
den Weg bedrut.
Meine Peitsche ist lnger noch
als seine Ohren,
von strkerem Leder
als seine Hirnhaut,
die Schnur noch gespaltner
als seine Zunge.
Bahn frei!
Kurz ist zur Fahrt die Zeit.
Springt mit herauf,
wenn's euch lstet!
Tausend gewhr ich Platz,
hier an den Mhnen,
hier an den Schweifen,
hier auf den Rcken der Rosse,
und hier oben bei mir
auf dem Wagen
weiteren tausend.
Herauf, Freunde!
Sturm um die Stirn,
Sonnen im Aug,
so lat uns jauchzend
die tausendundein Weltwege
durchbrausen.
		-- Christian Morgenstern
%
  Die wirklich praktischen Leute

Es kommen zu Palmstrm heute
die wirklich praktischen Leute,
  die wirklich auf allen Zehen
  im wirklichen Leben stehen.
Sie klopfen ihm auf den Rcken
und sind in sehr vielen Stcken -
  so sagen sie - ganz die Seinen.
  Doch wer, der mit beiden Beinen
im wirklichen Leben stnde,
der wte doch und befnde,
  wie viel, so gut auch der Wille,
  rein idealistische Grille.
Sie schtteln besorgt die Kpfe
und drehn ihm vom Rock die Knpfe
  und hoffen zu postulieren:
  er wird auch einer der Ihren,
ein Glanzstck erlesenster Sorte,
ein Brger, mit einem Worte.

		-- Christian Morgenstern
%
  Herr Meier

Herr Meier hlt sich fr das Ma der Welt.
Verstndlich ist allein, was ihm erhellt.

Herr Meier sagt, wozu doch eure Kunst,
wenn nicht fr mich! Sonst ist sie eitel Dunst.

Noch mehr, bei weitem mehr: Herr Meier meint,
da dann die Kunst im Grunde strflich scheint.

Man mu sich eiligst von Herrn Meier wenden,
um nicht mit Mord und Raserei zu enden.

		-- Christian Morgenstern
%
  Wenn von links mich Feld und Dickicht riefe
und von rechts der Mensch der "bessern Kreise" -

zg ich meinen Hut in aller Tiefe
und begbe mich zu Fuchs und Meise.

Denn was dort nicht dumm ist, ist verbogen.
Deutsche Brgerwelt, du bist verlogen.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Behrde

Korf erhlt vom Polizeibro
ein geharnischt Formular,
wer er sei und wie und wo.
  Welchen Orts er bis anheute war,
  welchen Stands und berhaupt,
  wo geboren, Tag und Jahr.
Ob ihm berhaupt erlaubt,
hier zu leben und zu welchem Zweck,
wieviel Geld er hat und was er glaubt.
  Umgekehrten Falls man ihn vom Fleck
  in Arrest verfhren wrde, und
  drunter steht: Borowsky, Heck.
Korf erwidert darauf kurz und rund:
"Einer hohen Direktion
stellt sich, laut persnlichem Befund,
  untig angefertigte Person
  als nichtexistent im Eigen-Sinn
  brgerlicher Konvention
vor und aus und zeichnet, wennschonhin
mitbedauernd nebigen Betreff,
Korf. (An die Bezirksbehrde in -.)"
  Staunend liests der anbetroffne Chef.

		-- Christian Morgenstern
%
  Der fromme Riese

Korf lernt einen Riesen kennen,
dessen Frau ihm alles in den Mund gibt,
was sie nicht mag.
  Nacht und Tag,
  wenn sie ihm solchen Willen kundgibt,
  sieht man ihn seine Lippen geduldig trennen
und vorsichtig hinter sein Zahngehege
alles schieben, was seiner Frau im Wege.
  Und es ist ihr viel im Wege, der Frau.
  Ganz unmglich wre, zu sagen genau,
was von Mcke bis Mammut gewissermaen
ihr mifllt. Man findet da ganze Straen,
ganze Stdte voll Menschen, man findet Grten,
  Flsse, Berge neben Percken, Brten,
  Stcken, Tellern, Kleidern; mit einem Worte:
  eine Welt versammelt sich an gedachtem Orte.
v. Korf mifllt und wird von dem frommen
Riesengatten still in den Mund genommen.
  Und nur, weil er ein "Geist", wie schon beschrieben,
  ist er nicht in diesem Gela verblieben.

		-- Christian Morgenstern
%
    Korfs Verzauberung
Korf erfhrt von einer fernen Base,
einer Zauberin,
die aus Kruterschaum Planeten blase,
und er eilt dahin,
eilt dahin gen Odelidelase,
zu der Zauberin . . .
  Findet wandelnd sie auf ihrer Wiese,
  fragt sie, ob sie sei,
  die aus Kruterschaum Planeten bliese,
  ob sie sei die Fei,
  sei die Fei von Odeladelise.
  Ja, sie sei die Fei!
Und sie reicht ihm willig Krug und hre,
und er blst den Schaum,
und sieh da, die wunderschnste Sphre
wlbt sich in den Raum,
wlbt sich auf, als obs ein Weltball wre,
nicht nur Schaum und Traum.
  Und die Kugel lst sich los vom Halme,
  schwebt gelind empor,
  dreht sich um und mischt dem Sphrenpsalme,
  mischt dem Sphrenchor
  Tne, wie aus ferner Hirtenschelme,
  dringen sanft hervor.
In dem Spiegel aber ihrer Runde
schaut v. Korf beglckt,
was ihm je in jeder guten Stunde
durch den Sinn gerckt:
Seine Welt erblickt mit offnem Munde
Korf entzckt.
  Und er nennt die Base seine Muse,
  und sieh da! sieh dort!
  Es erfat ihn was an seiner Bluse
  und entfhrt ihn fort,
  fhrt ihn fort aus Odeladeluse
  nach dem neuen Ort . . .
   -- Christian Morgenstern
%
 
    Ausflug mit der Eisenbahn
Puff-puff Eisenbahn -
jetzt fahren wir nach Wiesenplan!
  Wiesenplan, das ist die Stadt,
  die den Kohlweiling zum Brger hat.
Der Kohlweiling bewohnt ein Haus,
das sieht wie eine Glocke aus -
  wie eine Glockenblume blau!
  Da wohnt der Kohlweiling mit seiner Frau.
Und weht der Wind, macht die Glocke kling, kling,
und da freuen sich Herr und Frau Schmetterling.
  Puff-puff Eisenbahn!
  Jetzt fahren wir wieder aus Wiesenplan
hinaus, hinaus, dem Walde zu . . .
wohin? wohin? . . . Nach - Quellwaldruh!
  Der Bahnwrter von Quellwaldruh,
  das ist ein Frosch und quakt dazu.
"Quak, quak, aussteigen! quak!
in Quellwaldruh ist heut Ostertag!
  In Quellwaldruh ist heut Osterfeier,
  da versteckt der Osterhas bunte Eier!
Rote und gelbe und allerlei,
und das Suchen steht allen Fahrgsten frei!
  Quak, quak, quak! Guten Tag!"
  Guten Tag! Schnen Dank! Herr Bahnwrter Quak!
Und jetzt wollen wir unter den Eichen und Buchen
und Tannen und Birken die Ostereier suchen!
  Und im Moos und unter den groen Wurzeln,
  darber die kleinen Kinder purzeln.
Nicht wahr? Und haben wir alle gefunden
und in unsre Sacktcher eingebunden,
  dann fahren wir am Abend wieder nach Haus
  und packen das Wunder vor Gromutter aus! -
    -- Christian Morgenstern
%
  Waldmrchen

Es lebt ein Ries' im Wald,
der hat ein Ohr so gro,
wenn da ein Donner schallt,
ist's ihm ein Jucken blo.

Er macht so mit der Hand,
als wie nach einer Hummel -
sein eigenes Gehrummel
erschreckt das ganze Land.

Und kommt die Regenzeit,
dann schlft er, und es wird
aus seinem Ohr ein Teich,
und dort sitzt dann der Hirt

und trnkt dran seine Schaf;
doch manchmal dreht, o Graus,
der Ries' sich um im Schlaf -
und dann ist alles aus.

		-- Christian Morgenstern
%
  Der Leu

Auf einem Wandkalenderblatt
ein Leu sich abgebildet hat.

Er blickt dich an, bewegt und still,
den ganzen 17. April.

Wodurch er zu erinnern liebt,
da es ihn immerhin noch gibt.

		-- Christian Morgenstern
%
       Der Sndfloh

Als schauerlich und grausenvoll
die Sndflut um die Berge schwoll,
kam noch im siebenten Moment
ein junger Floh herzugerennt.

Doch da das obligate Paar
von Flhen schon im Kasten war,
so mute Noah ihn bestimmen,
ins nasse Grab zurckzuschwimmen.

Voll Eifer gleichfalls protestierten
die beiden, die bereits logierten,
weil - riefen sie (besonders er) -
ein dritter nicht gestattet wr.

Der Sndfloh (denn er war es) blieb,
obschon verborgen wie ein Dieb -
und zwar (trotz Jahwen in der Hhe)
von einem der zwei beiden Flhe.

Von welchem braucht man nicht zu sagen.
Doch ward hierdurch aus Vorzeittagen
das Dreieck, von dem Ibsen schreibt,
der Neuzeit wieder einverleibt.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die beiden Esel

Ein finstrer Esel sprach einmal
zu seinem ehlichen Gemahl:

"Ich bin so dumm, du bist so dumm,
wir wollen sterben gehen, kumm!"

Doch wie es kommt so fter eben:
Die beiden blieben frhlich leben.

		-- Christian Morgenstern
%
  Eine Stimmung aus dem vierten Kreis

Zwei Hnde, die so wei, so wei
als wie ein schlohwei Laken,
vereinten sich im vierten Kreis,
whrend sie sonst gewohnterweis
in zwei verschiednen Taschen staken.

Sie zitterten, jedoch nur leis,
als ob sie vor sich selbst erschraken,
sie fhlten sich auf fremdem Gleis,
und dennoch taten sie mit Flei
sich ineinander haken.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Nhe

Die Nhe ging vertrumt umher . . .
Sie kam nie zu den Dingen selber.
Ihr Antlitz wurde gelb und gelber,
und ihren Leib ergriff die Zehr.

Doch eines Nachts, derweil sie schlief,
da trat wer an ihr Bette hin
und sprach: "Steh auf, mein Kind, ich bin
der kategorische Komparativ!

Ich werde dich zum Nher steigern,
ja, wenn du willst, zur Nherin!" -
Die Nhe, ohne sich zu weigern,
sie nahm auch dies als Schicksal hin.

Als Nherin jedoch verga
sie leider vllig, was sie wollte,
und nhte Putz und hie Frau Nolte
und hielt all Obiges fr Spa.

		-- Christian Morgenstern
%
  Das Lwenreh

Das Lwenreh durcheilt den Wald
und sucht den Frster Theobald.

Der Frster Theobald desgleichen
sucht es durch Pirschen zu erreichen,

und zwar mit Kugeln, deren Gift
zu Rauch verwandelt, wen es trifft.

Als sie sich endlich haben, schiet
er es, worauf es ihn geniet.

Allein die Kugel wirkt alsbald:
Zu Rauch wird Reh nebst Theobald . . .

Seitdem sind beide ohne Frage
ein dankbares Objekt der Sage.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Tagnachtlampe

Korf erfindet eine Tagnachtlampe,
die, sobald sie angedreht,
selbst den hellsten Tag
in Nacht verwandelt.

Als er sie vor des Kongresses Rampe
demonstriert, vermag
niemand, der sein Fach versteht,
zu verkennen, da es sich hier handelt -

(Finster wirds am hellerlichten Tag,
und ein Beifallssturm das Haus durchweht.)
(Und man ruft dem Diener Mampe:
"Licht anznden!") - da es sich hier handelt

um das Faktum: da gedachte Lampe,
in der Tat, wenn angedreht,
selbst den hellsten Tag
in Nacht verwandelt.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die zwei Turmuhren

Zwei Kirchturmuhren schlagen hintereinander,
weil sie sonst widereinander schlagen mten.
Sie vertragen sich wie zwei wahre Christen.
Es wre dementsprechend zu fragen:
warum nicht auch die Vlker
hintereinander statt widereinander schlagen.
Sie knnten doch wirklich ihren Zorn
auslassen, das eine hinten, das andre vorn.
Aber freilich: Kleine Beispiele von Vernunft
nderten noch nie etwas am groen Narreteispiele der Zunft.

		-- Christian Morgenstern
%
  Gleichnis

Palmstrm schwankt als wie ein Zweig im Wind . . .
Als ihn Korf befrgt, warum er schwanke,
meint er: weil ein lieblicher Gedanke,
wie ein Vogel, zrtlich und geschwind,
auf ein kleines ihn belastet habe -
schwanke er als wie ein Zweig im Wind,
schwingend noch von der willkommnen Gabe . . .

		-- Christian Morgenstern
%
  Steine statt Brot

Ja, wenn die ganze Siegesallee
aus Mehl gebacken wre -
das wre eine gute Idee,
auf Ehre!

Man sprche zum Hungernden: I dich rund
(dein Landesvater will es!)
an Otto dem Faulen, an Siegismund,
an Cicero, an Achilles!

Zu Dank zerflsse bei arm und reich
des Mivergngens Wolke:
es wre geholfen auf einen Streich
dem ganzen deutschen Volke.

Ein Loblied snge der deutsche Geist
vom Pregel bis zum Rheine.
Gib Kunst, o Frst, die nhrt und speist!
Gib Brot, o Frst, nicht Steine!

		-- Christian Morgenstern
%
  Muhme Kunkel

Palma Kunkel ist mit Palm verwandt,
doch im brigen sonst nicht bekannt.
Und sie wnscht auch nicht bekannt zu sein,
lebt am liebsten ganz fr sich allein.

ber Muhme Palma Kunkel drum
bleibt auch der Chronist vollkommen stumm.
Nur wo selbst sie aus dem Dunkel tritt,
teilt er dies ihr Treten treulich mit.

Doch sie trat bis jetzt noch nicht ans Licht,
und sie will es auch in Zukunft nicht.
Schon, da hier ihr Name lautbar ward,
widerspricht vollkommen ihrer Art.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Brille

Korf liest gerne schnell und viel;
darum widert ihn das Spiel
all des zwlfmal unerbetnen
Ausgewalzten, Breitgetretnen.

Meistens ist in sechs bis acht
Wrtern vllig abgemacht,
und in ebensoviel Stzen
lt sich Bandwurmweisheit schwtzen.

Es erfindet drum sein Geist
etwas, was ihn dem entreit:
Brillen, deren Energieen
ihm den Text - zusammenziehen!

Beispielsweise dies Gedicht
lse, so bebrillt, man - nicht!
Dreiunddreiig seinesgleichen
gben erst - Ein - - Fragezeichen!!

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Mittagszeitung

Korf erfindet eine Mittagszeitung,
welche, wenn man sie gelesen hat,
ist man satt.
Ganz ohne Zubereitung
irgendeiner andern Speise.
Jeder auch nur etwas Weise
hlt das Blatt.

		-- Christian Morgenstern
%
      Die Mausefalle
           I
Palmstrm hat nicht Speck im Haus,
dahingegen eine Maus.
  Korf, bewegt von seinem Jammer,
  baut ihm eine Gitterkammer.
Und mit einer Geige fein
setzt er seinen Freund hinein.
  Nacht ists, und die Sterne funkeln,
  Palmstrm musiziert im Dunkeln.
Und derweil er konzertiert,
kommt die Maus hereinspaziert.
  Hinter ihr, geheimerweise,
  fllt die Pforte leicht und leise.
Vor ihr sinkt in Schlaf alsbald
Palmstrms schweigende Gestalt.
           II
Morgens kommt v. Korf und ldt
das so ntzliche Gert
  in den nchsten, sozusagen
  mittelgroen Mbelwagen,
den ein starkes Ro beschwingt
nach der fernen Waldung bringt,
  wo in tiefer Einsamkeit
  er das seltne Paar befreit.
Erst spaziert die Maus heraus
und dann Palmstrm, nach der Maus.
  Froh geniet das Tier der neuen
  Heimat, ohne sich zu scheuen.
Whrend Palmstrm, glckverklrt,
mit v. Korf nach Hause fhrt.
		-- Christian Morgenstern
%
  
Der Hecht

Ein Hecht, vom heiligen Anton
bekehrt, beschlo, samt Frau und Sohn,
am vegetarischen Gedanken
moralisch sich emporzuranken.

Er a seit jenem nur noch dies:
Seegras, Seerose und Seegrie.
Doch Grie, Gras, Rose flo, o Graus,
entsetzlich wieder hinten aus.

Der ganze Teich ward angesteckt.
Fnfhunden Fische sind verreckt.
Doch Sankt Antn, gerufen eilig,
sprach nichts als: "Heilig! heilig! heilig!"

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Lampe

Es steht eine Lampe am weiten Meer.
Wo kommt denn die Lampe, die Lampe her?

Sie trgt ein Reformhemd aus grnem Tang
und steht auf der Insel Fragnichtlang.

Die Lampe, die Lampe, die Lampe, weh,
sie kommt aus der Werweiwosisee!

Da liegt ein Schiff ganz unten kaputt,
und aus seinen Fenstern schaun Molch und Butt.

Die Wellen, die Wellen, die haben sie geschwemmt?
Jetzt trumt sie, den Fu auf die Kste gestemmt,

in ihrem Reformkleid aus grnem Tang . . .
Und im Hintergrund, da liegt - Fragnichtlang.

		-- Christian Morgenstern
%
  Gesprch einer Hausschnecke mit sich selbst

Soll i aus meim Hause raus?
Soll i aus meim Hause nit raus?
Einen Schritt raus?
Lieber nit raus?
Hausenitraus -
Hauseraus
Hauseritraus
Hausenaus
Rauserauserauserause . . .

(Die Schnecke verfngt sich in ihren eigenen Gedanken oder vielmehr
diese gehen mit ihr dermaen durch, da sie die weitere Entscheidung
der Frage verschieben mu.)

		-- Christian Morgenstern
%
  Der Verge

Er war voll Bildungshung, indes,
soviel er las
und Wissen a,
er blieb zugleich ein Unverbe,
ein Unver, sag ich, als Verge;
ein Sieb aus Glas,
ein Netz aus Gras,
ein Vielfra -
doch kein Haltefra.

		-- Christian Morgenstern
%
  Vormittag am Strand

Es war ein solcher Vormittag,
wo man die Fische singen hrte;
kein Lftchen lief, kein Stimmchen strte,
kein Wellchen wlbte sich zum Schlag.

Nur sie, die Fische, brachen leis
der weit und breiten Stille Siegel
und sangen millionenweis
dicht unter dem durchsonnten Spiegel.

		-- Christian Morgenstern
%
  Wenn es Winter wird

Der See hat eine Haut bekommen,
so da man fast drauf gehen kann,
und kommt ein groer Fisch geschwommen,
so stt er mit der Nase an.
  Und nimmst du einen Kieselstein
  und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
  und titscher - titscher - titscher - dirr . . .
  Heia, du lustiger Kieselstein!
  Er zwitschert wie ein Vgelein
  und tut als wie ein Schwlblein fliegen -
  doch endlich bleibt mein Kieselstein
  ganz weit, ganz weit auf dem See drauen liegen.
Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wr etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.
  Aber bald, aber bald
  werden wir selbst auf eignen Sohlen
  hinausgehn knnen und den Stein wiederholen.

		-- Christian Morgenstern
%
  
An meine Taschenuhr

Du schlimme Uhr, du gehst mir viel zu schnell;
und doch - dich schauend, sah ich selber hell.
Unschuldig Rderwerk, was schalt ich dich?
Ich geh zu langsam, ach zu langsam - ich.

		-- Christian Morgenstern
%
  Denkmalswunsch

Setze mir ein Denkmal, cher,
ganz aus Zucker, tief im Meer.

Ein Swassersee, zwar kurz,
werd ich dann nach meinem Sturz;

doch so lang, da Fische, hundert,
nehmen einen Schluck verwundert. -

Diese it in Hamburg und
Bremen dann des Menschen Mund. -

Wiederum in eure Kreise
komm ich so auf gute Weise,

whrend, werd ich Stein und Erz,
nur ein Vogel seinen Sterz

oder gar ein Mensch von Wert
seinen Witz auf mich entleert.

		-- Christian Morgenstern
%
  Segelfahrt

Nun snftigt sich die Seele wieder
und atmet mit dem blauen Tag,
und durch die auferstandnen Glieder
pocht frischen Bluts erstarkter Schlag.

Wir sitzen plaudernd Seit an Seite
und fhlen unser Herz vereint;
gewaltig strebt das Boot ins Weite,
und wir, wir ahnen, was es meint.

		-- Christian Morgenstern
%
  Es pfeift der Wind . . .

Es pfeift der Wind. Was pfeift er wohl?
Eine tolle, nrrische Weise.
Er pfeift auf einem Schlssel hohl,
bald gellend und bald leise.

Die Nacht weint ihm den Takt dazu
mit schweren Regentropfen,
die an der Fenster schwarze Ruh
ohn End eintnig klopfen.

Es pfeift der Wind. Es sthnt und gellt.
Die Hunde heulen im Hofe. -
Er pfeift auf diese ganze Welt,
der groe Philosophe.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Unterhose

Heilig ist die Unterhose,
wenn sie sich in Sonn und Wind,
frei von ihrem Alltagslose,
auf ihr wahres Selbst besinnt.

Frhlich ledig der Blamage
steter Souterrnitt,
wirkt am Seil sie als Staffage,
wie ein Segel leicht geblht.

Keinen Tropus ihr zum Ruhme
spart des Malers Kompetenz,
preist sie seine treuste Blume
Sommer, Winter, Herbst und Lenz.

		-- Christian Morgenstern
%
  Sprachstudien

Korf und Palmstrm nehmen Lektionen,
um das Wetter-Wendische zu lernen.
Tglich pilgern sie zu den modernen
Ollendorffschen Sprachlehrgrammophonen.

Dort nun lassen sie mit vielen andern,
welche gleichfalls steile Charaktere
(gleich als obs ein Ziel fr Edle wre),
sich im Wetter-Wendischen bewandern.

Dies Idiom behebt den Geist der Schwere,
macht sie unstet, launisch und cholerisch . . .
Doch die Sache bleibt nur peripherisch.
Und sie werden wieder - Charaktere.

		-- Christian Morgenstern
%
  Der Papagei

Palma Kunkels Papagei
spekuliert nicht auf Applaus;
niemals, was auch immer sei,
spricht er seine Wrter aus.

Deren Zahl ist ohne Zahl:
denn er ist das klgste Tier,
das man je zum Kauf empfahl,
und der Zucht vollkommne Zier.

Doch indem er streng dich mit,
scheint sein Zungenglied verdorrt.
Gleichviel, wer du immer bist,
er verrt dir nicht ein Wort.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Zirbelkiefer

Die Zirbelkiefer sieht sich an
auf ihre Zirbeldrse hin;
sie las in einem Buche jngst,
die Seele se dort darin.

Sie se dort wie ein Insekt
voll wundersamer Lieblichkeit,
von Gottes Allmacht ausgeheckt
und auerordentlich gescheit.

Die Zirbelkiefer sieht sich an
auf ihre Zirbeldrse hin;
sie wei nicht, wo sie sitzen tut,
allein ihr wird ganz fromm zu Sinn.

		-- Christian Morgenstern
%
  Erntelied

Wo gestern noch der Felder Meer
gewogt in allen Farben,
steht heut in Reih und Glied ein Heer
festlich gegrteter Garben.

Es will der goldne Heeresbann
vor Frost und Hungers Wten
das ganze Dorf mit Maus und Mann
bis bers Jahr behten.

Und liegen die Bataillone erst
im sichern Scheunquartiere,
du fndst, und wenn du der Knig wrst,
nicht bessre Grenadiere.

		-- Christian Morgenstern
%
  Nach Norden

Palmstrm ist nervs geworden;
darum schlft er jetzt nach Norden.

Denn nach Osten, Westen, Sden
schlafen, heit das Herz ermden.

(Wenn man nmlich in Europen
lebt, nicht sdlich in den Tropen.)

Solches steht bei zwei Gelehrten,
die auch Dickens schon bekehrten -

und erklrt sich aus dem steten
Magnetismus des Planeten.

Palmstrm also heilt sich rtlich,
nimmt sein Bett und stellt es nrdlich.

Und im Traum, in einigen Fllen,
hrt er den Polarfuchs bellen.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Lmmerwolke

Es blkt eine Lmmerwolke
am blauen Firmament,
sie blkt nach ihrem Volke,
das sich von ihr getrennt.

Zu Bomst das Luftschiff "Gunther"
vernimmts und fhrt empor
und bringt die Gute herunter,
die, ach, so viel verlor.

Bei Bomst wohl auf der Weide,
da schwebt sie nun voll Dank,
drei Jungfraun in weiem Kleide,
die bringen ihr Speis und Trank.

Doch als der Morgen gekommen,
der nchste Morgen bei Bomst, -
da war sie nach Schrimm verschwommen,
wohin du von Bomst aus kommst . . .

		-- Christian Morgenstern
%
      Zukunftssorgen
Korf, den Ahnung leicht erschreckt,
sieht den Himmel schon bedeckt
von Ballonen jeder Gre
und verfertigt ganze Ste
von Entwrfen zu Statuten
eines Klubs zur resoluten
Wahrung der gedachten Zone
vor der Willkr der Ballone.
  Doch er ahnt schon, ach, beim Schreiben
  seinen Klub im Rckstand bleiben:
  Dmmrig, dnkt ihn, wird die Luft
  und die Landschaft Grab und Gruft.
  Er begibt sich drum der Feder,
  steckt das Licht an (wie dann jeder),
  tritt damit bei Palmstrm ein,
  und so sitzen sie zu zwein.
Endlich, nach vier langen Stunden,
ist der Alpdruck berwunden.
Palmstrm bricht zuerst den Bann:
"Korf", so spricht er, "sei ein Mann!
Du vergreifst dich im Jahrzehnt:
Noch wird all das erst ersehnt,
was, vom Geist dir vorgegaukelt,
heut dein Haupt schon berschaukelt."
  Korf entrafft sich dem Gesicht.
  Niemand fliegt im goldnen Licht!
  Er verlscht die Kerze schweigend.
  Doch dann, auf die Sonne zeigend,
  spricht er: "Wenn nicht jetzt, so einst -
  kommt es, da du nicht mehr scheinst,
  wenigstens nicht uns, den - grausend
  sag ichs -: unteren Zehntausend!" . . .
Wieder sitzt v. Korf danach
stumm in seinem Schreibgemach
und entwirft Statuten eines
Klubs zum Schutz des Sonnenscheines.
		-- Christian Morgenstern
%
  Scholastikerprobleme
         I
Wieviel Engel sitzen knnen
auf der Spitze einer Nadel -
wolle dem dein Denken gnnen,
Leser sonder Furcht und Tadel!
  "Alle!" wirds dein Hirn durchblitzen.
  "Denn die Engel sind doch Geister!
  Und ein ob auch noch so feister
  Geist bedarf schier nichts zum Sitzen."
Ich hingegen stell den Satz auf:
Keiner! - Denn die nie Ersphten
knnen einzig nehmen Platz auf
geistlichen Lokalitten.
         II
Kann ein Engel Berge steigen?
Nein. Er ist zu leicht dazu.
Menschenfu und Menschenschuh
bleibt allein dies Knnen eigen.
  Lockt ihn dennoch dieser Sport,
  mu er wieder sich ver-erden
  und ein Menschenfrulein werden
  etwa namens Zuckertort.
Allerdings bemerkt man immer,
was darin steckt und von wo -
denn ein solches Frauenzimmer
schreitet anders als nur so.
		-- Christian Morgenstern
%
        Das Warenhaus
Palmstrm kann nicht ohne Post
leben:
Sie ist seiner Tage Kost.
  Tglich dreimal ist er ganz
  Spannung.
  Tglich ists der gleiche Tanz:
Selten hrt er einen Brief
plumpen
in den Kasten breit und tief.
  Dster schilt er auf den Mann,
  welcher,
  wie man wei, nichts dafr kann.
Endlich kommt er drauf zurck,
auf das:
"Warenhaus fr Kleines Glck".
  Und bestellt dort, frisch vom Rost
  (quasi):
  ein Quartal - "Gemischte Post"!
Und nun kommt von frh bis spt
Post von
aller Art und Qualitt.
  Jedermann teilt sich ihm mit,
  brieflich,
  denkt an ihn auf Schritt und Tritt.
Palmstrm sieht sich in die Welt
pltzlich
berall hineingestellt . . .
  Und ihm wird schon wirr und weh . . .
  Doch es
  ist ja nur das - "W. K. G."
    -- Christian Morgenstern
%
   Das Butterbrotpapier
Ein Butterbrotpapier im Wald, -
da es beschneit wird, fhlt sich kalt . . .
  In seiner Angst, wiewohl es nie
  an Denken vorher irgendwie
gedacht, natrlich, als ein Ding
aus Lumpen usw., fing,
  aus Angst, so sagte ich, fing an
  zu denken, fing, hob an, begann,
zu denken, denkt euch, was das heit,
bekam (aus Angst, so sagt ich) - Geist,
  und zwar, versteht sich, nicht blo so
  vom Himmel droben irgendwo,
vielmehr infolge einer ganz
exakt entstandnen Hirnsubstanz -
  die aus Holz, Eiwei, Mehl und Schmer,
  (durch Angst) mit berspringen der
sonst blichen Weltalter, an
ihm Boden und Gef gewann -
  [(mit berspringung) in und an
  ihm Boden und Gef gewann].
Mit Hilfe dieser Hilfe nun
entschlo sich das Papier zum Tun, -
  zum Leben, zum - gleichviel, es fing
  zu gehn an - wie ein Schmetterling . . .
zu kriechen erst, zu fliegen drauf,
bis bers Unterholz hinauf,
  dann ber die Chaussee und quer
  und kreuz und links und hin und her -
wie eben solch ein Tier zur Welt
(je nach dem Wind) (und sonst) sich stellt.
  Doch, Freunde! werdet bleich gleich mir! -
  Ein Vogel, dick und ganz voll Gier,
erblickts (wir sind im Januar . . .) -
und schickt sich an, mit Haut und Haar -
  und schickt sich an, mit Haar und Haut -
  (wer mag da endigen!) (mir graut) -
(Bedenkt, was alles ntig war!) -
und schickt sich an, mit Haut und Haar - -
  Ein Butterbrotpapier im Wald
  gewinnt - aus Angst - Naturgestalt . . .
Genug!! Der wilde Specht verschluckt
das unersetzliche Produkt . . .
		-- Christian Morgenstern
%
      Der Droschkengaul
"Ich bin zwar nur ein Droschkengaul, -
doch philosophisch regsam;
der Fre-Sack hngt mir kaum ums Maul,
so werd ich berlegsam.
Ich schwenk ihn her, ich schwenk ihn hin,
und bei dem trauten Schwenken
geht mir so manches durch den Sinn,
woran nur Weise denken.
  Ich bin zwar nur ein Droschkengaul, -
  doch sann ich oft voll Sorgen,
  wie ich den Hafer brcht ins Maul,
  der tief im Grund verborgen.
  Ich schwenkte hoch, ich schwenkte tief,
  bis mir die Ohren klangen.
  Was dort in Nacht verschleiert schlief,
  ich konnt es nicht erlangen.
Ich bin zwar nur ein Droschkengaul, -
doch mag ich Trost nicht missen
und sage mir: So steht es faul
mit allem Erdenwissen;
es frit im Weisheitsfuttersack
wohl jeglich Maul ein Weilchen,
doch nie erreichts - o Schabernack -
die letzten Bodenteilchen."
		-- Christian Morgenstern
%
Ein modernes Mrchen
  I. Frchte der Bildung
Schrnke ffnen sich allein,
Schrnke klaffen auf und spein
Frcke, Hosen aus und Kleider
nebst den Attributen beider.
  Und sie wandeln in den Raum
  wie ein sonderbarer Traum,
  wehen hin und her und schreiten
  ganz wie zu benutzten Zeiten.
Auf den Sofas, auf den Truhn
sieht man sitzen sie und ruhn,
auf den Sesseln, an den Tischen,
am Kamin und in den Nischen.
  Seltsam sind sie anzuschaun,
  kopflos, handlos, Mnner, Fraun;
  doch mit Recht verwundert jeden,
  da sie nicht ein Wrtlein reden.
Dieser Frack und jener Rock,
beide schweigen wie ein Stock,
lehnen ab, wie einst im Mrchen,
sich zu rufen Franz und Klrchen.
  Ohne Mund entsteht kein Ton,
  lernten sie als Kinder schon:
  Und so reden Wams und Weste
  lediglich in stummer Geste.
Ein Uhr schlgts, die Schrnke schrein:
"Kommt, und mg euch Gott verzeihn!"
Krachend fliegen zu die Flgel,
und - nur eins hngt nicht am Bgel!
		-- Christian Morgenstern
%
   Im Reich der Interpunktionen
Im Reich der Interpunktionen
nicht frder goldner Friede prunkt:
  Die Semikolons werden Drohnen
  genannt von Beistrich und von Punkt.
Es bildet sich zur selben Stund
ein Antisemikolonbund.
  Die einzigen, die stumm entweichen
  (wie immer), sind die Fragezeichen.
Die Semikolons, die sehr jammern,
umstellt man mit geschwungnen Klammern
  und setzt die so gefangnen Wesen
  noch obendrein in Parenthesen.
Das Minuszeichen naht, und - schwapp!
da zieht es sie vom Leben ab.
  Kopfschttelnd blicken auf die Leichen
  die heimgekehrten Fragezeichen.
Doch, wehe! neuer Kampf sich schrzt:
Gedankenstrich auf Komma strzt -
  und fhrt ihm schneidend durch den Hals,
  bis dieser gleich - und ebenfalls
(wie jener mrderisch bezweckt)
als Strichpunkt das Gefild bedeckt! . . .
  Stumm trgt man auf den Totengarten
  die Semikolons beider Arten.
Was brig von Gedankenstrichen,
kommt schwarz und schweigsam nachgeschlichen.
  Das Ausrufszeichen hlt die Predigt;
  das Kolon dient ihm als Adjunkt.
Dann, jeder Kommaform entledigt,
stapft heimwrts man, Strich, Punkt, Strich, Punkt . . .
		-- Christian Morgenstern
%
     Die unmgliche Tatsache
Palmstrm, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
berfahren.
  "Wie war" (spricht er, sich erhebend
  und entschlossen weiterlebend)
  "mglich, wie dies Unglck, ja -:
  da es berhaupt geschah?
Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?
  Oder war vielmehr verboten,
  hier Lebendige zu Toten
  umzuwandeln, - kurz und schlicht:
  Durfte hier der Kutscher nicht -?"
Eingehllt in feuchte Tcher,
prft er die Gesetzesbcher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!
  Und er kommt zu dem Ergebnis:
  "Nur ein Traum war das Erlebnis.
  Weil", so schliet er messerscharf,
  "nicht sein kann, was nicht sein darf."
    -- Christian Morgenstern
%
Neue Bildungen, der Natur vorgeschlagen

Der Ochsenspatz
die Kamelente
der Regenlwe
die Turtelunke
die Schoeule
der Walfischvogel
die Quallenwanze
der Grtelstier
der Pfauenochs
der Werfuchs
die Tagtigall
der Sgeschwan
der Swassermops
der Weinpinscher
das Sturmspiel
der Eulenwurm
der Giraffenigel
das Rhinozepony
die Gnseschmalzblume
der Menschenbrotbaum.

		-- Christian Morgenstern
%
Es gab einmal eine Zeit, da war der Fortschritt eine gute Sache.
Doch das ist schon lange her.
		-- Ogden Nash
%
Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean.
		-- Isaac Newton
%
Die Bedingungen, unter denen man mich versteht und dann mit
Nothwendigkeit versteht <, -> ich kenne sie nur zu genau. Man muss
rechtschaffen sein in geistigen Dingen bis zur Hrte, um auch nur
meinen Ernst, meine Leidenschaft auszuhalten. Man muss gebt sein, auf
Bergen zu leben - das erbrmliche Zeitgeschwtz von Politik und
Vlker-Selbstsucht unter sich zu sehn. Man muss gleichgltig geworden
sein, man muss nie fragen, ob die Wahrheit ntzt, ob sie Einem
Verhngniss wird ... Eine Vorliebe der Strke fr Fragen, zu denen
Niemand heute den Muth hat; der Muth zum Verbotenen ; die
Vorherbestimmung zum Labyrinth. Eine Erfahrung aus sieben
Einsamkeiten. Neue Ohren fr neue Musik. Neue Augen fr das Fernste.
Ein neues Gewissen fr bisher stumm gebliebene Wahrheiten. Und der
Wille zur konomie grossen Stils: seine Kraft, seine Begeisterung
beisammen behalten ... Die Ehrfurcht vor sich; die Liebe zu sich; die
unbedingte Freiheit gegen sich ...
   
Wohlan! Das allein sind meine Leser, meine rechten Leser, meine
vorherbestimmten Leser: was liegt am Rest? - Der Rest ist bloss die
Menschheit. - Man muss der Menschheit berlegen sein durch Kraft,
durch Hhe der Seele, - durch Verachtung ...

		-- Friedrich Nietzsche (Der Antichrist)
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
1.
- Sehen wir uns ins Gesicht. Wir sind Hyperboreer, - wir wissen gut
genug, wie abseits wir leben. "Weder zu Lande, noch zu Wasser wirst du
den Weg zu den Hyperboreern finden": das hat schon Pindar von uns
gewusst. Jenseits des Nordens, des Eises, des Todes - unser Leben,
unser Glck ... Wir haben das Glck entdeckt, wir wissen den Weg, wir
fanden den Ausgang aus ganzen Jahrtausenden des Labyrinths. Wer fand
ihn sonst? - Der moderne Mensch etwa? "Ich weiss nicht aus, noch ein;
ich bin Alles, was nicht aus noch ein weiss" - seufzt der moderne
Mensch ... An dieser Modernitt waren wir krank, - am faulen Frieden,
am feigen Compromiss, an der ganzen tugendhaften Unsauberkeit des
modernen ja und Nein. Diese Toleranz und largeur des Herzens, die
Alles "verzeiht", weil sie Alles "begreift", ist Scirocco fr uns.
Lieber im Eise leben als unter modernen Tugenden und andren Sdwinden!
... Wir waren tapfer genug, wir schonten weder uns, noch Andere: aber
wir wussten lange nicht, wohin mit unsrer Tapferkeit. Wir wurden
dster, man hiess uns Fatalisten. Unser Fatum - das war die Flle, die
Spannung, die Stauung der Krfte. Wir drsteten nach Blitz und Thaten,
wir blieben am fernsten vom Glck der Schwchlinge, von der "Ergebung"
... Ein Gewitter war in unsrer Luft, die Natur, die wir sind,
verfinsterte sich - denn wir hatten keinen Weg. Formel unsres Glcks:
ein Ja, ein Nein, eine gerade Linie, ein Ziel ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
2.
Was ist gut? - Alles, was das Gefhl der Macht, den Willen zur Macht,
die Macht selbst im Menschen erhht.

Was ist schlecht? - Alles, was aus der Schwche stammt.

Was ist Glck? - Das Gefhl davon, dass die Macht wchst, dass ein
Widerstand berwunden wird.

Nicht Zufriedenheit, sondern mehr Macht; nicht Friede berhaupt,
sondern Krieg; nicht Tugend, sondern Tchtigkeit (Tugend im
Renaissance-Stile, virt, moralinfreie Tugend)

Die Schwachen und Missrathnen sollen zu Grunde gehen: erster Satz
unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen.

Was ist schdlicher als irgend ein Laster? - Das Mitleiden der That
mit allen Missrathnen und Schwachen - das Christenthum ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
3.
Nicht, was die Menschheit ablsen soll in der Reihenfolge der Wesen,
ist das Problem, das ich hiermit stelle (- der Mensch ist ein Ende -):
sondern welchen Typus Mensch man zchten soll, wollen soll, als den
hherwerthigeren, lebenswrdigeren, zukunftsgewisseren.

Dieser hherwerthigere Typus ist oft genug schon dagewesen: aber als
ein Glcksfall, als eine Ausnahme, niemals als gewollt. Vielmehr ist
er gerade am besten gefrchtet worden, er war bisher beinahe das
Furchtbare; - und aus der Furcht heraus wurde der umgekehrte Typus
gewollt, gezchtet, erreicht: das Hausthier, das Heerdenthier, das
kranke Thier Mensch, - der

Christ ...

		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
4.
Die Menschheit stellt nicht eine Entwicklung zum Besseren oder
Strkeren oder Hheren dar, in der Weise, wie dies heute geglaubt
wird. Der "Fortschritt" ist bloss eine moderne Idee, das heisst eine
falsche Idee. Der Europer von Heute bleibt, in seinem Werthe tief
unter dem Europer der Renaissance; Fortentwicklung ist
schlechterdings nicht mit irgend welcher Nothwendigkeit Erhhung,
Steigerung, Verstrkung.

In einem andren Sinne giebt es ein fortwhrendes Gelingen einzelner
Flle an den verschiedensten Stellen der Erde und aus den
verschiedensten Culturen heraus, mit denen in der That sich ein
hherer Typus darstellt: Etwas, das im Verhltniss zur
Gesammt-Menschheit eine Art bermensch ist. Solche Glcksflle des
grossen Gelingens waren immer mglich und werden vielleicht immer
mglich sein. Und selbst ganze Geschlechter, Stmme, Vlker knnen
unter Umstnden einen solchen Treffer darstellen.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
5.
Man soll das Christenthum nicht schmcken und herausputzen: es hat
einen Todkrieg gegen diesen hheren Typus Mensch gemacht, es hat alle
Grundinstinkte dieses Typus in Bann gethan, es hat aus diesen
Instinkten das Bse, den Bsen herausdestillirt, - der starke Mensch
als der typisch Verwerfliche, der "verworfene Mensch". Das
Christenthum hat die Partei alles Schwachen, Niedrigen, Missrathnen
genommen, es hat ein Ideal aus dem Widerspruch gegen die
Erhaltungs-Instinkte des starken Lebens gemacht; es hat die Vernunft
selbst der geistigstrksten Naturen verdorben, indem es die obersten
Werthe der Geistigkeit als sndhaft, als irrefhrend, als Versuchungen
empfinden lehrte. Das jammervollste Beispiel - die Verderbniss
Pascals, der an die Verderbniss seiner Vernunft durch die Erbsnde
glaubte, whrend sie nur durch sein Christenthum verdorben war! -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
6.
Es ist ein schmerzliches, ein schauerliches Schauspiel, das mir
aufgegangen ist: ich zog den Vorhang weg von der Verdorbenheit des
Menschen. Dies Wort, in meinem Munde, ist wenigstens gegen Einen
Verdacht geschtzt: dass es eine moralische Anklage des Menschen
enthlt. Es ist - ich mchte es nochmals unterstreichen - moralinfrei
gemeint: und dies bis zu dem Grade, dass jene Verdorbenheit gerade
dort von mir am strksten empfunden wird, wo man bisher am
bewusstesten zur "Tugend", zur "Gttlichkeit" aspirirte. Ich verstehe
Verdorbenheit, man errth es bereits, im Sinne von dcadence: meine
Behauptung ist, dass alle Werthe, in denen jetzt die Menschheit ihre
oberste Wnschbarkeit zusammenfasst, dcadence - Werthe sind.
  Ich nenne ein Thier, eine Gattung, ein Individuum verdorben, wenn es
seine Instinkte verliert, wenn es whlt, wenn es vorzieht, was ihm
nachtheilig ist. Eine Geschichte der "hheren Gefhle", der "Ideale
der Menschheit" - und es ist mglich, dass ich sie erzhlen muss -
wre beinahe auch die Erklrung dafr, weshalb der Mensch so verdorben
ist.
  Das Leben selbst gilt mir als Instinkt fr Wachsthum, fr Dauer, fr
Hufung von Krften, fr Macht - wo der Wille zur Macht fehlt, giebt
es Niedergang. Meine Behauptung ist, dass allen obersten Werthen der
Menschheit dieser Wille fehlt, - dass Niedergangs-Werthe,
nihilistische Werthe unter den heiligsten Namen die Herrschaft fhren.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
7.
Man nennt das Christenthum die Religion des Mitleidens. - Das
Mitleiden steht im Gegensatz zu den tonischen Affekten, welche die
Energie des Lebensgefhls erhhn: es wirkt depressiv. Man verliert
Kraft, wenn man mitleide<t>. Durch das Mitleiden vermehrt und
vervielfltigt sich die Einbusse an Kraft noch, die an sich schon das
Leiden dem Leben br<ingt.> Das Leiden selbst wird durch das Mitleiden
ansteckend; unter Umstnden kann mit ihm eine Gesammt-Einbusse an
Leben und Lebens-Energie erreicht werden, die in einem absurden
Verhltniss zum Quantum der Ursache steht (- der Fall vom Tode des
Nazareners) Das ist der erste Gesichtspunkt; es giebt aber noch einen
wichtigeren. Gesetzt, man misst das Mitleiden nach dem Werthe der
Reaktionen, die es hervorzubringen pflegt, so erscheint sein
lebensgefhrlicher Charakter in einem noch viel helleren Lichte. Das
Mitleiden kreuzt im Ganzen Grossen das Gesetz der Entwicklung, welches
das Gesetz der Selection ist. Es erhlt, was zum Untergange reif ist,
es wehrt sich zu Gunsten der Enterbten und Verurtheilten des Lebens,
es giebt durch die Flle des Missrathnen aller Art, das es im Leben
festhlt, dem Leben selbst einen dsteren und fragwrdigen Aspekt. Man
hat gewagt, das Mitleiden eine Tugend zu nennen (- in jeder vornehmen
Moral gilt es als Schwche -); man ist weiter gegangen, man hat aus
ihm die Tugend, den Boden und Ursprung aller Tugenden gemacht, - nur
freilich, was man stets im Auge behalten muss<,> vom Gesichtspunkte
einer Philosophie aus, welche nihilistisch war, welche die Verneinung
des Lebens auf ihr Schil<d schr>rieb. Schopenhauer war in seinem
Rechte damit: durch das Mit<leid> wird das Leben verneint,
verneinungs-w<rdiger> gemacht, - Mitleiden ist die Praxis des
Nihilismus. Nochmals gesagt: dieser depressive und contagise Instinkt
kreuzt jene Instinkte, welche auf Erhaltung und Werth-Erhhung des
Lebens aus sind: er ist ebenso als Multiplikator des Elends wie als
Conservator alles Elenden ein Hauptwerkzeug zur Steigerung der
dcadence - Mitleiden berredet zum Nichts! ... 
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Man sagt nicht "Nichts": man sagt dafr "Jenseits"; oder "Gott"; oder
"das wahre Leben"; oder Nirvana, Erlsung, Seligkeit ... Diese
unschuldige Rhetorik aus dem Reich der religis-moralischen
Idiosynkrasie erscheint sofort viel weniger unschuldig, wenn man
begreift, welche Tendenz hier den Mantel sublimer Worte um sich
schlgt: die lebensfeindliche Tendenz. Schopenhauer war
lebensfeindlich: deshalb wurde ihm das Mitleid zur Tugend
... Aristoteles sah, wie man weiss, im Mitleiden einen krankhaften und
gefhrlichen Zustand, dem man gut thte, hier und da durch ein
Purgativ beizukommen: er verstand die Tragdie als Purgativ. Vom
Instinkte des Lebens aus msste man in der That nach einem Mittel
suchen, einer solchen krankhaften und gefhrlichen Hufung des
Mitleides, wie sie der Fall Schopenhauers (und leider auch unsrer
gesammten litterarischen und artistischen dcadence von St. Petersburg
bis Paris, von Tolstoi bis Wagner) darstellt, einen Stich zu
versetzen: damit sie platzt ... Nichts ist ungesunder, inmitten unsrer
ungesunden Modernitt, als das christliche Mitleid. Hier Arzt sein,
hier unerbittlich sein, hier das Messer fhren - das gehrt zu uns,
das ist unsre Art Menschenliebe, damit sind wir Philosophen, wir
Hyperboreer! - - -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
8.
Es ist nothwendig zu sagen, wen wir als unsern Gegensatz fhlen - die
Theologen und Alles, was Theologen-Blut im Leibe hat - unsre ganze
Philosophie ... Man muss das Verhngniss aus der Nhe gesehn haben,
noch besser, man muss es an sich erlebt, man muss an ihm fast zu
Grunde gegangen sein, um hier keinen Spaass mehr zu verstehn (- die
Freigeisterei unsrer Herrn Naturforscher und Physiologen ist in meinen
Augen ein Spaass,- ihnen fehlt die Leidenschaft in diesen Dingen, das
Leiden an ihnen -) jene Vergiftung reicht viel weiter als man denkt:
ich fand den Theologen-Instinkt des Hochmuths berall wieder, wo man
sich heute als "Idealist" fhlt, - wo man, vermge einer hheren
Abkunft, ein Recht in Anspruch nimmt, zur Wirklichkeit berlegen und
fremd zu blicken ... Der Idealist hat, ganz wie der Priester, alle
grossen Begriffe in der Hand (- und nicht nur in der Hand!), er spielt
sie mit einer wohlwollenden Verachtung gegen den "Verstand", die
"Sinne", die "Ehren", das "Wohlleben", die "Wissenschaft" aus, er
sieht dergleichen unter sich, wie schdigende und verfhrerische
Krfte, ber den<en> "der Geist" in reiner Fr-sich-heit schwebt: -
als ob nicht Demuth, Keuschheit, Armut, Heiligkeit mit Einem Wort dem
Leben bisher unsglich mehr Schaden gethan htten als irgend welche
Furchtbarkeiten und Laster ... Der reine Geist ist die reine Lge...
So lange der Priester noch als eine hhere Art Mensch gilt, dieser
Verneiner, Verleumder, Vergifter des Lebens von Beruf , giebt es keine
Antwort auf die Frage: was ist Wahrheit? Man hat bereits die Wahrheit
auf den Kopf gestellt, wenn der bewusste Advokat des Nichts und der
Verneinung als Vertreter der "Wahrheit" gilt...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
9.
Diesem Theologen-Instinkte mache ich den Krieg: ich fand seine Spur
berall. Wer Theologen-Blut im Leibe hat, steht von vornherein zu
allen Dingen schief und unehrlich. Das Pathos, das sich daraus
entwickelt, heisst sich Glaube: das Auge Ein-fr-alle Mal vor sich
schliessen, um nicht am Aspekt unheilbarer Falschheit zu leiden. Man
macht bei sich eine Moral, eine Tugend, eine Heiligkeit aus dieser
fehlerhaften Optik zu allen Dingen, man knpft das gute Gewissen an
das Falsch-sehen, - man fordert, dass keine andre Art Optik mehr Werth
haben drfe, nachdem man die eigne mit den Namen "Gott" "Erlsung"
"Ewigkeit" sakrosankt gemacht hat. Ich grub den Theologen-Instinkt
noch berall aus: er ist die verbreitetste, die eigentlich
unterirdische Form der Falschheit, die es auf Erden giebt. Was ein
Theologe als wahr empfindet, das muss falsch sein: man hat daran
beinahe ein Kriterium der Wahrheit. Es ist sein unterster
Selbsterhaltungs-Instinkt, der verbietet, dass die Realitt in irgend
einem Punkte zu Ehren oder auch nur zu Worte kme. So weit der
Theologen-Einfluss reicht, ist das Werth-Urtheil auf den Kopf
gestellt, sind die Begriffe "wahr" und "falsch" nothwendig umgekehrt:
was dem Leben am schdlichsten ist, das heisst hier "wahr", was es
hebt, steigert, bejaht, rechtfertigt und triumphiren macht, das heisst
"falsch" ... Kommt es vor, dass Theologen durch das "Gewissen" der
Frsten (oder der Vlker -) hindurch nach der Macht die Hand
ausstrecken, zweifeln wir nicht, was jedes Mal im Grunde sich begiebt:
der Wille zum Ende, der nihilistische Wille will zur Macht ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
10.
Unter Deutschen versteht man sofort, wenn ich sage, dass die
Philosophie durch Theologen-Blut verderbt ist. Der protestantische
Pfarrer ist Grossvater der deutschen Philosophie, der Protestantismus
selbst ihr peccatum originale. Definition des Protestantismus: die
halbseitige Lhmung des Christenthums - und der Vernunft ... Man hat
nur das Wort "Tbinger Stift" auszusprechen, um zu begreifen, was die
deutsche Philosophie im Grunde ist - eine hinterlistige Theologie ...
Die Schwaben sind die besten Lgner in Deutschland, sie lgen
unschuldig ... Woher das Frohlocken, das beim Auftreten Kants durch
die deutsche Gelehrtenwelt gieng, die zu drei Viertel aus Pfarrer- und
Lehrer-Shnen besteht -, woher die deutsche berzeugung, die auch
heute noch ihr Echo findet, dass mit Kant eine Wendung zum Besseren
beginne? Der Theologen-Instinkt im deutschen Gelehrten errieth, was
nunmehr wieder mglich war ... Ein Schleichweg zum alten Ideal stand
offen, der Begriff "wahre Welt", der Begriff der Moral als Essenz der
Welt (- diese zwei bsartigsten Irrthmer, die es giebt!) waren jetzt
wieder, Dank einer verschmitzt-klugen Skepsis, wenn nicht beweisbar,
so doch nicht mehr widerlegbar ... Die Vernunft, das Recht der
Vernunft reicht nicht so weit ... Man hatte aus der Realitt eine
"Scheinbarkeit" gemacht; man hatte eine vollkommen erlogne Welt, die
des Seienden, zur Realitt gemacht ... Der Erfolg Kant's ist bloss ein
Theologen-Erfolg: Kant war, gleich Luther, gleich Leibnitz, ein
Hemmschuh mehr in der an sich nicht taktfesten deutschen
Rechtschaffenheit - -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
11.
Ein Wort noch gegen Kant als Moralist. Eine Tugend muss unsre
Erfindung sein, unsre persnlichste Nothwehr und Nothdurft: in jedem
andren Sinne ist sie bloss eine Gefahr. Was nicht unser Leben bedingt,
schadet ihm: eine Tugend bloss aus einem Respekts-Gefhle vor dem
Begriff "Tugend" wie Kant es wollte, ist schdlich. Die "Tugend", die
"Pflicht", das "Gute an sich", das Gute mit dem Charakter der
Unpersnlichkeit und Allgemeingltigkeit - Hirngespinnste, in denen
sich der Niedergang, die letzte Entkrftung des Lebens, das
Knigsberger Chinesenthum ausdrckt. Das Umgekehrte wird von den
tiefsten Erhaltungs- und Wachsthums-Gesetzen geboten: dass jeder sich
seine Tugend, seinen kategorischen Imperativ erfinde. Ein Volk geht zu
Grunde, wenn es seine Pflicht mit dem Pflichtbegriff berhaupt
verwechselt. Nichts ruinirt tiefer, innerlicher als jede
"unpersnliche" Pflicht, jede Opferung vor dem Moloch der Abstraktion.
...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Dass man den kategorischen Imperativ Kant's nicht als
lebensgefhrlich empfunden hat! ... Der Theologen-Instinkt allein nahm
ihn in Schutz! - Eine Handlung, zu der der Instinkt des Lebens zwingt,
hat in der Lust ihren Beweis, eine rechte Handlung zu sein: und jener
Nihilist mit christlich-dogmatischen Eingeweiden verstand die Lust als
Einwand ... Was zerstrt schneller als ohne innere Nothwendigkeit,
ohne eine tief persnliche Wahl, ohne Lustarbeiten, denken, fhlen?
als Automat der "Pflicht"? Es ist geradezu das Recept zur dcadence,
selbst zum Idiotismus ... Kant wurde Idiot. - Und das war der
Zeitgenosse Goethes! Dies Verhngniss von Spinne galt als der deutsche
Philosoph, - gilt es noch! ... ich hte mich zu sagen, was ich von den
Deutschen denke ... Hat Kant nicht in der franzsischen Revolution den
bergang aus der unorganischen Form des Staats in die organische
gesehn? Hat er sich nicht gefragt, ob es eine Begebenheit gebt, die
gar nicht anders erklrt werden knne als durch eine moralische Anlage
der Menschheit, so dass mit ihr, Ein-fr-alle Mal, die "Tendenz der
Menschheit zum Guten" bewiesen sei? Antwort Kant's: "das ist die
Revolution." Der fehlgreifende Instinkt in Allem und jedem, die
Widernatur als Instinkt, die deutsche dcadence als Philosophie - das
ist Kant.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
12.
Ich nehme ein Paar Skeptiker bei Seite, den anstndigen Typus in der
Geschichte der Philosophie: aber der Rest kennt die ersten Forderungen
der intellektuellen Rechtschaffenheit nicht. Sie machen es allesammt
wie die Weiblein, alle diese grossen Schwrmer und Wunderthiere, - sie
halten die "schnen Gefhle" bereits fr Argumente, den "gehobenen
Busen" fr einen Blasebalg der Gottheit, die berzeugung fr ein
Kriterium der Wahrheit. Zuletzt hat noch Kant, in "deutscher"
Unschuld, diese Form der Corruption, diesen Mangel an intellektuellem
Gewissen unter dem Begriff "praktische Vernunft" zu
verwissenschaftlichen versucht: er erfand eigens eine Vernunft dafr,
in welchem Falle man sich nicht um die Vernunft zu kmmern habe,
nmlich wenn die Moral, wenn die erhabne Forderung "du sollst" laut
wird. Erwgt man, dass fast bei allen Vlkern der Philosoph nur die
Weiterentwicklung des priesterlichen Typus ist, so berrascht dieses
Erbstck des Priesters, die Falschmnzerei vor sich selbst, nicht
mehr. Wenn man heilige Aufgaben hat, zum Beispiel die Menschen zu
bessern, zu retten, zu erlsen, wenn man die Gottheit im Busen trgt,
Mundstck jenseitiger Imperative ist, so steht man mit einer solchen
Mission bereits ausserhalb aller bloss verstandesmssigen Werthungen,
- selbst schon geheiligt durch eine solche Aufgabe, selbst schon der
Typus einer hheren Ordnung! ... Was geht einen Priester die
Wissenschaft an! Er steht zu hoch dafr! - Und der Priester hat bisher
geherrscht! Er bestimmte den Begriff "wahr" und "unwahr"! ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
13.
Unterschtzen wir dies nicht: wir selbst, wir freien Geister, sind
bereits eine "Umwerthung aller Werthe", eine leibhafte Kriegs- und
Siegs-Erklrung an alle alten Begriffe von "wahr" und "unwahr". Die
werthvollsten Einsichten werden am sptesten gefunden; aber die
werthvollsten Einsichten sind die Methoden. Alle Methoden, alle
Voraussetzungen unsrer jetzigen Wissenschaftlichkeit haben
Jahrtausende lang die tiefste Verachtung gegen sich gehabt, auf sie
hin war man aus dem Verkehre mit "honnetten" Menschen ausgeschlossen,
- man galt als "Feind Gottes", als Verchter der Wahrheit, als
"Besessener". Als wissenschaftlicher Charakter war man Tschandala ...
Wir haben das ganze Pathos der Menschheit gegen uns gehabt - ihren
Begriff von dem, was Wahrheit sein soll, was der Dienst der Wahrheit
sein soll: jedes "du sollst" war bisher gegen uns gerichtet ... Unsre
Objekte, unsre Praktiken, unsre stille vorsichtige misstrauische Art -
Alles schien ihr vollkommen unwrdig und verchtlich. - Zuletzt drfte
man, mit einiger Billigkeit, sich fragen, ob es nicht eigentlich ein
sthetischer Geschmack war, was die Menschheit in so langer Blindheit
gehalten hat: sie verlangte von der Wahrheit einen pittoresken Effekt,
sie verlangte insgleichen vom Erkennenden, dass er stark auf die Sinne
wirke. Unsre Bescheidenheit gieng ihr am lngsten wider den Geschmack
... Oh wie sie das erriethen, diese Truthhne Gottes - -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
14.
Wir haben umgelernt. Wir sind in allen Stcken bescheidner geworden.
Wir leiten den Menschen nicht mehr vom "Geist", von der "Gottheit" ab,
wir haben ihn unter die Thiere zurckgestellt. Er gilt uns als das
strkste Thier, weil er das listigste ist: eine Folge davon ist seine
Geistigkeit. Wir wehren uns anderseits gegen eine Eitelkeit, die auch
hier wieder laut werden mchte: wie als ob der Mensch die grosse
Hinterabsicht der thierischen Entwicklung gewesen sei. Er ist durchaus
keine Krone der Schpfung, jedes Wesen ist, neben ihm, auf einer
gleichen Stufe der Vollkommenheit ... Und indem wir das behaupten,
behaupten wir noch zuviel: der Mensch ist, relativ genommen, das
missrathenste Thier, das krankhafteste, das von seinen Instinkten am
gefhrlichste<n> abgeirrte - freilich, mit alle dem, auch das
interessanteste!
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Was die Thiere betrifft, so hat zuerst Descartes, mit
verehrungswrdiger Khnheit, den Gedanken gewagt, das Thier als
machina zu verstehn: unsre ganze Physiologie bemht sich um den Beweis
dieses Satzes. Auch stellen wir logischer Weise den Menschen nicht bei
Seite, wie noch Descartes that: was berhaupt heute vom Menschen
begriffen ist, geht genau so weit als er machinal begriffen ist.
Ehedem gab man dem Menschen als seine Mitgift aus einer hheren
Ordnung den "freien Willen": heute haben wir ihm selbst den Willen
genommen, in dem Sinne, dass darunter kein Vermgen mehr verstanden
werden darf. Das alte Wort "Wille" dient nur dazu, eine Resultante zu
bezeichnen, eine Art individueller Reaktion, die nothwendig auf eine
Menge theils widersprechender, theils zusammenstimmender Reize folgt:
- der Wille "wirkt" nicht mehr, "bewegt" nicht mehr ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Ehemals sah man im Bewusstsein des Menschen, im "Geist", den Beweis
seiner hheren Abkunft, seiner Gttlichkeit; um den Menschen zu
vollenden, rieth man ihm an, nach der Art der Schildkrte, die Sinne
in sich hineinzuziehn, den Verkehr mit dem Irdischen einzustellen, die
sterbliche Hlle abzuthun: dann blieb die Hauptsache von ihm zurck,
der "reine Geist".  Wir haben uns auch hierber besser besonnen: das
Bewusstwerden, der "Geist", gilt uns gerade als Symptom einer
relativen Unvollkommenheit des Organismus, als ein Versuchen, Tasten,
Fehlgreifen, als eine Mhsal, bei der unnthig viel Nervenkraft
verbraucht wird, - wir leugnen, dass irgend Etwas vollkommen gemacht
werden kann, so lange es noch bewusst gemacht wird. Der "reine Geist"
ist eine reine Dummheit: rechnen wir das Nervensystem und die Sinne
ab, die "sterbliche Hlle", so verrechnen wir uns - weiter nichts! ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
15.
Weder die Moral noch die Religion berhrt sich im Christenthume mit
irgend einem Punkte der Wirklichkeit. Lauter imaginre Ursachen
("Gott", "Seele", "Ich" "Geist", "der freie Wille" - oder auch "der
unfreie"); lauter imaginre Wirkungen ("Snde", "Erlsung", "Gnade",
"Strafe", "Vergebung der Snde"). Ein Verkehr zwischen imaginren
Wesen ("Gott" "Geister" "Seelen"); eine imaginre Naturwissenschaft
(anthropocentrisch; vlliger Mangel des Begriffs der natrlichen
Ursachen) eine imaginre Psychologie (lauter Selbst-
Missverstndnisse, Interpretationen angenehmer oder unangenehmer
Allgemeingefhle, zum Beispiel der Zustnde des nervus sympathicus mit
Hlfe der Zeichensprache religis-moralischer Idiosynkrasie, - "Reue",
"Gewissensbiss", "Versuchung des Teufels", "die Nhe Gottes"); eine
imaginre Teleologie ("das Reich Gottes", "das jngste Gericht", "das
ewige Leben"). - Diese reine Fiktions-Welt unterscheidet sich dadurch
sehr zu ihren Ungunsten von der Traumwelt, dass letztere die
Wirklichkeit wiederspiegelt, whrend sie die Wirklichkeit flscht,
entwertete, verneint. ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Nachdem erst der Begriff "Natur" als Gegenbegriff zu "Gott" erfunden
war, musste "natrlich" das Wort sein fr "verwerflich", - jene ganze
Fiktions-Welt hat ihre Wurzel im Hass gegen das Natrliche (- die
Wirklichkeit! -), sie ist der Ausdruck eines tiefen Missbehagens am
Wirklichen ... Aber damit ist Alles erklrt. Wer allein hat Grnde
sich wegzulgen aus der Wirklichkeit?  Wer an ihr leidet. Aber an der
Wirklichkeit leiden heisst eine verunglckte Wirklichkeit sein ... Das
bergewicht der Unlustgefhle ber die Lustgefhle ist die Ursache
jener fiktiven Moral und Religion: ein solches bergewicht giebt aber
die Formel ab fr dcadence ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
16.
Zu dem gleichen Schlusse nthigt eine Kritik des christlichen
Gottesbegriffs. - Ein Volk, das noch an sich selbst glaubt, hat auch
noch seinen eignen Gott. In ihm verehrt es die Bedingungen, durch die
es obenauf ist, seine Tugenden, - es projicirt seine Lust an sich,
sein Machtgefhl in ein Wesen, dem man dafr danken kann. Wer reich
ist, will abgeben; ein stolzes Volk braucht einen Gott, um zu opfern
... Religion, innerhalb solcher Voraussetzungen, ist eine Form der
Dankbarkeit. Man ist fr sich selber dankbar: dazu braucht man einen
Gott. - Ein solcher Gott muss ntzen und schaden knnen, muss Freund
und Feind sein knnen, - man bewundert ihn im Guten wie im Schlimmen.
Die widernatrliche Castration eines Gottes zu einem Gotte bloss des
Guten lge hier ausserhalb aller Wnschbarkeit. Man hat den bsen Gott
so nthig als den guten: man verdankt ja die eigne Existenz nicht
gerade der Toleranz, der Menschenfreundlichkeit ... Was lge an einem
Gotte, der nicht Zorn, Rache, Neid, Hohn, List, Gewaltthat kennte? dem
vielleicht nicht einmal die entzckenden ardeurs des Siegs und der
Vernichtung bekannt wren? Man wrde einen solchen Gott nicht
verstehn: wozu sollte man ihn haben? ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Freilich: wenn ein Volk zu Grunde geht; wenn es den Glauben an
Zukunft, seine Hoffnung auf Freiheit endgltig schwinden fhlt; wenn
ihm die Unterwerfung als erste Ntzlichkeit, die Tugenden der
Unterworfenen als Erhaltungsbedingungen in's Bewusstsein treten, dann
muss sich auch sein Gott verndern. Er wird jetzt Duckmuser,
furchtsam, bescheiden, rth zum "Frieden der Seele", zum
Nicht-mehr-Hassen, zur Nachsicht, zur "Liebe" selbst gegen Freund und
Feind. Er moralisirt bestndig, er kriecht in die Hhle jeder
Privattugend, wird Gott fr Jedermann, wird Privatmann, wird
Kosmopolit ... Ehemals stellte er ein Volk, die Strke eines Volkes,
alles Aggressive und Machtdurstige aus der Seele eines Volkes dar:
jetzt ist er bloss noch der gute Gott ... In der That, es giebt keine
andre Alternative fr Gtter: entweder sind sie der Wille zur Macht -
und so lange werden sie Volksgtter sein - oder aber die Ohnmacht zur
Macht - und dann werden sie nothwendig gut...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
17.
Wo in irgend welcher Form der Wille zur Macht niedergeht, giebt es
jedes Mal auch einen physiologischen Rckgang, eine dcadence. Die
Gottheit der dcadence, beschnitten an ihren mnnlichsten Tugenden und
Trieben, wird nunmehr nothwendig zum Gott der
physiologisch-Zurckgegangenen, der Schwachen. Sie heissen sich selbst
nicht die Schwachen, sie heissen sich "die Guten" ... Man versteht,
ohne dass ein Wink noch Noth thte, in welchen Augenblicken der
Geschichte erst die dualistische Fiktion eines guten und eines bsen
Gottes mglich wird. Mit demselben Instinkte, mit dem die Unterworfnen
ihren Gott zum "Guten an sich" herunterbringen, streichen sie aus dem
Gotte ihrer berwinder die guten Eigenschaften aus; sie nehmen Rache
an ihren Herrn, dadurch dass sie deren Gott verteufeln. - Der gute
Gott, ebenso wie der Teufel: Beide Ausgeburten der dcadence. - Wie
kann man heute noch der Einfalt christlicher Theologen so viel
nachgeben, um mit ihnen zu dekretiren, die Fortentwicklung des
Gottesbegriffs vom "Gotte Israels", vom Volksgotte zum christlichen
Gotte, zum Inbegriff alles Guten sei ein Fortschritt? ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Wenn die Voraussetzungen des aufsteigenden Lebens, wenn alles Starke
Tapfere, Herrische, Stolze aus dem Gottesbegriffe eliminirt werden,
wenn er Schritt fr Schritt zum Symbol eines Stabs fr Mde, eines
Rettungsankers fr alle Ertrinkenden heruntersinkt, wenn er
Arme-Leute-Gott, Snder-Gott, Kranken-Gott par excellence wird, und
das Prdikat "Heiland", "Erlser" gleichsam brig bleibt als
gttliches Prdikat berhaupt: wovon redet eine solche Verwandlung?
eine solche Reduktion des Gttlichen? - Freilich: "das Reich Gottes"
ist damit grsser geworden.  Ehemals hatte er nur sein Volk, sein
"auserwhltes" Volk. Inzwischen gieng er, ganz wie sein Volk selber,
in die Fremde, auf Wanderschaft, er sass seitdem nirgendswo mehr
still: bis er endlich berall heimisch wurde, der grosse Cosmopolit, -
bis er "die grosse Zahl" und die halbe Erde auf seine Seite
bekam. Aber der Gott "der grossen Zahl", der Demokrat unter den
Gttern, wurde trotzdem kein stolzer Heidengott: er blieb Jude, er
blieb der Gott der Winkel, der Gott aller dunklen Ecken und Stellen,
aller ungesunden Quartiere der ganzen Welt! ... 
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Und er [Gott] selbst, so blass, so schwach, so dcadent ...
Selbst die Blassesten der Blassen wurden noch ber ihn Herr, die
Herrn Metaphysiker, die Begriffs-Albinos. Diese spannen so lange um
ihn herum, bis er, hypnotisirt durch ihre Bewegungen, selbst Spinne,
selbst Metaphysicus wurde. Nunmehr spann er wieder die Welt aus sich
heraus - sub specie Spinozae -, nunmehr transfigurirte er sich ins
immer Dnnere und Blssere, ward "Ideal", ward "reiner Geist", ward
"absolutum", ward , Ding an sich ... Verfall eines Gottes: Gott ward
"Ding an sich"...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
18.
Der christliche Gottesbegriff - Gott als Krankengott, Gott als Spinne,
Gott als Geist - ist einer der corruptesten Gottesbegriffe, die auf
Erden erreicht worden sind; er stellt vielleicht selbst den Pegel des
Tiefstands in der absteigenden Entwicklung des Gtter-Typus dar. Gott
zum Widerspruch des Lebens abgeartet, statt dessen Verklrung und
ewiges Ja zu sein. In Gott dem Leben, der Natur, dem Willen zum Leben
die Feindschaft angesagt! Gott die Formel fr jede Verleumdung des
"Diesseits", fr jede Lge vom "Jenseits"! In Gott das Nichts
vergttlicht, der Wille zum Nichts heilig gesprochen!
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
19.
... Zwei Jahrtausende beinahe und nicht ein einziger neuer Gott!
Sondern immer noch und wie zu Recht bestehend, wie ein ultimatum und
maximum der gottbildenden Kraft, des creator spiritus im Menschen,
dieser erbarmungswrdige Gott des christlichen Monotono-Theismus! dies
hybride Verfalls-Gebilde aus Null, Begriff und Widerspruch, in dem
alle Dcadence-Instinkte, alle Feigheiten und Mdigkeiten der Seele
ihre Sanktion haben! - -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
20.
Mit meiner Verurtheilung des Christenthums mchte ich kein Unrecht
gegen eine verwandte Religion begangen haben, die der Zahl der
Bekenner nach sogar berwiegt, gegen den Buddhismus. Beide gehren als
nihilistische Religionen zusammen - sie sind dcadence-Religionen -,
beide sind von einander in der merkwrdigsten Weise getrennt. Dass man
sie jetzt vergleichen kann, dafr ist der Kritiker des Christenthums
den indischen Gelehrten tief dankbar. - Der Buddhismus ist hundert Mal
realistischer als das Christenthum, - er hat die Erbschaft des
objektiven und khlen Probleme-Stellens im Leibe, er kommt nach einer
Hunderte von Jahren dauernden philosophischen Bewegung, der Begriff
"Gott" ist bereits abgethan, als er kommt. Der Buddhismus ist die
einzige eigentlich positivistische Religion, die uns die Geschichte
zeigt, auch noch in seiner Erkenntnisstheorie (einem strengen
Phnomenalismus -), er sagt nicht mehr "Kampf gegen Snde", sondern,
ganz der Wirklichkeit das Recht gebend, "Kampf gegen das Leiden". Er
hat - dies unterscheidet ihn tief vom Christenthum - die
Selbst-Betrgerei der Moral-Begriffe bereits hinter sich, - er steht,
in meiner Sprache geredet, jenseits von Gut und Bse. ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Die zwei physiologischen Thatsachen, auf denen er [der Buddhismus]
ruht und die er ins Auge fasst, sind: einmal eine bergrosse
Reizbarkeit der Sensibilitt, welche sich als raffinirte
Schmerzfhigkeit ausdrckt, sodann eine bergeistigung, ein
allzulanges Leben in Begriffen und logischen Prozeduren, unter dem der
Person-Instinkt zum Vortheil des "Unpersnlichen" Schaden genommen hat
(- Beides Zustnde, die wenigstens Einige meiner Leser, die
"Objektiven", gleich mir selbst, aus Erfahrung kennen werden) Auf
Grund dieser physiologischen Bedingungen ist eine Depression
entstanden: gegen diese geht Buddha hygienisch vor. Er wendet dagegen
das Leben im Freien an, das Wanderleben, die Mssigung und die Wahl in
der Kost; die Vorsicht gegen alle Spirituosa; die Vorsicht insgleichen
gegen alle Affekte, die Galle machen, die das Blut erhitzen; keine
Sorge, weder fr sich, noch fr Andre. Er fordert Vorstellungen, die
entweder Ruhe geben oder erheitern - er erfindet Mittel, die andren
sich abzugewhnen. Er versteht die Gte, das Gtig-sein als
gesundheitfrdernd. Gebet ist ausgeschlossen, ebenso wie die Askese;
kein kategorischer Imperativ, kein Zwang berhaupt, selbst nicht
innerhalb der Klostergemeinschaft (- man kann wieder hinaus -) Das
Alles wren Mittel, um jene bergrosse Reizbarkeit zu verstrken.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Eben darum fordert er [der Buddhismus] auch keinen Kampf gegen
Andersdenkende; seine Lehre wehrt sich gegen nichts mehr als gegen das
Gefhl der Rache, der Abneigung, des ressentiment (- "nicht durch
Feindschaft kommt Feindschaft zu Ende": der rhrende Refrain des
ganzen Buddhismus ... ) Und das mit Recht: gerade diese Affekte wren
vollkommen ungesund in Hinsicht auf die ditetische Hauptabsicht. Die
geistige Ermdung, die er vorfindet, und die sich in einer
allzugrossen "Objektivitt" (das heisst Schwchung des
Individual-Interesses, Verlust an Schwergewicht, an "Egoismus")
ausdrckt, bekmpft <er> mit einer strengen Zurckfhrung auch der
geistigsten Interessen auf die Person. In der Lehre Buddha's wird der
Egoismus Pflicht: das "Eins ist Noth", das "wie kommst du vom Leiden
los" regulirt und begrenzt die ganze geistige Dit (- man darf sich
vielleicht an jenen Athener erinnern, der der reinen
"Wissenschaftlichkeit" gleichfalls den Krieg machte, an Sokrates, der
den Personal-Egoismus auch im Reich der Probleme zur Moral erhob.)
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
21.
Die Voraussetzung fr den Buddhismus ist ein sehr mildes Klima, eine
grosse Sanftmuth und Liberalitt in den Sitten, kein Militarismus; und
dass es die hheren und selbst gelehrten Stnde sind, in denen die
Bewegung ihren Heerd hat. Man will die Heiterkeit, die Stille, die
Wunschlosigkeit als hchstes Ziel, und man erreicht sein Ziel. Der
Buddhismus ist keine Religion, in der man bloss auf Vollkommenheit
aspirirt: das Vollkommne ist der normale Fall. ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Im Christenthume kommen die Instinkte Unterworfner und Unterdrckter
in den Vordergrund: es sind die niedersten Stnde, die in ihm ihr Heil
suchen. Hier wird als Beschftigung, als Mittel gegen die Langeweile,
die Casuistik der Snde, die Selbstkritik, die Gewissens-Inquisition
gebt; hier wird der Affekt gegen einen Mchtigen, "Gott" genannt,
bestndig aufrecht erhalten (durch das Gebet); hier gilt das Hchste
als unerreichbar, als Geschenk, als "Gnade". Hier fehlt auch die
ffentlichkeit; der Versteck, der dunkle Raum ist christlich. Hier
wird der Leib verachtet, die Hygiene als Sinnlichkeit abgelehnt; die
Kirche wehrt sich selbst gegen die Reinlichkeit (- die erste
christliche Massregel nach Vertreibung der Mauren war die Schliessung
der ffentlichen Bder, von denen Cordova allein 270 besass).
Christlich ist ein gewisser Sinn der Grausamkeit, gegen sich und
Andre; der Hass gegen die Andersdenkenden; der Wille, zu verfolgen.
Dstere und aufregende Vorstellungen sind im Vordergrunde; die
hchstbegehrten, mit den hchsten Namen bezeichneten Zustnde sind
Epilepsoden; die Dit wird so gewhrt, dass sie morbide Erscheinungen
begnstigt und die Nerven berreizt. Christlich ist die Todfeindschaft
gegen die Herren der Erde, gegen die "Vornehmen" - und zugleich ein
versteckter heimlicher Wettbewerb (- man lsst ihnen den "Leib", man
will nur die "Seele" .. .) Christlich ist der Hass gegen den Geist,
gegen Stolz, Muth, Freiheit, libertinage des Geistes; christlich ist
der Hass gegen die Sinne, gegen die Freuden der Sinne, gegen die
Freude berhaupt ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
22.
Dies Christenthum, als es seinen ersten Boden verliess, die niedrigsten Stnde, die Unterwelt der antiken Welt, als es unter
Barbaren-Vlkern nach Macht ausgieng, hatte hier nicht mehr mde Menschen
zur Voraussetzung, sondern innerlich verwilderte und sich zerreissende, -
den starken Menschen, aber den missrathenen. Die Unzufriedenheit mit sich,
das Leiden an sich ist hier nicht wie bei dem Buddhisten eine bermssige
Reizbarkeit und Schmerzfhigkeit, vielmehr umgekehrt ein bermchtiges
Verlangen nach Wehethun, nach Auslassung der inneren Spannung in feindseligen
Handlungen und Vorstellungen. Das Christenthum hatte barbarische Begriffe
und Werthe nthig, um ber Barbaren Herr zu werden: solche sind das
Erstlingsopfer, das Bluttrinken im Abendmahl, die Verachtung des Geistes und
der Cultur; die Folterung in allen Formen, sinnlich und unsinnlich; der
grosse Pomp des Cultus. Der Buddhismus ist eine Religion fr spte Menschen,
fr gtige, sanfte, bergeistig gewordne Rassen, die zu leicht Schmerz
empfinden (Europa ist noch lange nicht reif fr ihn -): er ist eine
Rckfhrung derselben zu Frieden und Heiterkeit, zur Dit im Geistigen,
zu einer gewissen Abhrtung im Leiblichen. Das Christenthum will ber
Raubthiere Herr werden; sein Mittel ist, sie krank zu machen, -
die Schwchung ist das christliche Rezept zur Zhmung, zur "Civilisation".
Der Buddhismus ist eine Religion fr den Schluss und die Mdigkeit der
Civilisation, das Christenthum findet sie noch nicht einmal vor, -
es begrndet sie unter Umstnden.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
23.
Der Buddhismus, nochmals gesagt, ist hundert Mal klter, wahrhafter,
objektiver. Er hat nicht mehr nthig, sich sein Leiden, seine
Schmerzfhigkeit anstndig zu machen durch die Interpretation der
Snde, - er sagt bloss, was er denkt "ich leide". Dem Barbaren dagegen
ist Leiden an sich nichts Anstndiges: er braucht erst eine Auslegung,
um es sich einzugestehn, dass er leidet (sein Instinkt weist ihn eher
auf Verleugnung des Leidens, auf stilles Ertragen hin) Hier war das
Wort "Teufel" eine Wohlthat: man hatte einen bermchtigen und
furchtbaren Feind, - man brauchte sich nicht zu schmen, an einem
solchen Feind zu leiden. -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Das Christenthum hat einige Feinheiten auf dem Grunde, die zum Orient
gehren. Vor allem weiss es, dass es an sich ganz gleichgltig ist, ob
Etwas wahr <ist>, aber von hchster Wichtigkeit, sofern es als wahr
geglaubt wird. Die Wahrheit und der Glaube, dass Etwas wahr sei: zwei
ganz auseinanderliegende Interessen-Welten, fast Gegensatz - Welten -
man kommt zum Einen und zum Andren auf grundverschiednen Wegen.
Hierber wissend zu sein - das macht im Orient beinahe den Weisen: so
verstehn es die Brahmanen, so versteht es Plato, so jeder Schler
esoterischer Weisheit. Wenn zum Beispiel ein Glck darin liegt, sich
von der Snde erlst zu glauben, so thut als Voraussetzung dazu nicht
noth, dass der Mensch sndig sei, sondern dass er sich sndig fhlt.
Wenn aber berhaupt vor allem Glaube noth thut, so muss man die
Vernunft, die Erkenntniss, die Forschung in Misskredit bringen: der
Weg zur Wahrheit wird zum verbotnen Weg.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Die starke Hoffnung ist ein viel grsseres Stimulans des Lebens, als
irgend ein einzelnes wirklich eintretendes Glck. Man muss Leidende durch
eine Hoffnung aufrecht erhalten, welcher durch keine Wirklichkeit
widersprochen werden kann, - welche nicht durch eine Erfllung abgethan
wird: eine Jenseits-Hoffnung. (Gerade wegen dieser Fhigkeit, den
Unglcklichen hinzuhalten, galt die Hoffnung bei den Griechen als bel
der bel, als das eigentlich tckische bel: es blieb im Fass des bels
zurck). - Damit Liebe mglich ist, muss Gott Person sein; damit die
untersten Instinkte mitreden knnen, muss Gott jung sein. Man hat fr die
Inbrunst der Weiber einen schnen Heiligen, fr die der Mnner eine
Maria in den Vordergrund zu rcken. Dies unter der Voraussetzung, dass
das Christenthum auf einem Boden Herr , werden will, wo aphrodisische
oder Adonis-Culte den Begriff des Cultus bereits bestimmt haben. Die
Forderung der Keuschheit verstrkt die Vehemenz und Innerlichkeit des
religisen Instinkts - sie macht den Cultus wrmer, schwrmerischer,
seelenvoller. - Die Liebe ist der Zustand, wo der Mensch die Dinge am
meisten so sieht, wie sie nicht sind. Die illusorische Kraft ist da
auf ihrer Hhe, ebenso die versssende, die verklrende Kraft. Man
ertrgt in der Liebe mehr als sonst, man duldet Alles. Es galt eine
Religion zu erfinden, in der geliebt werden kann: damit ist man ber
das Schlimmste am Leben hinaus - man sieht es gar nicht mehr. - So
viel ber die drei christlichen Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung: ich
nenne sie die drei christlichen Klugheiten. - Der Buddhismus ist zu
spt, zu positivistisch dazu, um noch auf diese Weise klug zu sein. -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
24.
... Die Juden sind das merkwrdigste Volk der Weltgeschichte, weil sie,
vor die Frage von Sein und Nichtsein gestellt, mit einer vollkommen
unheimlichen Bewusstheit das Sein um jeden Preis vorgezogen haben:
dieser Preis war die radikale Flschung aller Natur, aller
Natrlichkeit, aller Realitt, der ganzen inneren Welt so gut als der
usseren. Sie grenzten sich ab gegen alle Bedingungen, unter denen
bisher ein Volk leben konnte, leben durfte, sie schufen aus sich einen
Gegensatz-Begriff zu natrlichen Bedingungen, - sie haben, der Reihe
nach, die Religion, den Cultus, die Moral, die Geschichte, die
Psychologie auf eine unheilbare Weise in den Widerspruch zu deren
Natur-Werthen umgedreht. Wir begegnen demselben Phnomene noch einmal
und in unsglich vergrsserten Proportionen, trotzdem nur als Copie: -
die christliche Kirche entbehrt, im Vergleich zum "Volk der Heiligen",
jedes Anspruchs auf Originalitt. Die Juden sind, ebendamit, das
verhngnissvollste Volk der Weltgeschichte: in ihrer Nachwirkung haben
sie die Menschheit dermaassen falsch gemacht, dass heute noch der
Christ antijdisch fhlen kann, ohne sich als die letzte jdische
Consequenz zu verstehn.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Um Nein sagen zu knnen zu Allem, was die aufsteigende Bewegung des
Lebens, die Wohlgerathenheit, die Macht, die Schnheit, die
Selbstbejahung auf Erden darstellt, musste hier sich der Genie
gewordne Instinkt des ressentiment eine andre Welt erfinden, von wo
aus jene Lebens-Bejahung als das Bse, als das Verwerfliche an sich
erschien.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Javeh ist der Gott Israels und folglich Gott der Gerechtigkeit:
die Logik jedes Volks, das in Macht ist und ein gutes Gewissen davon hat.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Der alte Gott konnte nichts mehr von dem, was er ehemals konnte. Man
htte ihn fahren lassen sollen. Was geschah? Man vernderte seinen
Begriff, - man entnatrlichte seinen Begriff: um diesen Preis hielt
man ihn fest. - Javeh der Gott der "Gerechtigkeit", - nicht mehr eine
Einheit mit Israel, ein Ausdruck des Volks-Selbstgefhls: nur noch ein
Gott unter Bedingungen ... Sein Begriff wird ein Werkzeug in den
Hnden priesterlicher Agitatoren, welche alles Glck nunmehr als Lohn,
alles Unglck als Strafe fr Ungehorsam gegen Gott, fr "Snde",
interpretiren: jene verlogenste Interpretations-Manier einer angeblich
"sittlichen Weltordnung", mit der, ein fr alle Mal, der Naturbegriff
"Ursache" und "Wirkung" auf den Kopf gestellt ist. Wenn man erst, mit
Lohn und Strafe, die natrliche Causalitt aus der Welt geschafft hat,
bedarf man einer widernatrlichen Causalitt: der ganze Rest von
Unnatur folgt nunmehr.  Ein Gott, der fordert - an Stelle eines
Gottes, der hilft, der Rath schafft, der im Grunde das Wort ist fr
jede glckliche Inspiration des Muths und des Selbstvertrauens ... Die
Moral, nicht mehr der Ausdruck der Lebens- und Wachsthums-Bedingungen
eines Volk<s>, nicht mehr sein unterster Instinkt des Lebens, sondern
abstrakt geworden, Gegensatz zum Leben geworden, - Moral als
grundstzliche Verschlechterung der Phantasie, als "bser Blick" fr
alle Dinge. Was ist jdische, was ist christliche Moral? Der Zufall um
seine Unschuld gebracht; das Unglck mit dem Begriff "Snde"
beschmutzt; das Wohlbefinden als Gefahr, als "Versuchung"; das
physiologische belbefinden mit dem Gewissens-Wurm vergiftet ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
26.
Der Gottesbegriff geflscht; der Moralbegriff geflscht: - die
jdische Priesterschaft blieb dabei nicht stehn. Man konnte die ganze
Geschichte Israels nicht brauchen: fort mit ihr! - Diese Priester
haben jenes Wunderwerk von Flschung zu Stande gebracht, als deren
Dokument uns ein guter Theil der Bibel vorliegt: sie haben ihre eigne
Volks-Vergangenheit mit einem Hohn ohne Gleichen gegen jede
berlieferung, gegen jede historische Realitt ins Religise
bersetzt, das heisst, aus ihr einen stupiden Heils-Mechanismus von
Schuld gegen Javeh und Strafe, von Frmmigkeit gegen Javeh und Lohn
gemacht. Wir wrden diesen schmachvollsten Akt der
Geschichts-Flschung viel schmerzhafter empfinden, wenn uns nicht die
kirchliche Geschichts-Interpretation von Jahrtausenden fast stumpf fr
die Forderungen der Rechtschaffenheit in historicis gemacht htte.
...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Und der Kirche sekundirten die Philosophen: die Lge "der sittlichen
Weltordnung" geht durch die ganze Entwicklung selbst der neueren
Philosophie. Was bedeutet "sittliche Weltordnung"? Dass es, ein fr
alle Mal, einen Willen Gottes giebt, was der Mensch zu thun, was er zu
lassen habe; dass der Werth eines Volkes, eines Einzelnen sich darnach
bemesse, wie sehr oder wie wenig dem Willen Gottes gehorcht wird; dass
in den Schicksalen eines Volkes, eines Einzelnen sich der Wille Gottes
als herrschend, das heisst als strafend und belohnend, je nach dem
Grade des Gehorsams, beweist.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Die Realitt an Stelle dieser erbarmungswrdigen Lge heisst: eine
parasitische Art Mensch, die nur auf Kosten aller gesunden Bildungen
des Lebens gedeiht, der Priester, missbraucht den Namen Gottes: er nennt
einen Zustand der Dinge, in dem der Priester den Werth der Dinge bestimmt,
"das Reich Gottes"; er nennt die Mittel, vermge deren ein solcher
Zustand erreicht oder aufrecht erhalten wird, "den Willen Gottes";
er misst, mit einem kaltbltigen Cynismus, die Vlker, die Zeiten,
die Einzelnen darnach ab, ob sie der Priester-bermacht ntzten oder
widerstrebten. Man sehe sie am Werk: unter den Hnden der jdischen
Priester wurde die grosse Zeit in der Geschichte Israels eine
Verfalls-Zeit; das Exil, das lange Unglck verwandelte sich in eine
ewige Strafe fr die grosse Zeit - eine Zeit, in der der Priester noch
nichts war ... Sie haben aus den mchtigen, sehr frei gerathenen Gestalten
der Geschichte Israels, je nach Bedrfniss, armselige Ducker und Mucker
oder "Gottlose" gemacht, sie haben die Psychologie jedes grossen
Ereignisses auf die Idioten-Formel "Gehorsam oder Ungehorsam gegen Gott"
vereinfacht.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Ein Schritt weiter: der "Wille Gottes", das heisst die
Erhaltungs-Bedingungen fr die Macht des Priesters, muss bekannt sein,
- zu diesem Zwecke bedarf es einer "Offenbarung". Auf deutsch: eine
grosse litterarische Flschung wird nthig, eine "heilige Schrift"
wird entdeckt, - unter allem hieratischen Pomp, mit Busstagen und
Jammergeschrei ber die lange "Snde" wird sie ffentlich gemacht. Der
"Wille Gottes" stand lngst fest: das ganze Unheil liegt darin, dass
man sich der "heiligen Schrift" entfremdet hat ... Moses schon war der
"Wille Gottes" offenbart ... Was war geschehn? Der Priester hatte, mit
Strenge, mit Pedanterie, bis auf die grossen und kleinen Steuern, die
man ihm zu zahlen hatte (- die schmackhaftesten Stcke vom Fleisch
nicht zu vergessen: denn der Priester ist ein Beefsteak-Fresser) ein
fr alle Mal formulirt, was er haben will, "was der Wille Gottes ist"
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Von nun an sind alle Dinge des Lebens so geordnet, dass der
Priester berall unentbehrlich ist; in allen natrlichen Vorkommnissen
des Lebens, bei der Geburt, der Ehe, der Krankheit, dem Tode, gar
nicht vom Opfer ("der Mahlzeit") zu reden, erscheint der heilige
Parasit, um sie zu entnatrlichen: in seiner Sprache zu "heiligen" ...
Denn dies muss man begreifen: jede natrliche Sitte, jede natrliche
Institution (Staat, Gerichts-Ordnung, Ehe, Kranken- und Armenpflege),
jede vom Instinkt des Lebens eingegebne Forderung, kurz Alles, was
seinen Werth in sich hat, wird durch den Parasitismus des Priesters
(oder der "sittlichen Weltordnung") grundstzlich werthlos,
werth-widrig gemacht: es bedarf nachtrglich einer Sanktion, - eine
werthverleihende Macht thut noth, welche die Natur darin verneint,
welche eben damit erst einen Werth schafft ... Der Priester
entwerthet, entheiligt die Natur: um diesen Preis besteht er
berhaupt. - Der Ungehorsam gegen Gott, das heisst gegen den Priester,
gegen "das Gesetz" bekommt nun den Namen "Snde"; die Mittel, sich
wieder "mit Gott zu vershnen", sind, wie billig, Mittel, mit denen
die Unterwerfung unter den Priester nur noch grndlicher gewhrleistet
ist: der Priester allein "erlst" ... Psychologisch nachgerechnet
werden in jeder priesterlich organisirten Gesellschaft die "Snden"
unentbehrlich: sie sind die eigentlichen Handhaben der Macht, der
Priester lebt von den Snden, er hat nthig, dass "gesndigt" wird ...
Oberster Satz: "Gott vergiebt dem, der Busse thut" - auf deutsch: der
sich dem Priester unterwirft. -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
27.
Auf einem dergestalt falschen Boden, wo jede Natur, jeder Natur-Werth,
jede Realitt die tiefsten Instinkte der herrschenden Klasse wider
sich hatte, wuchs das Christenthum auf, eine Todfeindschafts-Form
gegen die Realitt, die bisher nicht bertroffen worden ist. Das
"heilige Volk", das fr alle Dinge nur Priester-Werthe, nur
Priester-Worte brig behalten hatte, und mit einer
Schluss-Folgerichtigkeit, die Furcht einflssen kann, Alles, was sonst
noch an Macht auf Erden bestand, als "unheilig", als "Welt", als
"Snde" von sich abgetrennt hatte - dies Volk brachte fr seinen
Instinkt eine letzte Formel hervor, die logisch war bis zur
Selbstverneinung: es verneinte, als Christenthum, noch die letzte Form
der Realitt, das "heilige Volk", das "Volk der Ausgewhlten", die
jdische Realitt selbst. Der Fall ist ersten Rangs: die kleine
aufstndische Bewegung, die auf den Namen des Jesus von Nazareth
getauft wird, ist der jdische Instinkt noch einmal,- anders gesagt,
der Priester-Instinkt, der den Priester als Realitt nicht mehr
vertrgt, die Erfindung einer noch abgezogneren Daseinsform, einer
noch unrealeren Vision der Welt, als sie die Organisation einer Kirche
bedingt. Das Christenthum verneint die Kirche ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Ich sehe nicht ab, wogegen der Aufstand gerichtet war, als dessen
Urheber Jesus verstanden oder missverstanden worden ist, wenn es nicht
der Aufstand gegen die jdische Kirche war, Kirche genau in dem Sinn
genommen, in dem wir heute das Wort nehmen. Es war ein Aufstand gegen
"die Guten und Gerechten", gegen "die Heiligen Israels", gegen die
Hierarchie der Gesellschaft - nicht gegen deren Verderbniss, sondern
gegen die Kaste, das Privilegium, die Ordnung, die Formel; es war der
Unglaube an die "hheren Menschen", das Nein gesprochen gegen Alles,
was Priester und Theologe war. Aber die Hierarchie, die damit, wenn
auch nur fr einen Augenblick, in Frage gestellt wurde, war der
Pfahlbau, auf dem das jdische Volk, mitten im "Wasser", berhaupt
noch fortbestand, die mhsam errungene letzte Mglichkeit, brig zu
bleiben, das residuum seiner politischen Sonder-Existenz: ein Angriff
auf sie war ein Angriff auf den tiefsten Volks-Instinkt, auf den
zhesten Volks-Lebens-Willen, der je auf Erden dagewesen ist. Dieser
heilige Anarchist, der das niedere Volk, die Ausgestossnen und
"Snder", die Tschandala innerhalb des Judenthums zum Widerspruch
gegen die herrschende Ordnung aufrief - mit einer Sprache, falls den
Evangelien zu trauen wre, die auch heute noch nach Sibirien fhren
wrde, war ein politischer Verbrecher, so weit eben politische
Verbrecher in einer absurd-unpolitischen Gemeinschaft mglich waren.
Dies brachte ihn an's Kreuz: der Beweis dafr ist die Aufschrift des
Kreuzes. Er starb fr seine Schuld, - es fehlt jeder Grund dafr, so
oft es auch behauptet worden ist, dass er fr die Schuld Andrer starb.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
28.
...
Ich bekenne, dass ich wenige Bcher mit solchen Schwierigkeiten lese
wie die Evangelien. Diese Schwierigkeiten sind andre, als die, an
deren Nachweis die gelehrte Neugierde des deutschen Geistes einen
ihrer unvergesslichsten Triumphe gefeiert hat. Die Zeit ist fern, wo
auch ich, gleich jedem jungen Gelehrten, mit der klugen Langsamkeit
eines raffinirten Philologen das Werk des unvergleichlichen Strauss
auskostete. Damals war ich zwanzig Jahr alt: jetzt bin ich zu ernst
dafr. Was gehen mich die Widersprche der "berlieferung" an? Wie
kann man Heiligen-Legenden berhaupt "berlieferung" nennen! Die
Geschichten von Heiligen sind die zweideutigste Litteratur, die es
berhaupt giebt: auf sie die wissenschaftliche Methode anwenden, wenn
sonst keine Urkunden vorliegen, scheint mir von vornherein verurtheilt
- blosser gelehrter Mssiggang ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Was mich angeht, ist der psychologische Typus des Erlsers. ...
Die Versuche, die ich kenne, aus den Evangelien sogar die Geschichte
einer "Seele" herauszulesen, scheinen mir Beweise einer verabscheuungswrdigen
psychologischen Leichtfertigkeit. Herr Renan, dieser Hanswurst in
psychologicis, hat die zwei ungehrigsten Begriffe zu seiner Erklrung
des Typus Jesus hinzugebracht, die es hierfr geben kann: den Begriff
Genie und den Begriff Held ("hros").  ...
Aus Jesus einen Helden machen! - Und was
fr ein Missverstndniss ist gar das Wort "Genie"! Unser ganzer
Begriff, unser Cultur-Begriff "Geist" hat in der Welt, in der Jesus
lebt, gar keinen Sinn. Mit der Strenge des Physiologen gesprochen,
wre hier ein ganz andres Wort eher noch am Platz: das Wort Idiot.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Wir kennen einen Zustand krankhafter Reizbarkeit des Tastsinns, der dann
vor jeder Berhrung, vor jedem Anfassen eines festen Gegenstandes
zurckschaudert. Man bersetze sich einen solchen physiologischen
habitus in seine letzte Logik - als Instinkt-Hass gegen jede Realitt,
als Flucht in's "Unfassliche", in's "Unbegreifliche", als Widerwille
gegen jede Formel, jeden Zeit- und Raumbegriff, gegen Alles, was fest,
Sitte, Institution, Kirche ist, als Zu-Hause-sein in einer Welt, an
die keine Art Realitt mehr rhrt, einer bloss noch "inneren" Welt,
einer "wahren" Welt, einer "ewigen" Welt ... "Das Reich Gottes ist in
euch" ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
30.
Der Instinkt-Hass gegen die Realitt: Folge einer extremen Leid- und
Reizfhigkeit, welche berhaupt nicht mehr "berhrt" werden will, weil
sie jede Berhrung zu tief empfindet.

Die Instinkt-Ausschliessung aller Abneigung, aller Feindschaft, aller
Grenzen und Distanzen im Gefhl: Folge einer extremen Leid- und
Reizfhigkeit, welche jedes Widerstreben, Widerstreben-Mssen bereits
als unertrgliche Unlust (das heisst als schdlich, als vom
Selbsterhaltungs-Instinkte widerrathen) empfindet und die Seligkeit
(die Lust) allein darin kennt, nicht mehr, Niemandem mehr, weder dem
bel, noch dem Bsen, Widerstand zu leisten, - die Liebe als einzige,
als letzte Lebens-Mglichkeit ...

Dies sind die zwei physiologischen Realitten, auf denen, aus denen
die Erlsungs-Lehre gewachsen ist. Ich nenne sie eine sublime
Weiter-Entwicklung des Hedonismus auf durchaus morbider Grundlage.
Nchstverwandt, wenn auch mit einem grossen Zuschuss von griechischer
Vitalitt und Nervenkraft, bleibt ihr der Epicureismus, die
Erlsungs-Lehre des Heidenthums. Epicur ein typischer dcadent: zuerst
von mir als solcher erkannt. - Die Furcht vor Schmerz, selbst vor dem
Unendlich-Kleinen im Schmerz - sie kann gar nicht anders enden als in
einer Religion der Liebe ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
31.
Ich habe meine Antwort auf das Problem vorweg gegeben. Die
Voraussetzung fr sie ist, dass der Typus des Erlsers uns nur in
einer starken Entstellung erhalten ist. Diese Entstellung hat an sich
viel Wahrscheinlichkeit: ein solcher Typus konnte aus mehreren Grnden
nicht rein, nicht ganz, nicht frei von Zuthaten bleiben. Es muss
sowohl das milieu, in dem sich diese fremde Gestalt bewegte, Spuren an
ihm hinterlassen haben, als noch mehr die Geschichte, das Schicksal
der ersten christlichen Gemeinde: aus ihm wurde, rckwirkend, der
Typus mit Zgen bereichert, die erst aus dem Kriege und zu Zwecken der
Propaganda verstndlich werden. Jene seltsame und kranke Welt, in die
uns die Evangelien einfhren - eine Welt, wie aus einem russischen
Romane, in der sich Auswurf der Gesellschaft, Nerven leiden und
"kindliches" Idiotenthum ein Stelldichein zu geben scheinen - muss
unter allen Umstnden den Typus vergrbert haben: die ersten Jnger in
Sonderheit bersetzten ein ganz in Symbolen und Unfasslichkeiten
schwimmendes Sein erst in die eigne Cruditt, um berhaupt Etwas davon
zu verstehn, - fr sie war der Typus erst nach einer Einformung in
bekanntere Formen vorhanden ... Der Prophet, der Messias, der
zuknftige Richter, der Morallehrer, der Wundermann, Johannes der
Tufer - ebensoviele Gelegenheiten, den Typus zu verkennen ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Einstweilen klafft ein Widerspruch zwischen dem Berg-, See-
und Wiesen-Prediger, dessen Erscheinung wie ein Buddha auf einem sehr
wenig indischen Boden anmuthet, und jenem Fanatiker des Angriffs, dem
Theologen- und Priester-Todfeind, den Renan's Bosheit als "le grand
maitre en ironie" verherrlicht hat. Ich selber zweifle nicht daran,
dass das reichliche Maass Galle (und selbst von esprit) erst aus dem
erregten Zustand der christlichen Propaganda auf den Typus des
Meisters bergeflossen ist: man kennt ja reichlich die
Unbedenklichkeit aller Sektirer, aus ihrem Meister sich ihre Apologie
zurechtzumachen. Als die erste Gemeinde einen richtenden, hadernden,
zrnenden, bsartig spitzfindigen Theologen nthig hatte, gegen
Theologen, schuf sie sich ihren "Gott" nach ihrem Bedrfnisse: wie sie
ihm auch jene vllig unevangelischen Begriffe, die sie jetzt nicht
entbehren konnte, "Wiederkunft", "jngstes Gericht", jede Art
zeitlicher Erwartung und Verheissung ohne Zgern in den Mund gab. -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
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Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
32.
Ich wehre mich, nochmals gesagt, dagegen, dass man den Fanatiker in
den Typus des Erlsers eintrgt: das Wort imprieux, das Renan
gebraucht, annullirt allein schon den Typus. Die "gute Botschaft" ist
eben, dass es keine Gegenstze mehr giebt; das Himmelreich gehrt den
Kindern; der Glaube, der hier laut wird, ist kein erkmpfter Glaube, -
er ist da, er ist von Anfang, er ist gleichsam eine ins Geistige
zurckgetretene Kindlichkeit. Der Fall der verzgerten und im
Organismus unausgebildeten Pubertt als Folgeerscheinung der
Degenerescenz ist wenigstens den Physiologen vertraut. - Ein solcher
Glaube zrnt nicht, tadelt nicht, wehrt sich nicht: er bringt nicht
"das Schwert", - er ahnt gar nicht, in wiefern er einmal trennen
knnte. Er beweist sich nicht, weder durch Wunder, noch durch Lohn und
Verheissung, noch gar "durch die Schrift": er selbst ist jeden
Augenblick sein Wunder, sein Lohn, sein Beweis, sein "Reich Gottes".
Dieser Glaube formulirt sich auch nicht - er lebt, er wehrt sich gegen
Formeln.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Freilich bestimmt der Zufall der Umgebung, der Sprache, der
Vorbildung einen gewissen Kreis von Begriffen: das erste Christenthum
handhabt nur jdischsemitische Begriffe (- das Essen und Trinken beim
Abendmahl gehrt dahin, jener von der Kirche, wie alles jdische, so
schlimm missbrauchte Begriff) Aber man hte sich darin mehr als eine
Zeichenrede, eine Semiotik, eine Gelegenheit zu Gleichnissen zu sehn.
Gerade, dass kein Wort wrtlich genommen wird, ist diesem
Anti-Realisten die Vorbedingung, um berhaupt reden zu knnen. Unter
Indern wrde er sich der Sankhyam-Begriffe, unter Chinesen der des
Laotse bedient haben - und keinen Unterschied dabei fhlen. - Man
knnte, mit einiger Toleranz im Ausdruck, Jesus einen "freien Geist"
nennen - er macht sich aus allem Festen nichts: das Wort tdtet, alles
was fest ist, tdtet. Der Begriff, die Erfahrung "Leben", wie er sie
allein kennt, widerstrebt bei ihm jeder Art Wort, Formel, Gesetz,
Glaube, Dogma. Er redet bloss vom Innersten: "Leben" oder "Wahrheit"
oder "Licht" ist sein Wort fr das Innerste, - alles brige, die ganze
Realitt, die ganze Natur, die Sprache selbst, hat fr ihn bloss den
Werth eines Zeichens, eines Gleichnisses. - 
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
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Man darf sich an dieser Stelle durchaus nicht vergreifen, so gross auch die
Verfhrung ist, welche im christlichen, will sagen kirchlichen Vorurtheil
liegt: Eine solche Symbolik par excellence steht ausserhalb aller Religion,
aller Cult-Begriffe, aller Historie, aller Naturwissenschaft, aller
Welt-Erfahrung, aller Kenntnisse, aller Politik, aller Psychologie,
aller Bcher, aller Kunst - sein "Wissen" ist eben , die reine
Thorheit darber, dass es Etwas dergleichen giebt. Die Cultur ist ihm
nicht einmal vom Hrensagen bekannt, er hat keinen Kampf gegen sie
nthig, - er verneint sie nicht ... Dasselbe gilt vom Staat, von der
ganzen brgerlichen Ordnung und Gesellschaft, von der Arbeit, vom
Kriege - er hat nie einen Grund gehabt, "die Welt" zu verneinen, er
hat den kirchlichen Begriff "Welt" nie geahnt ... Das Verneinen ist
eben das ihm ganz Unmgliche. - Insgleichen fehlt die Dialektik, es
fehlt die Vorstellung dafr, dass ein Glaube, eine "Wahrheit" durch
Grnde bewiesen werden knnte (- seine Beweise sind innere "Lichter",
innere Lust-Gefhle und Selbstbejahungen, lauter "Beweise der Kraft"
-) Eine solche Lehre kann auch nicht widersprechen, sie begreift gar
nicht, dass es andre Lehren giebt, geben kann , sie weiss sich ein
gegentheiliges Urtheilen gar nicht vorzustellen ... Wo sie es
antrifft, wird sie aus innerstem Mitgefhle ber "Blindheit" trauern,
- denn sie sieht das "Licht" -, aber keinen Einwand machen ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
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Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
34.
...
Ich schme mich daran zu erinnern, was die Kirche aus diesem Symbolismus
gemacht hat: hat sie nicht eine Amphitryon-Geschichte an die Schwelle des
christlichen "Glaubens" gesetzt? Und ein Dogma von der "unbefleckten
Empfngniss" noch obendrein? ... Aber damit hat sie die Empfngniss
befleckt ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
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Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
35.
Dieser "frohe Botschafter" starb wie er lebte, wie er lehrte - nicht
um "die Menschen zu erlsen", sondern um zu zeigen, wie man zu leben
hat. Die Praktik ist es, welche er der Menschheit hinterliess: sein
Verhalten vor den Richtern, vor den Hschern, vor den Anklgern und
aller Art Verleumdung und Hohn, - sein Verhalten am Kreuz. Er
widersteht nicht, er vertheidigt nicht sein Recht, er thut keinen
Schritt, der das usserste von ihm abwehrt, mehr noch, er fordert es
heraus... Und er bittet, er leidet, er liebt mit denen, in denen, die
ihm Bses thun ... Die Worte zum Schcher am Kreuz enthalten das ganze
Evangelium. "Das ist wahrlich ein gttlicher Mensch gewesen, ein Kind
Gottes" sagt der Schcher. "Wenn du dies fhlst - anwortet der Erlser
- so bist du im Paradiese, so bist auch du ein Kind Gottes ..." Nicht
sich wehren, nicht zrnen, nicht verantwortlich-machen ... Sondern
auch nicht dem Bsen widerstehen, - ihn lieben...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
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Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
36.
Erst wir, wir freigewordenen Geister, haben die Voraussetzung dafr,
Etwas zu verstehn, das neunzehn Jahrhunderte missverstanden haben, -
jene Instinkt und Leidenschaft gewordene Rechtschaffenheit, welche der
"heiligen Lge" noch mehr als jeder andren Lge den Krieg macht ...
Man war unsglich entfernt von unsrer liebevollen und vorsichtigen
Neutralitt, von jener Zucht des Geistes, mit der allein das Errathen
so fremder, so zarter Dinge ermglicht wird: man wollte jeder Zeit,
mit einer unverschmten Selbstsucht, nur seinen Vortheil darin, man
hat aus dem Gegensatz zum Evangelium die Kirche aufgebaut ...

Wer nach Zeichen dafr suchte, dass hinter dem grossen Welten-Spiel
eine ironische Gttlichkeit die Finger handhabte, er fnde keinen
kleinen Anhalt in dem ungeheuren Fragezeichen , das Christenthum
heisst. Dass die Menschheit vor dem Gegensatz dessen auf den Knien
liegt, was der Ursprung, der Sinn, das Recht des Evangeliums war, dass
sie in dem Begriff "Kirche" gerade das heilig gesprochen hat, was der
"frohe Botschafter" als unter sich, als hinter sich empfand - man
sucht vergebens nach einer grsseren Form welthistorischer Ironie -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
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Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
37.
- Unser Zeitalter ist stolz auf seinen historischen Sinn: wie hat es
sich den Unsinn glaublich machen knnen, dass an dem Anfange des
Christenthums die grobe Wunderthter - und Erlser-Fabel steht, - und
dass alles Spirituale und Symbolische erst eine sptere Entwicklung
ist? Umgekehrt: die Geschichte des Christenthums - und zwar vom Tode
am Kreuze an - ist die Geschichte des schrittweise immer grberen
Missverstehns eines ursprnglichen Symbolismus. Mit jeder Ausbreitung
des Christenthums ber noch breitere, noch rohere Massen, denen die
Voraussetzungen immer mehr abgiengen, aus denen es geboren ist, wurde
es nthiger, das Christenthum zu vulgarisiren, zu barbarisiren, - es
hat Lehren und Riten aller unterirdischen Culte des imperium Romanurn,
es hat den Unsinn aller Arten kranker Vernunft in sich eingeschluckt.
Das Schicksal des Christenthums liegt in der Nothwendigkeit, dass sein
Glaube selbst so krank, so niedrig und vulgr werden musste, als die
Bedrfnisse krank, niedrig und vulgr waren, die mit ihm befriedigt
werden sollten. Als Kirche summirt sich endlich die kranke Barbarei
selbst zur Macht, - die Kirche diese Todfeindschaftsform zu jeder
Rechtschaffenheit, zu jeder Hhe der Seele, zu jeder Zucht des
Geistes, zu jeder freimthigen und gtigen Menschlichkeit. - Die
christlichen - die vornehmen Werthe: erst wir, wir freigewordnen
Geister, haben diesen grssten Werth-Gegensatz, den es giebt,
wiederhergestellt! - -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Ich unterdrcke an dieser Stelle einen Seufzer nicht. Es giebt Tage,
wo mich ein Gefhl heimsucht, schwrzer als die schwrzeste
Melancholie - die Menschen-Verachtung. Und damit ich keinen Zweifel
darber lasse, was ich verachte, wen ich verachte: der Mensch von
heute ist es, der Mensch, mit dem ich verhngnissvoll gleichzeitig
bin. Der Mensch von heute - ich ersticke an seinem unreinen Athem ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Gegen das Vergangne bin ich, gleich allen Erkennenden, von einer
grossen Toleranz, das heisst grossmthigen Selbstbezwingung: ich gehe
durch die Irrenhaus-Welt ganzer Jahrtausende, heisse sie nun
"Christenthum", "christlicher Glaube", "christliche Kirche" mit einer
dsteren Vorsicht hindurch, - ich hte mich, die Menschheit fr ihre
Geisteskrankheiten verantwortlich zu machen. Aber mein Gefhl schlgt
um, bricht heraus, sobald ich in die neuere Zeit, in unsre Zeit
eintrete. Unsre Zeit ist wissend ... Was ehemals bloss krank war,
heute ward es unanstndig, - es ist unanstndig, heute Christ zu sein.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Und hier beginnt mein Ekel. - Ich sehe mich um: es ist kein Wort von
dem mehr brig geblieben, was ehemals "Wahrheit" hiess, wir halten es
nicht einmal mehr aus, wenn ein Priester das Wort "Wahrheit" auch nur
in den Mund nimmt. Selbst bei dem bescheidensten Anspruch auf
Rechtschaffenheit muss man heute wissen, dass ein Theologe, ein
Priester, ein Papst mit jedem Satz, den er spricht, nicht nur irrt,
sondern lgt, - dass es ihm nicht mehr freisteht, aus "Unschuld", aus
"Unwissenheit" zu lgen. Auch der Priester weiss, so gut es Jedermann
weiss, dass es keinen "Gott" mehr giebt, keinen "Snder", keinen
"Erlser", - dass "freier Wille", "sittliche Weltordnung" Lgen sind:
- der Ernst, die tiefe Selbstberwindung des Geistes erlaubt Niemandem
mehr, hierber nicht zu wissen ... Alle Begriffe der Kirche sind
erkannt als das was sie sind, als die bsartigste Falschmnzerei, die
es giebt, zum Zweck, die Natur, die Natur-Werthe zu entwerthen; der
Priester selbst ist erkannt als das, was er ist, als die gefhrlichste
Art Parasit, als die eigentliche Giftspinne des Lebens
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Wir wissen, unser Gewissen weiss es heute -, was berhaupt jene unheimlichen
Erfindungen der Priester und der Kirche werth sind, wozu sie dienten,
mit denen jener Zustand von Selbstschndung der Menschheit erreicht
worden ist, der Ekel vor ihrem Anblick machen kann - die Begriffe
"Jenseits", "jngstes Gericht", "Unsterblichkeit der Seele", die
"Seele" selbst; es sind Folter-Instrumente, es sind Systeme von
Grausamkeiten, vermge deren der Priester Herr wurde, Herr blieb ...
Jedermann weiss das: und trotzdem bleibt Alles beim Alten. Wohin kam
das letzte Gefhl von Anstand, von Achtung vor sich selbst, wenn
unsere Staatsmnner sogar, eine sonst sehr unbefangne Art Menschen und
Antichristen der That durch und durch, sich heute noch Christen nennen
und zum Abendmahl gehn? ... Ein junger Frst, an der Spitze seiner
Regimente<r>, prachtvoll als Ausdruck der Selbstsucht und
Selbstberhebung seines Volks, - aber, ohne jede Scham, sich als
Christen bekennend! ... Wen verneint denn das Christenthum? was heisst
es "Welt"? Dass man Soldat, dass man Richter, dass man Patriot ist;
dass man sich wehrt; dass man auf seine Ehre hlt; dass man seinen
Vortheil will; dass man stolz ist ... Jede Praktik jedes Augenblicks,
jeder Instinkt, jede zur That werdende Werthschtzung ist heute
antichristlich: was fr eine Missgeburt von Falschheit muss der
moderne Mensch sein, dass er sich trotzdem nicht schmt, Christ noch
zu heissen!
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Amerika ist wahrscheinlich das einzige Land, da den Schritt von
der Barbarei zur Dekadenz ohne den Umweg ber die Zivilisation
vollzogen hat.
		-- John O'Hara
%
Der Computer ist die logische Weiterentwicklung des Menschen:
Intelligenz ohne Moral.
		-- John Osborne
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Fr den Optimisten ist das Leben kein Problem, sondern bereits die
Lsung.
		-- Marcel Pagnol
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Das Herz hat seine Grnde, die die Vernunft nicht kennt
		-- Blaise Pascal
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Der Mensch, welcher nur sich liebt, frchtet nichts so sehr,
als mit sich allein zu sein.
		-- Blaise Pascal
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Die letzte Erkenntnis bei der Erledigung einer Arbeit ist die,
was man zuerst htte tun sollen.
		-- Blaise Pascal
%
Wenn ich nur mehr Zeit gehabt htte, htte ich Dir einen krzeren
Brief geschrieben.
		-- Blaise Pascal
%
Wir erfassen ein Bild der Wahrheit und besitzen nichts als Falschheit.
		-- Blaise Pascal, "Gedanken"
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Es sind nur zwei Gesellschaftsformen zu unterscheiden: Solche, in denen
es den Regierten ohne Gewalt mglich ist, die Regierenden auszutauschen
und solche, in denen das nicht mglich ist.
		-- Karl Popper, in "Verbreitete Irrtmmer" zum Thema Demokratie
%
"Mehrere Ausrufungszeichen," setzte er kopfschttelnd fort, "sind ein
sicheres Zeichen fr einen krankhaften Geist."
		-- Terry Pratchett, "Eric"
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Ich begreife sehr wohl, warum manche ihren Krper so wenig den
Befehlen der Weisheit untertnig machen knnen. Der, dessen Herz bei
jedem neuen Vorfall zu pochen anfngt, wird ber dasselbe anfangs
wenig mit seiner Weisheit vermgen. Denn das Bestreben, den Fehler zu
vermeiden, bringt ihn hervor.
		-- Jean Paul
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Es ist der Wahrheit nicht zutrglich, wenn ein groer Kopf mit einem
dummen Gegner streitet. Da jener diesen fr zu gering ansieht, so wird
er ihm auch da nicht Recht lassen, wo er's hat.
		-- Jean Paul
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Wenn der Feige vor andern sich an seinem Feinde zu rchen drohet oder
schon gercht zu haben lget, so folget er hierin weniger seinem
Stolze, fr tapfer zu gelten, als seinem Zorne, zu dessen Auslassung
der ganze Krper kein anderes Glied als die Zunge anbietet, und der
sich mutig zu machen sucht, indem er's scheinen will.
		-- Jean Paul
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Man hat nicht bei jeder Person denselben Witz. Es gibt Leute, bei
denen es unmglich ist, witzig zu sein. Ein Witziger ist es selten bei
einem Witzigen, am wenigsten bei hheren Personen.
		-- Jean Paul
%
Man lobt den andern lieber in Briefen als ins Gesicht.
		-- Jean Paul
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Wer nicht den Mut hat, auf seine eigne Art nrrisch zu sein, hat ihn
schwerlich, auf seine eigne klug zu sein.
		-- Jean Paul
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Der Skeptiker liebt den Orthodoxen mehr als den Heterodoxen.
		-- Jean Paul
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Nur recht berhmte Leute kann man leicht fein loben.
		-- Jean Paul
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Das System, das ein groer Mann erfunden, knnen kleine nicht
verteidigen; auch zum letzteren gehrt ein groer.
		-- Jean Paul
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Wir suchen der Nachwelt bekannt zu werden und grmen uns doch nicht,
es der Vorwelt nicht zu sein.
		-- Jean Paul
%
Der Professor schreibt seine Lektionszettel flchtig, weil er seine
Unabhngigkeit von Studenten zeigen will.
		-- Jean Paul
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Der lgt am sichersten, der die Wahrheit nur verflscht und keine
ganze Lge erdichten darf; bei jedem nimmt er ein andres Stck
Wahrheit weg und setzt eine andre Lge hinzu.
		-- Jean Paul
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Die Nacht ist so zu Trumen eingerichtet, da man auch wachend in
Trume gerckt wird; man wird von ihr traumtrunken.
		-- Jean Paul
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Jeder Mensch hat seine Lieblingsausdrcke, das Schne zu loben.
		-- Jean Paul
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Die Satire bessert selten. Darum sei sie nicht blo lchelnd, sondern
bitter, um die Toren, die sie nicht bessern kann, wenigstens zu
bestrafen.
		-- Jean Paul
%
Kritik lernt man mehr von eignen Arbeiten als von Kunstrichtern.
		-- Jean Paul
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Die Schriftsteller, welche ihre Schriften mit der Feile in der Hand
verfertigen, werden im gemeinen Leben wenig oder schlecht sprechen.
Sie sind zu sehr gewohnt, gut zu sprechen, um geschwind zu sprechen.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor sollte unter die Schnheiten, die nur Kenner fhlen, immer
solche mit mischen, die auch der schlechte Leser fhlt.
		-- Jean Paul
%
Man erwartet in den Anmerkungen eines Buches schlechtern Stil.
		-- Jean Paul
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Vor Frauenzimmern darf man blo Mnner loben.
		-- Jean Paul
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In einer schlechten Kleidung gelingt das Artigtun weniger als in einer
guten.
		-- Jean Paul
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Der gefllt nicht, der frchtet, nicht zu gefallen; denn die
Ungezwungenheit, die allen brigen Schnheiten des Umgangs erst ihren
Wert und oft ihr Dasein gibt, verschwindet mit der Furcht.
		-- Jean Paul
%
Eine witzige Schmeichelei verzeiht sogar der Bescheidenste.
		-- Jean Paul
%
Bei der Geliebten nur darf man von sich reden.
		-- Jean Paul
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Die Verstellung hilft unter Leuten, denen wir hnlich sind, nichts.
		-- Jean Paul
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Welcher Unterschied, ob wir mit dem abgenommenen Hute einen Halbzirkel
beschreiben oder ihn senkrecht bis zur Brust herunternehmen.
		-- Jean Paul
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Wenn der andre sich mit allen seinen Fehlern, die er noch besser kennt
als ich, ertrgt, warum sollte ich ihn nicht ertragen?
		-- Jean Paul
%
In unsern Gesprchen verweilen wir bei einem witzigen Gedanken und
bestreiten den ernsthaften, anstatt es umzukehren.
		-- Jean Paul
%
Ein einziger Geruch weckt ganze Gruppen von alten Empfindungen wieder
auf; wirkt mehr auf die Phantasie als selbst das Auge.
		-- Jean Paul
%
Man freuet sich ber die Standhaftigkeit des Missetters, weil er
dadurch unser Gefhl der Unterwrfigkeit unter die Obrigkeit mildert.
		-- Jean Paul
%
Man verteidiget oft eine Sache mit schwachen Grnden, weil man die
strksten sich nicht zu sagen getraut.
		-- Jean Paul
%
Mit zu groer Traurigkeit sympathisieren wir leichter als mit zu
groer Freude, die Sympathie wchst mit jener, nicht mit dieser.
		-- Jean Paul
%
Ganz anders und besser versteht und goutiert man einen Autor, wenn man
ihn ber eine Sache lieset, ber deren Aufklrung man eben jetzt
verlegen ist.
		-- Jean Paul
%
Den Unmut ber unsre Fehler lassen wir an der Art aus, mit der der
Freund sie uns entdeckte. Geschah es frei, so zrnen wir ber seine
Unbescheidenheit, Plumpheit und Grobheit; geschah es fein, ber seine
Verstellung.
		-- Jean Paul
%
Man ist neugierig, die Stellen im Buche zu lesen, die ein andrer
unterstrichen hat.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch gehet allezeit, wenn er sich noch so lange gegen eine
Meinung gestrubt, endlich zu ihr mit Leidenschaft ber.
		-- Jean Paul
%
Man lt sich herunter zu denen, die man liebt, wenn sie klein sind,
bis auf einen gewissen Grad, zu dem man sich nie aus Liebe gegen
Grere herablassen wrde, und Sokrates ritt wohl mit seinen Kindern,
aber nicht mit Grern auf dem Steckenpferd.
		-- Jean Paul
%
Wenn man die Verteidigung nicht widerlegen kann, tadelt man die Art
derselben.
		-- Jean Paul
%
Ein Dummer mit Lebhaftigkeit ist das lcherlichste Geschpf.
		-- Jean Paul
%
Wenn einer alle die Hindernisse berdenkt, die sein ganzes Leben durch
seine Entwicklung bestritten hatten, so ruft er aus: Was htt ich
nicht werden knnen!
		-- Jean Paul
%
Es ist falsch, da gewisse Laster einen groen Geist beweisen. Nicht
das Laster selbst, sondern die Mittel, durch die man es ausbt,
besttigen die Gre.
		-- Jean Paul
%
Wenn Seneca sagt, Gott knne nichts lieber sehen als einen
tugendhaften Mann im Widerstande gegen das Unglck, so setzte ich
hinzu: als einen im Genusse einer erlaubten Freude.
		-- Jean Paul
%
Es rgert einen, wenn man ihm die zu lesende Zeitung voraussagt.
		-- Jean Paul
%
Man kann gegen ein Laster mit dem grten Nachdruck predigen und es
doch ausben, ohne zu heucheln.
		-- Jean Paul
%
Es gibt Leute, die, um tugendhaft zu sein, erst Gelegenheit brauchen.
		-- Jean Paul
%
Die Republik zeugt und ermordet groe Mnner; die Monarchie tut das
erstere nicht; jene lsset sie groe Taten tun und belohnet mit
Undank, diese verbeut groe Taten.
		-- Jean Paul
%
Niemand denkt ber den verschiedenen Wert groer Autoren verschiedener
als groe selbst.
		-- Jean Paul
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Eine Frau kann einem Achtung fr ihr Geschlecht einflen, aber
mehrere auf einmal vermindern sie.
		-- Jean Paul
%
Manche knnen nur fremde Meinungen, nicht ihre eignen berichtigen.
		-- Jean Paul
%
Wenn man von gewissen Sekten etc. hret: glaubt man, sie wren
unsinnig, so etwas zu glauben. Aber wenn man mit ihnen bekannt wird:
findet man wenigstens Zusammenhang in ihren Irrtmern.
		-- Jean Paul
%
Zuviel Enthusiasmus in der Tugend macht auf den folgenden Augenblick
desto klter und schadet also.
		-- Jean Paul
%
Wenn ich in der Jugend jemand seine Nase mit Gerusch reinigen sah,
hoffte ich es einst auch tun zu knnen und beneidete ihn.
		-- Jean Paul
%
Bei den gemeinen Leuten ist man vornehm delikat, bei den Vornehmen
zynisch.
		-- Jean Paul
%
Die Personen knnen sich am leichtesten verstellen, die vorher gut
waren; wie Schauspieler die Rollen, die ihrer natrlichen am nchsten
kommen, gut spielen.
		-- Jean Paul
%
In der Einsamkeit wird der gute Teil des Menschen, in der Menge der
schlechte vergrert; jener bekommt dort die Waffen, dieser fhlt sie
hier. In der Gesellschaft lernt man die Tugend nicht.
		-- Jean Paul
%
Wenn man fragt: Wrde mit der Leidenschaft nicht manche gute Tat
wegfallen? so heit das: Wrde der, der, weil er keinen Zorn htte,
eine gute Tat unterliee, nicht Trgheit an dessen Statt haben? Das
heit aber: Welches ist besser, dieses oder jenes Laster? und unsre
Frage war doch: Ist's nicht berhaupt besser, kein Laster zu haben?
		-- Jean Paul
%
Die Gewohnheit der Vollkommenheit des Freundes macht gegen ihn
ungerecht. Man denke sich dieselbe an einem andern, wie wrde man ihn
lieben!
		-- Jean Paul
%
Wenn man in einem wirksamen Helfen begriffen ist, wird man von den
Seufzern des Leidenden minder gerhrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn der andre ein wenig Genie zeigt, so werden wir neidisch und
ungerecht gegen ihn sein; wenn er aber uns zu sehr bertrifft, nicht.
		-- Jean Paul
%
Je sinnlicher die Seelenkraft, worin man hervorsticht, desto
origineller; daher sind am meisten originell die Musiker, weniger die
Maler, noch weniger die Poeten, und am wenigsten die Philosophen.
		-- Jean Paul
%
Das Schnste, was wir in der Vergangenheit antreffen, ist die
Hoffnung.
		-- Jean Paul
%
Wenn man sich etwas erinnern will, hebt man den Kopf in die Hhe.
		-- Jean Paul
%
Kleiner Schmerz ist in Augenblicken leidlich, aber nicht in der
Fortdauer; also liegt die Ursache unserer Ungeduld darin, da er uns
immer unterbricht.
		-- Jean Paul
%
Die Vernunft kann, wenn sie einer Leidenschaft oder Empfindung ihren
Ungrund und ihre Narrheit noch so deutlich zeigt, sie doch nie
aufheben, sondern hchstens schwchen.
		-- Jean Paul
%
Wenn einer an einem groen Mann einen Fehler, den er selbst nicht hat,
wahrnimmt, so wnschet er sich sofort Glck, da er solcher nicht ist.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch ist in einer Sache ordentlich.
		-- Jean Paul
%
Jeder bewundert den Mut des andern und findet seine Freiheit edel;
treffen beide ihn, dann erregen sie seinen Zorn.
		-- Jean Paul
%
Mit wieviel tausend kleinen Mitteln mu sich der Mensch abgeben, ehe
er mit etwas Groem sich beschftigen kann.
		-- Jean Paul
%
Man wrde die Menschen leichter kennen, wenn man nicht jede Handlung
als die Folge von Grundstzen anshe; man hlt zu selten eine fr
Kaprize, aus der nicht auf den Hauptcharakter zu schlieen ist.
		-- Jean Paul
%
Ein groer Schritt zur Tugend ist, da man nicht alles an sich liebt,
seine Kleinigkeiten, Geschmack im Essen etc.
		-- Jean Paul
%
Jede Verleumdung, wenn man sie auch verwirft, lt eine geringere
Meinung vom Verleumdeten auf kurze Zeit zurck.
		-- Jean Paul
%
Wenn man beim Erzhlen eines fremden Scherzes selbst sehr lacht, so
gewinnt er; bei dem eines eignen, so verliert er.
		-- Jean Paul
%
Man wird mit weniger Ansto ber Glaubenssachen spotten als streiten,
weil man im ersteren Falle doch noch daran zu glauben scheint.
		-- Jean Paul
%
Das Lob einer besondern Eigenschaft setzet dem Verdachte der
Schmeichelei aus, da der andre sich seiner Schwche darin vielleicht
bewut ist; aber ein allgemeines Lob wird fr keine gehalten, weil
jeder sich vortrefflich im Ganzen hlt.
		-- Jean Paul
%
Um zur Wahrheit zu gelangen, sollte jeder die Meinung seines Gegners
zu verteidigen suchen.
		-- Jean Paul
%
Die Mutter liebt der Art Menschen, von der ihr Sohn ist; gibt dem
Handwerksburschen, wenn ihr Sohn einer, mehr.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch wnscht sich im Frhling zu verlieben.
		-- Jean Paul
%
Die Finger, wenn sie beschmutzt sind, auseinandergebreitet tragen.
		-- Jean Paul
%
Der Wirt ist stets aufrichtiger als der Gast.
		-- Jean Paul
%
Wer in einer Gesellschaft ein Bonmot erklrt, hat seine Feinheit nicht
verstanden.
		-- Jean Paul
%
Die Bewunderung ntzt nicht sowohl dem Gegenstande als dem Subjekt am
meisten; man freuet sich ber die Gre des Menschen und da man sie
empfindet.
		-- Jean Paul
%
Wenn ich mit einem Freunde zrne, werd ich sogleich wieder gut, sobald
ich eine Gelegenheit bekomme, ihm einen Dienst zu erweisen etc.
		-- Jean Paul
%
An andern liebt man Vollkommenheiten, an sich sich.
		-- Jean Paul
%
Er lobt mit Vergngen die Tugenden des andern und rgt mit Vergngen
seine Fehler.
		-- Jean Paul
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Alles Vergngen kommt von ungefhr und fllet aus den Wolken; an dem,
das man lange erwartet, ist selten viel.
		-- Jean Paul
%
Wir schmen uns mehr vor uns selber, wenn wir uns einer Torheit, als
eines Lasters erinnern.
		-- Jean Paul
%
Jeder sieht nun ein, da die Verleumdung von ihm lge; und doch
vermutet er nicht, da sie auch von andern Leuten lgen knne.
		-- Jean Paul
%
Ein witziger Kopf ist nirgends vergngter und glnzender, als wo ein
Narr mit ist.
		-- Jean Paul
%
Wenn euch ein feiner Kopf etwas Alltgliches zu sagen scheint: so
glaubt gewi, da ihr ihn nicht verstanden und da er zu fein gewesen.
		-- Jean Paul
%
Nach einer groen Snde begeht jeder die kleine, die sie verdeckt,
ohne alles Bedenken.
		-- Jean Paul
%
Er hatte Lebensart, nicht um sie zu zeigen, sondern aus Menschenliebe
und Schonung: denn Lebensart ist die Tugend auf kleine Gegenstnde
angewandt.
		-- Jean Paul
%
Solang einer noch kein System hat und die Wahrheiten ungeordnet in
seinem Kopfe liegenlsset, so lange liebt [er] schwerlich die
Wahrheit: ich glaube, zuweilen ist ihm wahrhaftig eine Lge noch
lieber.
		-- Jean Paul
%
Nicht alle Menschen bedrfen notwendig des Wechsels der Moden (denn
die Araber sind auch Menschen); aber wohl die Franzosen unter ihnen.
		-- Jean Paul
%
Kein Autor sollte sich ber etwas zu schreiben hinsetzen, dem es nicht
unbeschreiblich rgert, da er keinen Folioband darber schreiben
kann. Wehe ihm, wenn er einen Gedanken sucht und nicht jede Minute 10
abweiset.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat eine andre Art, das Geld zu zhlen; der eine nach 4, der
andre nach 5 Groschen.
		-- Jean Paul
%
Es ist beinahe noch schwerer, gut zu schreiben, als ebensogut zu
reden: denn zu jenem hab ich nicht mehr Zeit als bei diesem, weil gute
Gedanken doch schnell entstehen.
		-- Jean Paul
%
Habe fr alle menschl(iche) Meinungen eine Ehrfurcht und glaube, da
ihr zu sehr Wesen einerlei Art seid, als da du ber eine ganz lachen
knntest, die ein Wesen deiner Art geglaubt und zu der es gewi Grnde
ntigten. Der Weise spret alle Tage mehrere Irrtmer der Menschen und
mehrere Scheingrnde, durch die sich jene Irrtmer einschmeichelten,
zum Gegengifte der Selbstgengsamkeit auf.
		-- Jean Paul
%
Sich eines philosophischen Satzes zu erinnern, braucht man mehr Zeit
als eines historischen: jenen schafft man beinahe wieder mit.
		-- Jean Paul
%
Wenn uns das Bse als Bses Reue macht und nicht als Wirkung der
Strafe: warum bereuen wir einen bsen Willen, einen bsen Entschlu,
der nicht ausgefhrt wurde, nicht ebensosehr als eine bse Handlung?
		-- Jean Paul
%
Er zog sein schlechtestes Kleid an, wenn er mit einem ausging, der
rmer als er war.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch ist gut und will nicht, da man vor einem andern als ihm
selber krieche.
		-- Jean Paul
%
Es gehrt schon zu den Widersprchen des Menschen, da er welche zu
haben glaubt.
		-- Jean Paul
%
Der Dumme denkt, man hat keine andern Wege, ihn auszulisten, als
seine.
		-- Jean Paul
%
Man will nicht nach seinem uerlichen geschtzt sein, und andre
schtzt man doch mit den Augen.
		-- Jean Paul
%
Die 11. Geflligkeit fr den, dem du 10 erwiesen, ist die Gelegenheit,
dir eine zu vergelten.
		-- Jean Paul
%
Gestorbne Freunde sind Ketten, die uns von der Erde ziehen und fester
mit einer bessern Welt verknpfen.
		-- Jean Paul
%
Die Empfindungen sind nur mit Empfindungen zu besiegen.
		-- Jean Paul
%
Wienach kann im Traume die Seele ber eine Person nachdenken, indessen
s(elber) die Person ein Gedanke von ihr ist? -
		-- Jean Paul
%
Wer nicht immer weiser wird, der ist nicht einmal weise.
		-- Jean Paul
%
Es ist Eitelkeit, wenn man denkt, gute Bcher ntzen nicht; wir bilden
uns ein, andre knnten nicht den Epiktet so gut ntzen wie wir.
		-- Jean Paul
%
Wer wei, da er uns gefllet, dem gefallen wir.
		-- Jean Paul
%
Schwere Bcher machen eben denen Vergngen, die sonst das wenigste
genieen, eklen Kennern.
		-- Jean Paul
%
Unbestndigkeit gegen seinen Vorsatz heiet sich selber das Wort
brechen, welches man sowenig wie gegen einen andern darf: da dieselbe
schdliche Folge des Mitrauens daraus entsteht.
		-- Jean Paul
%
Was hat man fr Recht dazu, dem Pbel, dem grern Teil der Menschen,
die Aufklrung vorzuenthalten? Wer gab uns das Recht, der Richter
seiner Einsicht und seines Schicksals zu sein? Wenn er die Aufklrung
mibraucht: so wird er es nicht mehr tun als die, die jetzt aufgeklrt
sind. Freilich der bergang von Finsternis zu Licht geschieht allemal
in einem Orkan. - Man regiert, um sie dumm zu erhalten: und erhlt sie
dumm, um sie zu beherrschen.
		-- Jean Paul
%
Den Schlimmen vertritt der Argwohn die Stelle des Verstandes, und
[sie] sind eben darum vor berlistung beschtzt.
		-- Jean Paul
%
Schlimme Leute befinden die guten am ersten falsch, weil diese jene
nicht bei andern billigen knnen.
		-- Jean Paul
%
Verwandtschaft d(er) besten mit d(en) falschen Syst(emen): Es gibt
schwerlich einen wahren Satz, um den nicht verwandte Bastarde stehen;
um den Stoizismus steht der Quietismus und Foismus. Wie nahe grenzt
die Enthaltung des Mnchtums an das Christentum! Dies gibt uns die
Regel: da, wo wir einen wahren Satz so weit treiben, da er mit allen
unsern Empfindungen und Denkart zu kriegen anfngt, zu stutzen und
zurckzukehren.
		-- Jean Paul
%
Worauf grnden denn die hhern Stnde ihr Vorrecht an alle Wahrheiten,
die dem Volk entstehen? Etwan, weil sie schon die Vorkenntnisse haben,
die sie vor dem Mibrauche neuer Wahrheit bewahren? Nun so gebe man
dem Volke die Vorkenntnisse. Oder darum, weil sie regieren und nicht
gehorchen drfen? Unmglich kann Aufklrung den Gehorsam gegen
ntzliche und gerechte Befehle aufheben: aber wohl gegen ungerechte.
Sie sagen, sie knnen nicht regieren, wenn das Volk aufgeklrt wrde,
und sie regieren blo, damit es es wird. Freilich gehorcht das mndige
Kind dem Vater nicht mehr, sondern seinem eignen Verstand, den eben
der Gehorsam dazu bildete.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat etwas, worin er selbst denkt, und etwas, worin er nachbetet.
		-- Jean Paul
%
Es gibt verbindende und trennende Kpfe. Jene erfinden Systeme oder
Epopen, kurz, sie reien mit schpferischer Hand auseinanderstehende
Ideen zusammen. Der philosophische Erfinder braucht so gut die Flgel
der Dichtungskraft als der poetische. Die trennenden Kpfe brauchen
blo Scharfsinn, sie werfen hnlich scheinende Ideen auseinander und
sind keine Systematiker, lieber Skeptiker, Bayle.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch schneidet nicht seine Handlungen und Neigungen nach seinen
Grundstzen, sondern diese nach jenen zu, und die Neigung ist eher als
die Maxime da. Der Mann nach und der ohne Grundstze sind nur darin
verschieden, da jener seine Neigung in e(inen) allgemeinen Satz
verdolmetscht.
		-- Jean Paul
%
Nicht die wenigen Strahlen von Vergngen, die in dieses Leben fallen,
machen es uns so wert: sondern das unnennbar se Gefhl, zu sein, das
Leiden kaum stren, machts.
		-- Jean Paul
%
Fehler aus relativen Schlssen: z. B. das bel und den Wert eines
Menschen verkleinern, indem man beide mit grern vergleicht.
		-- Jean Paul
%
Feigheit macht so gut dem Menschen das Schlimmste zutrauen als Argwohn
und eigne Bosheit.
		-- Jean Paul
%
Nichts hasset man so, als die erste uerung eines Lasters, das man
nicht erwartet.
		-- Jean Paul
%
Die Tugend des andern fhlen und ehren seine Untergebnen am meisten,
weil sie sie beglckt - seine Gleichen und Obern nicht, weil sie ihnen
widersteht.
		-- Jean Paul
%
Man sollte untersuchen: was eigentlich in uns die Wahrheit entdeckt?
Scharfsinn ist's nicht, ein gutes Herz mehr - Mangel des Scharfsinns
ist's nicht, wenn man die feinsten Irrtmer begeht und doch nicht auf
die feinere Widerlegung kommt, aber vielleicht Fehler des Herzens.
		-- Jean Paul
%
Blo die Groen schreiben wie die Alten, ohne Brotgier, ohne Rcksicht
auf Leser, blo in den Gegenstand versenkt.
		-- Jean Paul
%
Indem man oft zu neuen Erfahrungen und Kenntnissen den Namen suchen
will: findet man, da man den Namen schon lngst, aber ohne Idee, bei
sich getragen.
		-- Jean Paul
%
Von der Gleichfrmigkeit der Seele. Dem Witzigen wird es ebensoschwer,
einen Einfall eines Dummen zu verstehen als umgekehrt. Fr jeden
Menschen gibt es nur eine gewisse Art Menschen, die fr ihn passet;
bei den andern befindet er sich immer in einem Grade unbehaglich und
gedrckt. Der mit einem groen Herzen leidet in den
Alltagsgesellschaften mehr als diese von ihm; denn diesen macht er
wenig(er) Langeweile, weil sie ihn fr neu und nrrisch halten.
		-- Jean Paul
%
Um in Gesellschaft etwas zu erfahren, mu man die Antwort nicht durch
eine Frage, sondern eine Veranlassung herauslocken.
		-- Jean Paul
%
Dem Frsten durch ein Gesetz die gesetzgebende Gewalt geben heit sich
selber vernichten - soviel, als wollt einer seiner Geliebten alles
aufopfern, sogar seine Liebe. Man kann nichts bewilligen und geben,
als was man kannte und wollte; man kann also dem Frsten keine Gewalt
zu den Gesetzen gegeben haben, die man nicht wute und die uns
schaden. Aber auf der andern Seite: wie weit erstreckt sich der
Nachkommenschaft Verbindlichkeit, unter Gesetze sich zu bcken, die
sie nicht gegeben? Sowenig ein Volk einem andern Volk Gesetze geben
kann: sowenig die Mitwelt der Nachwelt.
		-- Jean Paul
%
Ironie ist der Weg und bung zur Laune.
		-- Jean Paul
%
Wir knnen keine Leidenschaft etc. ohne ihre immerwhrende Dauer
fhlen. Wir knnen nicht glauben, jemand aufhren zu lieben, den wir
lieben. Vielleicht ist's das nmliche, als was man >glauben< oder fr
wahr halten hlt.
		-- Jean Paul
%
Ein Hauptfehler, da man d(em) andern nicht zutrauet, zu bemerken, was
wir bemerken.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man sich in seine Materie hineinarbeitet und jede Ideenfaser
wieder zerfasert: desto origineller und ungeniebarer wird man, z. B.
Sterne.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man mit einer Empfindung, Bemerkung vertraut ist: desto
allegorischer und versteckter drckt man sie aus.
		-- Jean Paul
%
Da kein Geschmack frher als der Gegenstand da sein kann, den er
geniet und der ihn bildet: so mu die Tristramische Laune erst
mifallen, eh sie gefllet, und den Geschmack zeugen, der sie
goutiert.
		-- Jean Paul
%
Wir haben nichts darwider, was der andre von sich hlt, wenn er nur
von uns noch mehr hlt.
		-- Jean Paul
%
Wenn es keine Freiheit [gibt] und unsre Triebe blo uns stoen: woher
kmmt's denn, da uns der erste beste Trieb nicht fortreis[s]et? was
ist denn das Vermgen, Entschlieungen abzuwgen, oder vielmehr das
Vermgen, sich zur Anwendung jenes Vermgens ins quilibrium zu
setzen?
		-- Jean Paul
%
Oft sind am besten Menschen dessen grte Tugenden und grte Flecken
unbekannt.
		-- Jean Paul
%
Wir sagen >das Leben nehmen<, whrend nur Jahre genommen werden.
		-- Jean Paul
%
Nichts macht die Menschen vertrauter und gegeneinander gutgesinnter
als gemeinschaftliche Verleumdung eines dritten.
		-- Jean Paul
%
Die Leute hassen am wenigsten, die ihren Ha in Spott und Laune
auslassen.
		-- Jean Paul
%
Man mu seine Behauptungen nie entscheidend in Gesellschaft
aufstellen, weil man sonst andern Mut und Lust benimmt, sie
anzufechten. Einer, der alle seine Stze mit einem >vielleicht<
entkrftet, lockt aus andern ihre Widersprche und Meinungen.
		-- Jean Paul
%
Auer der Einsamkeit macht nichts so stolz als eine Gesellschaft, die
sich immer untereinander lobt.
		-- Jean Paul
%
Gegen den Bekanntesten fhlt man grere Achtung, wenn andre sie ihm
erzeigen.
		-- Jean Paul
%
Ein Genie, das nachgeahmt wird, hat ebendeswegen viele Fehler: denn
sonst schreckt' es ab. (Ramler, Goethe jetzt und sonst)
		-- Jean Paul
%
Man schmt sich eines Sprachfehlers mehr als eines Denkfehlers - eines
Gedchtnisfehlers mehr als eines Schlu-Fehlers.
		-- Jean Paul
%
Zeige nie in Reden Trotz und Mut, sondern in Taten - weniger Feinde
machst du.
		-- Jean Paul
%
Wenn es keine Freiheit gibt: wie kmmt denn der ganz Lasterhafte zum
Gefhl, da er sie verloren? Blo weil er das starke Gewicht der
einen Grnde fhlt - allein der Tugendhafte fhlt auch seines, aber
keinen Freiheitsverlust.
		-- Jean Paul
%
In Frauen wird man oft aus Langweile verliebt - man wei nichts mit
ihnen weiter anzufangen.
		-- Jean Paul
%
Wenn das, was du dem andern sagst, nicht entweder ein Merkwort zur
Erinnerung oder ein Funke zur Erfindung ist: so versteht er dich
nicht; ihr mt euch voneinander blo in der Zeit der Erfindung
unterscheiden.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat mehr Selbstliebe, als man ihm zutraut.
		-- Jean Paul
%
Alle groe Torheiten, Schwrmereien etc. kamen daher, da man - zu
konsequent war, immer fortschlo, ohne Rcksicht auf Menschenverstand;
z. B. Mnchtum; Skeptizismus etc.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Fhlsamkeit und der Enthusiasmus der jngern Jahre ist in
ltern vermindert, sondern man kann nur, bei erweitertem Ideenkreis,
von andern, bessern, also seltnern Gegenstnden gerhrt werden.
		-- Jean Paul
%
Nichts erkltet Liebe so leicht als Beschmung.
		-- Jean Paul
%
Die toleranten Menschen haben nicht die meiste Liebe.
		-- Jean Paul
%
Freude macht aufrichtig.
		-- Jean Paul
%
Groe Seelen fallen am ersten in Selbstverachtung.
		-- Jean Paul
%
Keine Absichten werden leichter und allgemeiner erraten als die des
Eiteln. Dies setzt allgemeine Eitelkeit voraus.
		-- Jean Paul
%
Denken lernt man nicht an Regeln zum Denken, sondern am Stoff zum
Denken.
		-- Jean Paul
%
Wie verschieden, ob man sich in die Ober- oder Unterlippe beiet!
		-- Jean Paul
%
In jeder neuen Lage tritt man ein wenig aus der Philosophie heraus.
		-- Jean Paul
%
Man wird am leichtesten verschwiegen unter Leuten, die es nicht sind.
		-- Jean Paul
%
Beredsamkeit ist blo Deutlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Im nmlichen poetischen Kopf verschnert sich neben der Tugend auch
das Laster.
		-- Jean Paul
%
Der Autor vermengt das Vergngen, das ihm ein Buch als Knstler gibt,
mit dem, das es andern als Lesern gibt.
		-- Jean Paul
%
Alle, die nur fr Leute eines Fachs schreiben, z. B. Theologen,
schreiben deswegen elend.
		-- Jean Paul
%
Solang ein Mensch ein Buch schreibt, kann er nicht unglcklich sein.
		-- Jean Paul
%
Aus Instinkt bt man die feinsten Umgangsregeln aus, ber die man
erstaunt, wenn man sie liest.
		-- Jean Paul
%
Was man selbst erfahren, kann man auch andern vortragen, obgleich es
ihnen etwas Altes ist.
		-- Jean Paul
%
Es ist die grte Weisheit, sich ber die Menschen hinauszusetzen,
ohne sie zu hassen oder zu verachten.
		-- Jean Paul
%
Mit manchen Dingen mu man prahlen, um sich ihrer nicht zu schmen.
		-- Jean Paul
%
Ein Mann liebt Keusche und ist es selbst nicht; bei Weibern ist's
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Ich wre am begierigsten, die Fehler der Engel zu wissen.
		-- Jean Paul
%
Der denkende Teil in mir entdeckt in der Welt berall Ordnung, nur der
empfindende nicht, der nicht der Zuschauer, sondern ein Glied dieser
Kette ist.
		-- Jean Paul
%
Blo darum mssen wir soviel lesen, weil wir alles in 10 Bchern lesen
mssen, anstatt es aus 1 zu merken.
		-- Jean Paul
%
Der neueste Gedanke altert unter der Hand eines gemeinen
Schrift(stellers), der lteste verjngt sich unter der Hand eines
guten.
		-- Jean Paul
%
Dem Talent und Krper verzeiht man alles, der Tugend nichts.
		-- Jean Paul
%
Man hat eine Wahrheit lange gehrt, verstanden, gelobt, eh man sie
verdauet und zum Teil seines Ichs macht.
		-- Jean Paul
%
Die Kunst des Arztes wohnt zwischen der Ohn- und Allmacht der Natur
mitten.
		-- Jean Paul
%
Die Situation wird nicht durch die Worte gehoben, sondern diese durch
jene.
		-- Jean Paul
%
Zur Freundschaft gehrt: da wir einander gleichen, einander in
einigem bertreffen, einander in einigem nicht erreichen.
		-- Jean Paul
%
Ich habe nie eine einzige Bemerkung allein gemacht, sondern es fiel
mir allezeit noch eine zweite ein.
		-- Jean Paul
%
Ich bedaure nichts, was ich auf der Erde verloren, keine Jugend und
keine Freude - auer dem Verlust der hohen Vorstellung, die ich von
allen diesen gehabt.
		-- Jean Paul
%
Es gibt nichts Wollstigeres, als einen Freund zu loben.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Jngling und ein Mdgen miteinander einen Fehltritt begehen,
so werden beide nur von dem Geschlecht entschuldigt, zu dem sie nicht
gehren.
		-- Jean Paul
%
Man verdirbt unter Leuten, die einen nicht bertreffen.
		-- Jean Paul
%
Man fhlt das Bedrfnis zu unterhalten nie, wenn man interessante
Gedanken hat oder zutraut; - nicht blo in der Liebe.
		-- Jean Paul
%
Das Gefhl findet, der Scharfsinn wgt die Grnde.
		-- Jean Paul
%
Eitelkeit ist darum so schwer abzulegen, weil man sie, unter allen
Lastern allein, den ganzen Tag genieen kann.
		-- Jean Paul
%
Zwischen dem Betragen eines orientalischen und eines monarchischen
Untertanen ist ein geringerer Unterschied als zwischen dem eines
monarchischen und eines republikanischen.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch hlt jede Vernderung seines Innern, jede Verbesserung und
sogar jede Verschlimmerung fr grer, als sie ist; er wird klger,
aber nicht weiser, er ndert mehr seine Handlungen als seine Gefhle,
mehr seine Einsichten als seine Meinungen, und blo sein Gedchtnis
ndert sich am meisten. Gleichwohl ist einer, der nicht den Tag, die
Stunde angeben kann, wo er gut geworden, es auch nicht. Die Besserung
gibt oder nimmt uns nicht Gefhle, sondern beherrscht nur die eignen -
und in jedem Menschen hat die Tugend andere Neigungen zu ordnen.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt, man erhebe sich ber alle die Leute, ber die man
nachdenkt und Reflexionen macht.
		-- Jean Paul
%
Es ist schner, eine schne Gegend zu betrachten als zu betreten.
		-- Jean Paul
%
Wenn man sich in Kleidern niederlegt, fllt die Melancholie der Nacht
weg.
		-- Jean Paul
%
Wir wollen gern den Wert des Genies anerkennen, aber es selbst soll's
nicht.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat in seiner Jugend etwas von einem poetischen Genie, seine
Narrheit und seine Entzckung; - das poetische Genie selbst aber lebt
in einer ewigen Jugend.
		-- Jean Paul
%
Man kann die feinsten Bemerkungen ber den Menschen und ber
Individuen machen und doch von ihnen betrogen werden, d. h. sie nicht
kennen.
		-- Jean Paul
%
Die Sucht, seinen Charakter zu zeigen, sieht oft ebenso falsch aus als
die, ihn zu verbergen.
		-- Jean Paul
%
Im kraftvollen Zustand ist man am meisten rgerlich, z. B. bei
Arbeiten des Geistes.
		-- Jean Paul
%
An der grten Tugend ist nichts zu bewundern, weil uns das Gefhl
ihrer Erreichung bleibt - aber am Talent.
		-- Jean Paul
%
Es ist leichter, eine Tugend zu bertreiben, als sie zu haben,
leichter, das Gelbde immerwhrender Keuschheit zu tun, als in der Ehe
zu leben.
		-- Jean Paul
%
An alles Krperliche ist Geistiges geknpft, an Eigennutz
Freundschaft, an Wollust Liebe, an den Gaumen Erinnerung, an Trank
Tugend.
		-- Jean Paul
%
Eine Freude darber, da man was Neues entdeckt, heit eine ber einen
6000jhrigen Irrtum.
		-- Jean Paul
%
Ohne Philosophie steigen und sinken die Gefhle zu weit.
		-- Jean Paul
%
Es sind verschiedene Talente, eines Charakter und eines Gesinnungen
und Gedanken zu erraten.
		-- Jean Paul
%
Man drckt lieber die Augen zu, als da man die Finsternis she.
		-- Jean Paul
%
Gerade Unparteiische, die alle Seiten sehen, finden weniger Beifall
und Freunde, als die gegen eine Seite heftig sind.
		-- Jean Paul
%
Leute mit offenliegenden Vorzgen - Schne, Witzige und Kenner vieler
Sprachen - sind eitel; mit verborgenen - Tugend, Weisheit - sind
stolz.
		-- Jean Paul
%
Man widerlegt lieber den, der zu schwer, als der zu leicht zu
widerlegen ist.
		-- Jean Paul
%
Da Verstand erst mit den Jahren kommt, sieht man nicht eher ein, als
bis der Verstand und die Jahre da sind.
		-- Jean Paul
%
Der hohe Ha ist wie die Tugend, ohne Worte und Hitze, aber handelnd.
		-- Jean Paul
%
Die Erde als Erde ist auch dem Sinnlichsten nichts, sondern seine
Ideen darber.
		-- Jean Paul
%
Es ist ein Irrtum, da die edlern Neigungen vernnftiger seien als die
unedlern.
		-- Jean Paul
%
Kleine Seelen fhlen in ihrem Unglck nur ihren Zustand, groe noch
Zusammenhang, ihr Ich.
		-- Jean Paul
%
Der Blinde kann keine solchen Schrecken haben wie wir, da er keine
Finsternis kennt.
		-- Jean Paul
%
Aufopferung ist leichter als Rechtschaffenheit.
		-- Jean Paul
%
Man kann keinen Gedanken gut ausdrcken, als den man oft gehabt.
		-- Jean Paul
%
Eine humoristische Stelle glnzt am meisten in einem ernsthaften Buch
zitiert.
		-- Jean Paul
%
Ein Roman ist eine veredelte Biographie.
		-- Jean Paul
%
Jeder Autor dient in seinem ersten Buch blo seinen Neigungen - im
zweiten dem Geschmack.
		-- Jean Paul
%
Der vollkommene Philosoph mu ein Dichter mit sein und umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Von einem in Begeisterung knnte man sogar das drucken, was er denkt.
		-- Jean Paul
%
Keiner denkt mehr frei, der ein System hat.
		-- Jean Paul
%
Warum sollt es verwegen sein, dem Kant zu widersprechen? Dann wr's
auch, ihm zu glauben; weil zu einem, der seine Grnde fassen will,
ebenso viel gehrt als zu einem, der sie widerlegen will.
		-- Jean Paul
%
Es gehrt zur Tugend und Lebensart, von andern nicht zu sehr sein
Recht zu fodern.
		-- Jean Paul
%
Aus einer Frau ohne Torheiten wre weiter nichts zu machen als - ein
Mann.
		-- Jean Paul
%
Weiber und Groe bleiben ewig zu klug fr den Weisen.
		-- Jean Paul
%
Weiber halten die Leiden besser aus als Mnner; nur die der Liebe
schlechter.
		-- Jean Paul
%
Eine Frau findet zwischen zwei Mnnern nicht soviel Unhnlichkeit als
wir zwischen zwei Weibern.
		-- Jean Paul
%
E. lobt am andern nichts, was er nicht glaubt; aber um es zu loben,
glaubt er's vorher.
		-- Jean Paul
%
Gewisse Menschen wren Engel, wenn sie strker wren, und gewisse
keine Teufel, wenn sie schwcher wren.
		-- Jean Paul
%
Ein Prophet (Autor) wird von seinem Vaterland zuwenig, von seinen
Freunden zuviel geschtzt.
		-- Jean Paul
%
Es strkt einen fast, da einem die Eitelkeit der Dinge kleiner
vorkmmt, wenn wir sie geschildert, d. h. durch das Medium der Poesie
erblicken.
		-- Jean Paul
%
Feine Menschenkenntnis und Beobachtung ist verschieden von
ausgebreiteter und vollstndiger.
		-- Jean Paul
%
Ein gewhnlicher Kopf wagt selten etwas Kindisches.
		-- Jean Paul
%
Man errt den andern mehr durch Vermutungen als durch Beobachtungen.
		-- Jean Paul
%
Die Dummen halten alle Feinen fr falsch.
		-- Jean Paul
%
Eine starke Phantasie ist jed(es) groen Entschluss(es) fhig, aber
sie macht auch - weil sie die Sache auf einer andern Seite betrachtet
- desto unfhiger, ihn auszufhren.
		-- Jean Paul
%
Sanfte, weiche Menschen beweisen zum Schutz anderer einen greren
Zorn und Mut als fr sich, z. B. Mtter.
		-- Jean Paul
%
Wir zeigen mit weniger Scham die Leidenschaften des Hassens als des
Liebens.
		-- Jean Paul
%
Man hrt, wegen der Gewhnlichkeit, das Prgelgeschrei eines Kindes
mit weniger Rhrung als eines Hunds.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Buch nicht wert ist, 2 mal gelesen zu werden, so ist's auch
nicht wert, 1 mal gelesen zu werden.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe mindert die Feinheit der Weiber und mehrt die der Mnner.
		-- Jean Paul
%
Nichts sichert (zumal die Weiber) mehr gegen Beleidigungen als die
Gewiheit, da man sie nicht vergibt.
		-- Jean Paul
%
Jakobi(s) Schriften verstand ich mehr, indem ich mich ihrer erinnerte,
als indem ich sie las.
		-- Jean Paul
%
Ein Jngling, der mit dem brgerlichen Leben zufrieden wre, wre sehr
mittelmig.
		-- Jean Paul
%
Mehr Sachen auf einmal merkt man leichter als eine.
		-- Jean Paul
%
Fr einen von viel Witz und Belesenheit gibt's gar keine
Unhnlichkeiten mehr.
		-- Jean Paul
%
Die Mannspersonen, die wir weibisch nennen, haben vom Weib nur die
Fehler und gefallen Weibern so wenig als Weiber.
		-- Jean Paul
%
Bei manchen zerflieet alles so sehr ins Ganze, da sie bei eignen
Fehltritten die Schwche der menschlichen Natur bedauern.
		-- Jean Paul
%
Manche wollen nur, da, nicht wie, man sich entschuldige.
		-- Jean Paul
%
Die Eitelkeit des Umgangs wchst am meisten durch Leute, an denen man
kein Interesse nimmt und mit denen man doch spricht.
		-- Jean Paul
%
Er hlt sich noch nicht fr tugendhaft genug, um sich kleine Snden zu
verbieten.
		-- Jean Paul
%
Der Weise rechnet das Mivergngen zu seinen Snden.
		-- Jean Paul
%
Der schnste, edelste, freimachende Gehorsam ist der gegen sich - man
mu nicht wollen, was man tut, sondern tun, was man will.
		-- Jean Paul
%
bertriebner Tadel schadet Guten mehr als bertriebnes Lob.
		-- Jean Paul
%
Wenn man bei Mdgen etwan wie bei Mnnern auf ein schneidendes Ja oder
Nein dringt: so gewinnt man sicher das Unangenehmere - sie haben eine
aus Ja und Nein zusammengesetzte Antwort gewohnt.
		-- Jean Paul
%
Ferne Berge sind erhabner als nahe.
		-- Jean Paul
%
An ungebildeten Leuten rgert e(inen) Eigennutz nicht.
		-- Jean Paul
%
Eine gewisse Seelengre macht zur Menschenkenntnis unfhig.
		-- Jean Paul
%
Liebe ist ein Auszug aus allen Leidenschaften auf einmal.
		-- Jean Paul
%
Wenn man lang ein Kleidungsstck ansieht, kmmt's einem nrrisch vor.
		-- Jean Paul
%
Eine einzige Selbstberwindung strkt mehr als 20 Gefhle und
200000 Predigten.
		-- Jean Paul
%
Es gibt 2 ganz verschiedene Satiren, eine gegen Laster, eine gegen
Torheiten.
		-- Jean Paul
%
Eltern schlagen strker, wenn das Kind nicht schreiet.
		-- Jean Paul
%
Unsre schlimmen Taten bleiben uns mehr im Gedchtnis als unsre guten.
		-- Jean Paul
%
Um sich von einer zu groen Liebe oder Duldsamkeit fr etwas zu
heilen, mu man nicht die Feinde davon lesen, sondern die Freunde.
Lavater
		-- Jean Paul
%
Die grere Strke wre, bei der Kraft, wie ein ungewhnlicher Mensch
zu leben, der Entschlu, zu leben wie ein gewhnlicher.
		-- Jean Paul
%
Wenn man keine besondere Gelegenheit hat, jemand seine Liebe zu
zeigen: denkt man zuletzt, man fhle sie schwcher.
		-- Jean Paul
%
Manche wollen ihre Freunde nur von sich gelobt wissen.
		-- Jean Paul
%
In der Jugend hlt man von hinten jede fr schn.
		-- Jean Paul
%
Die meisten reden origineller, als sie schreiben.
		-- Jean Paul
%
In Leidenschaft machen wir nicht falsche Beobachtungen, sondern
falsche Schlsse daraus.
		-- Jean Paul
%
Jede Freude fllt, jeder Schmerz leert dich, aber in jener hat noch
Sehnsucht Platz, in diesem noch Zuversicht.
		-- Jean Paul
%
Jeder Zustand, den eine gegenwrtige uere Lage uns gibt, ist nicht
rein, sondern ein Gemisch aus ihr und d(er) vergangnen - daher kann
uns die gemeinste Lage einen ungewhnlichen Zustand nach einer
ungewhnlichen Vergangenheit geben.
		-- Jean Paul
%
Ein Mensch, der uns blo in unsern eignen Talenten bertrifft, erhebt
uns - einer, der in ganz fremden gro ist, demtigt uns.
		-- Jean Paul
%
Man mu etwas Bessers sein als sein Stand, um ihn zu erfllen.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man mit d(em) andern bekannt wird, desto mehr hrt man auf,
den Verstand zu zeigen, und beginnt, das Herz zu zeigen.
		-- Jean Paul
%
Friedrich II. htte vielleicht keinen Fehler gehabt und wre ein
grerer Mann gewesen, wr er kein Knig gewesen.
		-- Jean Paul
%
Kleine Mdgen gren mehr als Knaben.
		-- Jean Paul
%
Ein Narr ist nie so lcherlich, als man ihn macht.
		-- Jean Paul
%
Ein Staat ist leichter zu regieren als ein Mensch.
		-- Jean Paul
%
Warum lieben wir die Tugend an andern zehnmal mehr als an uns? Warum
fhlen wir so viel Wrme gegen einen Aufopfernden und halten's fr
Schuldigkeit bei uns? Einmal mssen wir uns irren.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber lieben einander nicht so sehr, weil sie sich nicht in den
schnsten Augenblicken je sehen - des Gebets und der Liebe.
		-- Jean Paul
%
Das, was er nicht verbergen konnte, lie er nicht erst erraten,
sondern sagte es selbst, um das Opfer der Aufrichtigkeit zu bringen.
		-- Jean Paul
%
Manche Menschen macht man durch die grten Wohltaten nicht so warm
als durch das kleinste Lob.
		-- Jean Paul
%
Einer kann uns ohne Egoismus sein Leben mit Interesse nur schriftlich,
aber nicht mndlich erzhlen.
		-- Jean Paul
%
4erlei gute Mdgen, die mit, die ohne Ehre - mit, ohne allgemeine
Betrachtungen.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Mensch eine gewisse Anzahl Wohltaten empfangen: hrt er auf,
sie zu zhlen.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Menschen immer Versuchungen zu groen Snden htten: sie
blieben gut; aber die tglichen Kmpfe gegen kleine gewhnen an
Niederlagen.
		-- Jean Paul
%
Scharfsinn ohne Empfindung ist Mhlstein ohne Korn.
		-- Jean Paul
%
Manche geben allen groen Wahrheiten Kleinheit, wenn sie sie nur
sagen.
		-- Jean Paul
%
Man wird zuletzt tolerant, denkt man, gegen die Menschen; aber man ist
nur gleichgltig.
		-- Jean Paul
%
Bei jeder neuen Lage fngt man eine neue Jugend an, man verjngt sich,
wenn man sich verndert. Ein Konrektor ist lter als ein Rektor, der
er wird.
		-- Jean Paul
%
Man kann Liebe selten zu spt, immer zu bald gestehen.
		-- Jean Paul
%
Unterschied unter Mnnern und Weibern, da diese in der Leidenschaft
keine Grnde annehmen.
		-- Jean Paul
%
Man gewinnt mehr, wenn man Mdgen etwas fr sich tun lsset, als wenn
man etwas fr sie tut.
		-- Jean Paul
%
Schwerlich kennt die Frau unter der Liebe etwas grers als die Liebe
- der Mann kennt mitten darunter noch seine Lieblingsarbeit, seine
Philosophie als das Grere. Bei ihr ist sie Ziel; bei uns ist sie
Spaliergewchs an den Schranken zum Ziel.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch genieet den jetzigen Augenblick nicht, wenn er nicht gewi
wei, da der knftige auch Glck zufhrt. Daher qulet er sich mit
der Jagd nach Hoffnungen und mit der Flucht vor Befrchtungen. Um nun
eine strende Befrchtung loszuwerden, bequemet er sich lieber zu den
tollsten Hoffnungen.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch ertrgt ein neues bel darum unwilliger als ein greres
altes, weil sie es, aus Mangel an Wiederholung, noch fr kein
notwendiges halten.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch kann nicht eher wissen, wie gut er ist, als bis einmal sein
halbes Glck von einer groen Snde abhing.
		-- Jean Paul
%
Das Alter ist trber als die Jugend, nicht, weil seine Freuden,
sondern weil die Hoffnungen erloschen sind.
		-- Jean Paul
%
Wem eine Frau gleichgltig wird, bei dem fngt die Sinnlichkeit an.
		-- Jean Paul
%
Feinheit des Ausdrucks ist verschieden von Feinheit der Gesinnung.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht die mnnliche Herrschsucht daher, weil Weiber keine Grnde
annehmen.
		-- Jean Paul
%
Man errt die Menschen am besten, wenn man sie bei Erzhlungen um ihre
Vermutungen der unerzhlten Zukunft fragt.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber beherrschen Mnner mehr als umgekehrt, weil nur diese
Grnde annehmen.
		-- Jean Paul
%
Keinem Gesichte steht ein hliches bler als einem schnen.
		-- Jean Paul
%
Wie leichtsinnig Weiber sind, [sieht man] daraus, weil der Gedanke des
Todes bei der Schwangerschaft nicht mehr Einflu auf sie hat.
		-- Jean Paul
%
Wenn man etwas hrt, das einen in Erstaunen und zugleich in Verwirrung
wegen der Antwort setzt: so mu man kalt eine kurze einsilbige Frage
tun, die eine lange Antwort braucht.
		-- Jean Paul
%
Wenn man bezahlt wird, denkt man, man arbeitete zu wenig - wenn man
arbeitet, man bekomme zu wenig.
		-- Jean Paul
%
Ich begreife nicht, wie ein Mann sagen oder glauben kann, er sei
schn, ohne rot zu werden.
		-- Jean Paul
%
Wenn sich einer nur einmal zwingt nachzugeben: so sieht er, da er
nicht viel nachzugeben braucht und da der andere auch nachgibt.
		-- Jean Paul
%
Es ist unbegreiflich, wenn man in den hhern Stnden sieht, wie viel
eine Frau braucht, um keine Langweile zu haben - in unsern, wie wenig.
		-- Jean Paul
%
Man unterlsset zu viel Gutes, weil der Nutzen, und begeht so viel
Bses, weil der Schaden zweifelhaft ist.
		-- Jean Paul
%
Man verbindet sich oft einen Menschen, wenn man nach dem Namen seines
Hundes fragt.
		-- Jean Paul
%
Nur ein Mann, keine Frau, kann eine Stunde vor einem Ball in einem
philosophischen Buche lesen, oder darin gar daran denken.
		-- Jean Paul
%
Voltaire widerlegt den Pascal und hat berall recht - nur darin nicht,
da er ihn nicht verstand.
		-- Jean Paul
%
Derselbe Scharfsinn findet an allen Behauptungen das Wahre, der an
allen das Falsche entdeckt - er wei kaum, wo er anfangen soll, zu
widerlegen oder beizutreten.
		-- Jean Paul
%
Im Sommer ist man menschlicher, im Winter brgerlicher.
		-- Jean Paul
%
Bei Mangel an Talent ist's besser zu sprechen als zu schreiben.
		-- Jean Paul
%
Nur in 1 Fall sind Weiber Weibern lieber als Mnner - wenn sie nmlich
als Gste kommen: mit Mnnern knnen sie nichts reden. -
		-- Jean Paul
%
Sogar in unserer Erinnerung ist uns die Vergangenheit als Flle
frherer Erinnerung schn.
		-- Jean Paul
%
Manche knnen leichter die Lehrer der besten als der guten Menschen
sein.
		-- Jean Paul
%
Leidenschaft macht, da man besser und schlechter handelt als die
Vernunft tte.
		-- Jean Paul
%
Man entschuldigt seinen Fehler bei sich dadurch, da man ihn sogleich
bereuet, und setzt doch bei [einem] andern nicht voraus, da er den
kleinen sogleich nach dem Begehen bereue.
		-- Jean Paul
%
Der Stand erhebt die Groen ber die Urteile, die die Kleinen ber
ihre Tugenden fllen - aber nicht ber ihre Vorzge. Sie rchen nicht
die beleidigte Achtung, sondern die beleidigte Eitelkeit.
		-- Jean Paul
%
Kluge halten das Gewhnliche, Dumme das Ungewhnliche fr toll.
		-- Jean Paul
%
Wir tuschen uns ber den Wert eines Autors, da wir nicht an die
vielen Minuten denken, wie er das Werk Glied vor Glied
zusammengeschoben.
		-- Jean Paul
%
In einem Vormittage, wo man reiset, ein ungewhnliches Geschft hat -
kurz in jeder neuen Lage - lebt man mehr, sieht das Leben anders,
fhlt sich mehr als in 4 gewhnlichen Wochen.
		-- Jean Paul
%
Es ist ebenso fehlerhaft, nicht berall die Sinnlichkeit, als berall
ihren Sieg voranzusetzen.
		-- Jean Paul
%
Feinheit berall wirkender als Kraft.
		-- Jean Paul
%
Ich rgerte mich ber den Menschenlrm unter mir und konnte nicht eher
schlafen, als bis ich wute, es seien Pferde.
		-- Jean Paul
%
Jede Arbeit, auch philosophische, poetische, lenkt den Menschen vom
Ich und oft vom Bessern ab.
		-- Jean Paul
%
Fehler, da man den andern nur widerlegen, nicht berreden will.
		-- Jean Paul
%
Gegen Liebe ist man nie undankbar, nur gegen Wohltaten.
		-- Jean Paul
%
Eigentlich mte man fr jedes Individuum ein besonderes Buch
schreiben.
		-- Jean Paul
%
Menschen beweisen sich in Gesellschaft Sachen, die jeder glaubt.
		-- Jean Paul
%
Eine nie auf die Probe gesetzte Frau denkt stets von sich zu gut und
von dem Sieg zu leicht.
		-- Jean Paul
%
Es verlohnt sich nicht, da man alle Bcher widerlegt. Exzerpieren
isoliert und hebt eine Sache heraus.
		-- Jean Paul
%
Der Gelehrte erwirbt sich mehr blindes Zutrauen als der Scharfsinnige,
weil jenem nur der Gelehrtere, diesem jeder widersprechen kann.
		-- Jean Paul
%
Es ist leichter, die Menschen zu lieben, als zu ertragen - viele
heftig zu lieben, als keinen zu hassen.
		-- Jean Paul
%
In den Weibern ist der hchste Kontrast der Aufopferung und der
Schwche - der Tugend und der Kleinlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Die Schwtzer von lohnendem Bewutsein guter Taten haben wenig getan -
sie htten sie sonst vergessen -, sie htten sich sonst erinnert, da
die Gewissensbisse mit der Strke des Gewissens steigen und da die
besten Menschen sich mehr vorwerfen als die schlimmsten.
		-- Jean Paul
%
Ein ganz Tugendhafter mu viel Geist oder Feuer haben, um nicht
langweilig zu sein.
		-- Jean Paul
%
Man legt leicht die groen Unarten ab und hat noch immer die kleinen
der Gewohnheit und Erziehung.
		-- Jean Paul
%
Uns greift ein auf der Strae verwesetes Vogelgerippe an, aber keines,
das auf unserm Teller liegt.
		-- Jean Paul
%
Man liebt die Menschen mehr, wenn man den Entschlu, ihnen eine
Wohltat zu erweisen, fsset, als nachdem er ausgefhrt ist.
		-- Jean Paul
%
Ein Volk kann nicht auf seine Genies, sondern auf das Volk, auf die
Menge stolz sein - die Genies knnen auf die Genies es sein.
		-- Jean Paul
%
Bei der Besserung sieht man, da man eine Menge Dinge im Umgang, die
man aus Hflichkeit und Mode tat, aus Tugend nun tut und leichter.
		-- Jean Paul
%
Ein Mann von Verstand gibt Leuten von Verstand zu leicht sein Herz.
		-- Jean Paul
%
An Weibern ist alles Herz, sogar der Kopf.
		-- Jean Paul
%
Man sagt zu Ochsen >dummer Esel< und umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Man liebt noch den Ort der Liebe, wenn man gegen die Person keine mehr
hat.
		-- Jean Paul
%
Man sollte nie mit dem Edeln zugleich einen unschuldigen, aber
nied(rigen) Zweck erreichen - es ist nichts gefhrlicher fr die Moral
(Tugend), als von ihr zu leben.
		-- Jean Paul
%
Menschen erraten heiet nichts als sich hnl(icher) Erfahrungen
besinnen. Mit einem ganz neuen Charakter kmmt der grte
Menschenkenner nicht aus.
		-- Jean Paul
%
Es ist leichter zu schmeicheln, als zu loben.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen, besonders die Weiber, wollen lieber gelobt als geliebt
sein.
		-- Jean Paul
%
Ein anderes ist der Mut, d(er) Gefahr nicht zu achten, ein anderes,
sie nicht zu sehen, zu verachten, ihr zu trotzen.
		-- Jean Paul
%
Zwischen 4 Wnden sind alle Menschen Sonderlinge, nur nicht offen.
		-- Jean Paul
%
Man sagt leise: ich empfehle mich Ihnen, wenn man den Hut von weitem
zieht.
		-- Jean Paul
%
Keine Fehler sind von den Besten schwerer zu verzeihen als die der
besten Menschen.
		-- Jean Paul
%
Es ist ein geringer Unterschied zwischen dem Stolz auf wahre Vorzge
und dem auf keine.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt oft, man knne nicht gut sprechen, da einem doch nichts
fehlt als der Stoff zu sprechen.
		-- Jean Paul
%
Genu der Ehre hindert den der Natur.
		-- Jean Paul
%
Goethe, so dramatisch und in fremdem Namen redend, da er sich nicht
finden kann, wenn er etwas im eignen sagen soll.
		-- Jean Paul
%
Wenn zwei krp(erlich) zusammenstoen, denkt jeder, nur der andere
habe Schmerz und Recht - bei moralischem Zusammenstoen das Gegenteil.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wren alle bescheidener und demtiger, trieben sie alle
nur eine Kunst.
		-- Jean Paul
%
Jeder kmmt sich selber leer und mager vor (ausgenommen wenn er sich
vergleicht), weil er sich ganz auskernt und erschpft mit der Idee.
Keiner kann seine eigne Gelehrsamkeit bewundern, weil er sie ganz
kennt.
		-- Jean Paul
%
Die hchste Liebe glaubt und fodert hchste Vollkommenheit, daher ist
sie ihrem Ende am nchsten.
		-- Jean Paul
%
Ehrgeiz ist verschieden von Ehrliebe - diese sndigt nie gegen die
Ehre, aber jener, der nach Schande nichts fragt, um berhmt zu sein -
diese will eigne Achtung, jener fremde, diese ist bei Weibern, jener
[bei] Mnnern.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist an Rousseau so gro - der sich selber kleiner darstellet,
als er war, wie bei jedem groen Mann der Fall sein mte, wenn er uns
in alle Ecken seiner Seele blicken liee - als dieses, da er mitten
im Leben der groen Welt und in Paris seine hohen Grundstze
entwickelte und behielt. Diese Festigkeit gegen die untergrabende
Zerstrung der uern Welt ist die hchste Strke der Seele.
		-- Jean Paul
%
Die Keuschheit wohnt weder in den obern noch untern Stnden - sondern
in den mittlern.
		-- Jean Paul
%
Das Einfltigste sagt man im Anfang in einer Gesellschaft, das Beste
zuletzt.
		-- Jean Paul
%
Ein rechtschaffener Menschenf(ein)d sagt im Zorn mehrere und
ntzlichere Wahrheiten als in der Liebe.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt einem Mann von Talent mehr, was er versichert, als was er
beweiset - Hier untersucht man erst seine Beweise, dort ist er einer.
		-- Jean Paul
%
Wir sind begieriger, fremde Menschen zu observieren und auszusphen
als tgliche und nahe.
		-- Jean Paul
%
Man kann gewi sein, dem andern nicht viel Vergngen gemacht zu haben,
wenn man lauter Sachen sagte, die uns eines machten und so umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Nonnen mager, Mnche fett, Beweis der weiblichen Migkeit.
		-- Jean Paul
%
Niemand ndert sich schwerer, als der stets unter andern oder in
Geschften lebt, d. i. trumt - die andringende, berhufende
Gegenwart ersticket jeden stillen Keim.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor bringt durch Selbstdefension(en) seine Anklagen auf und in
die Nachwelt. Fr die Mitwelt sind sie entbehrlich; seine Freunde
glauben den Anklagen nicht, seine Feinde den Defensionen nicht.
		-- Jean Paul
%
Man denkt, jeder gehe dahin, wohin man geht.
		-- Jean Paul
%
Die Schwachheiten groer Menschen werden von kleinen so leicht erraten
als die der Lehrer von Kindern.
		-- Jean Paul
%
Nichts fhrt von aller innerer Beschauung weiter ab und vom Blick
gegen die verschleierte Welt als Ehrgeiz.
		-- Jean Paul
%
Niemand knnte sich verhater und langweiliger machen als einer, der
in allen Sozietten Menschen nur lobte.
		-- Jean Paul
%
Man ist gerechter gegen seine Feinde als gegen seine Freunde.
		-- Jean Paul
%
Um froh zu sein, mu man einen langen Geschftsplan haben, der doch
die Freuden nicht aussperret, sondern einschlieet: am besten wenn die
Geschfte und Freuden in eins fallen (bei mir).
		-- Jean Paul
%
Wenn an den Groen alles erstirbt, sogar der Ehrgeiz, grnet doch die
Eitelkeit noch.
		-- Jean Paul
%
Es hilft wenig, da uns das Schicksal reich macht: unsere Wnsche
machen uns wieder arm.
		-- Jean Paul
%
Der Schlechteste kennt einen Preis, wofr er seine Rechtschaffenheit
nicht hingibt; er unterscheidet sich vom Guten durch den kleinern
(nicht vom Besten).
		-- Jean Paul
%
Jedes Geschlecht vergibt blo die Fehler des seinigen dem andern
Geschlecht nicht.
		-- Jean Paul
%
Man tut oft blo stolz, weil man vermutet, der andere denke stolz.
		-- Jean Paul
%
Der aus dem gemeinen kriechenden Stand Emporgekommene will stolz sein
und kann es nicht, und ihm entfhrt immer Hflichkeit gegen die alten
Gegenstnde.
		-- Jean Paul
%
Eheweiber sind scharfsichtig, wenn ein Mensch sich den Ehemnnern
empfehlen will, und diese, wenn ein Mensch sich der Frau.
		-- Jean Paul
%
Ein berhmter Autor sollte auch Stze, die andere gesagt, wiederholen,
um der Wahrheit sein Gewicht hinzuzutun.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man Menschen kennt, desto weniger schildert man Individuen.
		-- Jean Paul
%
In den Augen des Bewunderten ist der Bewunderer nicht stets klug, wie
Helvetius sagt, aber doch gut.
		-- Jean Paul
%
Jeder hlt seine Verstellung fr feiner als die fremde und wird daher
betrogen.
		-- Jean Paul
%
Den meisten Menschen gilt Bewunderung, Schtzung so viel als Liebe,
sie vermengen beide.
		-- Jean Paul
%
Werke, die man schreibt und die man tut, kann man erst lange nach
ihrer Vollendung korrigieren.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen hassen und merken in der Liebe leicht das Gefhl der
Unabhngigkeit.
		-- Jean Paul
%
Die Geschichten, die man in der Kindheit las, nehmen etwas vom Zauber
unserer eignen Kindheit an.
		-- Jean Paul
%
Die erste Wiedererblickung lang ersehnter Menschen gibt diesen etwas
von der Idealitt der Vorstellung.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist bei der hufigen Lektre schdlicher, als da uns die
Lehren der Weisheit - ohne da eine gegenwrtige Erfahrung sie auf uns
bezge - so wiederholet werden, da wir sie nie auf uns anwenden.
		-- Jean Paul
%
Man mu nicht seine Vorzge auskramen, um den andern zu gewinnen,
sondern ihn gewinnen, um jene auszukramen. Die Hflichkeit etc., womit
ich jemand aufnehme, ist die Grundierung, worauf er mein Bild
auftrgt.
		-- Jean Paul
%
Gewisse Dinge (Mode, Kleider, Lebensart) mu man frher verachten als
achten.
		-- Jean Paul
%
Wir halten die Leichtigkeit zu sndigen fr die Erlaubnis dazu.
		-- Jean Paul
%
Der Spott ber Abscheulichkeit (wenn es nicht juvenalischer ist), z.B.
Pderastie, mindert den Abscheu mehr, als er ihn mehrt.
		-- Jean Paul
%
Ein berhmter Autor und ein Frst brauchen nur zu reden, nicht gut zu
reden, um zu gefallen.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber ndern ihre Meinungen schwerer als die Mnner, weil sie
mehr Gefhle als Schlsse sind.
		-- Jean Paul
%
Kein Enthusiasmus der Liebe ist so gro als der der Zusammengewhnung,
der auf jenen folgt.
		-- Jean Paul
%
Sprachmaschine ist wegen Menschenhnlichkeit so frchterlich als
Wachsbild.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber halten sich fr besser als die Mnner; jene fehlen ohne
Bewutsein des Fehlers, diese mit.
		-- Jean Paul
%
In der Sprache der Liebe gibt es keine Pleonasmen.
		-- Jean Paul
%
Weiber sprechen lieber von als in ihrer Liebe, Mnner umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Den berhmten Mann freuet kein anderes Lob weiter als ein greres.
		-- Jean Paul
%
Sanftmut mu stets nach der Kraft (Jugend) kommen, sonst Schlaffheit.
		-- Jean Paul
%
Mit Intoleranz mu der Jngling anfangen, nicht enden, nicht
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn man zuviel wichtige Dinge zu sagen hat, fngt man mit den
unwichtigen an.
		-- Jean Paul
%
In einer ewigen Mestadt wrde alle Menschenliebe aufhren.
		-- Jean Paul
%
Man ist in der Liebe darum ungerecht, weil man den andern fr
vollkommen hielt.
		-- Jean Paul
%
Das Reden mehrt die eigne Rhrung mehr als fremde.
		-- Jean Paul
%
Ein wiederholtes Abschiednehmen entkrftet das letzte.
		-- Jean Paul
%
Manche halten ihre vernderte Ansicht eines Menschen fr eine
Vernderung desselben.
		-- Jean Paul
%
Man kann wohl einen Schwarm Mcken im Zimmer sumsen hren, aber nicht
eine.
		-- Jean Paul
%
Den Verstand, Witz etc. des andern (Ehe) kriegt man satt, nie sein
gutes Herz: nur dieses ist unerschpflich.
		-- Jean Paul
%
In einer neuen Stadt sind die ersten begegnenden Mdgen am
interessantesten.
		-- Jean Paul
%
Die kleinen Grnde erschaffen den Entschlu nicht, sondern man waffnet
sich mit ihnen nur gegen uere Anfechtungen desselben.
		-- Jean Paul
%
Ewige Unart, aus Gelehrsamkeit oder Tugend in einem Falle [und] Fache,
auf sie in andern Fllen und Teilen zu schlieen.
		-- Jean Paul
%
Statt einen Scheffel Salz(es) mit einem Freund zu essen, braucht man
nur 6 Meilen mit ihm zu reisen.
		-- Jean Paul
%
Das Landleben ist in, nicht auer uns.
		-- Jean Paul
%
uerer gemigter Stolz gibt dem Verdienst einen grern Schein.
		-- Jean Paul
%
Ein Torheit, ber die viele Satiren gemacht worden und bei der jede
neue Satire verliert, ist in der Wirklichkeit desto komischer.
		-- Jean Paul
%
Hat einmal ein Mann alle mnnliche Tugenden: so verschnert ihn eine
kleine weibliche, z. B. Reinlichkeit, unendlich in weiblichen Augen;
und so umgekehr[t] mit Weib.
		-- Jean Paul
%
Wenn man sich eines Fehlers anklagt, so hat man ihn stets grer, als
man ihn malt.
		-- Jean Paul
%
Gewisse Dinge, z. B. Entfhrung, sind uns in Bchern alt und [im]
Leben neu und letzt(ere) wund(ern) uns dann.
		-- Jean Paul
%
Der Pbel achtet Pedanten.
		-- Jean Paul
%
Der Mann bequemt sich zuweilen, um frei zu werden - die Frau mu sich
ewig bequemen.
		-- Jean Paul
%
1 Ku ist mehr wert als 2 oder gar 20.
		-- Jean Paul
%
Man beruft sich immer auf die Nachwelt, als ob sie nicht oft
ebensoviel Lob nhme als gbe.
		-- Jean Paul
%
Man mu sich immer einen Rat geben lassen - wenn man ihn auch nicht
befolgt, so bentzt man ihn doch.
		-- Jean Paul
%
Die Hflichkeiten der gemeinen Leute sind immer vom nchsten Stande
ber ihnen geborgt.
		-- Jean Paul
%
Der Uneigenntzige hasset Egoisten nicht so sehr als der Egoist.
		-- Jean Paul
%
Vernunftgrnde wirken nur auf Affekt, wenn sie ihn befdern.
		-- Jean Paul
%
In unserer Menschenliebe ist nicht blo die Sigkeit des Gefhls der
Liebe, sondern auch die Sigkeit des Gefhls des Rechttuns.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber lieben den ganzen Tag; den Mnnern fllt das verdrlich,
sie mchten es gern haben, da jene gerade zur Stunde mit der Liebe da
wren, wo sie sie haben.
		-- Jean Paul
%
Es ist oft sehr gefhrlich, von seinem Verstande und Herzen zu
schlecht zu denken - der Irrtum schafft die Wahrheit.
		-- Jean Paul
%
Man schreibt sich leichter falsche Vorzge zu, als man seine wahren
errt.
		-- Jean Paul
%
In feinen Gesellschaften wird nur der abwesende persifliert, in
gemeinen spaet man ber d(en) gegenwrtigen.
		-- Jean Paul
%
Verachtung ist mehr als Ha; jene kann der Weise haben, sie ist
unwillkrlich.
		-- Jean Paul
%
Die Wettergesprche [kommen] nicht von Langweile, sondern weil der
Mensch immer eine starke fortdauernde Empfindung mit Worten uern und
geben will - wre Krieg, so gb's Kriegsgesprche.
		-- Jean Paul
%
Berhmte Leute, Frsten, Schne kann man selten durch ein Lob
einnehmen, aber durch jeden Tadel erzrnen.
		-- Jean Paul
%
Wie Deutsche Straenraub auer Landes fr erlaubt hielten, so Mord im
Krieg 18/12; so berall; Fehler, die man sich nicht gegen seine
Familie etc. und Anhnger erlaubt, verstattet man sich gegen Fremde.
		-- Jean Paul
%
In hhern Stnden wirken die Weiber mehr auf fremde Mnner, in
nied(ern) auf eigne.
		-- Jean Paul
%
Die Verstellung und Eitelkeit durchgreift manche so, da sie unbewut
es tun und es nicht mehr anders machen knnen.
		-- Jean Paul
%
In einer groen Stadt sein, heiet Reisen und umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Weiber argwhnischer als wir.
		-- Jean Paul
%
Ein Mensch, dem zu lang die Liebe verweigert worden ist, findet dann
in einer wirklichen zu wenig Reiz, aus Mangel an Verweigern.
		-- Jean Paul
%
Warum will der Mensch, wenn er nicht alle bekehren kann, nicht
wenigstens einige Menschen ndern?
		-- Jean Paul
%
Mancher ist im Namen eines Lieblingsautors eiferschtig - freuet sich
ber jedes Lob auf ihn -, aber blo, weil er in sich eine hnlichkeit
mit diesem ahnet.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt stets, nur dieser Autor sei in der persnlichen Erscheinung
schlecht, aber alle ungesehene herrlich.
		-- Jean Paul
%
Anfangs macht man das Buch nach sich, dann sich nach dem Buch.
		-- Jean Paul
%
Weiber sind rein menschlicher, weil der Staat ihnen keine einseitige
Bildung aufdringt.
		-- Jean Paul
%
Je lter man wird, desto toleranter gegen das Herz und intoleranter
gegen den Kopf.
		-- Jean Paul
%
Nichts wird weniger in Gesellschaft erraten als die Empfindsamkeit,
besonders die mnnliche.
		-- Jean Paul
%
Die Kinder erraten die Eltern besser als diese jene.
		-- Jean Paul
%
Ttige Leute weniger Ordnung als mige.
		-- Jean Paul
%
Ein Wirt >Zum Erbprinzen< denkt nie, wenn er seinen Erbprinz sieht,
da er dessen Namen [fhrt] - so verschiedne Bedeutungen hat 1 Wort.
		-- Jean Paul
%
Ich will lieber lieben, ohne geliebt zu werden - als ohne zu lieben,
geliebt werden.
		-- Jean Paul
%
Weiber behalten eigne Geheimnisse, Mnner fremde.
		-- Jean Paul
%
Die Mnner machen sich von groen Mnnern eben jene romanhaften
Vorstellungen als die Mdgen von ihren knftigen Romanhelden.
		-- Jean Paul
%
Das Verstecken der Eitelkeit ist eine grere (gehatere) als jede.
		-- Jean Paul
%
Ungleich den Franzosen und Englndern, loben die Deutschen nichts (an
einem Autor, Menschen), ohne alles zu loben; sie glauben parteiisch
sein zu mssen.
		-- Jean Paul
%
Die Eitelkeit besteht nicht in der Kleidung, oft kaum im Handeln,
sondern in der ewigen unmerklichen Stellung jedes Worts, damit es
hheres Lob abwerfe.
		-- Jean Paul
%
Da die Mnner viel origineller sind, was kein Mdgen errt: so sind
oft diese in der Ehe unglcklich, weil sie es nicht voraussehen und
fassen.
		-- Jean Paul
%
Wenn das Schicksal 10 gnstige Umstnde vereinigt, so wundert man sich
ber den Mangel des 11., nicht das Dasein der 10.
		-- Jean Paul
%
Bei den Mnnern Unterschied bestimmter Anlagen - zu Mathematik,
Botanik, Musik, Philosophie -; bei Weibern nicht.
		-- Jean Paul
%
Weiber gewhnen sich Gleichgltigkeit und Unaufmerksamkeit gegen
Wissenschaft und Taubheit an, weil die Mnner zu oft vor ihnen von
wissenschaftlichen Dingen reden, die ihnen unbekannt.
		-- Jean Paul
%
Man begeht entweder Fehler des Stolzes oder des Kriechens, wenn man
nicht die Anerkennung des eignen Werts voraussetzt.
		-- Jean Paul
%
Der geheimste Geist eines Autors verrt sich nicht in den bsen,
sondern in den schnsten Charakteren, die er immer mit der Schwche
seiner Natur unwillkrlich begabt.
		-- Jean Paul
%
Der Spa ist unerschpflich, nicht der Ernst.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind so verschieden von uns, da der erfahrenste Mann immer
noch 3 Zeiten durchgeht, wo er sie 1) ber, 2) neben, 3) unter sich
setzt.
		-- Jean Paul
%
Selber Kinder haben wieder etwas Kindisches, worber sie selber
lachen.
		-- Jean Paul
%
Bei den Ursachen unbekannter wichtiger Begebenheiten raten wir immer
auf angenehme oder unangenehme, selten auf wahrscheinliche und
natrliche.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen (zumal Weiber) verraten leichter (zumal spt), da sie
Absichten verfehlen, als da sie sie haben.
		-- Jean Paul
%
Wir irren in nichts mehr als in unsern Prophezeiungen, da knftig
etwas werde schlimmer (z.B. krnker) oder besser (reicher) werden. Die
Neigung, systematisch zu schlieen (sein), schieben wir der Natur
unter; und diese leichtere Verkettung halten wir fr
Wahrscheinlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Die Mdgen verstellen sich besser als die Weiber.
		-- Jean Paul
%
In den besten Reisebeschreibungen interessiert uns doch der Reisende
am meisten, wenn er sich nur zeigen mag. Wer eine Reise beschreibt,
beschreibt damit sich immer auch selber.
		-- Jean Paul
%
Es ist nicht halb so ungesund, Philosophie zu lehren, als zu lernen,
e(ine) Philos(ophie) zu machen als zu lesen.
		-- Jean Paul
%
Es gibt Menschen, die man nicht hasset und nicht sehr liebt, aber ein
wenig, die verschwinden, ohne da man es merkt, wiederkommen ohne
Freude - Fr Groe gibt es keine andern, und sie sind keine andern.
		-- Jean Paul
%
Man fragt den andern um Rat, nicht, weil man nicht wei, was man tun
soll, sondern weil man es wei, aber nicht gern tut - der andere soll
dann einer guten oder bsen Neigung den Ausschlag [geben].
		-- Jean Paul
%
Die Deutschen nennen alle ihre Freuden auslndisch: Ressource, Casino,
Klub, Cercle etc. Assemble, Htel, Table d'Hte, Harmonie, Museum.
		-- Jean Paul
%
Die Englnder gefallen uns in Bchern, weil uns der Stolz in der
Darstellung gefllt, aber nicht in der Wirklichkeit.
		-- Jean Paul
%
Das Beste in einem Menschen ist das, was er selber nicht kennt.
		-- Jean Paul
%
Niemand hat die Kraft - wenn er auch will -, in einem fort unglcklich
zu sein, sondern er wird glcklich.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe mssen die Mnner die Liebe mehr durch Worte, die Weiber
durch Taten beweisen.
		-- Jean Paul
%
Der schnen Aktrice rechnet man immer ein wenig den Geist ihrer Rolle
zu ihrem.
		-- Jean Paul
%
Je lter, desto mehr entschuldigt, desto weniger achtet man d(ie)
Menschen.
		-- Jean Paul
%
Man spricht und dichtet viel eher von der Leerheit und Nichtigkeit des
Lebens, als man sie kennt; man spricht ungern oder nicht freudig
davon, wenn man sie kennt.
		-- Jean Paul
%
Der Dichter ist freier als der Philosoph.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe ist, ihr Ende ausgenommen, sich berall gleicher, als man
sagt.
		-- Jean Paul
%
Das Lob, das man im Enthusiasmus einer Frau ber eine Eigenschaft
gibt, gefllt ihr wenig, wenn man diese fr eine der Weiblichkeit, des
Geschlechts, ausgibt.
		-- Jean Paul
%
Weiber haben groe Krfte fr, aber kleine gegen die Liebe etwas zu
tun.
		-- Jean Paul
%
Jeder modisch Gekleidete hlt sich fr den Reprsentanten des
Jahrhunderts oder Dezenniums.
		-- Jean Paul
%
Wer die Menge unbedeutender ungenial(ischer) Bcher sieht, hlt die
Menschen fr noch unbedeutender.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen haben berall die Neigung, alles auf etwas Hheres zu
deuten, so die Linien in der Hand.
		-- Jean Paul
%
Die Jugend ist die Periode der Nachahmung.
		-- Jean Paul
%
Anfangs vertrgt der Autor Lob mit Tadel vermischt. Dann hat er das
Lob so oft gehrt, da er ein neues fodert und liebt; und so soll
immer mehr vom Tadel aufgehoben werden, bis er gar keinen mehr leidet.
(Gilt auch fr Leute in mtern.)
		-- Jean Paul
%
Manche drcken durch lautes Lachen ihren Enthusiasmus, z. B. ber
herrliche Musik, aus.
		-- Jean Paul
%
Im Traum kann man (wenigstens ich) sich der tiefsten Gefhle aus der
Kindheit erinnern.
		-- Jean Paul
%
Die Natur bestraft alles, an den Besten auch die kleinsten Fehler und
gerade diese am hrtesten.
		-- Jean Paul
%
Um ein guter Gesellschafter zu sein, ist es sehr gut, etwas zu
treiben, was die Gesellschaft selbst interessiert. Daher ist ein
Jurist, Kaufmann unter Brgerlichen an und fr sich ein besserer als
ein Philosoph oder gar Dichter.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber kommen jetzt durch das Sprechen der Mnner um ihre
religisen Meinungen, ohne zu wissen wie.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind mitleidiger bei mnnlichen Schmerzen als bei
weiblichen.
		-- Jean Paul
%
Begebenheiten, die im Roman nicht mehr romantisch sind, sind's in der
Wirklichkeit, z. B. Entfhrung.
		-- Jean Paul
%
Um die Menschen recht zu lieben, mu man sie immer aus einem noch
hhern Punkt als dem unserer Verhltnisse (der Freundschaft etc.)
ansehen, nmlich aus dem der Menschheit oder Moralitt.
		-- Jean Paul
%
Bei schnen Stellen im Theater hustet niemand, es ist also
willkrlich.
		-- Jean Paul
%
Man mu die guten Weiber glauben, um sie zu finden, wie die Tugend
ben, um sie zu kennen: wer im Steinsalzbergwerk wohnt, kann leicht
die Welt ber ihm leugnen.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen glauben sich nach einem zu richten, indes sich der eine
nach ihnen richtet.
		-- Jean Paul
%
Der stille Egoismus der jetzigen Gefhlsmnner liegt schon darin, da
sie dem Helden Briefe an einen Freund diktieren, gegen den er keine
Liebe zeigt und den er nur hat, um eine Adresse fr seine
Publikums-Briefe zu haben.
		-- Jean Paul
%
Ein witziger, launiger Autor ist's am Anfang des Buchs am meisten.
		-- Jean Paul
%
Man denkt beim Spotten und Widerlegen mehr daran, es denen, die schon
auf unserer Seite, deutlich zu machen, als den Widersachern.
		-- Jean Paul
%
Nur der Hofmann knnte brgerliche Sitten schildern und wir seine.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe der Menschen ist leichter zu erlangen als wiederzuerlangen.
		-- Jean Paul
%
In den alten deutschen Anleitungen zur Hflichkeit stehen ebenso viele
Chesterfield Gebote der Falschheit etc.; aber bei ihrer Dummheit merkt
man die Immoralitt nicht.
		-- Jean Paul
%
Es ist der grte Fehler in einem Leben, das man entweder schreibt
oder fhrt, in der Ferne eine unentwickelte Knoten-Dunkelheit zu sehen
und nicht jetzt gehrig zu entwickeln, sondern mit zugedrckten Augen
zu hoffen, sie gebe sich schon.
		-- Jean Paul
%
Bcher wirken wenig auf Individuen, aber doch auf das Jahrhundert und
mithin auch auf jene.
		-- Jean Paul
%
Ein Mensch kann so wenig den ganzen Geschmack haben als ein Mensch die
Wahrheit - die Menschheit hat beides.
		-- Jean Paul
%
In einer kleinen Stadt ist es hart zu heiraten, die Lotterie ist klein
und d(er) Nieten viel - es ist schwer, unter wenigen das Beste zu
finden. 30. Jun./1801.
		-- Jean Paul
%
Um sich etwas zu erklren, nimmt die groe Welt lieber die
entsetzlichste Snde als eine gewhnliche an.
		-- Jean Paul
%
Da man bei der Lektre geistreicher Werke seinen Verstand ttiger und
leichter-wirkend fhlt: so trgt man diese Leichtigkeit in den Autor
ber, es sei ihm leicht und s geworden - umgekehrt, wenn es einem
schwer wird.
		-- Jean Paul
%
Autoren vermengen Freude am Hervorbringen mit der am Hervorgebrachten
und denken eine kurze Zeit von sich zu gut.
		-- Jean Paul
%
Wie wenig der Mensch Anteil an fremdem Unglck nimmt: sieht man, weil
der gefllt, der eines erzhlt.
		-- Jean Paul
%
In der groen Liebe glaubt man alles opfern zu knnen; und das kann
sie auch, wenn das Opfer sie zugleich nhrt und befriedigt. Aber die
andern Opfer - z.B. des Verzeihens etc. - entkrften die Liebe selbst,
die opfern will; und daher hngt das Glck nicht von der Heftigkeit
der Liebe, sondern von der Energie des ganzen Charakters ab.
		-- Jean Paul
%
In die Stelle eines andern sich zu setzen - oder in die eigne vorige -
ist zu schwer, weil die Phantasie nicht blo einige Handlungen etc. zu
erneuern oder nachzuahmen hat, sondern dessen ganze krperliche Lage,
dunkle Ideen, unbewute Einflsse.
		-- Jean Paul
%
Der eitle, selbstgefllige Autor verrt sich durch den Helden, den er
zuviel Rcksicht auf sich selber nehmen lsset.
		-- Jean Paul
%
Man hlt es halb fr unmglich, wie man einen Frsten etc. durch seine
Gewohnheiten, Launen regieren knne, da er sie und diese Absicht doch
kennen msse; allein in der Minute der Laune etc. ist er so von ihr
befangen, da er sie fr keine hlt, und wenn es ist, doch keine Kraft
des Widerstehens hat. Die Frau sagt es ihrem Manne und regiert ihn
doch.
		-- Jean Paul
%
Der kalte Mensch - immer, in Wahrheit - ist viel seltner als man
glaubt.
		-- Jean Paul
%
Der Liebende ist so strenge-fodernd gegen die Liebende nicht
seinetwegen, sondern (ihretwegen) damit die rechte Liebe und (oder)
ihr Gegenstand sei.
		-- Jean Paul
%
Jeder kennt noch ein Zeremoniell, ber das er schimpft, und eines, das
er behalten wissen will.
		-- Jean Paul
%
Die Trunkenheit vermehrt schn 2 schne Dinge, Mut und Liebe.
		-- Jean Paul
%
Man mu bei den andern voraussetzen - was man selber so oft tut - da
die Ungereimtheiten, die ihnen entfahren, von ihnen in der Stille
gemibilligt, zurckgenommen werden.
		-- Jean Paul
%
Der Kopf ndert sich ewig, das gute Herz wenig.
		-- Jean Paul
%
Ein groes Unglck darf man leichter unmotiviert dem Helden begegnen
lassen als ein groes Glck, so sehr setzt man das Miverhltnis
zwischen Glck und Wert voraus.
		-- Jean Paul
%
Am Tage, wo man Geld bezahlt bekommt, gibt man ein wenig mehr aus.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen werden mehr voneinander verschieden durch die inn(ern)
Anlag(en) zur Freude als durch die uern Verhltnisse, in denen jene
wirken.
		-- Jean Paul
%
Die bloe, nackte Wahrheit wird fr die meisten Unwahrheit; durch ihr
Kleid wird sie wahrer.
		-- Jean Paul
%
Man will von fremden Wesen sein Ich recht geliebt haben, nicht aus
Eigennutz, sondern um es wieder recht lieben zu knnen.
		-- Jean Paul
%
Man hofft, da der andere glauben soll, unser Gesicht sei nicht
getroffen, da wir selber doch immer fremden Kupferstichen glauben; so
Rezension und Verleumdung.
		-- Jean Paul
%
Manchen gibt man das Gefhl, wodurch man es andern nimmt, durch
Schlsse.
		-- Jean Paul
%
Sich selber Wort halten schwerer als andern.
		-- Jean Paul
%
Die Philosophen halten immer im stillen den Wert und die Ausdehnung
ihres Objekts fr die ihrer Kraft und ihres Amts und ihre Anstrengung
fr die grte, weil diese alle andern deduziert.
		-- Jean Paul
%
Jeder Autor, auch sogar [der] mifallende, reiet uns in sein
Lehrgebude hinein, da wir vor dessen Mauern die ganze Welt eine
Zeitlang nicht sehen; schon das lange feurige Vorstellen seiner Stze
verdunkelt uns fremde und wird ein halb(es) Glauben.
		-- Jean Paul
%
Man imponiert und gewinnt mehr, wenn man ber eine Sache lange
spricht, als viel (kurz); die Ausdehnung der Rede gilt fr Ausdehnung
der Kenntnis.
		-- Jean Paul
%
Wer sich nur halb verstellt: hat zugleich den Nachteil der Verstellung
und der Offenherzigkeit.
		-- Jean Paul
%
Es gibt eine Zeit in der Jugend, wo - wegen der Kraft etc. - uns der
Skeptizismus gefllt, der uns nachher, nher am Grabe, peinigt.
		-- Jean Paul
%
Ein Rezensent lieset alle Satiren gegen Rezensenten, die frher als er
geschaffen worden, kalt.
		-- Jean Paul
%
Weit mehr sind aus Schwche Schmeichler der Frsten und a(nderer) als
aus Eigennutz; die Wahrheit ist leichter zu hren als zu sagen.
		-- Jean Paul
%
Um die Aristokraten, Groen recht zu erraten, betrachte man ihr
Betragen gegen ihre Bediente; es gibt mehr gromtige Bediente und
Arme als Herren und Reiche.
		-- Jean Paul
%
Wir fhlen den Weg zum Bsewicht schwerer hinab als zum Heiligen
hinauf.
		-- Jean Paul
%
Dichterinnen klger als Dichter.
		-- Jean Paul
%
Nicht gegen die Treulosigkeit der Menschen sollte man eifern, sondern
gegen die anfngliche Blindheit auf der einen und Verstellung auf der
andern Seite; allmhlig trgt der schnblhende Freund giftige
Frchte, und dann fliehen wir ihn freilich.
		-- Jean Paul
%
Bei dem Jngling, der sich an einen neuesten Lehrer hngt, ist's ein
Zeichen der Schwche; des Greis(es), ders tut, ein Zeichen der Strke.
		-- Jean Paul
%
Weiber sind weder Realisten noch Idealisten, sondern verbinden beides.
		-- Jean Paul
%
Anfangs treiben sie das Haushalten des Geliebten wegen, dann des
Haushaltens wegen.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist gefhrlicher als eine unvollendete Vershnung, sie
erschwert die vollendete mehr als keine.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen sind nie schlaffer, als wenn sie sich oder andere
trsten; ihr absichtlich kahles Gemenge von Widersprchen.
		-- Jean Paul
%
>Unter den Mnnern sind die meisten gemein, nur jede Frau hat etwas
Eigenes< - Die Frau hingegen sagt wieder dasselbe von den Mnnern.
		-- Jean Paul
%
Nicht durch Angreifen, sondern durch Behaupten zeigt man die eigne
Kraft und Individualitt am besten. Bei jenem mu man sich zu sehr
nach den andern richten und verliert bei Sieg und Niederlage.
		-- Jean Paul
%
Die Ste, die uns der Wagen des Schicksals gibt, lassen unser Inneres
noch in Ruhe und Gleichmut. Aber Wunden, die uns der Mensch, seine
Meinung und Betragen gegen uns gibt, wirren in uns alles
durcheinander. Das Ich fhlt sich von seinesgleichen erschttert.
		-- Jean Paul
%
An einem Glck oder Unglck ist man nie schuld, aber am
wiederkehrenden.
		-- Jean Paul
%
Zerstreuete Gedanken lieset man wieder zerstreuet und blttert in
ihnen herum.
		-- Jean Paul
%
Je krzer solche sind, desto noch krzer will man sie haben; und
Lngen, die uns in andern Bchern Krzen wren, sind uns zu groe.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch findet nichts dagegen, da in der Vergangenheit immer eine
Vernderung der Gesetze und Staaten nach der andern kommt - nur in der
Gegenwart will er nicht daran.
		-- Jean Paul
%
Jedes uns erzhlte Menschenleben hat etwas Erbrmliches,
Eingeschrnktes. Wir wundern uns, als mss ein gehrtes anders sein
als ein gefhrtes.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man getrunken, desto mehr lobt man den Wirt und sein Bier.
		-- Jean Paul
%
Vollendete Rechtschaffenheit ist fast Genialitt (erhebt ohnehin ber
jede Gemeinschaft) oder doch ein Ersatz derselben.
		-- Jean Paul
%
Die Ordnung wie der Geiz keine Grenzen.
		-- Jean Paul
%
So viele fingen mit der Liebe an, mit der sie wirken wollten, und
muten aufhren mit der Furcht, die sie gaben.
		-- Jean Paul
%
Viele Tugenden des Alters sind nur Folgen gestillter Wnsche und
verengter oder erweiterter Schranken.
		-- Jean Paul
%
Wer einen nur zum Werkzeug gebraucht, sei sicher, da ihn dieser auch
nur dazu brauche.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch hat mehr Scham ber einen scheinbaren (unwirklichen)
Fehler, den der andere ihm vorwirft, als ber einen wahren, den man
sich selber endlich eingesteht.
		-- Jean Paul
%
Im Alter ist einem der Nutzen des Ruhms lieber als der Ruhm.
		-- Jean Paul
%
Aus der bloen Begierde zu gefallen ist der weibliche Sinn fr
Kleidung und Schnheit nicht abzuleiten, der Mann hat jene ohne
diesen.
		-- Jean Paul
%
Der Eitle liee in der Minute seine Stellung, Kleidung weg, wo er
wte, da man sie als Eitelkeit bemerkte.
		-- Jean Paul
%
Wenn man ber etwas spricht oder schreibt, sieht man, da man mehr
wei, als man dachte.
		-- Jean Paul
%
Ordnung und Unordnung kann man lernen, es ist Gewohnheit.
		-- Jean Paul
%
Die franzsischen, gallischen Irrtmer ber Gott, Uneigenntzigkeit,
Unsterblichkeit etc. mten unglcklich machen, wenn sie nicht das
Schicksal aller Ideen, auch der Wahrheiten teilten, wenig gegen
Gefhle zu wirken.
		-- Jean Paul
%
Die grere Kraft gegen Verleumdung zeigt man, nicht wenn man sie
verachtet, sondern nicht zu hren sucht, wenn man's haben knnte.
		-- Jean Paul
%
Eine lange Zeit lernt man darum die Menschen nicht kennen, weil man
sie berall fr besser hlt als sich.
		-- Jean Paul
%
In groen Stdten vergisset man den eignen Tod so leicht und kalt wie
den fremden.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wollen einen niederdrcken, und dann wollen sie ihm erst
Gutes tun - aber nie, ihn erheben und dann bekrnzen.
		-- Jean Paul
%
Das Lob darf man nicht hinter dem Rcken des Gegenstands ndern, aber
den Tadel.
		-- Jean Paul
%
Wenn der Mensch etwas Edles am andern findet, so trumt er ihm gleich
sein eignes Edle gar an.
		-- Jean Paul
%
Auch der reiche Autor stiehlt oft, weil er denkt, er htt es ebensogut
erfinden knnen, und der andere denk auch das.
		-- Jean Paul
%
Nichts zeigt die Menschen falscher und schner als d(ie) Leiden; im
Glck werfen sie die Schleier weg.
		-- Jean Paul
%
Die Besonnenheit richtet sich nach dem geistigen Reichtum d(es)
Menschen.
		-- Jean Paul
%
Wer wahr sein will, ist's schon nicht ganz mehr, er mu es gar nicht
wissen.
		-- Jean Paul
%
Mdgen denken besser als die Frauen, aber auch Jnglinge besser als
die Mnner.
		-- Jean Paul
%
Wir mssen Hoffnung haben, um die Gegenwart zu genieen. Wir wollen
lieber eine schlimme Gegenwart mit schner Aussicht als umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Man ist zu oft bescheiden und denkt nicht daran, wie oft ein eignes
Wort als ein Menschen Wort lange ber unsere Meinungen hinaus
fortwirke. Man betrachte immer, wie stark der Redende - wie schwach
(jung, eingenommen) der Hrende sei.
		-- Jean Paul
%
Ein Weiberfeind ist auch ein Menschenfeind.
		-- Jean Paul
%
Um nicht vernderlich zu scheinen, mu man nur seine Entschlsse so
lange verschweigen, bis man einen davon ausfhrt.
		-- Jean Paul
%
Viele glauben blo darum an die Schwachheiten (Niederlagen) des Weibs
nicht, weil sie sie zu unmoralisch halten.
		-- Jean Paul
%
Nach einer khnen Tat mu man fort khn sein, sonst geht man unter.
		-- Jean Paul
%
Menschenha und Hrte vertrgt sich mit weich(em) liebend(en) Gefhl.
		-- Jean Paul
%
Die Bischfe etc. (Clerus) des Mittelalters lieen sich so leicht wie
Hfe jetzt, ihre Verderblichkeit verlachen; aber es war nicht
Toleranz, sondern vollend(ete) Verderbnis.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe gibt's keine grern Fehler als die wiederkommenden.
		-- Jean Paul
%
Man kann sehr ehren-fein sein und doch keine Ehre haben.
		-- Jean Paul
%
Um zu sehen, welche Fehler deine Braut als Frau am meisten haben wird,
gib auf den Tadel der Eltern gegen sie acht, der sie nennen wird.
		-- Jean Paul
%
Warum halten sich die Menschen fr scharfsichtiger, wenn sie das
geheime Bse entdecken, als das geheime Gute?
		-- Jean Paul
%
Der Mutige erschrickt nach der Gefahr, der Furchtsame vor ihr, der
Feigste in ihr.
		-- Jean Paul
%
Je lter man wird, desto gesnder, glaubt man, wolle (werde) man sich
immer machen, da man doch nur Krankheiten entgegenlebt.
		-- Jean Paul
%
Es gibt feige Nachsprecher an Hfen und in der Literatur, durch die
man die stillen Meinungen ihrer Herren errt.
		-- Jean Paul
%
Im Alter liebt man Personalien, in der Jugend Realien.
		-- Jean Paul
%
In der moralischen Welt verbreitet sich Licht langsamer als Wrme;
anders als in der physischen.
		-- Jean Paul
%
Wenn der Major ein Oberst wird, wundert er sich blo, da er etwas
anders zu tun hat; an die Charge dacht er gar nicht, nur an die
Pension.
		-- Jean Paul
%
Die Aufklrung, Licht etc. wirkt bei Frsten und einzelnen Menschen
immer wohlttig fr Moralitt, wenn sie eben ankommt - sieh
katholische Lnder - aber dauert die Einsicht, Klugheit etc. lange,
wird sie gerade zu einem Werkzeug der Immoralitt verbraucht.
		-- Jean Paul
%
Ein Gelehrter gilt so lange fr unfehlbar, bis er vor uns den ersten
Irrtum begangen und nachgeben mssen; dann tritt man ihm ohne Gnade
keck entgegen.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber wissen an uns mehr das Individ(uum), wir an ihnen das
Geschlecht zu behandeln.
		-- Jean Paul
%
An gewissen verstellten Menschen ist nichts so unertrglich als ihre
halb un- und halb willkrliche Herzlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Um zu wissen, wie gut oder schlimm eine Nation (deutsche) von sich
denkt, mu man nicht auf das Schlimme hren, das sie von sich, sondern
auf das, das sie von fremden Nationen sagt.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor wird am dunkelsten, wenn er Stze sagt, die er 1000mal
dachte und die, in seinem Innern lang erzogen, er nicht erst auf dem
Pulte erfand, wo er sie gab. Andere entwickeln sich und dem Leser
zugleich die Sache.
		-- Jean Paul
%
Die Bcher machen nicht gut oder schlecht, nur besser oder schlechter.
		-- Jean Paul
%
Schlechte Autoren sollte man vor, gute nach ihren Bchern
kennenlernen, um jenen die Bcher zu vergeben, und diese den Bchern.
		-- Jean Paul
%
Die Kinder sagen unzhlige zarte Gefhle heraus, die die Erwachsenen
auch haben, aber nicht sagen.
		-- Jean Paul
%
Was die Kraft-Menschen so wild gegen ihre Gegner macht - Herder,
Fichte - ist, da sie nie mit ihresgleichen kriegen mssen, sondern
mit den untergeordneten.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch schenkt am leichtesten nach dem Schenken.
		-- Jean Paul
%
Die zu gewissenhaften Autoren, die nichts wagen, haben den fast nicht
bescheidnen Glauben, da ihnen kein zweiter Autor entgegenarbeiten da
man ihnen aufs Wort glaube - dem Schreiber wie dem Sprecher steht
stets ein anderer entgegen.
		-- Jean Paul
%
Wenn man nur einmal recht ins Bewundern hineingekommen - Moritz gegen
Goethe - so gewinnt man so viel, als sei man selber der Gegenstand und
mehr und reiner, weil man seine hchste Idee nun auer sich realisiert
antrifft.
		-- Jean Paul
%
Wer blo brgerliche Steigerungen seines Glcks hat, mu immer
gr(eres) wnschen; der Dichter etc. hat gleich das unendliche Glck
vor sich.
		-- Jean Paul
%
Niemand glaubt leichter, in der Philosophie etwas verstanden zu haben
- etwas sehr Schweres nmlich - als die Weiber.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber wollen zu erziehen anfangen, wenn schon alles verzogen ist.
		-- Jean Paul
%
Weltumgang gibt nicht Erfahrung, hchstens diese jenen.
		-- Jean Paul
%
Die kleine Stadt sagt von der kleineren, sie sei noch nicht so
verdorben - und so Tugend immer im Verhltnis der Kleinheit.
		-- Jean Paul
%
Wer ein rechtes Ideal, das er ins Leben ziehen will, im Geiste hegt,
ist gegen d(as) Gift der Mode geschirmt, wie Schwangere gegen
ansteckende Krankheiten.
		-- Jean Paul
%
Feststehende philosophische Worte sind gefhrlich - man bringt sein
ganzes Anschauungssystem darunter - und dann versteht man fremde Worte
nicht, die man sonst verstnde.
		-- Jean Paul
%
Wer sagt, er verachte, fngt's kaum an und hasset noch.
		-- Jean Paul
%
Wo die Menschen an Verstand bertroffen werden, glauben sie, es sei
nur an Wissenschaft.
		-- Jean Paul
%
Weiber fragen soviel nach Sentenzen, weil sie kein System haben.
		-- Jean Paul
%
Der gute Mensch sogar drckt seine guten Maximen noch schrfer aus,
als er sie bt.
		-- Jean Paul
%
Das Unglck der Weiber ist, da sie nicht imstande sind, Mnner so
keck zu verachten als Weiber.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Verleumdung oder das Gercht schon das Unschuldigste falsch
auslegt: wie schlimm (verdreht) mu sie erst sorglose Handlungen der
Menschen, die sich absichtlich um keinen Schein bekmmern, ja gegen
den Schein leben, aufnehmen und zusammensetzen. Glaube, Sorgloser, sie
wird noch etwas Schlimmeres daraus machen als du scheinen wolltest.
		-- Jean Paul
%
Glckliche Mdgen in der Ehe lieben schon Romane nicht mehr, weil sie
nichts mehr auf sich beziehen knnen.
		-- Jean Paul
%
Eine Handlung ist fast eher durch eine entgegengesetzte aufzuheben als
ein Wort durch ein Wort, wovon man das erste wieder fr eine Handlung
erst ausgeben mu.
		-- Jean Paul
%
Gelehrsamkeit auch darum so imponierend, weil man sie sich nicht durch
eine willkrliche Anstrengung ersetzen (verschaffen) kann als das
Gefhl, Genieblick usw.
		-- Jean Paul
%
Ein Dichter hat zwar die schnellsten Irrtmer, aber auch dafr die
schnellsten Bekehrungen. Andere haben keinen Standort, um ihre Fehler
zu bersehen, die sich von einem Tal ins andere verlieren.
		-- Jean Paul
%
Ein Schmeichler ist's selten aus bloem Eigennutz, sondern aus
Charakter; denn er schmeichelt Niedrigen wie Hohen.
		-- Jean Paul
%
Die Frsten und alle Menschen lieben es weit mehr, wenn man etwas aus
persnlicher als allgemeiner Rcksicht fr sie tut, weil das
Allgemeine leicht ebensogut ihr Feind werden kann.
		-- Jean Paul
%
Eigne Anmerkungen findet man zum Aufzeichnen oft blo darum zu
unbedeutend, weil man sie durch langes Herumtragen und Handeln darnach
sich selber gemein gemacht.
		-- Jean Paul
%
Da sich die Mnner wundern ber weibliche Niederlage, ist ein Lob fr
die Weiber; diese wundern sich nicht ber den Angriff, ein Tadel fr
uns.
		-- Jean Paul
%
Man gebe manchem Selbstvertrauen, so ist er ein Weltmann.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen widerlegen einander ewig nur Irrtmer, die der Gegner
nicht behauptet.
		-- Jean Paul
%
Alle Menschen suchten die Wahrheit, wenn sie nur gewi wten, da sie
sie fnden - z. B. in einem von einem Engel geschriebnen Buch.
		-- Jean Paul
%
Erstlich zur Seltenheit mu man sich machen, und damit man es bleibe
in der Gesellschaft, zuweilen hintereinander keine Seltenheit sein.
		-- Jean Paul
%
Viele Handlungskhnheiten (z. B. Konferenz) kommen uns nur khn und
schwer vor, weil wir in der Ruhe sind, wie schlechtes Wetter
unertrglich, wenn man aus der warmen Stube hinaussieht - ist man
drauen, fragt man nichts darnach, weil man die Rstung entgegensetzt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe ist es schdlich, wenn man, wegen Zank, sich seine Liebe,
die man doch hat, zu uern schmt, wie gegen Eltern.
		-- Jean Paul
%
Gerade die Menschen, die nicht verstanden werden, sprechen nicht gern
davon oder doch traurig - hingegen die Jugend prahlt damit.
		-- Jean Paul
%
Bedeutende Menschen, die uns aber bse geschildert worden, nehmen uns,
da wir ihnen stets ein unmoralisches ueres dazu liehen, stets bei
der ersten Bekanntschaft ein wenig ein.
		-- Jean Paul
%
Oft gehrt nichts dazu, den Ehemann zu stillen, der 100 Fehler
vorwirft, als sie alle rein-denkend zuzugestehen.
		-- Jean Paul
%
Man liebt am schnsten und reinsten die Wesen, die nicht wiederlieben,
Hunde, Kinder; Geliebte, von denen man nichts fodern kann.
		-- Jean Paul
%
Jede gute Neigung wirkt strker, wenn sie sich durch Tun, als wenn
[sie] sich durch Meiden zeigen mu.
		-- Jean Paul
%
Gerade der Freie sucht den Schein der Freiheit am wenigsten.
		-- Jean Paul
%
Die meisten achten sich nicht eher, als bis andere sie achten.
		-- Jean Paul
%
Kein Autor hrt so gern das Lob eines fremden Autors als der, der ihn
nachahmt.
		-- Jean Paul
%
Wer nicht sucht, wird bald nicht mehr gesucht.
		-- Jean Paul
%
Der rechte Charakter ist nicht mit Standhaftigkeit anfangen und nach
den Umstnden sich zu fgen - sondern wie die Rmer, in jeder
Verschlimmerung nicht um einen Fubreit zu weichen.
		-- Jean Paul
%
Zur Lebensart gehrt, da man auch gegen sich hflich sei.
		-- Jean Paul
%
Nicht Dicke, aber 1 Fu Lnge mehr gibt immer ein bergewicht des
Ansehens.
		-- Jean Paul
%
Fremde sehen Eheweiber in Rcksicht des Gatten so falsch-verschnernd
an wie Liebhaber die Mdgen.
		-- Jean Paul
%
Eine kurze Enthaltsamkeit ist schwerer als eine lange. Besser, von
Sachen als von Menschen abzuhngen.
		-- Jean Paul
%
Nur in der hchsten Gleichgltigkeit oder hchsten Wrme (Hasse) kann
man sich ber Menschen irren; in beiden bemerkt man zu wenig.
		-- Jean Paul
%
Man vergibt ungern dem Demtigen ein gerechtes hheres Gefhl bei
seinem Glckswechsel.
		-- Jean Paul
%
Die Eitelkeit nur hassenswert, wenn sie groe Gegenstnde zu ihrem
Dienst mibraucht, das Groe um ihrentwillen affektiert; mit Kleinem
darf man eitel sein, mit einer Schnalle, nicht mit einer groen
Empfindung oder mit Mangel an Eitelkeit; daher man sie kleinen
Menschen eher vergibt.
		-- Jean Paul
%
Das Individuelle entscheidet berall. Wie wenig kann jeder vom besten
Helden brauchen! - Der Dichter gibt berall nur sittliche Momente, die
jeder anwende!
		-- Jean Paul
%
Seltner und schwerer streitet man, um den andern zu bessern, als um
die Wahrheit zu befriedigen (daher das Feindliche), als ob man nicht
durch jenes sie am meisten befriedigte.
		-- Jean Paul
%
Alle weiche gegen Fremde nachgebende Menschen suchen sich eine Lge
ihrer Selbstndigkeit durch Hrte gegen die Ihrigen weiszumachen.
		-- Jean Paul
%
Wo viel Ehrgefhl, da ist viel Ehrgeiz; aber gar nicht umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Die khnsten Autoren im Urteil ber andere oder ber Wissenschaften
sind junge, die dadurch Autoritt zu erlangen hoffen; da die alten
dadurch ihre zu verscherzen frchten.
		-- Jean Paul
%
Nirgends noch Vaterlandsliebe als bei gemeinen Leuten.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch wird wie der Stahl hart - durch fteres Abkhlen nach
Erhitzung.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch nimmt es schon bel (im ersten Ansto), wenn man ihm
berhaupt etwas belnimmt.
		-- Jean Paul
%
Manche handeln poetischer als sie schreiben.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt es gar nicht fr mglich - daher die Zuversicht -, da man
etwas vergessen werde, wenn man sich dess(elben) eben erinnert.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Mdgen frher in der Liebe Grnde anzunehmen scheinen: so
handeln sie doch nur aus Liebe gegen den Gegenstand, der sie gibt,
nicht aus berzeugung - Ohne Liebe keine Grnde.
		-- Jean Paul
%
Man scheuet sich, dem jungen Kind den lateinischen Namen eines Tiers
zu sagen, als wr ihm der erste deutsche Name nicht ebenso fremd.
		-- Jean Paul
%
Man kann vom Menschen Geschlechte zu schlecht denken und doch vom
einzelnen immer zu gut.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht wirft sich niemand mehr Schwche vor als ein starker
Mensch.
		-- Jean Paul
%
Die feinste Aufgabe im ttigen Leben ist die, ob man einer Sache
zuvor-, oder erst nachzukommen habe.
		-- Jean Paul
%
Eine Frau lt Geld herumliegen, nicht Kaffee.
		-- Jean Paul
%
Der, der einen Rat begehrt, hat meistens - schon durch die Zeit - eine
Sache von allen Seiten beschauet; der Ratgeber von der ersten, die
vortrat, da man ihn fragte. Und doch mu man fragen, um eben alle
Seiten durch mehre(re) Augen kennenzulernen.
		-- Jean Paul
%
Der erste Bettler nach einer Feuersbrunst bekommt am meisten.
		-- Jean Paul
%
Weiber schildern gern dem Arzte alle Symptomen recht stark, als ob er
dadurch besser kurierte oder lieber.
		-- Jean Paul
%
Man mu nie einen Tadel in ein Schimpf- oder Entscheidungswort
kleiden, weil ein Wort - z. B. Schurke - den ganzen Menschen umfat
und ein Leben abspricht, da der Mensch sich doch so vieler besserer
Ziele bewut ist und berhaupt, weil hier der Proze mit der Exekution
angefangen und der Beweis vorausgesetzt wird, der erst bei dem
Menschen zu fhren ist. So mu man nie sagen: ich habe dir etwas
Unangenehmes zu sagen, weil dieses die ganze Welt des Jammers umfat,
von der uns doch nur eine glhende Kohle gegeben wird.
		-- Jean Paul
%
Gegen den Egoismus - zumal den feinsten - gibt es nun kein Mittel
weiter als - Republik, Anteil an allem.
		-- Jean Paul
%
Wer irgendeine von diesen Bemerkungen weder in seinem Leben noch die
Antizipation in seiner Seele hat: findet sie blo leer oder nichts.
Etwas anderes ist, wenn einer eine falsch findet.
		-- Jean Paul
%
Wenn sich ein groer Kopf euch zu unbedeutend darstellt: so glaubt
nur, da ers ist, weil er euch dafr hlt.
		-- Jean Paul
%
Wer die Menschen nicht mehr liebt, findet wieder Liebe und Interesse
an einem, der leidet. Der Schmerz fhrt uns die alte Liebe des ganzen
Geschlechts zurck.
		-- Jean Paul
%
Die Begierde nach Geld kann sich sogar in einer edeln Seele
entschuldigen - um nmlich von Menschen (nicht blo von Sachen) frei
zu bleiben, um gegen jene niederwerfende Ungleichheit eine Sttze zu
haben.
		-- Jean Paul
%
Unter allen Arten von Liebe, die der Mensch hat - Eigen-, Kinder-,
Menschen-Liebe - ist keine so schwach als die Wahrheitsliebe, fr die
er nicht einmal kleine Wunden der Eitelkeit sich gefallenlt.
		-- Jean Paul
%
Wenn man in sich eine Vernderung gegen Irrtmer der vorigen Zeit
bemerkt: so hlt man sich nicht fr irrfhiger darum, sondern jetzt
fr krftiger, als ob die Vergangenheit nicht der Zukunft drohe.
		-- Jean Paul
%
Die Schwachheit (das Nachgeben, Verndern) der Mnner macht die Weiber
listig.
		-- Jean Paul
%
Man kann vieles als so scharfe Axiomen sagen, wodurch durch ein Leben
gehandelt worden und werden soll, wenns recht geht, und welche
unmglich gerade bei Anla des Gesprchs knnen erfunden sein und
werden - und die es doch sind.
		-- Jean Paul
%
Durch bertriebnes Lob (aus wahrem Herzen) wird niemals vor dem
Gegenstand bertriebner Tadel (aus wahrem Herzen) gut und s gemacht.
		-- Jean Paul
%
Alles ist eher in einem Staate ins Reine und Vollkommene zu bringen,
Ausbung der Justiz - Rechte - Kammer -; nur die Besetzung der
Stellen, zumal der hohen, offenbart sich als Fleck jedes Staats.
		-- Jean Paul
%
Nicht Mangel an Ideen - denn man hat immer welche -, sondern an neuen
macht Langweile.
		-- Jean Paul
%
Man (ein Mann) kann zu leicht Anmerkungen, die auf die Menschheit
passen, auf die Weiber allein machen und beziehen, weil diese mehr
auer uns gehren und wir sie anschauen, die Mnner aber in uns.
		-- Jean Paul
%
Der Wegreisende glaubt stets, weiter zu sein als der Dableibende.
		-- Jean Paul
%
Ach, aller Zank und Ha wre geschlossen, wenn man sich bei dem
Beleidiger mehr hell dchte, was er sich ist, als was er uns ist; wie
er seinen Wert behauptet, wenn er irrend unsern bekriegt. Der Ehemann
mu sich der Liebe seiner Frau gegen ihn erinnern, aber nicht als
Liebe gegen ihn, sondern als Zeichen ihres Werts.
		-- Jean Paul
%
Nicht sowohl der Verstand kommt nicht vor den Jahren als die rechte
geistige DenkFreiheit.
		-- Jean Paul
%
Derselbe Mann, der uns anfangs mit seinem Nachsprechen unserer Ideen
Freude macht, wird uns in schwierigen Fllen lstig und verhat, wo er
unserer Furcht nicht widerspricht und uns keinen Rat erteilt oder
keine Hoffnung.
		-- Jean Paul
%
Mangel an Verschwiegenheit entsteht meistens aus Mangel an Redestoff.
		-- Jean Paul
%
Die Worte des Ehemanns wirken hchstens auf die Ehefrau, wenn er sie
einer fremden vorsagt.
		-- Jean Paul
%
Das Altertum schrieb reiche, groe, edle Worte auf - die Neuen mehr
witzige. - Die jetzigen moralischen Anekdoten zeichnen mehr die
Menschenliebe; die alten die Tapferkeit und jede Gre. Wir knnen
berhaupt jetzt leichter einen Historiker als einen Plutarch ernhren.
		-- Jean Paul
%
Ein Mann hlt die Bcher rein, nicht die Westen, Weiber umgekehrt etc.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Frau, die Kinder binden den wagenden Mut, weil wohl jene mit
uns tragen kann, da sie sich mit uns entschliet, diese aber noch
keine Krfte zum Entschlieen und Tragen haben.
		-- Jean Paul
%
Menschen von einigem Talent (wie Erhard) haben sich so sehr mit den
gestickten Gewndern des Jahrhunderts umhangen, so viel Fremdes, was
schn ist, umlegt ihr Eignes, das auch schn ist, da man kaum zum
eigentlichen Wesen durchdringen kann. Nehmt ihnen die Zeit ab: wie
wenig sind sie von denen verschieden, auf die sie herabsehen! - Es
sollte eine Abschlungstheorie geben, um den, der viel von der Zeit
geborgt, doch nicht ber den zu setzen, der wenig geborgt.
		-- Jean Paul
%
Eine Stadt imponiert anfangs, als wren ihre groen Huser und Gassen
eine Masse zum Befehlen - bis man endlich sieht (und zu ihr gehrt),
da alles sich wie im Dorfe in Einzelne zerteilt.
		-- Jean Paul
%
Keinen Titel zu haben schadet oft darum bei Bekannten, weil sie nicht
mit unserer Freundschaft prahlen knnen.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Jnglinge sollten so oft klagen, da sie einsam wren, keine
verwandte Seele fnden - sie meinen nur eine weibliche -, sondern die
Mnner und Alten sind und werden einsam - niemand ist einsamer als ein
Mann, es mte denn ein Greis sein. Der Jngling hat sich noch nicht
in sich abgeschlossen und lsset sich von jeder Windseite bilden,
beugen und Blumenstaub zublasen; hingegen der Mann hat sich gegen
Mnner, Welt gegen Welt fest gegrndet, und sie knnen nicht mehr
aneinanderlaufen.
		-- Jean Paul
%
Lust und Not - durch beides zugleich ist freilich jedes Weib zu
gewinnen.
		-- Jean Paul
%
Die Urteile der Mnner ber Menschen wgen den Gehalt blo ab, um
Kenntnis zu haben; die der Weiber ber Menschen, um zu lieben oder zu
hassen; daher jene vielseitiger sind.
		-- Jean Paul
%
Leichter heiratet ein Mann eine Frau aus niederem Stande hinauf als
eine aus hherem herab; die Hof-(Stadt-)kunst ist bald gelernt, aber
nicht so die Kchen- und Haushaltungskunst, sogar bei der Lehre des
Vaters.
		-- Jean Paul
%
In Gesellschaft macht der Witz eine Lcke und Finsternis durch
Blenden; hingegen Laune ergtzt in einem fort.
		-- Jean Paul
%
Gb es nur eine hhere Gattung Tiere: schwerlich wrden wir sie
martern; so sehr nimmt uns die herabsteigende Stufenfolge oder d(ie)
Grenzenlos(igkeit) den Mastab.
		-- Jean Paul
%
Ich kenne sehr geschmackvolle Leute, welche die langweiligsten
Gesellschafter sind, weil sie immer nur zu fhlen und zu schmecken
gewohnt sind und andern folglich nichts zu fhlen und zu schmecken
geben.
		-- Jean Paul
%
Jeder Freund hlt es fr den grten Genu, dem andern die Wahrheit zu
sagen - am Hren findet keiner einen sonderlichen.
		-- Jean Paul
%
Die Einschaltung des Mannes in die Staats-Fachwerke gewhnt die
nachfhlende Frau an eine hnliche Einschaltung ins Ehe-Fach. Ein
freier Dichter hingegen hat es schwerer, zu seiner Frau zu sagen:
bedenke!-
		-- Jean Paul
%
Es ist schlimm, da man vor lauter heierer Liebe zu Freunden ihnen
gerade das Bestimmteste ber ihre ganze Lage zu sagen wagt.
		-- Jean Paul
%
Keine Frau knnte durch das Ankleiden so viel gewinnen als sie
verliert, wenn man ihr dabei zusieht.
		-- Jean Paul
%
Die einfachsten Menschen hr ich die feinsten Vermutungen uern, wenn
der Schritt etc. eines Gesandten, Ministers politisch zu erklren ist.
		-- Jean Paul
%
Einer kann stets sein Wort halten, seine Vorstze ausfhren und doch
vernderlich sein; er fhrt nmlich nur die gesagten aus; aber in den
gedachten ist er vernderlich; und niemand wei es.
		-- Jean Paul
%
Man mu, um einen Menschen zart und fein zu behandeln, nicht blo nach
der hohen Achtung messen, die man fr ihn hat, sondern auch die
(vielleicht irrige) Achtung erraten, die er fr uns hegt und nach
deren Gre ihn unsere Vernachlssigungen schmerzen.
		-- Jean Paul
%
Es gibt gewi blo darum vieler glcklichen Ehen mehr, weil der Mann
nicht mit zu erziehen suchte.
		-- Jean Paul
%
Ein Lehrer, Hausvater rgert sich gerade ber die wiederkommenden
Fehler am meisten, da ers als ber in der Natur gegrndete am
wenigsten sollte.
		-- Jean Paul
%
Nirgends ist mehr Kriegsenthusiasmus als in der Hauptstadt, weil nie
oder selten der Krieg dahin kommt. Eine Provinzialstadt voll
Kriegslust wre etwas Hheres.
		-- Jean Paul
%
Man tadelt den eignen Hund, der an jedem Fremdling aufhpft, liebt es
aber, wenn es uns geschieht; so hassen wir unsern Schmeichler nicht so
sehr als einen fremden.
		-- Jean Paul
%
Durch Tadel wird man fter mehr vorsichtig und klug als besser.
		-- Jean Paul
%
D(er) Treulose macht Treulose; wer kein Wort hlt, findet keinen
Worthalter mehr.
		-- Jean Paul
%
Wenn man in Gesellschaft ein lobendes Urteil fllt, darf man es in
starke Ausdrcke zusammenfassen. Hingegen bei einem Tadel mu man nur
die Grnde, keine Benennungen sagen, 1) weil man dem fremden Urteil
vorgreift 2) weil der andere leicht an unsern frohen, aber nicht [an]
zornigen Ausbrchen Anteil nimmt 3) weil der Gegenstand des Tadels
nicht Grnde, nur Namen rcht. Man darf sagen: A. ist ein Engel! - nie
aber: A. ist ein Teufel!
		-- Jean Paul
%
Ein Mann wie Voltaire taugt(e) zu keinem ewigen Hofmann, weil seine
Kraft die Ebene und Leichtigkeit der Geselligkeit unterbrach.
		-- Jean Paul
%
Durch Trinken vor der Ehe gewhnt der Mann die Geliebte an bermige
Liebeszeichen; in ihr hat es entgegengesetzte Folgen.
		-- Jean Paul
%
Weiber hassen an Weibern, nicht an Mnnern Eitelkeit und Stolz.
		-- Jean Paul
%
Fiel einer einmal in den Verdacht der Eitelkeit: so wickelt er sich
nicht mehr daraus heraus, er handele, wie er will.
		-- Jean Paul
%
Die Toleranz ist leichter gegen den, der schlecht handelt und sich
dafr hlt, als gegen den, der gemein egoistisch etc. handelt und sich
fr edel nimmt.
		-- Jean Paul
%
Durch bermiges Lob wird der Autor nicht fr bermigen Tadel
entschdigt. Jenes nimmt das halbe Vergngen (und gibt weniger als
gerechtes Lob) durch die Unvollkommenheit des Lobredners und durch die
Erinnerung an die gelobten Vorzge, deren man eben entbehrt.
berm(iger) Tadel verwundet 1) durch Nachsprechen 2) fremde
Unvollkommenheit 3) eigne Geneigtheit, ihm zu glauben 4) Gefhl der
Beleidigung.
		-- Jean Paul
%
Man mu nie dem einen leidenschaftlichen Ausbruch zeigen, der dessen
Ursache nicht kennt.
		-- Jean Paul
%
Ein berhmter Mann schreibe ein Buch mit Grnden, z. B. gegen den Eid
- man vergit, zitiert, widerlegt das Buch - aber er lasse in einem
ganz davon fremden Werke, z. B. wie Lessing, Schiller etc. ein Wort
dagegen fallen ohne Grnde: man zitiert ihn als Autoritt.
		-- Jean Paul
%
Dies ist die Probe, wie hoch man einen andern Menschen stelle und
liebe, inwieweit man von ihm in Rcksicht der Glcksgter abhngig
sein will. Nur dies Gefhl entscheidet ber die Ansicht fremden
Gehalts.
		-- Jean Paul
%
Darum, weil es eine erste Liebe gibt - und Flitterwochen - und Ideal
der Jugend und Kindesliebe: so gibt es auch erste Freundschaft; aber
der Gegenstand ist nicht sein Wert.
		-- Jean Paul
%
Kein Mensch nennt sich dmmer als den andern; kein Zeitalter nennt ein
voriges klger, sich blo schlimmer und klger.
		-- Jean Paul
%
Nicht nur zu einem Lgner - oder zu einem Spieler - gehrt Gedchtnis,
sondern besonders zu einem Weltmann und Gesellschafter.
		-- Jean Paul
%
Man fhlt in sich zweierlei Tugenden 1) moralische Anlagen
(Tendenzen), welche man (dies ist man sich bewut) in allen andern
Verhltnissen und Umgebungen erhalten und bewahrt htte -
2) gewonnene, gleichsam klimatische Sittlichkeit, fr deren Bestand in
ganz anderem Boden der Erziehung etc. uns unser Gefhl nichts
verbrgen will.
		-- Jean Paul
%
Man denkt sich fremden Ha gegen uns viel heller und ergreifender als
das fremde Lieben. Besonders stellt man sich in der Ehe jenen heller
vor als dieses.
		-- Jean Paul
%
Man bereuet mehr die Feigheit als die Khnheit des Handelns, insofern
jede von beiden echt gewesen.
		-- Jean Paul
%
Warum hngt auch dem redlichst-liebenden Mann, der sein Seelenglck in
einer weiblichen Seele gefunden, noch etwas von dem Bestreben an, auch
eine zweite ebenso edle Seele fr sich zu haben, als obs nicht an
einer genug wre? -
		-- Jean Paul
%
Die grte Schlechtigkeit der Menschen hab ich in Predigten gefunden -
nicht ber jene, sondern an diesen. In Kant, Fichte, Schelling find
ich nichts, als was rein strkt oder erhebt oder begeistert.
		-- Jean Paul
%
Bcher und Anstalten etc. wirken zwar wenig auf einzelne Menschen,
aber dadurch, da sie zur Sitte arten, auf Vlker.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber halten Bcher nicht viel reinlicher als wir Schals etc.
		-- Jean Paul
%
Man mu seine Frau lieben - oder seinen Mann - wie die Kinder; man
findet bessere und schnere; aber man vertauscht doch nicht. Man
schlgt die Kinder und verlt sie doch nicht.
		-- Jean Paul
%
Man idealisiert jeden, den man zum ersten Male sieht - entweder auf-
oder abwrts.
		-- Jean Paul
%
Nie sollte der Mann zrter gegen die Frau sein als nach einem
Geschenk, um ihr jetzt das Gefhl der Verbindlichkeit zu erleichtern.
		-- Jean Paul
%
Entweder das Neueste oder das lteste (aus der Jugend) gefllt auf
Reisen. Am Ende gibts kein Neuestes mehr, aber das lteste wird lter.
		-- Jean Paul
%
Bei weiblichen Gesprchen hrt man von weitem ewig(es) Lachen.
		-- Jean Paul
%
Ich habe wohl eine mnnliche Gesellschaft nacheinander reden hren,
aber keine weibliche.
		-- Jean Paul
%
Der bessere Sonntagsanzug gibt bei dem Volke der Kirche Heiligkeit und
predigt frher als der Mantel des Pfarrers.
		-- Jean Paul
%
Oft besteht die gr(ere) Kraft eines Mannes weniger darin, wie er ein
Amt verwaltet, als wie [er] in dasselbe gelangte.
		-- Jean Paul
%
Man lt in (nach) langen Disputationen so gern die Beistze und Stze
des andern gelten, wenn unsere vorher gegolten.
		-- Jean Paul
%
Bei dem weiblichen Geschlecht wchentlich wenigstens 1 Tag des Neids,
der h[eilige], der Sonntag.
		-- Jean Paul
%
Sosehr man ber die Unfhigkeit der Weiber lrmt, mehr bloen Verstand
zu verstehen, als Gefhle nachzufhlen: so rgert man sich doch wieder
- wenn man ihnen eben diese Bemerkung gesagt -, da die Hoffnung der
Besserung nicht eintrifft, die sich ja nur auf das Gegenteil der
Bemerkung grndet.
		-- Jean Paul
%
Jeder, der Unsterblichkeit auf seinem Wege errang, begreift nicht die
Anstrengungen eines andern, z. B. Bonaparte, der sie auf einem andern
sucht, und tadelt die Anstrengung.
		-- Jean Paul
%
Der Geizige ist eine beinah poetische Besonnenheit der Gegenwart; er
sieht alles, wenn auch zu anderm Zweck als der Naturforscher und
Dichter.
		-- Jean Paul
%
Der Ehemann sollte bei allen Tadlungen und Befehlen an seine Frau
vorzglich bedenken, da ihr, da sie sich untergeordnet und
unterwrfig dem Recht oder der Gewalt fhlt, alles viel hrter
vorkomme.
		-- Jean Paul
%
Wie anders ist die Bewunderung im 20. und die im 40. Jahre! Jene nimmt
man oft zurck, und sogar bei dem hchsten Grade hat man noch eine
geheime Hoffnung, den Gegenstand zu erreichen. Wen ich aber jetzt
bewundere, hoff ich nie zu erreichen und bewundere ihn desto mehr.
		-- Jean Paul
%
Die rechte unwillkrliche Originalitt rgert sich, da nicht jeder
ist wie sie -, die scheinbare will gar nicht, da andere sind wie sie.
		-- Jean Paul
%
Man kann ziemlich seinen eignen innern Menschen - den moralischen,
sogar den intellektuellen - kennen; aber [nicht] das Ensemble unsers
uern, den Eindruck, den unser ganzes Reden und Erschein(en) auf
andere macht.
		-- Jean Paul
%
Auch die grten Menschen, die uns jetzt mit ihrer Khnheit und
Gleichgltigkeit gegen Urteile ergreifen, waren als Jnglinge
furchtsam - man kommt nur allmhlich zu Mut gegen und ber Urteile
hinaus.
		-- Jean Paul
%
Wenn von 2 Menschen der eine [ich] zum andern [Cloeter] sagt: wir
verstehen uns nicht: so hat er sich eben verstanden.
		-- Jean Paul
%
Die rzte haben auch darum weniger Schein des Mitleids, weil sie
Anschlge des Helfens haben; die Trostlosigkeit, nicht helfen zu
knnen, hat keinen Trost als den zu weinen.
		-- Jean Paul
%
Eheweiber nehmen (vom Manne) wohl eine Belehrung, eine Voraussagung
an, nie eine Widerlegung.
		-- Jean Paul
%
Zwei Irrtmer setzen unsere Handlungen fr (vor) den andern in
falsches Licht. 1) Je mehr wir unser Ich und den rchenden Stolz
desselben genieen und zeigen, desto mehr glauben wir, unsere Freude
erzeuge die fremde. 2) Je weher uns Nachgeben und Zuvorkommen tut,
desto weniger setzen wir voraus, da es den andern oder den Feind um
so mehr gewinne und befriedige, und wir glauben nicht, da unserem
Gefhle gerade das entgegengesetzte antworte.
		-- Jean Paul
%
Man frchtet den Gerechten, noch mehr den Ungerechten.
		-- Jean Paul
%
Fast alle Menschen sind gut, wenn man ihnen die Qual des Bedrfnisses,
der Verhltnisse, oder der Not wegnimmt. Sie wollen alle das Beste,
ohne die Kraft, es zu holen.
		-- Jean Paul
%
Ein anderes ist, wenn ein Mensch das Geld huft, um etwas zu brauchen
- ein anderes, wenn er's huft, um es noch hher zu hufen; denn hier
beginnt der Geiz; das Aufhufen hat keine Grenze, da es selber das
Ziel ist.
		-- Jean Paul
%
Es ist nicht Stolz, da der Negersklave gegen seine Frau so herrisch
ist oder jeder Oberbediente gegen den Unterbedienten - Wut und Zorn
ist's gegen die hhere Ungerechtigkeit und Ungleichheit. - Der
Kutscher und Jger peitschet seine Tiere am meisten, wenn er
ausgescholten worden - so die Mutter die Kinder.
		-- Jean Paul
%
Es ist physisch viel leichter, eine Nonne zu sein als ein Mnch;
moralisch viel schwerer.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist unbegreiflicher als die Ursache, warum dasselbe Weib - zu
verschiednen Zeiten - so viel versagt und gewhrt.
		-- Jean Paul
%
Weswegen jetzt die Ehen unglcklicher sind gegen sonst, ist, weil die
mehr empfindsamen Mnner die Frauen mehr zur Empfindung aufregen, die
dann nach ihrer Ungemessenheit ins Unendliche geht. Sonst zeigte ein
Mann seine Empfindung durch Tat im Leben; und da war es vorbei; jetzt
fodert ein Wort das andere.
		-- Jean Paul
%
Der edlere Mensch verschlimmert sich mehr durch das Unterlassen guter
Menschen (Freunde) als das Unternehmen bser.
		-- Jean Paul
%
Auch in der Ehe etc. gilt's, ein Wort ist giftig-durchgreifender als
eine Tat, weil diese viel-, jenes nur eindeutig ist. Jene offenbart
nur den Augenblick, dieses das Herz. Es gibt in der Ehe etc. Worte,
die man zu entschuldigen nicht braucht, aber auch nie vermag und denen
[man] nichts vorwerfen kann als ihr Dasein. Doch die rechten
eigentlichen Donnerworte sind nicht die in Leidenschaft - dann gehren
[sie] ja zur Tat selber -, sondern die in der Ruhe und Unbefangenheit
gesagten.
		-- Jean Paul
%
Je lter man wird, desto mehr schtzt man Ordnung.
		-- Jean Paul
%
So treulos auch die Frauen gegen Mnner scheinen, so sind sie es doch
mehr gegen Frauen. - Keine ist gegen die andre ehrlich (auf Kosten der
Mnner und ihrer). - Kurz, sie wissen doch zu schweigen.
		-- Jean Paul
%
Eine Gattin verzeiht leichter Untreue und Freude an fremden Reizen,
als Klte gegen ihre.
		-- Jean Paul
%
Man erzrnt sich immer mehr gegen einen, fr den man erst den Zorn
einige Zeit aufheben mu - und genade ihm dann Gott!
		-- Jean Paul
%
Ich begreife, wie man ein Tyrann sein kann; aber nicht, wie man einer
einen ganzen Tag lange sein kann.
		-- Jean Paul
%
Das Unrecht, das dir geschieht, treibe rchend ab, aber nicht als
Individuum, sondern als Menschheit; diese soll sich nichts gefallen
lassen.
		-- Jean Paul
%
In der Politik errt sogar das Publikum stets das Listige und Feine;
nur das Groe und Reine allein ist dazu gemacht, nicht geahnet zu
werden.
		-- Jean Paul
%
So lange man lieset, besinnt man sich auf all(es), nur nicht auf sich.
		-- Jean Paul
%
Man sollte niemand ber Furchtsamkeit tadeln, bis man wei, wie wenig
oder viel er dagegen gearbeitet.
		-- Jean Paul
%
Ein Buch ist fr das Volk ein Stck Kirche oder Religion.
		-- Jean Paul
%
Je lter man wird, desto mehr will man gewhnlicher erscheinen, um nur
nicht die Mhe zu haben, bemerkt zu werden.
		-- Jean Paul
%
Was der Mensch von Menschen erfhrt, ertrgt er weniger, weil ers mehr
der Freiheit als dem Schicksal zuschreibt.
		-- Jean Paul
%
Wenn du in der Hitze glaubst, du sprchest stark in der Gesellschaft
oder zu einem Menschen: so sei versichert, du sprichst zu stark.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind verdrlich (eigentlich herrisch und auffahrend wie
bei dem Anputz, daher die Rmerinnen da so viele Grausamkeiten
verbten), wenn sie Wsche haben; die Mnner, wenn sie nur waschen
sehen, besonders die Zimmer.
		-- Jean Paul
%
Man hlt so oft den Vorsatz des Autors, nicht mehr so zu schreiben wie
in der Jugend, fr Unvermgen, so fortzufahren.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch gibt leichter das Leben auf, als die Mittel zu leben. (In
Belagerungen sind sogar Weiber mutig, im Frieden nie.)
		-- Jean Paul
%
Im jngsten Kinde ist am meisten zu gewinnen durch Gewohnheit -
unterwegs bis zur Mannbarkeit ist, glaub ich, weder durch Gewhnen
noch sonst viel zu bestimmen. - Hingegen mit der Mannbarkeit oder der
Jnglingsschaft fngt ein neuer Frhling an, der nicht einmal im Manne
wiederkehrt und der alles bestimmt, oft in einem Tage oder durch einen
Menschen. Die Lebenszeiten der Menschen gleichen Jahreszeiten; in
ihrem Anfange se; der Fortgang reift blo.
		-- Jean Paul
%
Man sage nicht, da man einen Menschen kenne, geschweige eine Frau,
ohne in ein Handels Verhltnis damit gekommen zu sein. Schaue eine
schne, milde, liebende Frau wochenlang an; und hre ihre Worte: sie
sagt doch nur ihre Vorstze, Poesien, Wnsche und alles, was sie in
ihrer Kraft selber glaubt. Aber sie handle im Ungestm der
Verhltnisse und im Widerstreit zwischen sich und auen und dir: dann
zeigt sichs.
		-- Jean Paul
%
Der groe Unterschied zwischen verheirateten Mnnern und Frauen ist
noch der: jene haben ein ganzes Werk zu machen, das in einer
bestimmten Zeit fertig sein mu - diese knnen spielend an ihrem Werke
fortschaffen, ungehindert.
		-- Jean Paul
%
Die schwachen Menschen widersetzen sich einem Ent- und Einwurf gegen
ihr Leben am strksten, aus Bewutsein ihrer ewigen Nachfolgsamkeit; -
schweigt man darauf, so tun sie, was sie verneinten.
		-- Jean Paul
%
Das meiste und Gewhnlichste, was Jugendfreunde nach sptem
Wiedersehen aneinander bemerken, ist, da sie dicker geworden.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch fodert nach jeder Unterwerfung noch eine tiefere;
unrechtm(iger) Widerstand ist ihm verhater als unrecht(miges)
Nachgeben.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe gilt Verstand (zumal des Weibs) weit mehr als Liebe. Diese
hlt nicht lange nach, wird leicht gestrt und bringt nie in Ordnung.
Also bildet eure Tchter verstndig, nicht blo liebend.
		-- Jean Paul
%
Was fr Weiber Romane, knnen fr Mnner leicht Geschichts- und
Reisewerke werden, ja noch anziehender; ein sanftes Unterhalten des
Geistes ohne Anstrengung; noch unterhaltender durch die Wahrheit,
durch Schlsse daraus - aber man kann darber das eigentliche schwere
Arbeiten vergessen. In jeder Geschichte steckt ein Roman, aber nicht
in jedem Roman Geschichte.
		-- Jean Paul
%
Warum man die Weiber so hat, ist, weil jede Schnheit nicht eine,
sondern alle Tugenden verspricht - weibliche Schnheit ist gleichsam
poetische Darstellung des Sittengesetzes - und weil man zwar die Liebe
findet und dann viel schliet, aber so oft weiter nichts findet. Dazu
kommt noch, da der Mann sogar den Verstand voraussetzt, als im Kaufe
dreingegeben.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht entsteht Menschen-Verachtung weniger aus Beobachtung ihrer
Schlechtigkeit als ihrer ewigen Wiederholung, nmlich der Wiederkehr
von Glanz in Schatten.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen und Kinder bedecken beschmt nicht das Gesicht, um es
andern zu verbergen, sondern um andere sich zu verbergen, da in der
Scham menschliche Gegenwart zu hart anfat.
		-- Jean Paul
%
Da im Ganzen die Menschen nicht im Glcke besser, sondern schlechter
werden - leichter umgekehrt im Unglck - beweist hart gegen sie.
		-- Jean Paul
%
Bei den Weibern, ja allen Menschen lscht die letzte Handlung tausend
vorhergehende Wohltaten aus, so sehr sind die Gefhle nur Geschpfe
des neuesten Augenblicks.
		-- Jean Paul
%
berall ist die Zeit der Jugend die der Tugend; spter und lter geben
sich die Weiber hin; so in Ehrenstellen die Mnner.
		-- Jean Paul
%
Es gibt Menschen, denen jedes Lob Tadel ist, das nicht das grte ist.
		-- Jean Paul
%
Im Moralischen darf man um keinen Rat fragen; nur fragen, wie, nicht
ob man zu handeln habe. Aber der Mensch versteckt gern das Ob und Wie
hintereinander. So will er stets nur Besttigungen (Ratifizierungen)
seines Entschlusses, nicht Angaben desselben.
		-- Jean Paul
%
Einen Menschen beobachten heit nicht, sehr aufmerken auf ihn, sondern
ihn rck- und vorwrts mit seiner Gegenwart vergleichen - und ihn
nicht mit mir und umgekehrt vergleichen.
		-- Jean Paul
%
Das Entscheidende bei Autoren und Frsten ist weder die Kenntnis der
Menschen noch die des Menschen, noch weniger die des einzelnen,
sondern die Vereinigung davon.
		-- Jean Paul
%
Weibliche Energie ist oft dem Gatten schdlich, wenn er 1) schwach ist
- dann beherrscht und entzweiet sie ihn - und dann 2) wenn er stark
ist; denn selten bringt er durch bloe Grnde ihr seine Vernunft bei,
und die Klgere widerstrebt unklger als die Dumme.
		-- Jean Paul
%
Jedes Tun in der Ehe und Gesellschaft wird strker, wenn man den
andern nicht darauf hinweist und ihm die eigne Reflex(ion) darauf
verrt; eigne Handlungen soll man so wenig erklren als eigne Bonmots.
		-- Jean Paul
%
Woher kmmt's, da das gelesene oder erlebte Beispiel der grten
moralischen Aufopferung etwas Ses und blo Liebenswrdiges und
Anziehendes fr uns hat, das Gebot selber aber in einer Sittenlehre
etwas Zurckstoendes?
		-- Jean Paul
%
Wie man kein Prophet im eignen Vaterland ist, so auch kein Redner und
Beredner gegen die eigne Frau.
		-- Jean Paul
%
Die Ehen werden so schlecht, weil die Mnner sich nicht entschlieen
knnen, Liebe an die Stelle der Kraft und der Grnde zu setzen und nur
mit Recht und Strke wirken wollen.
		-- Jean Paul
%
Man kommt in der Ehe am besten aus, wenn man nicht liebt; sowie am
besten, wenn man blo liebt.
		-- Jean Paul
%
Viel lt sich von einem Mann erraten, wenn man ihn das einem andern
erzhlen hrt, was man mit ihm selbst erlebte als Augenzeuge.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe will 1 Menschen; die Wollust alle Menschen; nur hat diese
dann nicht genug; jene aber an 1 die Unendlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Man mu, schon aus Welt, dem andern auch nicht das geringste
Unangenehme sagen, sobald man nicht ihn oder sich bessern damit will
oder kann. Sage nicht zum Mietsherrn, deine Zimmer haben keine
Morgensonne.
		-- Jean Paul
%
Den Mnnern sind in der Ehe (auch von Fremden) nur Grnde ntig, den
Eheweibern Autoritten; denn der Mann ist, gegenber ihrem Willen,
keine mehr.
		-- Jean Paul
%
Im Buche oder Lebensbeschreibung verliert ein Corneille oder
Lafontaine nichts dadurch, da er im wirklichen Leben nicht reden
kann; aber im Leben knnen wir uns nicht daran gewhnen und tragen
mehr den Menschen in den Autor als diesen in den Menschen hinein.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen rechnen einem nicht an, wo man ihnen Recht gibt, sondern
nur, wo man ihnen Unrecht gibt.
		-- Jean Paul
%
100 000 etc. gute Handlungen knnen das Herz nicht fr eine bse
entschdigen, schuldlos machen oder beruhigen - so sehr sind wir zum
Guten geboren.
		-- Jean Paul
%
Wer Ruhm hat, fragt nach der Ehre weniger.
		-- Jean Paul
%
Die krperliche Liebe begehrt Wechsel, die geistige dieselbe Person.
		-- Jean Paul
%
Manche suchen aus Eitelkeit stolz zu sein.
		-- Jean Paul
%
Um geistreich zu sprechen, habe man - wenn man es auf irgendeine Art
ist - nur den Mut, alles auszusagen. An der Furcht stirbt das Genie.
		-- Jean Paul
%
In bsen Augenblicken der Ehe rechnet der Mann immer die eignen
Tugenden auf 1 Summe zusammen; nun so rechne er auch die seiner Frau
so auf.
		-- Jean Paul
%
Viel Znkereien in der Ehe kommen davon, da man verlangt (fordert),
der Gatte soll die Liebe erraten, die man auszusprechen zu stolz oder
zu schamhaft ist.
		-- Jean Paul
%
Fr Kinder fllt Lob und Liebe der Eltern in eins: 'das ist schn, da
du den Schlssel aufhebst.' Hier zugleich Gefhl fremder Achtung und
Liebe und eignen Werts.
		-- Jean Paul
%
Die nchternen Weiber sollten einmal es versuchen, so nchtern zu
urteilen als die Mnner, wenn sie selber und jene es nicht sind.
		-- Jean Paul
%
Der Kritikus sollte blo das einzelne oder die Werk-Teilchen tadeln,
aber den Werkmeister mglichst loben. Der einzelne Tadel samt dem Lobe
des Verfassers erhebt diesen zu hherem; das brige ist umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Willst du die mnnlichen Deutschen zu einem ordentlichen Gesprche
bringen: veranlasse eine Disputation ber eine Wissenschaft etc. -
Rein, gesellig sprechen knnen sie nicht. Nur die Weiber hchstens
knnen in einigen Gegenden (z. B. schsischen) ein Gesprch ber alles
spielend fhren wie ein Franzose.
		-- Jean Paul
%
Noch keine fromme, alle Pflichten treu erfllende Hausfrau hat je
gesagt: ich bin zu gut fr die Erde - hchstens: ich verdiene sie
nicht ganz -, aber die empfindsam zarten, die nichts tun, sagen es.
		-- Jean Paul
%
Es ist ein fast unvermeidlicher Trug, da man desto mehr auf den
andern zu wirken (wrmen) glaubt mit Zornfeuer, weil uns dies selber
so viel zu genieen gibt - indes den andern gerade unsere grte Ruhe
und Klte am meisten erwrmt und fr uns gewinnt.
		-- Jean Paul
%
Seltsam sind die Weiber! Kein Mann wird sich eine schnere Weste von
einem andern erborgen, um mit seinem Bauche gesellig zu glnzen. Aber
eine Frau trgt ohne Bedenken entlehnte Perlen, Hte etc.
		-- Jean Paul
%
Schwerlich wird irgendein Ehemann die Minute fr schn und liebevoll
empfinden, wo er mit ihr nach ihrem Anziehen in eine groe
Gesellschaft geht - aus dieser zurck, denkt sichs leichter.
		-- Jean Paul
%
Was am Menschen das Reinste ist, ist vielleicht sein Streben nach
immer schrferem Wissen, wobei er sich vergit und jeden Ruhm. Nur
hier erscheint die Menschheit im groen Schritt zur Gre.
		-- Jean Paul
%
Der groe Unterschied zwischen Weibern, 1) die Talent, Scharfsinn,
Philosophie sogar haben, ja Empfindung und 2) die Verstand,
Hausverstand haben, Berechnung zwischen sich und Mann und Kind, und
berhaupt Berechnung. Nr. 1 gefllt vor, Nr. 2 in der Ehe.
		-- Jean Paul
%
Den (inlndischen) Ruhm groer Minister, Feldherrn, Frsten strzt
eine einzige Staatsumwlzung oder Eroberung.
		-- Jean Paul
%
Man hat oft eine prosaische Unterredung selber mit fortspinnen helfen,
die man ungerecht tadelt, da sie der andere fortsetzt, wenn man in
einer poetischen Stimmung ist.
		-- Jean Paul
%
Man wird zwar fr die Verhltnisse, worin man betrogen wurde, knftig
klger; aber man bildet sich dann flschlich ein, man sei es auch fr
die geworden, worin man noch nicht betrogen worden.
		-- Jean Paul
%
Wenn das Genie schon in seiner Jugend, vor der Erfahrung so viele
Erfahrungen antizipiert hat: was wird es erst im Alter zu sagen haben
nach den Erfahrungen; aber es sagt eben da leider so wenig mehr, und
das Seltenste wird eingesargt.
		-- Jean Paul
%
Auch die geistreichen Menschen suchen - sobald sie einander nur einige
Male zuerst gesehen - dann mehr die Bcher als deren Verfasser.
		-- Jean Paul
%
Ist man einmal aus dem rechten Gesichtspunkte (Fokus) eines Menschen
gekommen: so werden, zumal in der Ehe, gerade Strahlen seine Flecken -
z. B. Festigkeit gegen Freunde und Fremde und dann wieder
Nachgiebigkeit sonst, beide Dinge werden so abgeleitet, da eines
Egoismus heit, das andere Schlaffheit.
		-- Jean Paul
%
Die Arbeit ist ein Vergngen, das als Widerspiel schlecht anfngt und
dann immer mehr erfreuet und das am Ende gerade zu allen andern
Vergngen einldt.
		-- Jean Paul
%
Wenn man bei einem Frsten durch groe Sittlichkeit den hchsten
Posten eines Gnstlings erobert; so fodert jener leise und spt, da
man ihn durch einige Flecken oder Abweichungen von jener behaupte.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt immer, der Mensch, der eine neue, die erste Meinung ber
das ganze Ideen-System gehabt, z. B. Leibniz, msse auch eine neue
ber jedes einzelne, z. B. den Stiefelknecht, haben; daher die Liebe
zu Biographien.
		-- Jean Paul
%
Ein Jngling ist viel khner und furchtsamer als ein Mann. Khn tritt
er z. B. ins Publikum oder vor jeden groen Mann; ein Nein macht ihn
oft auf immer zaghaft. Der Mann hingegen wagt weniger, und nach Nein
fragt er weniger.
		-- Jean Paul
%
Argwohn argwhnen ist nicht darum immer selber einer.
		-- Jean Paul
%
Wer irgendeinen tiefen Verstand herauswittert, hat den tieferen; jener
schrieb ungebildeter, dieser las gebildeter.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind gut, aber schwer werden sie besser.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht erriete man gewisse Menschen besser, wenn man sich dchte,
als Dichter sie darstellen zu mssen.
		-- Jean Paul
%
Das erste Mal liest man einen Roman etc. der Geschichte wegen, das 2.,
3. etc. des Inhalts (Gehalts), Bemerkungen etc. wegen.
		-- Jean Paul
%
Ist man in der Liebe und Freundschaft darin, so rechnet man ihr sogar
gewhnliche Tugenden als Reize an - dem Unbekannten aber fordert man
sie ab ohne Dank.
		-- Jean Paul
%
Ich kann mir denken, da die rechten Ehen in Republiken etc. sind, wo
der Mann selten gesehen wird zu Hause, auer zurckkommend mit dem
Glanze, den schon vorher Volk und eigne Neigung des Weibs verkndigt
hat - hier ist's leicht, zu scheinen, was man ist.
		-- Jean Paul
%
Kurz nach einem Fehler ist der bereuende Mensch am besten, weil er
demtig ist.
		-- Jean Paul
%
Man mu nur nicht Menschen lieben, d. h. Gegenliebe fodern, so kann
man alles erdulden von ihnen, von Weib, Kind etc. - aber wer kann's,
wer darf's, wer mag's? -
		-- Jean Paul
%
Ein ganz neues Verhltnis zwischen 2 unverheirateten Freunden und so
zwischen 10 - wenn alle heiraten; denn die Weiber und ihre eheliche
Liebe und auereheliche Abneigung kommen doch auch in das frhere
leichte, feste, warme Verhltnis.
		-- Jean Paul
%
Es gibt 2erlei ganz verschiedne Tne, um nach dem Lobe den Tadel
folgen zu lassen. Der erste macht das Lob zur Hauptsache, nicht zur
Entschuldigung und ist weitlufig; dann fgt er vorbeilufig den Tadel
an. Der zweite ist, da man - im Tone liegt schon ein Zwar fr das
knftige Aber - das Lob als Entschuldigung des nahenden Tadels
ausspricht.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat fr seine Besonnenheit seine besondern Gegenstnde; der eine
schweigt darber, der andere darber.
		-- Jean Paul
%
Gegenwrtiges Unglck verdau ich in wenig(en) Stunden; aber knftiges
bleibt mir im Magen liegen.
		-- Jean Paul
%
Bei allem Rechte zu Achtung und Lob ertrotze diese nicht gewaltsam -
nichts wird leichter der Gewalt versagt als dies.
		-- Jean Paul
%
Die Koketten gewinnen - wenigstens fr einen Abend - sogar ernste
Mnner nicht durch ihre Reize oder das starke Vorspiegeln derselben,
sondern durch das Vorspiegeln ihres Liebens. Dem Geliebtsein
widersteht man sogar in einem Alter schwer, wo man der Schnheit
widersteht.
		-- Jean Paul
%
Der Hagestolz hat das Unglck, da ihm niemand seine Fehler frei sagt;
aber der Ehemann hat dies Glck.
		-- Jean Paul
%
Gerade dem, der vielen Ruhm hat, erlaubt man nicht die Anmaung
irgendeines kleinsten Verdienstes (Nebenrhmchens), das vielleicht
andere haben, sobald er es nicht wirklich verdient. Man hlt es fr
Geiz und Raubsucht.
		-- Jean Paul
%
Die Einmischung der franzsischen Sprache soll den Adeligen in ihrer
platten deutschen so etwas sein wie Witz; sie ekeln sich selber ihres
Gesprchs.
		-- Jean Paul
%
Man sollte nie schweigen, wenn man nur einigen Ruf hat; Schweigen wird
fr Verachtung und Zurckziehen angesehen, und man [wird] gehat blo
fr Schchternheit.
		-- Jean Paul
%
In kleinen Stdten, Hof wei man die neuesten Moden in Kleidern, nicht
in Bchern.
		-- Jean Paul
%
Die Freundschaft hat so gut ihre Blte - die aber Jahrzehnte lange
steht - als die Liebe, die krzer ist. - Aber ist jene abgebrochen: so
ist viel und unersetzliches dahin, und Gott bewahre jeden davor.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Lehrer immer weiter lehrt und lernt; wenn er das Gelesene
sogleich zu einem Gelehrten vor Schlern machen kann: so mu ihn jedes
neue Buch unendlich heben, weil er damit andere hebt und die erkauften
Gewinste fr krftige Eroberungen ansieht.
		-- Jean Paul
%
Habe dasselbe Entzcken ber 2 Bcher, aber ber das eine in der
Jugend, ber das andere im Mannsalter: nur dort bei dem ersten hngt
sich dem Buche ein Glanz an, den das zweite nie bekommt.
		-- Jean Paul
%
Der Maler mu eine Frau heiraten, - der Musiker - der Philosoph -
Diplomatiker - Theologe - Jurist etc.: wie soll nun ein Geschlecht so
verschiednen Tendenzen genugtun und sie erraten? - Folglich mu der
weibliche Geist voraus ein allgemeiner sein, der sich in jeden
besondern fgt; jeder bestimmte weibliche zerrttet die Ehe, oder es
mte der Maler die Malerin ehlichen? Und doch!
		-- Jean Paul
%
Langweile ist nicht, wenn man nichts Besonderes hat, sondern wenn man
es erwartet. - Ruhig, ja seelig liegt der Trke ohne ein fremdes Wort;
aber sobald es ihm versprochen ist, kann er kaum mehr sitzen.
		-- Jean Paul
%
Fnde der gute Mensch oder Ehemann nur immer das Gute: o wie wrd er
sich gleichbleiben! - Aber im Kampfe gegen das Bse wird er sich
selber unkenntlich und am Ende - wegen der Ausweichungen des Bsen -
selber zu diesem und sich unhnlich.
		-- Jean Paul
%
Je mehr eine weibliche Physiognomie der mnnlichen [sich] nhert -
desto richtiger schliet sich aus ihr. Hingegen die echt weibliche,
milde, schne verbirgt den starken Engel oder schwachen Teufel
zugleich.
		-- Jean Paul
%
Der Jngling habe einen lebendigen Groen-Mann, aber nicht in seinem
Fache und Triebe vor sich - sondern nur Gren seitwrts in andern
Wissenschaften; denn jener gb ihm ewige Richtung und verschlng ihn.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wollen immer vom Autor etwas Groes im Stoffe, um sich zu
entschuldigen, da sie kein Groes in der Form finden; und um zu
verhehlen, da sie eben das rechte Groe, das berall sein kann, nicht
kennen.
		-- Jean Paul
%
Je hher die Stnde, desto mehr hat der Mann zu tun und desto weniger
die Frau. Der Knig mu doch wenigstens bedenken und unterschreiben.
Die Knigin lebt von ihm. In untern Stnden ist es wie bei Wilden fast
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist leichter, als die Kinder dazu zu erziehen, da sie
gehorchen, gefallen, aufwarten und alles tun, was Eltern und andere
Erwachsene begehren. Freilich sind dann die Kinder nichts, nicht mehr
als die Eltern. Aber schwerer ist es, Gehorsam und Freiheit zu
vereinigen, die Kraft dazulassen und doch zu lenken und sich selber
einen Gegner der besten Art zu erziehen.
		-- Jean Paul
%
Wer sich der Eitelkeit recht bewut ist, verbirgt sie stark und doch
ohne Erfolg; wer nicht, ist geradehin und vielleicht angenehmer eitel.
		-- Jean Paul
%
Keine Frau ist zur Vernunft zu bekehren; doch die gutmtige durch
Liebe ohne Grnde; die geniale durch beides nicht.
		-- Jean Paul
%
Ich habe zuweilen gefunden, da das einzige Gute, was noch in groen
adeligen Familien nachwuchs - z. B. bei Gieg - blo dem brgerlichen
Hofmeister zu danken war.
		-- Jean Paul
%
Alles ist am Weibe leichter zu erraten - z. B. Treue, Wahrheit,
Keuschheit haben feste Zeichen - als Milde oder Wilde. Vielleicht aber
nur darum, weil beides Lieben und Hassen zugehrt und sie hoch von
einem ins andere berspringen.
		-- Jean Paul
%
Noch mehr Kinder gehen verloren durch zu vieles Erziehen als durch zu
weniges. Grnlnder, Wilde, Goten etc., Hake's Kind gut, trotz aller
Vernachlssigung.
		-- Jean Paul
%
Um sich recht zu erkennen, mu man nur sich seiner Jugend recht scharf
erinnern, ohne Gegenwart etc. einzumischen. Dort gab sich dir dein
Umri.
		-- Jean Paul
%
Die Probe des Feinen ist nicht, gegen den Feinen fein zu sein - sie
wre zu leicht - aber wohl gegen den Groben es zu bleiben.
		-- Jean Paul
%
Der Eitelkeit oder ihrem Scheine entgeht niemand, wenn ihn nicht eine
groe Idee erfllt, die ihn gegen sein Selbst verblendet.
		-- Jean Paul
%
Willst du das Verdorren deines jugendlichen Ideals auer dir sehen: so
geh in die Stadt, wo du als Jngling gewohnt - alle Krper sind dicker
geworden, die Weiber in die Wirtschaft eingewunden, kein Mensch denkt
voriger Zeit als mit Sehnsucht ohne Willen, alles Zarte der Gestalten
und Zge und Ziele ist verschwunden - hinter das Glck der Kinder
versteckt sich jede prosaische Erniedrigung - Buche und Vollwangen
gehen hin und her - die Weiber als die Zrtesten haben am meisten
verloren und sind in Haushaltungsfleisch verquollen. -
		-- Jean Paul
%
Wer Kraft hat, aber keine, mit der er ein Werk erschfe, gebe nur, wie
Arndt, Reisebeschreibungen. Alles ist hier zufllig - was begegnet -
und unter dem Begegnenden noch, was der Verfasser nur aufnehmen will
-, und dann kann er ber jedes Individuelle, das ihm als Folie dient,
seinen, kleinen Juwel von Gedanken legen. Ein Reisebeschreiber kann
der unterhaltendste witzigste Mann mit den kleinsten Kosten des Kopfes
sein, wenn er's recht macht.
		-- Jean Paul
%
Der Unsinn: da man durch alle Vorsicht und Glcksflle je dahin
gelangen knne, da einem eine zufriedne schon gefundne Lage nicht
mehr gestrt werde - Aus hherem Glck erwchst hheres Unglck usw.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat seine Weise, sagt man. Aber man wundert sich weniger, da
man nicht die fremde, als da der andere nicht die unsrige hat.
		-- Jean Paul
%
Wer kein Weiberhasser werden will, hre nie 2 Weiber miteinander
zanken.
		-- Jean Paul
%
Gewissen Menschen, z.B. dem Fischer, die Verachtung auszudrcken, die
man gegen sie hat, mte man ihnen erst alle die Kenntnisse und
Gesinnungen geben und beibringen, die uns eben von ihnen
unterscheiden.
		-- Jean Paul
%
Alle Klarheit, die man ber fremde Charaktere habe, gibt doch noch
keine Sicherheit vor Selbsttuschung und fremder Schmeichelei; das
Unglck ist eben, da man drei schwere seltene Kenntnisse haben mu,
die von sich, die von andern, die von der Ansicht des andern gegen
uns. - Man sollte geradezu voraus-[setzen, da] einem jeder ein wenig
mehr Gutes sage, als wir glauben.
		-- Jean Paul
%
Zur Ehe gehrt nicht blo, da man das Mdchen, sondern auch, da man
sich prfe - ob nmlich 2 Vortreffliche dennoch sich einander nicht
fgen.
		-- Jean Paul
%
In der Liebe wird der Ernst der Jungfrau bezaubern; in der Ehe, die
selber ein langer Ernst ist, mchte leichtes Scherzen und Bescherzen
der Welt besser einschlagen.
		-- Jean Paul
%
Durch manche Gesichter scheinet jede innere Bewegung so hell durch,
da es nicht genug ist, wenn sie nichts uern; zu ihrer Verstellung
ist sogar das Anstellen des Entgegengesetzten ntig.
		-- Jean Paul
%
War man zu sanft und stoisch im ehlichen Zank, so braust's nachher
auf, und man vergibt schwerer. War man zu wild: so bereuet man und
vergibt leichter.
		-- Jean Paul
%
Je lnger man lebt, desto krzer werden uns die Jahre. Denke an das
Reisen: ein Vormittag auf der Reise zugebracht ist lnger als
10 Vormittage zu Hause; aber warum? Die Menge neuer Gegenstnde
vervielfacht die Aufmerksamkeiten oder die Ideen, als Zeitmesser.
Ebenso scheint uns die Jugend lnger, weil in ihr alles neu ist und
also die Zeit verdoppelt, im Alter aber alles einfrmig wiederkehrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn nur eine erste Liebe recht glhend da war: so schadet ihr
Untergang, ihr Tten mit Wasser nichts; ewig ragen die Trme der
berfluteten Stadt empor. Aber es gibt Menschen, die keine erste Liebe
hatten.
		-- Jean Paul
%
Ich wei nicht, was Eifersucht ist in der Ehe beim Manne -; in der
Minute der Einsicht htt er b(ei) d(er) Entscheid(ung), nur sich oder
die Frau zu verachten -
		-- Jean Paul
%
Es ist unendlich verschieden, einen Menschen lieben und etwas an ihm
lieben, und sei dieses Etwas das Edelste; er wird doch Mittel; aber
das Lieben des ganzen Menschen macht ihn mir nur zum Ziel seiner und
meiner selber.
		-- Jean Paul
%
Je lter ich werde, desto mehr glaub ich, wer uerlich auf lange
unglcklich ist - denn ein Brand, Krieg gehrt nicht hieher - der
verdient's durch Mangel an Klugheit und Beharrlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Tod und Geburt lernt man nur in einem Dorfe kennen, in keiner Stadt.
		-- Jean Paul
%
Wollt ihr Originale im Handeln, sucht sie bei Leuten, die nicht ihre
Kraft wegschreiben und die ohne Reflekt(ieren) forthandeln - die
schreibenden Genies sind matte Handler.
		-- Jean Paul
%
Erst dann, wenn der Gelehrte wei, da er einsam bleibt, fhlt er sich
recht und genieend einsam.
		-- Jean Paul
%
Auch die Mbeln gehren zum weiblichen Anzug, z.B. ein schwarzes
Kanapee ist ein gutes Unterfutter fr einen weien Arm.
		-- Jean Paul
%
Um froh, frei, leicht und reich Einflle in Gesellschaft zu haben, mu
man nicht mit einem andern wetteifern oder gar kmpfen, sondern ohne
Gegner ber das Allgemeine sprechen. Repartien sind ein lstiger,
aufhaltender Zwang. Sogar der fremde Witz regt mehr unser Genieen als
unser Erfinden an.
		-- Jean Paul
%
Jeder Jngling glaubt, ein Philosoph oder ein Dichter zu werden, weil
beide zu den Krften der allg(emeinen) menschlichen Natur gehren, und
es kommt auf Akademien oder in der Lektre nur auf den Reiz an, den
vorwiegend das eine oder das andere macht. Erst spter macht er dies
Allgemeine blo zur Unterlage seiner besondern andern Krfte, sobald
jenes nicht zugleich auch seine Individualitt ist.
		-- Jean Paul
%
Das Gesprch der meisten Humanisten (Gelehrten) untereinander ist
weiter nichts als ein gegenseitiges heimliches, hfliches Examen;
daher colloquium sogar bei den Theologen = Examen.
		-- Jean Paul
%
Die ewigen langweiligen leeren Vorbungen zum Kriege mssen dem
Soldaten ordentlich Sehnsucht nach einem freiern und treffenden
Realschieen machen.
		-- Jean Paul
%
Die meisten Ehekriege [kommen] nicht davon, da man die Wahrheit der
Person sagt, sondern da man sie, unbekmmert um jede Zeit, sogleich
sagt.
		-- Jean Paul
%
So viel man Kinder hat, so viele Frauen hat man auf einmal mehr
geheiratet. Jedes Kind ist eine neue Laune der Frau. - Hast du
3 Kinder: hast du 4 Weiber.
		-- Jean Paul
%
Wer sagt, da die schnen Weiber im Alter hlich werden, vergit blo
die guten schnen.
		-- Jean Paul
%
Gerade die Idyllenfreude, die nur aus Kleinigkeiten besteht, leidet so
leicht von den Kleinigkeiten die Unterbrechung.
		-- Jean Paul
%
Imponieren kann mir niemand anders als moralisch, weil er hier den
ganzen Menschen trifft; hingegen jede einzelne bermacht z.B. des
Scharfsinns, Gelehrsamkeit etc. trifft auch an mir nur einen Teil.
		-- Jean Paul
%
Wir Menschen lieben nicht, um zu hassen; aber wohl hassen wir, um zu
lieben.
		-- Jean Paul
%
Gewissen hhern Weibern (Linda) ist nicht zu helfen, aber wohl
tiefern; fallende Menschen, nicht fallende Engel wurden erlset.
		-- Jean Paul
%
Ich mag mit niemand umgehen, der mich nicht wenigstens in etwas
bertrifft, in Kenntnissen, Erfahrung etc. oder im Moralischen. Die
mir hnlichen oder meinesgleichen sind nicht meine Leute.
		-- Jean Paul
%
Man (z. B. der Gelehrte, Dichter) gewinnt in Gesellschaft nicht so
viel, wenn man durch Strke die Feinheit ersetzen will, als andere,
die es umkehren.
		-- Jean Paul
%
Ein Trost besteht nicht darin, da man dem andern Grnde gegen sein
Unglck sagt - denn er wute sie alle selber vorher und konnte
ebensogut zurcktrsten -, sondern darin, da eine fremde Seele durch
Darstellen sie alle in der andern belebte und beseelte, damit sie
durch Empfindung das Gleichgewicht hielten der leidenden Empfindung.
		-- Jean Paul
%
Unter allen Eigenschaften einer Braut sieht man am wenigsten auf die
grte, ob sie Kinder erziehen kann - und freilich ist sie am
schwersten zu erraten.
		-- Jean Paul
%
Ein Mann deutet recht deutlich (als sein Selbst-Rhapsodist) seinen
Charakter durch das Tragen seines Stockes an, sobald er ihn,
unwissend, bemerkt zu werden, trgt und schwenkt und hlt.
		-- Jean Paul
%
Ein berhmter Mann verliert nicht, gewinnt vielmehr durch eine
Lcherlichkeit, die man von ihm erzhlt oder lieset -; aber begeht er
sie vor unsern Augen, so verliert er. Allein warum? Hier wirkt die
Gegenwart zu mchtig, und der Mann, erscheinend darin, nur stckweise
aufglnzt; hingegen in der Erzhlung herrscht und glnzt die Idee des
Ganzen ber den Mann.
		-- Jean Paul
%
Hat man eine kleine Bitte: mu man mit dem Allgemeinen anfangen, man
habe was zu bitten, weil der andere dann froh ist, da es nichts
Greres ist. Eine groe Bitte aber tue man ohne dies.
		-- Jean Paul
%
Man habe sich noch so frei gemacht, und noch so gleichgltig gegen die
Welt und alle Feinde; wer kann uns denn noch tiefe Schmerzen geben?
Eine Gattin durch ein Wort, man mte sie denn nicht lieben.
		-- Jean Paul
%
Da die Menschen einen Kerker fr eine Strafe halten, beweist, da sie
Geselligkeit fr Belohnung halten; denn sonst wre ja im Kerker alles
zu haben, wenn man Menschen ausnimmt.
		-- Jean Paul
%
>Ich werfe die Pflaumen, die ich nicht will, in ein anderes Gef und
gefalle mir - die Frau tut dasselbe bei etwas, das sie nicht will -
Dort tut mir meine Handlung wohl, hier dieselbe Handlung weh.<
Gesetzt, ich halte beide Handlungen fr recht: worin liegt der Grund
des Mifallens? Da dort ich, hier es ein anderer tut.
		-- Jean Paul
%
Die Lebhaftigkeit des Gesprchs macht nur Mnner schneller gehen,
nicht Weiber, diese blo schneller stricken.
		-- Jean Paul
%
Einer Liebhaberin wird die Treue viel leichter als einer Gattin.
		-- Jean Paul
%
Warum werden uns denn Menschen, welche einzeln wir bersehen und
berwinden, in einer Gesellschaft so wichtig und herrschend? Die bloe
Bestechung der Augen durch eine lngere Reihe entschiede nicht bei den
krftigern Menschen; und wo liegt diese Vielheit nicht vor ihm. -
Schon ein Grund: der Mensch, obwohl sich seiner und seiner Grnde
recht sehr bewut, will sogar von einem tiefern den Beifall; es mu
also durch das fremde Ich etwas Hheres ausgesprochen werden, das nun
durch die Vervielfltigung noch bedeutender wird.
		-- Jean Paul
%
Man mu sich, um den andern gerecht zu beurteilen, nicht in dessen
nchste Minute an die Stelle setzen, sondern in sein Jahr, Leben,
Wochen.
		-- Jean Paul
%
Man erfreuet sich nicht an den uern Zustnden d(er) Vergang(enheit),
sondern an den innern, man wnscht nicht das alte Leben zurck, das
meist seichter ist und das man jetzt gar nicht ertrge, sondern die
alte Seele.
		-- Jean Paul
%
Wenn man ein Kind einen Menschen hassen lehrt, der ihm nichts getan:
so lernt es die brigen Menschen daran hassen.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor bringt sich darum nicht ganz in seinen Roman, weil [er] eine
Menge Zge von sich briglassen mu, um sie andern Leuten darin zu
leihen.
		-- Jean Paul
%
Wer fr Freiheit ficht und spricht (z. B. der Ungar), dem ist der
Gegenstand und Anla gleichgltig - er streitet nicht fr das Haar,
woran manch(er) hngt, sondern fr oder wider den Kopf, woraus es
kommt.
		-- Jean Paul
%
Es ist mir bei der Kinderfreude zu Weihnachten nicht an der
gegenwrtigen Freude gelegen - so gro und innig sie wegen der noch
eingehllten Natur auch ist -, sondern an der unvergnglichen,
unzerstrlichen ber- und Zauberfreude knftigen Erinnerns, das nicht
die Gegenstnde verschnert (nur entfrbt), sondern die hchsten
Gefhle zum zweiten Mal erhht und verschnert.
		-- Jean Paul
%
Fr das Volk ist freilich Essen bei Festen die Hauptsache, aber darum,
weil eben die Ruhe zugleich zum Genusse tritt - die Losgebundenheit
zum Sprechen und von Arbeit.
		-- Jean Paul
%
Sind die Weiber an leidenschaftliche Verweise oder Ausbrche des Manns
gewhnt: so werden sie nachher durch stilles Vernunftbetragen nur noch
erbittert(er).
		-- Jean Paul
%
Das Unmoralische, was man an sich am meisten tadelt, sieht die Welt
gar nicht, oder es fllt ihr nicht auf; aber Handlungen, die man vor
dem Gewissen auf Kosten des Verstandes verantwortet, trgt die Welt
uns als unsittlich nach.
		-- Jean Paul
%
Die Fremden hren in der Ehe wohl den Sturm, aber nicht die Windstille
oder den Zephyr.
		-- Jean Paul
%
Die leichte Niederlage mancher Weiber kommt vielleicht nicht sowohl
von Sinnlichkeit, bermannung und dergleichen her, sondern von
Phantasien, die lange in einem zgellosen Reiche hinter Stirn und
Lippe spielten und schweiften und welche in einem Mehr der Phantasie
ansssig wurden, das freilich leicht mit dem Minder der Wirklichkeit
ausshnt.
		-- Jean Paul
%
Wenn einem ein Werk am Ende gefllt wie mir Tristram, so kann man sich
gar nicht erklren, warum es einem frher mifallen. Hingegen, warum
uns ein spter mifallendes Werk anfangs gefallen, erklrt sich
leicht.
		-- Jean Paul
%
Allgemeine Amtnamen wie die Polizei, die Regierung wirken mehr auf die
Furcht und Achtung als die einzelnen Namen der Beamten. So auch
L[iteratur] Z[eitung] statt eines genannten Rezensenten.
		-- Jean Paul
%
Gefhrlich fr die Menschenliebe, das Talent zu sehr zu achten und in
jedem Herzen, das man lieben will, einen besondern Kopf zu suchen. Das
Talent zeigt sich bald erschpft - und dann wird's die Liebe auch.
Eine festhaltende Liebe ist die gegen Menschen, gegen Tugend, die
nicht wie das Talent bei Wiederholung (Wiederkehr) verliert, sondern
gerade gewinnt.
		-- Jean Paul
%
Der Stolz und die Eigensucht mancher edeln Menschen verbirgt und
ertrgt sich leichter in ihrem Glcke als in ihrem Unglck. -
		-- Jean Paul
%
Etwas anders ist, wenn ein Begeisterter sich lobt oder wenn ein
Kalter; jener ist nicht eitel, er vermischt [sich] mit der Sache,
dieser macht die Sache zu sich.
		-- Jean Paul
%
Daran erkenne deine historische oder poetische Kraft: was dir so
leicht wird, da du ordentlich nach einer andern Kraftbung dich
umsiehst, dies ist deine Kraft - Und das Angeborne achtet eben nicht
das Angeborne, sondern das Anerzogne.
		-- Jean Paul
%
Wenn eine Frau sagt, sie habe diesen Mann schon von weitem am Gang
erkannt: so haben beide den Genu einer kleinen Selbergeflligkeit,
jene, da sie so erkannte, dieser ber seine Eigenheit.
		-- Jean Paul
%
Man ist leichter standhaft, wenn das Unglck zu hherem steigt, als
wenn man von einer groen Hoffnung auf einmal zu einer kleinen Furcht
herabgeworfen wird.
		-- Jean Paul
%
Wie Erfinden angenehmer als Ausarbeiten, so ist's Sprechen mehr als
Schreiben.
		-- Jean Paul
%
Es ist lcherlich, wenn ein Trunkner sein Zu-viel-Trinken verbergen
will; denn sobald er selber es merkt, so merken es andere gewi noch
eher.
		-- Jean Paul
%
Die Hlle lt sich als ein unendliches ewiges Schmachten nach
Errettung leichter in und durch ihre Schrecken malen, als der Himmel
in einem Dasein fester Wonne, welche auch die Hoffnung endigt, da sie
jede bertrifft.
		-- Jean Paul
%
Es gibt eine doppelte sehr verschiedne Hoffnung, die, welche auf
Ankunft neuer Gter hinweiset und wartet; die andere wichtigere,
welche Heilung und Vorbergang der bel erwartet.
		-- Jean Paul
%
Unter allen Menschen hat ein Frst die meiste Veranlassung und
Entschuldigung, ein Menschenfeind zu werden; die Menschen taugen
nichts, wenn man sie, anstatt zu Freunden, zu Untertnigen, Suchenden
hat.
		-- Jean Paul
%
Ich kann keine Freude ber mein Rechttun haben - z. B., da ich einem
andern sein Eigentum zurckgebe -, dies setzte etwas Schlimmes voraus;
aber ich kann eine Freude ber mein Wohltun haben; aber dann ist's
nicht etwan eine ber mein Tun und Gutsein, sondern ber das fremde
Glck und insofern ein Wert mehr.
		-- Jean Paul
%
Liebe, es sei eheliche oder jungfruliche, ist ein noch besseres
Schirm(Sieg)mittel gegen jeden Anfall auf ihre Tugend als diese
selber.
		-- Jean Paul
%
Die deutschen Damen lassen das franzsische Sprechen schon darum
nicht, weil es das einzige Wissenschaftliche ist, womit sie glnzen
knnen; so auch der gemeine Edelmann.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Namen der Soldaten abgelesen werden; antwortet jeder mit
einer andern Stimme: hier!, die bezeichnend ist.
		-- Jean Paul
%
Was dem berhmtesten Manne wie dem mittelmigsten es so schwer macht,
einen andern so zu behandeln, da dieser zufrieden ist, ist, da er
selten bestimmt wissen kann, was dieser andere nicht blo fr eine
Meinung von sich selber hat, sondern auch von ihm. Denn nach dieser
zweifachen Schtzung richtet sich das Urteil ber das Behandeln.
Derselbe berhmte Mann kann bei einem anstoen, bei welchem er eine
groe Verehrung voraussetzt, bei einem andern, wo er eine zu kleine
annimmt usw.
		-- Jean Paul
%
Frstinnen regierten immer gut, weil sich Weiber von niemand lieber
Rat geben lassen als von Mnnern, die eignen ausgenommen.
		-- Jean Paul
%
Je grer die Stadt, desto mehr Enthusiasmus fr einzelne
(individuelle) Flle - sowie desto mehr Klte fr allgemeine.
		-- Jean Paul
%
Ist einer als ein Mann von groem Verstande bekannt: so gewinnt er in
Gesellschaft durch Schweigen mehr als durch Reden; fngt er aber
dieses an, so mu er mit dem Besten beginnen.
		-- Jean Paul
%
Verdorbne Frauen reden untereinander oder mit Mnnern tadelnd von
fremden unkeuschen Handlungen, blo um sie lnger sich vorzustellen
und vorstellen zu hren.
		-- Jean Paul
%
Eigentlich bestechen gegen die Wahrheit rechtlose Beleidigungen weit
mehr als rechtlose Schmeicheleien.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch ist nie besser und wrmer, als wenn er dem andern eine
Freude vorbereitet.
		-- Jean Paul
%
Kinder ber Eltern ausfragen spionierend: heit Briefe erbrechen, ja
noch schlimmer, da man (in Briefen) gegen den Freund nicht so viel
Schwachheiten zeigt als gegen Kinder.
		-- Jean Paul
%
Wie anders ist das Los eines Helden oder Kollegiumsmenschen oder
Frsten, welcher seine schnsten Ideale nur mit fremden Beihlfen
erreichen kann, gegen den Dichter und Weltweisen, der nur eigne
braucht. Ein Held ist in ewigem Doppelzank mit auen.
		-- Jean Paul
%
Leider gewhnt man sich immer mehr an die Tugenden des Bekannten und
hat entwhnt immer mehr dessen Fehler, je lnger man mit ihm umgeht.
		-- Jean Paul
%
Nicht die einzelnen Anreden, sondern die zuflligen uerungen der
Eltern und die absichtlose Fortsetzung und Offenbarung eines
Charakters wirken so unglaublich auf die Kinder, denen durch ihre
Verehrung alles so fest anfliegt.
		-- Jean Paul
%
Was Freundschaft, Ehe, Dienstbotenliebe so bald schwcht, ist, da man
alle die Tugenden, womit jemand anfngt, nur kurz im Anfange, aber
spter nur als notwendige Basis schtzt, von der man anfngt, die
Fehler und die Tugenden zu berechnen. Ein kleiner Fehler oder Abgang
wird einem Tugendreichen schwerer verziehen als einem Tugendarmen
seine ganze Armut. An nichts leichter gewhnt sich der Mensch bis zur
Vergessenheit und Undankbarkeit als an den Wert des andern. - So
knnen 2 Eheleute ihre Verdienste steigern; da es aber beide tun,
rechnet es kein Teil dem andern zum Verdienst an.
		-- Jean Paul
%
Kleine Mdchen scheinen am leichtesten gut erzogen, weil ihre Natur
nicht heftig, sondern immer furchtsam ist und also jeden Schein der
Erziehung leichter nachspiegelt.
		-- Jean Paul
%
Zum Ausfhren braucht man 1 Mann (General), der die Entschlsse von
hundert realisiert; aber zum Entwerfen, zur Ansicht einer ganzen Zeit
ist 1 Frst nicht hinlnglich; an 1 falschen Idee gehen Vlker
verloren. Daher von jeher Konsilien; daher Republiken. 100 Augen sehen
mehr als 2; aber 2 Arme tun mehr als 100.
		-- Jean Paul
%
Wer seine Gesinnungen verbergen will, langt mit bloem Verstellen
(dissim(ulare)) nicht aus, sondern er mu Anstellen (simul(are))
dazunehmen; ihr Ausdruck wird am besten durch einen Widerschein und
Annherung der entgegengesetzten verborgen.
		-- Jean Paul
%
Ich erziehe Kinder nicht zu etwas, sondern in etwas.
		-- Jean Paul
%
Den meisten Menschen, besonders den Gelehrten, fehlt zum Gutsprechen
nichts als die Freiheit zu sprechen.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe besonders - aber eigentlich berall - ist der groe Irrtum,
da man glaubt, sobald man seinen Wert, sei es schreibend oder
handelnd, dem andern feurig gezeigt und eingeprgt, man habe in den
matten Tagen des Lebens dieselbe feurige Darstellung des Innern nicht
zu wiederholen, sondern auf die erste zu bauen. Das Wiederkommen der
Zeit fodert Erneuerung des ersten Eindrucks und um so mehr, je grer
er war.
		-- Jean Paul
%
Ich fhle im Hassen des Bsen meine Seele so sehr erhoben als im
Lieben des Guten. Und jenes Hassen hat nicht(s) Unangenehm(es) bei
sich, sondern nur Kraft.
		-- Jean Paul
%
Wie man durch Beisammensein fortliebt unter der Rinde die Frau, so
auch den Freund; nur die Unterbrechung zeigt uns, wie so stark wir
lieben.
		-- Jean Paul
%
Das grte Vorurteil, da Dichter, die sich selber hingeben und
vergessen, nicht das fremde Sich auffaten und bemerkten. Sie sehen
alles, weil sie sich sehen lassen; der andere sieht wenig, weil er
wenig sehen lt.
		-- Jean Paul
%
Wenn das bloe Lesen die Leser so ausbildete: so mte man im
6. Jahrtausend zehn mal besser schreiben als im 2. Jahrtausend.
		-- Jean Paul
%
Jedes Leben, zumal eines Autors, ist wert, beschrieben zu werden, aber
nicht jeder ist wert und fhig, es selber zu beschreiben.
		-- Jean Paul
%
Knechtschaft der Vlker ist nicht so schlimm als Knechtschaft ihrer
Herrscher unter einem Oberherrscher, denn seine Knechtschaft mssen
sie bei ihrer alten unter ihm tragen.
		-- Jean Paul
%
Feinheit setzt Verstndnis voraus, [ist] also nur gegen Feine mglich
und zu ben.
		-- Jean Paul
%
Man fodert von Kindern das Unmgliche, da sie Ehe, Kinder und alles
sehen, und rein nichts erraten, auch von weitem her.
		-- Jean Paul
%
In jedem Falle wird bei gleicher Anlage das falsche Vertrauen auf
Talente mehr hervorbringen als das falsche Mitrauen in sie; jenes
spannt, dieses lhmt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe helfen groe geistige Vorzge wenig zum Glck, da sie nur
selten einwirken; aber kleine Achtsamkeiten und Angewohnheiten und
nachgebender Verstand bereiten Glck.
		-- Jean Paul
%
Jede spricht von Hmorrhoiden und niemand von Menses, kein Mann und
Weib.
		-- Jean Paul
%
Man sagt doch seine Meinung, die dem andern entgegen ist, sanfter,
miger, wenn man sie in dessen Hause sagt, als wenn man mit ihm im
fremden ist.
		-- Jean Paul
%
Die Mnner mssen den Weibern egoistischer erscheinen, weil sie
behaupten, erkmpfen, bekmpfen, herschaffen mssen und diese nur
bentzen. Jede Kraft nimmt den Schein der Ichsucht an, denn im Ich
wohnt sie ja.
		-- Jean Paul
%
An Kindern sieht man am ftersten und strksten, wie wenig die
Vorstellung der Zukunft ber anreizende Gegenwart siegt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe schmt man sich mehr, der Gattin die geistige Liebe zu
offenbaren als die krperliche; vor der Ehe natrlich umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch (z. B. Einsiedel) bildet in seiner Persnlichkeit auch
bei allem Wert etwas feines Komisches fr d(ie) andern.
		-- Jean Paul
%
Ich kann mir denken, da ein reiner Dichter einen reinen Kaufmann
begreift und schtzt sogar; aber nicht umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn der Mensch seine schlimmen Anteile der Natur untersucht: so wird
er sie immer klein und fast nicht unmoralisch finden, z. B. Hitze,
Bequemlichkeit, Genuliebe, Lobsucht, und er wird mit Recht von sich
denken, da er damit nie dem andern recht verhat oder gefhrlich sein
knne. Indes, wenn diese schlimmen Partikeln durch Umstnde, Zeit,
Menschen sich verdichten, durch Zorn, bereilung aufbrausen, so kann
er den andern verhat scheinen, ohne es sich selber zu werden; oder er
kann bereuen und doch seine alte Achtung sich bewahren. Daher denn
sein Selbbewutsein. Wir bedenken gar nicht, wie die kleinste
unsittliche Partikel in uns durch Zusammenstrmen mehrerer Umstnde zu
einer Lastertat sich ausdehnen kann.
		-- Jean Paul
%
Blo bei den Tieren kann ich rein rechnen, da sie je besser gegen
mich sind, je besser ich gegen sie; bei den Menschen nicht, ja oft
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Das Schne, was man fr den Freund im Enthusiasmus ausgedacht, gebe
man ihm nachher.
		-- Jean Paul
%
Schrittschuhfahren = jeder Schuh ist ein Schrittschuh; aber der
eiserne Schlittenschuh ist eben ein Schlittschuh.
		-- Jean Paul
%
Der Leser leiht dem Autor gewhnlich die schne etc. Lage, in der er
ihn zum ersten Male las.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen - dies beweiset die Liebe der Kinder - werden nicht zu
den Menschen erst hingewhnt, sondern nur spt(er) von ihnen
abgewhnt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe will jeder Teil, da blo der andere anfange, pflichtmig
und edel zu sein, dann woll er sehr erwidern, ja mehr geben als nur
gegeben werde; - und unter diesem Wollen zanken sich beide fort, und
keines fngt an.
		-- Jean Paul
%
Einer kann blo dadurch, da er alle Wetterinstrumente, Regenmesser in
jeder Stunde bemerkt und aufschreibt, sich gegen alle Wetter
gleichgltig machen und froh erhalten.
		-- Jean Paul
%
Die Kinder sind nie so gehorsam, als wenn sie den Eltern etwas
geschenkt oder sonst eine Freude gemacht haben.
		-- Jean Paul
%
Man sollte nur die Gegenmeinungen des andern nicht entgegengesetzt den
eignen betrachten, sondern als Meinungen fr sich: so wrde man sie
ebenso leicht dulden, als man allen Aberglauben der Wilden und der
Kirchengeschichte vergibt.
		-- Jean Paul
%
Das Streben nach Wahrheit macht uns zu sehr offen fr jede neue
Ansicht.
		-- Jean Paul
%
Ein Kritiker verdeckt seine Drftigkeit des Urteils am besten, wenn er
ein ganzes sthetisches Jahrhundert mustert und durch kurze Urteile
ber bedeutende Gren deren Motivierung verbirgt oder ersetzt, weil
man das Interesse an seinem Gegenstande mit dem Interesse an ihm
vermengt.
		-- Jean Paul
%
Man denkt vom Verstand eines Menschen zu hoch, dessen Idiom man nur
halb versteht.
		-- Jean Paul
%
Mancher sollte sich fragen, was er mit dem Leben machte, wenn ihm Gott
Hunger, Durst und alle Lust- und Schmerzgefhle nhme, ob er es nur
begehrte oder ob er nicht lieber Lcken begehrte, um sie nur zu
fllen.
		-- Jean Paul
%
Man darf nur grob sein, so wird's der andere auch; nichts wird
leichter auf der Stelle sogar dem Feinde nachgeahmt als Grobheit.
		-- Jean Paul
%
Man verteile und zerse eine schwere Arbeit nicht in verschiedne
Zeitrume - die Wichtigkeit beginnt und drckt immer von neuem -,
sondern man mache sie auf einmal ab, da die Rume ohnehin mehr
neuanfangenden Kraftaufwand begehren.
		-- Jean Paul
%
Nicht durch Dichter, sondern durch Leben mu man sich zum Dichter
bilden, wie man nicht auf dem glatten Eise zu schnellem Fahren
ausholt, sondern auf dem holper(ichten) Boden.
		-- Jean Paul
%
Das eigentlich Originelle am uern Leben ist alles, was man Fremdes
tut, ohne das Gefhl, da es andern fremd vorkommen werde.
		-- Jean Paul
%
Ich komme leichter mit wahren Spitzbuben aus zu meinem Vorteil als mit
wahren liberalen Menschen, welche mich zu meinem Nachteile bezaubern;
denn ich kann ihnen nicht unhnlich sein.
		-- Jean Paul
%
Die meisten Menschen schlieen aus einer Begebenheit und Handlung die
Zukunft; aber die rechten Historiker schlieen daraus die
Vergangenheit. Jene gehen nur vor-, diese rckwrts, erraten aber
desto mehr vorwrts.
		-- Jean Paul
%
Die meisten glauben durch die Heftigkeit ihrer Behauptung, diese
strker dem andern einzudrcken - und ihr eignes heftiges Gefhl
mitzuteilen -; aber umgekehrt, durch einfach kaltes Behaupten teilt
man das eigne strker mit.
		-- Jean Paul
%
Im Leben ist der Englnder freier, im Schreiben pedantischer als der
Deutsche, der gerade auf dem Papier die republikanische Rolle spielt.
		-- Jean Paul
%
Bei Leidenschaft errat ich den Menschen mehr aus dem Ton als aus der
Rede, der Stimme-Ton ist schwer zu verbergen oder zu verheucheln.
		-- Jean Paul
%
Freiheit.
Ich fhle etwas in mir, da ich sogar der Religion und des Himmels
wegen nicht sklavisch sein wie ein Hermes, sondern Freiheit behalten
wrde, auf Kosten verdammt zu werden. Kein Wesen mit Bewutsein kann
seinen Wert - woher er auch sei - verleugnen, und sogar das Hingeben
ist nur freier und also freibleibender Entschlu.
		-- Jean Paul
%
Man hte sich, irgendeinen Vorzug, z.B. die Dienstfertigkeit der
Barner, zu einem ganzen Charakter zu erheben - jede bedeutende
Eigenschaft ist im Zusammenklang mit dem Ganzen zu erklren und zu
wrdigen; und so wird manche Tugend bleicher werden und mancher Fehler
sanfter sich verflen.
		-- Jean Paul
%
Zehn Ksse werden leichter vergessen als ein Ku.
		-- Jean Paul
%
An und fr sich ist jeder originell, weil er individuell ist; aber
nicht jeder hat den Mut, er selber zu sein und zu scheinen; nur der
Krftige oder Berhmte oder Reiche hat ihn, weil er des Scheins
entbrigt sein kann.
		-- Jean Paul
%
Junge Leute sehen in ihrer Entwicklung das Neue des Zeitalters auch
fr Entwicklung an und verwechseln sich mit der Zeit und halten daher
alles Neue fr so gut als sich und ergreifen es.
		-- Jean Paul
%
Wie[viel] Genies mgen erst unter dem weiblichen Pbel verlorengehen,
da doch die mnnlichen einige Mittel der Emporhebung haben.
		-- Jean Paul
%
Jeder wei es, wo er sein Rechtes Krftiges hat - und daraus wr er
auch nicht zu treiben - aber eben darum will er von seiner Hhe herab
noch fremde Ebenen erobern, zu seinem Hchsten noch allerlei dazu
gewinnen - und dadurch, durch ohnmchtiges Streben einer vorigen
Macht, wird er lcherlich.
		-- Jean Paul
%
Der Gelehrsamkeit ist keine Grenze d(er) Vergr(erung)
vorgeschrieben; aber wohl dem Scharfsinn.
		-- Jean Paul
%
Man sollte denken, wenn ein Professor die ganze Woche in abstrakten
Lehren zubringt, da sein Tiefsinn unendliche Tiefe gewinnen mte und
der Scharfsinn Schrfe; aber es trifft nicht zu; Jahre, nicht bungen
setzen die Grenze.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber gehen gern, um bessern Platz zu gewinnen, eine Stunde
frher in Konzert und Theater; aber eigentlich fangen beide fr sie
schon an, sobald sie nur ankommen und sich niedersetzen; denn ihr
Sprechen verfrhet ihnen die Musik und das allmhliche Ankommen der
Zuschauer das Schauspiel.
		-- Jean Paul
%
Kinder lieben am meisten in Mrchen Vergrerungen und Verkleinerungen
gewohnter Gegenstnde; sie knnen dann leicht diese in alle neue
Verhltnisse setzen und der Phantasie den weitesten Spielraum auftun.
		-- Jean Paul
%
Gegen eine Fehlschlagung eines Plans gibt's keinen bessern Trost, als
auf der Stelle einen neuen zu machen oder bereitzuhalten.
		-- Jean Paul
%
Begeht ein Mensch (oder Mann) einen wirklichen Fehler, so sagt er,
dies ist eine Ausnahme und ein seltener Fall; der andere (Frau) hat
die hnlichen Fehler im Kopfe und zrnt durch Zusammenrechnen.
		-- Jean Paul
%
Nur die Ehe wird am glcklichsten, wo man die grten Vorzge in ihr,
nicht vor ihr entdeckt. Daher d(as) Heirat(en) eines Dichters so
milich.
		-- Jean Paul
%
Das gemeine Volk, die Mgde etc. wollen durch ihre Kleidung nicht
verfhren, sondern nur glnzen; daher der Stoff ihnen zehnmal lieber
als die Form.
		-- Jean Paul
%
Bei Schriftstellern in einer groen Stadt (Berlin) und Zirkeln ist
schwer nachzuweisen - sogar von ihnen selber -, wieviel ihnen von
ihren Ideen gehrt, da sie tglich gedruckte kommentiert hren, neue
darber, dagegen etc.
		-- Jean Paul
%
Sich an die Stelle eines andern setzen - wird so allgemein ohne nhere
Einschrnkung gesagt. Wohl kann man sich in eine einzelne fremde
Eigenschaft und Lage setzen, z. B. eines Zornigen; aber jenes Wort
bedeutet noch 2erlei, a) sich in den ganzen moralischen Charakter
eines andern setzen, was nur ein Dichter kann, b) sich in dessen
intellektuellen setzen, was ebenso schwer; setze dich z. B. in den
ganzen Umfang gelehrter, philosophischer, sthetischer Anschauungen
eines Menschen.
		-- Jean Paul
%
Jeder sollte sich eine berseh-Stunde seines Tags oder Treibens
whlen, und zwar nicht eine spazierende im Freien, sondern eine dunkle
in der Dmmerung, wo nichts ihn durch seine Sinnen unterbricht.
		-- Jean Paul
%
Grnde (z. B. bei Max ber kurzen Rock) wirken nur gegen Grnde, aber
nicht gegen Empfindungen, gegen die wieder nur Empfindungen wirken.
		-- Jean Paul
%
Manche Autoren zeigen sich der Welt klter und schrfer, als ihr
Mensch ist, z. B. Lichtenberg; desto wrmer bleibt die bedeckte
Quelle. Andere treiben ihre Wrme heraus und erklten sich durch
fremdes Erwrmen.
		-- Jean Paul
%
Kein Mensch kann durch sein Leben so viel intensive Freude machen als
sein Verlust intensiven Schmerz, weil das Leben jene ausdehnt, der Tod
diesen konzentriert. Alle Freuden, die einer gegeben, und die
zuknftigen dazu vereinigen sich bei dem Verlust zu 1 Schmerz.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe (wie in der Freundschaft und berall) hilft kein Wohltun
und Beschenken, sobald die Persnlichkeit beleidigt ist anstatt
verehrt. Keine langen Geschenke machen wrtliche Verkennungen des
Augenblicks gut.
		-- Jean Paul
%
Schnheit gar kein Zeichen der Milde - hchstens im Alter.
		-- Jean Paul
%
Nur die Jugend ist offenherzig ber sich und wahr; das Alter verbirgt
aus Anstand.
		-- Jean Paul
%
Man ist nie liebenswrdiger, als wenn man geliebt wird.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Freuden, sondern die Leiden verbergen die Leere des Lebens.
		-- Jean Paul
%
Bemerkungen ber den Menschen.
Alle die in Rochefouc(auld), la Bruyre sind unmglich zu behalten, zu
ordnen, anzuwenden, sondern sie sollen blo im allgemeinen den Blick
schrfen und ihm eine gewisse Richtung geben.
		-- Jean Paul
%
- Schnee, der sich leicht ballen lt, schmilzt bald.
		-- Jean Paul
%
Das Selblob mifllt, sogar wenn es die Wahrheit ausspricht, doch
darum, weil man voraussetzt, der Sprecher verberge aus Bescheidenheit
noch etwas, nmlich ein greres Lob, als ihm gehrt.
		-- Jean Paul
%
Man mu nie vor einem ein Wortspiel mit seinen Namen (z. B. Markus)
machen, da jedes ihm lngst im Leben vorgekommen sein mu.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wollen immer, die Zeiten (Lnder) sollen besser werden
(sich bessern), und klagen doch, sobald sie anders werden (sich
ndern), als knnte eines ohne das andere sein.
		-- Jean Paul
%
Zum bestechendsten Beweis einer Meinung wird uns oft ihre Neuheit,
sobald diese alte Ansichten nicht verschliet, sondern weiter ffnet.
		-- Jean Paul
%
Die Tugend, sogar eines gemeinen Mdchens, ist verschieden, ob man
sich fr verheiratet oder unverheiratet ausgibt.
		-- Jean Paul
%
Einer, der aus stillem Egoismus uns berall lobt und alles an uns,
verlre alle seine Unparteilichkeit, die wir ihm wegen seines Lobs fr
uns zuschreiben, wenn wir ihn die andern loben hrten, d. h. jeden.
		-- Jean Paul
%
Kurz vor dem Abreisen sowie kurz nach dem Ankommen verschnert sich
uns unser Wohnort.
		-- Jean Paul
%
Die Jungfrau heiratet im Dichter den Dichter, im Knstler den
Knstler; aber in der Ehe wei sie so wenig von diesem als ein Mann,
der eine Sngerin geheiratet htte; alle Verhltnisse sind nur die
eines Mannes. Nur einige Weiber - wie Wielands, Drers - schtzen und
pflegen im Manne den Knstler, je weniger sie selber von seiner Kunst
verstehen, aber von ihr erwarten konomisch.
		-- Jean Paul
%
Die Ehemnner mssen so oft in Begeisterungen oder Exaltation entweder
durch Arbeiten oder durch Trunk, welche bei den Weibern wegfallen, mit
diesen verkehren.
		-- Jean Paul
%
Auf das Volk mu die vornehme Busenble so wirken wie auf den
Vornehmen die gemeine Wadenble.
		-- Jean Paul
%
Sogar nach Belgen traut man doch wieder Wahrheit zu. Aber nach
Grausamkeit erwartet man keine Milde mehr.
		-- Jean Paul
%
Alte, wie Montaigne, sprechen leicht zu obszn, weil sie keine
Versuchung mehr fhlen und berhaupt mit den Ideen zu vertraut und
dabei alt geworden sind.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber machen ber die Empfindungen ihrer Liebe die feinsten
Bemerkungen; ohne sich doch eigentlich selber anzuschauen - so wie ein
Psycholog darum doch nicht die grte Selbstkenntnis haben kann.
		-- Jean Paul
%
Gerade dies beweist die Kraft des Kopfes, was er aus einem kleinen
Gegenstande witzig, philosophierend macht ohne fremde Belehrung; nicht
aber sein Hinzutun von Kenntnissen, Erluterungen usw. - z. B. ber
Mdchen wird der Jurist, Arzt, etc. zu sprechen wissen; aber anders
der Witzige und Umsichtige.
		-- Jean Paul
%
Man darf immer Mitrauen haben, nur keines zeigen.
		-- Jean Paul
%
Nicht geniale Einseitigkeit, sondern talentvolle Mehrseitigkeit (wie
bei Stainlein) fhrt im Geschftleben zu hohen Posten; jene schliet
aus.
		-- Jean Paul
%
Ach das Alter gibt Einsamkeit, geistige; nur die Jugend Geselligkeit.
		-- Jean Paul
%
An d(er) Geliebten wird der alltgliche wiederkommende Wert fr hoch
gehalten, die dazwischenfallenden Ausnahmen davon fr klein oder nur
Laune. An der Frau - wie berhaupt an Mann und Magd und Freund - wird
das Gute, was seinen Charakter ausmacht und immer erscheint, fr
notwendig gehalten und kaum berechnet (auer nach dem Tode etc.), aber
die Ausnahmen desto mehr und fast allein und berwiegend.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe das Miverhltnis, da die Begeisterungen des Mannes und
der Frau nicht ineinandertreffen; der Mann von der Arbeit begeistert,
sie davon erschpft, und so nach Tagzeiten umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Jeder wird wider Willen originell, der sich's bequem macht und nach
dem Scheine nichts fragt.
		-- Jean Paul
%
Die nrrischen Menschen! Zum anerkannten Genie kommen sie, nicht um zu
hren, sondern um sich hren zu lassen. Zum Dunse, gleichfalls um zu
reden. Wann will denn einer hren? - Da, wo er eine Lcke findet, die
ihn am weiteren Reden hindert.
		-- Jean Paul
%
Keine schmerzhaftere Empfindung, als wenn man froh zu machen suchte
und doch nicht froh machte (wie bei Weihnachtgeschenk).
		-- Jean Paul
%
Nichts ist schner im Enthusiasmus zu lieben, als Kinder; denn die
Liebe verlangt von ihnen nicht einmal die Liebe, sondern ihr Glck.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch hat ein eignes selbgeflliges Wohlgefhl, wenn er eine
Beleidigung erzhlen kann, die man ihm angetan.
		-- Jean Paul
%
Wer die Welt nicht kennt, setzt bei jeder, zumal scharf und gut
ausgedrckten Meinung oder Satz voraus, ihr stehe im Hinterhalte ein
langes System und Prfen, indes sie eben jetzo erst gefunden, wiewohl
doch auch in solchem Falle viel Vorrat im Hinterhalte liegt.
		-- Jean Paul
%
Die juristische Regel, sich mit keinem berflssigen Beweise zu
beladen, lernt man spter auch in unjuristischen Fllen und Briefen
befolgen, wo man andere bestimmtere uerungen, die nicht eben zur
Sache gehren, unterlt und allem noch freien Spielraum lt.
		-- Jean Paul
%
Den mitrauischsten Egoisten kann man stundenlang von sich zu sprechen
veranlassen, ohne da er das Veranlassen merkt.
		-- Jean Paul
%
Was am leichtesten hartherzig macht, wenigstens das Abschlagen zu sehr
erleichtert, ist, wenn man gewi ist, da man nicht allen helfen kann.
		-- Jean Paul
%
Satiren knnen in der groen Welt nicht an der moralischen Seite
bessern, weil die Unsittlichkeit das Lcherliche verloren oder doch
leicht verschmerzt; hchstens an der intellektuellen, zu welcher auch
die moralische umzudrehen ist; denn Fehler des Verstandes bleiben
immer den Pfeilen der Satire frei. Aber Darstellung groer moralischer
Krfte hebt die gesunknen der groen Welt.
		-- Jean Paul
%
Den Weibern merkt man nie die geheimen stolzen Ansprche an - leichter
die eiteln -, weil sie alles gemildert und schchtern zeigen. Eine
Sanfte kann sich fr die Vornehmste und Klgste halten.
		-- Jean Paul
%
Lichtenbergisch.
Wenn man nur einmal alle die allgemeinen Bemerkungen der Diener und
Kammerjungfern ber ihre Herrschaften sammelte, ber ihre
Vergelichkeit, Unredlichkeit etc.: so wre doch etwas von der
Ab(Gegen)seite der Welt da.
		-- Jean Paul
%
In den Aufstzen der Primaner wird die Flucht des Lebens, die Sorge
der Mnnlichkeit etc. so stark geschildert, als sei der Schler selber
darin; aber die Jugend malt die Eitelkeit und das Sterben, ohne es
anders als poetisch und nachgelesen zu empfinden. - Aber eben dies
bezeugt das Nachsprechen der Leserei; ein lebensfroher Jngling
spricht so lebensatt wie ein Alter, indes er gerade unter dem
Schildern des Abblhens mehr erblht. - Wie anders der Mann oder
Greis, der ungern davon spricht, weil er's schon fhlt.
		-- Jean Paul
%
Eine moralische Schamhaftigkeit - und eine der Gewohnheit. Letzte hat
der unverschmteste Mann, der sich von einem Unbekannten oder gar
einer Unbekannten nur mit Schrecken in einer natrlichen, an sich
unschuldigen Handlung betreffen lt.
		-- Jean Paul
%
Alles in den Weibern mu sich ja auf Eitelkeit und Kleider lenken, da
sie immer nhen, also immer etwas von Kleidern in Hnden haben, wenn
auch nicht am Leibe.
		-- Jean Paul
%
Man geniet und fhlt den Reichtum nur in der Minute, wo man ihn
unverhofft bekommt; darauf wird er zu Armut.
		-- Jean Paul
%
Nichts vermehrt die Liebe gegen eine ferne Person mehr, als wenn
Fremde, andere von ihr sprechen, lobend, ja nur erzhlend.
		-- Jean Paul
%
Je mehr Vorzge an einem Menschen anerkannt werden, desto mehr neue
will er dazusetzen und dichten, aus Gefhl seiner Unvollendung.
		-- Jean Paul
%
Die Gleichheit der modischen Kleidung bildet den Trgern auch
Gleichheit der Ausbildung ein.
		-- Jean Paul
%
Vergleiche einmal die Opfer und Liebezeichen, die dir die Ehefrau
bringt, und deine kalten Billigungen davon, mit den Opfern, die eine
Geliebte bringt, und mit deinem Enthusiasmus darber.
		-- Jean Paul
%
Man wird in der Freundschaft und der Liebe leicht Heuchler, der
bertreibt, wenn man das strkste Bedrfnis und Gefhl beider hat und
den Gegenstand dazu entbehrt; und doch falschen dafr sucht und nimmt.
		-- Jean Paul
%
Wie sehr auch jeder den Knstler, Philosophen, Helden achte (und ihm
sich opfern will) und den Weltwohltter: so bringt er doch, sobald er
dessen Freund, Gatte etc. wird, nicht mehr das Allgemeine in Anschlag,
sondern nur sein bestimmtes Verhltnis; und derselbe Leser, der fr
den Dichter sterben will, wird, wenn er dessen Freund, Frau etc. ist,
nicht die kleinste Unlust ihm ersparen. Selten weihen sich die
Menschen dem Allgemeinen, noch seltener opfern sie sich denen, die
sich ihm weihen. Daher frage kein Autor nach Briefen voll Lob.
		-- Jean Paul
%
Wenn ihr verbietet, das zu tadeln, was man nicht besser machen kann:
so darf man auch nicht loben, was man nicht nachmachen kann; denn das
Lob setzt die Kraft zu tadeln voraus.
		-- Jean Paul
%
Weiberlaunen mit Mnnerlaunen durcheinandergeknetet, dies gibt hohen
schwellenden Sauerteig, den jede Wrme nur hebt.
		-- Jean Paul
%
Nur der steigende, nicht der stehende Ruhm erfreuet; whrend des
letzten sind nur die Schmerzen des angegriffnen.
		-- Jean Paul
%
Je kleiner die Stadt, desto kleiner erscheint darin der Grere; sie
hat einen zu kleinen Mastab.
		-- Jean Paul
%
Gefallsucht und wahre Erhebung ber den Schein knnen beide bei drei
verschiednen Auenseiten herrschen - denn es kommt eben nur auf das
Innen an -, a) bei Schn-, b) bei Mittel-, c) bei Nieder-Anzug und
uerliches.
		-- Jean Paul
%
Um sich besser kennenzulernen als aus den eignen Handlungen, mu man
auf die erste pltzliche Freude oder Betrb(nis) merken, die uns bei
einem Antrag, Erzhl(ung) etc. aufsteigt und die wir gewhnlich
schnell besiegen.
		-- Jean Paul
%
Nur der Dichter und Philosoph sieht die Torheit im Allgemeinen und
berall - der Geschftmann sieht nur die Torheiten und Abweichungen
seines Gewerbs, seiner Kaste, der Jurist juristische; aber nicht das
allgemeine Trichte, das allen Menschen zum Grunde liegt.
		-- Jean Paul
%
Der Mathematiker, Philosoph, Linguist etc. kann, so berhmt er auch
sei, doch nicht mit seinen Gaben jedermann und augenblicklich
erscheinen; aber von einem berhmten Dichter allein fodert man die
ganze Erscheinung des Menschen; warum? - weil er immer den Menschen
schildert, und jedes beste Geschilderte sein soll - als ob er
persnlich und augenblicklich das hchste uerlich darstellen knnte,
was er in Begeisterung schwer aus dem Innern unter den gnstigsten
Verhltnissen emporhebt. vid. 14.
		-- Jean Paul
%
Ein lange Reisender kann am leichtesten in der Verblendung ber seinen
Wert bei andern bleiben, weil er bei diesen nur kurz, in wenigen
Verbindungen ist und sich sein Mi[ver]hltnis nicht so steigern kann,
da man es ihm offenbart.
		-- Jean Paul
%
Unmittelbar nach der Ausbung eines Amtes - z. B. nach Ende einer
Predigt, einer Vorlesung, einer Gassenausrufung - hat der Mensch ein
nrrisches Gefhl der Selbstausdehnung und kann gar nicht wieder recht
zu seiner vorigen kleinen Zusammenfaltung kommen, wie Regenschirme
nach dem Gebrauch ausgespannt dastehen.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Ehemann oder Vater mit dem Tadel bei kleinen
un[ab]nderlichen Unannehmlichkeiten herausfhrt, der, wie er selber
wei, zu nichts ntzt: so ist diese Explosion nur die kleinere eines
Fluchs, der auch nicht helfen, nur erleichtern soll.
		-- Jean Paul
%
Die Mnner haben im Zorn mehr Mitleid, die Weiber vor- und nachher.
Habt ihr je eine Frau mitten im Zorne einhalten sehen?
		-- Jean Paul
%
Seltsam ist's, da die nied(ern) Menschen noch desto mehr Tugenden
erwarten, je hher der Stand ist, und da sie sich ber die
Ausschweifungen eines Frsten etc. wundern, anstatt sie
vorauszusetzen. Gerade im nied(ern) Stande sollte man sich ber alles
Schlechte verwundern.
		-- Jean Paul
%
Am leichtesten lernst du einen Menschen kennen, wenn du ihn tadelst,
oder - da der andere Weg offner steht - wenigstens in geringerem
Grade, wenn du ihn lobst.
		-- Jean Paul
%
Kein groer Philologe hat ein poetisches oder philosophisches
Meisterstck geschaffen; man ist nur froh, wenn er seine Sprache halb
so gut schreibt, als er die fremde versteht.
		-- Jean Paul
%
Man ist dem andern, den man tadelt, hnlicher und dem, den man lobt,
unhnlicher, als man glaubt.
		-- Jean Paul
%
Stets rechnet und berechnet der Mensch in seine Gegenwart die Zukunft
hinein. Nach dem lngsten Tage sprt er nicht die halbe Freude, als er
nach dem krzesten fhlt, weil dort die Zukunft die Verkrzungen der
Tage, hier die Verlngerungen ansagt.
		-- Jean Paul
%
Es ist der grte Irrtum, zu lebhafte Menschen (wie Messerschmidt) fr
unbefangen und wahrhaft zu halten.
		-- Jean Paul
%
Das Hchste der Humanitt: ber keinen Vorzug einen Fehler zu
bersehen - und ber keinen Fehler einen Vorzug - und so sich falsch
weder erwrmen noch erklten zu lassen, sondern alles einzuschichten.
		-- Jean Paul
%
Eine Sache vermgen die Weiber nicht, dieselbe Drohung 12mal
hintereinander zu erfllen.
		-- Jean Paul
%
Den allerwenigsten Menschen ist beizubringen, da Bcher, die viele
andere nicht verstehen, von ihnen gleichfalls unverstanden bleiben.
		-- Jean Paul
%
>Da mein Sohn immer fleiig, rechne ich ihm gar nicht an bei der
Berechnung seiner Vorzge - ein anderer Vater wrde, wenn der Sohn
sich zum Flei bekehrte, die Bekehrung unter die grten Vorzge
setzen.< So nehmen stets die Menschen in die Rechnung der Vorzge
nicht einen alten langen Wert hinein, sondern erst von diesem datieren
sie die Rechnung. So Frau mit Mgden; Gattin mit Gatten.
		-- Jean Paul
%
Von Feinden Vorwrfe hren, lehrt und bekehrt und wirkt nicht; aber
wohl von Freunden. Ein Mann wie Emanuel kann jahrelang die hrtesten
Vorwrfe seiner Feinde erfahren, sie knnen nicht auf ihn wirken, da
er sie verachtet und vernichtet. Aber dieselbe Rede eines
gleichgestimmten Freundes griffe anders an.
		-- Jean Paul
%
Zwei Menschen begleiten einander im Finstern gegen die
Gespensterfurcht; aber eigentlich das geheime Gefhl nicht, da einer
dem andern gegen d(ie) Geist(er) beistehen knnte, sondern dies, da
die Gegenwart eines Menschen die Phantasie hindert, ihre Gespenster
auszuweben und zu lebhaft auszumalen.
		-- Jean Paul
%
Weibliche Herzen = Schnee; man merkt bei der strksten langen Wrme
kein Schmelzen, mehr ein Verdichten; pltzlich ist er aufgelset.
		-- Jean Paul
%
In der ganzen Gelehrtenhistorie noch kein Beispiel, da in einem
Streite - z. B. Leibniz und Clarke - einer sich von dem andern fr
widerlegt erklrt htte, nicht einmal zur Hlfte widerlegt.
		-- Jean Paul
%
In Rcksicht der Geschlechtsnden scheint auch der offenste Mensch ein
Heuchler zu sein; aber blo weil er verbirgt, was alle verbergen,
sogar das Erlaubte, und weil jeder weniger sinnlich scheinen mu, als
er ist.
		-- Jean Paul
%
Derselbe Mann, der mich besucht, zeigt sich ganz anders, als wenn ich
ihn besuche. Beide Verhltnisse geben erst den Durchschnitt seines
Charakters. Ja wieder anders zeigt er sich im Begegnen auf der Reise,
wo er weder Gast noch Wirt ist, sondern nur Erdbrger.
		-- Jean Paul
%
Es ist weit mehr Heuchelei in der Welt, als man glaubt und als selber
die Heuchler glauben; denn sie halten nicht andere fr Heuchler.
		-- Jean Paul
%
Zweimal lgen die Menschen, so oft sie sagen: ich habe ber soundso
viel verloren, das zweite Mal: ich habe weit unter 100 fl.
eingenommen. berall ist bei ber, unter, nahe, weit und an gerade
das Gegenteil zu verstehen. Nur die gerade Zahl wrde das Richtige
sein.
		-- Jean Paul
%
Das bertreiben liebender Worte macht in der Ehe gar nicht das
bertreiben tadelnder gut, sondern dieses berma vernichtet die
Wirkung des andern; von allen Aufwallungen lassen nur die zornigen den
dickern Bodensatz.
		-- Jean Paul
%
Das erste, wornach ein Mensch bei irgendeinem Unfall sucht - sei er
durch Tiere, Materien oder Menschen geschehen -, ist ein lebend(es)
freies Wesen, dem er etwas davon schuld geben kann, um sich dann zu
rchen.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen geben auf den oben herab bellenden Hund acht, nicht auf
den unten.
		-- Jean Paul
%
Von der Glut eines jungen Autors - zumal mitten in seinen Schpfungen
- hat gar kein Groer in seinem abmattenden und abgematteten Leben nur
einen Begriff; und jeder frchtet sich doch vor der krftigen
Erscheinung.
		-- Jean Paul
%
Der Vernderliche macht und findet Vernderliche gegen sich selber.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Jngling den Taufnamen der Geliebten nicht wei, Zeichen, da
er sie noch nicht recht liebt.
		-- Jean Paul
%
Gerade in kleinen Stdten wird der gute bescheidene Mensch am
stolzesten, weil er doch niemand hat, womit er sich vergleichen will.
		-- Jean Paul
%
Um berall geliebt zu werden, schone man nur die schwachen Seiten
d(er) Menschen; die starken schonen hlfe nichts und wre sogar
unrecht, im Falle diese bse sind.
		-- Jean Paul
%
Man wrde jedem seine Eigenheiten gern hingehen lassen, wenn er sie
nur nicht zugleich zu seinen Vorzgen adelte; erst dann fngt der
Tadel an.
		-- Jean Paul
%
Die strksten und gefhrl(ichsten) Streitigkeiten in der Ehe sind in
den ersten Jahren - teils ber Kindererziehung, teils, weil die ersten
hohen Foderungen der Liebe sich noch nicht ins Gleichgewicht mit dem
Alltglichen gesetzt haben -; spter werden die Strme kleiner und
verschwinden endlich in Ruhe oder in Gleichgltigkeit.
		-- Jean Paul
%
Man sollte glauben, da ein Leser mit solcher Teilnahme die strksten
Liebereden zweier Liebenden aufnimmt, es mss' ihm ebenso bei dem
Anhren hnlicher in der Wirklichkeit sein; er msse gar vor
Entzckung nicht zu bleiben wissen, wenn er hinter einer Laube den
wahrsten Feuerstrom der Liebe anhrt, oder wenn endlich der Liebende
zum Kusse gelangt. Inzwischen wird er so wenig warm davon, da er sich
blo erkltet. Aber der Unterschied ist: nicht bei der gehrten,
sondern nur bei der gelesenen Liebe kann er sich zum Liebhaber machen
und das Mdchen zur Geliebten. Daher kann eine gedruckte Liane
1000 Albanos beglcken - so ein gedruckter Werther 1000 Lotten.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber bedenken nicht - um uns mehr zu schonen -, welche wilde
Herz auflsende Untersuchungen der Mann in den Wissenschaften
durchzugehen hat, wo freilich nicht so viel v(om) unbefangnen Herzen
brigbleiben kann wie bei ihnen, die sich immer im Ganzen sehen.
		-- Jean Paul
%
Zur sinnlichen Liebe ist bei den meisten leicht zu gelangen; aber
schwer bei wenigen ist die rechte zu erwerben.
		-- Jean Paul
%
Wie wenig knnt ihr euch auf die moralische Kraft und Fortwirkung auch
der strksten Empfindungen verlassen, wenn ihr die Entzckungen des
Wiedersehens und neuen Wiederliebens nach einer Abwesenheit
zusammenhaltet gegen den nchsten Frost und Zank der Gegenwart.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen denken sich, um den andern zu etwas zu berreden, nur in
dessen uere Lage mit ihrer Seele hinein, aber nicht in dessen innere
oder Seele; daher kein Begreifen und kein Einwirken.
		-- Jean Paul
%
Wenn einem Schriftsteller andere bedeutende Leute recht ihren Wert zu
zeigen suchen und des seinigen gar nicht erwhnen; so glaub er nicht,
da sie ihn nicht achten, sondern umgekehrt glaub er, da sie aus
Achtung fr ihn, die seinige fr sich zu erwerben trachten.
		-- Jean Paul
%
Evolution ist die Entwicklung vom Tmpel in den Fernsehsessel.
		-- Erwin Pelzig
%
Der Weitsprungweltrekord hat sich in hundert Jahren um 1.50m verbessert.
Ist das Entwicklung?
Wenn das so weitergeht brauchen wir etwa noch 180000 Jahre, um nennenswerte
Strecken springen zu knnen.
Besser ist es beim Hammerwerfen.  Da betrgt der Zuwachs 40m.
Das ist aber auch wieder typisch menschlich, denn Hammerwerfen
ist wohl eine der sinnlosesten Ttigkeiten.
Wer wirft schon Hmmer?
		-- Erwin Pelzig
%
Bill Gates wird nicht wiedergeboren.  Der wird nur neu formatiert.
		-- Erwin Pelzig
%
Wenn Bill Gates stribt ist das wie ein Warmstart.
		-- Erwin Pelzig
%
Verlassen Sie bitte das Universum so, wie sie es vorfinden mchten.
		-- Erwin Pelzig
%
Pdagogik ist die Art, wie man zuschlgt.
		-- Erwin Pelzig
%
Toleranz ist eine Geisteshaltung, die andere annehmen mssen, damit sie
endlich so denken wie ich.
		-- Erwin Pelzig
%
Image ist das, was man braucht, wenn man fr andere so aussehen will,
wie man gerne wr.
		-- Erwin Pelzig
%
Marketing ist ein englisches Wort.  Zu deutsch heit das:
Hauptsache 's Maul wackelt.
		-- Erwin Pelzig
%
Ohne Bildung kann man ja heutzutage berhaupt nichts mehr werden -
auer vielleicht amerikanischer Prsident.
		-- Erwin Pelzig
%
Biathlon-Weltcup: Sieben Deutsche unter den ersten Fnf

Im Mnner-Rennen kamen sogar fnf Deutsche unter den ersten Sieben ins
Ziel. Hinter dem Olympiasieger von 1998, dem Norweger Halvard Hanevold
(1:00:38,4 Stunden) erkmpften sich Carsten Heymann (Altenberg), Sven
Fischer (Oberhof), Marco Morgenstern (Altenberg) und Peter Sendel
(Oberhof) die Pltze zwei bis fnf. Ricco Gro (Ruhpolding)
komplettierte das hervorragende Abschneiden mit dem siebten Platz.
		--  www.spiegel.de (9. Mrz 2000)
%
Ich habe das Problem, da ich zuviel wei.
		-- Prof. Informationssysteme, FH Schweinfurt
%
So -- und das glauben wir jetzt mal auf religiser Basis, d.h. wir
sehen es nicht, glauben es aber trotzdem!
		-- Prof Technische Mechanik, FH-Furtwangen
%
Ich sehe heute wieder viele, die nicht da sind.
		-- Professor am Anfang einer Vorlesung
%

Es gibt Leute, die nur deshalb keiner Fliege etwas zuleide tun, weil sie
nicht imstande sind, eine zu fangen.
		-- Helmut Qualtinger
%
Die Menschheit ist auf dem Wege, Gott das Rohmaterial fr eine neue
Welt zu liefern: das Chaos
		-- Robert Quillen
%
Computer ermglichen das Begehen von Fehlern schneller als jede andere
Erfindung in der Geschichte der Menschheit, mit Ausnahme vielleicht
von Pistolen und Tequila.
		-- Mitch Radcliffe
%
Die Klage ber die Schrfe des Wettbewerbs ist in Wirklichkeit meist
nur eine Klage ber den Mangel an Einfllen.
		-- Walther Rathenau
%
Wenn die Klgeren nachgeben, regieren die Dummkpfe die Welt.
		-- Jean-Claude Riber
%
Die Rentenreform ist der grne Punkt auf dem Arbeitnehmer.
		-- Mathias Richling
%
Im Leben ist das Bse oft preiswerter als das Dumme.
		-- Mathias Richling
%
Versuchungen bekmpft man am besten mit Geldmangel und Rheumatismus.
		-- Joachim Ringelnatz
%
Alle Fehler, die man macht, sind eher zu verzeihen als die Mittel, die
man anwendet, um sie zu verbergen.
		-- Francois de La Rochefoucauld
%
Ein geistreicher Mensch wre oft recht in Verlegenheit ohne die
Gesellschaft der Dummkpfe.
		-- Francois de La Rochefoucauld
%
Wer ohne jede Narrheit lebt, ist weniger weise als er glaubt.
		-- Francois de La Rochefoucault
%
Ich arbeite nach dem Prinzip, da man niemals etwas selbst tun soll,
was jemand anderer fr einen erledigen kann.
		-- Rockefeller
%
Es ist unmglich, nur den Augenblick zu leben. Man steht immer mit
einem Bein in der Vergangenheit, mit dem anderen in der Zukunft.
		-- Jules Romains
%
Sicher knnen Maschinen Probleme lsen, Informationen speichern,
kombinieren und Spiele spielen - aber es macht ihnen keinen Spa!
		-- Leo Rosten
%
Ein Mensch, am Ende seines Lebens, sieht ein, da der Erfolg des
Strebens nur drftig war, an dem gemessen, was er versoffen und
verfressen.
		-- Eugen Roth
%
Das Leben ist kurz, weniger wegen der kurzen Zeit, die es dauert,
sondern weil uns von dieser kurzen Zeit fast keine bleibt, es zu
genieen.
		-- Jean Jacques Rousseau
%
Es gibt zwei Arten von Menschen: Die toten und die tdlichen.
		-- Helen Rowland
%
Die Fhigkeit, seine Mue klug auszufllen, ist die letzte Stufe der
persnlichen Kultur.
		-- Bertrand Russel
%
Es ist ein Jammer, da die Dummkpfe so selbstsicher sind und die
Klugen voller Zweifel. 
		-- Bertrand Russel
%
In der Wissenschaft sollte man niemals gegen etwas wetten, da
unwahrscheinlicher als 10^12 zu 1 ist.
		-- Ernest Rutherford
%
Wir knnen nicht das geringste tun, um das Eindringen einer
fortgeschrittenen Zivilisation in unser Sonnensystem zu verhindern,
denn sie wre uns wissenschaftlich und technologisch turmhoch
berlegen.  Bsartige Absichten jedoch brauchen wir ihr dennoch
nicht zu unterstellen, scheint doch allein schon ihr langer
Bestand darauf hinzudeuten, da ihre Vertreter mit ihresgleichen
und anderen leben gelernt haben.
		-- Carl Sagan, Unser Kosmos
%
Aus einem tiefen Weltschmerz reit uns zuweilen sehr wohlttig ein
kleines Alltagsrgernis.
		-- Francoise Sagan
%
Sie sind ein gutes Beispiel dafr, warum manche Tiere ihre Jungen auffressen.
		-- Jim Samuels to a heckler
%
Der Weise sagt niemals, was er tut - aber er tut niemals etwas, was
er nicht sagen knnte.
		-- Jean Paul Sartre
%
Nie in die ferne Zeit verliere dich! Den Augenblick ergreife! Der ist dein.
		-- Friedrich Schiller
%
Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten.
		-- Friedrich Schiller, Wilhelm Tell
%
Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht,
nicht durch den Stillstand deiner Ttigkeit.
		-- Friedrich von Schiller
%
Wenn Karrieren schwindelnde Hhen erreichen, ist der Schwindel hufig
nicht mehr nachzuweisen.
		-- Werner Schneyder
%
Der Heiterkeit sollten wir, wo immer sie sich einstellt, Tr und Tor ffnen,
denn sie kommt nie zur unrechten Zeit.
		-- Schopenhauer
%
Es geht darum, da man seine Gedanken nicht direkt vom Bauch
auf die Zunge bringt.  Der Umweg ber den Kopf ist dringend
notwendig.
		-- Friedrich Schorlemmer 23.3.1992
%
Alle Menschen sind Brder - schon seit Kain & Abel
		-- Ulla Schrder
%
Die Demokratie beginnt in der Familie, im Alltag, in der ttigen
Ehrfurcht vor allem Lebenden, sei es Mensch oder Tier.
		-- Albert Schweitzer
%
Demut ist die Fhigkeit, auch zu den kleinsten Dingen emporzusehen.
		-- Albert Schweitzer
%
Wir leben in einer Demokratie, und jeder kann frei entscheiden, 
welche Sportart er machen mchte.
		-- Michael Schumacher
%
Ein Zwerg ist klein, selbst wenn erauf einem Berge steht;
ein Riese bleibt gro, selbst wenn er in einem Tal steht.
		-- Lucius Annaeus Seneca
%
Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die
wir nicht ntzen.
		-- Lucius Annaeus Seneca
%
Nicht weil die Dinge schwierig sind wagen wir sie nicht,
sondern weil wir sie nicht wagen sind sie schwierig.
		-- Lucius Annaeus Seneca
%
Bedenke Mensch, da Dein Satz eine Tat ist.
Ich sage wenig, denke desto mehr.
		-- Shakespeare, Heinrich IV
%
Der einzige Mensch, der sich vernnftig benimmt, ist mein Schneider.
Er nimmt jedesmal neu Ma, wenn er mich trifft, whrend alle anderen
immer die alten Mastbe anlegen, in der Meinung, sie paten auch
heute noch.  
		-- Georg Bernhard Shaw
%
Demokratie ist eine Einrichtung, die garantiert, da wir nicht
besser regiert werden, als wir es verdient haben.
		-- George Bernard Shaw
%
Demokratie ist eine Form der Regierung bei der durch die Wahl einer
inkompetenten Masse eine korrupte Minderheit ernannt wird.
		-- George Bernard Shaw
%
Ein hundertprozentiger Amerikaner ist eine neunundneunzig prozentiger Idiot.
		-- George Bernard Shaw
%
Mode ist eine unertrgliche Hlichkeit, die wir alle sechs Monate ndern
mssen.
		-- George Bernard Shaw
%
Von der Geschichte knnen wir lernen,
da wir von der Geschichte nichts lernen.
		-- George Bernard Shaw
%
Es ist eine leichte Sache, hungernde Menschen zu bekehren, wenn man
ihnen entgegenkommt mit der Bibel in der einen und einem Stck Brot
in der anderen Hand.
		-- George Bernard Shaw
%
Das Leben ist zu wichtig, um es ernstzunehmen.
		-- Corky Siegel
%
Die Faulen haben keine Ahnung vom Reiz der Faulheit. Nur die Fleiigen
knnen den Miggang genieen.
		-- Georges Simenon
%
Manchmal ist es besser zu schweigen und die anderen glauben zu lassen,
man sei ein Narr, als zu reden und die letzten Zweifel zu beseitigen.
		-- L. Simpson
%
Vertrauen Sie mir. Ich wei was ich tue.
		-- Sledge Hammer
%
Alles Wichtige lernt man von den Frauen, alles Unwichtige vergit
man bei ihnen. 
		-- Hans Soehnker
%
Mit Unternehmen und dem Internet ist es wie mit Teenagern und Sex.  Alle sind
besessen davon.  Alle glauben, da die anderen es machen.  Alle wollen auch,
da alle anderen glauben, sie machten es.  Aber die wenigsten tun es wirklich
... und dann klappt es noch nicht einmal.
		-- Ron Sommer
%
Ob man jetzt zwei Stunden CNN sieht oder die gleiche Zeit in ein Aquarium
glotzt, ist, was den Informationsgehalt angeht, vollkommen identisch.
		-- Wilfried Spickler
%
Aus dem Leben eines Systemberaters:
Sorge fr die rasche Behebung des Symtoms, nicht des Problems, denn 
nichts lenkt besser ab als eine rasche Reaktion an der falschen Stelle.
		-- R.K. Sprenger ("Das Prinzip Selbstverantwortung")
%
Wenn du kein Make-up trgst, gibst du den Mnnern das Gefhl,
ehrlich mit dir sein zu mssen, weil du ehrlich mit ihnen bist.
		-- Sharon Stone
%
Gesunder Menschenverstand ist das Talent, die Dinge zu sehen, wie sie
sind, und Dinge zu tun, wie sie getan werden sollten.
		-- Calvin Ellis Stowe
%
Der Morgen bringt etwas, das Jugend verleiht. Wenn die, welche den
Morgen verschlafen, wten, was sie verlieren.!
		-- August Strindberg
%
Kein Weiser hat sich je gewnscht, jnger zu sein.
		-- Jonathan Swift
%
Oft habe ich meine Worte bereut, doch niemals mein Schweigen.
		-- Publilius Syrus
%
Alle die Zge, die wir an Menschen bewundern, Freundlichkeit und
Grozgigkeit, Offenheit, Anstand, Verstndnis und Mitgefhl,
garantieren in unserem System das Scheitern.  Und die Eigenschaften,
die wir verachten, Hrte, Gier, Raffsucht, Gemeinheit, Egoismus und
Eigeninteresse, sind die Faktoren des Erfolgs.  Aber whrend
ersteren die Bewunderung der Menschen gilt, lieben sie die
Ertrge der letzteren.
		-- John Steinbeck (Strae der lsardinen)
%
Fr alles im Leben mu man bezahlen. Und je spter man es tut, um so
hher werden die Zinsen.
		-- John Steinbeck
%
Man verliert die meiste Zeit damit, da man Zeit gewinnen will.
		-- John Steinbeck
%
Mit Propheten mu man sich dreiig Jahre spter unterhalten.
		-- John Steinbeck
%
Schn zu sein ist ausreichend.  Was will man mehr von einer Frau?
Wozu mu eine Rose singen knnen?
		-- Thackeray
%
Jedes Kind gibt uns die Gewiheit, da Gott an der Menschheit nicht
verzweifelt.
		-- Rabindranath Tagore
%
Wer andere kennt, ist klug.
Wer sich selber kennt, ist weise.
		-- Tao te king
%
Die Sprache wurde dem Menschen gegeben, damit er seine Gedanken verhllen
kann.
		-- Charles Maurice de Talleyrand
%
Das gute an Standards ist, da man unter so vielen whlen kann.
		-- Andrew S. Tanenbaum
%
Einbildungskraft  ist das, was manchen Politiker glauben macht,
er sei ein Staatsmann. 
		-- Roberta Tennes
%
Das Wissen kommt und geht, die Weisheit bleibt.
		-- Alfred Lord Tennyson
%
Geographie ist Schwerkraft mit Bumen drauf
		-- P. Terry
%
Ist es nicht interessant, da die selben Leute, die ber Science-Fiction
lcheln, der Wettervorhersage und konomen glauben schenken?
		-- Kelvin Throop III
%
Die Weisheit kennt kein Ende - je mehr der Mensch in ihr
fortschreitet, desto mehr bedarf er ihrer.
		-- Leo N. Tolstoi
%
Es gilt der Satz, der mich noch nie gereut:
Der beste Freund des Menschen ist die Einsamkeit.
		-- Horst Tomayer
%
Wenn Du sagst: "Ich habe ein Programm geschrieben, da Windows zum
Absturz bringt", so werden Dich die Menschen verstndnislos anstarren
und sagen:  "Hey, ich bekam soetwas mit dem Betriebssystem und zwar
*kostenlos*."
		-- Linus Torvalds
%
Ich beobachte mit Erstaunen die groe Anzahl meiner Zeitung lesenden 
Mitmenschen, die in dem Glauben leben und sterben, sie htten von der
Zeit in der sie lebten etwas gewut.
		-- H. Truman
%
Ich bin froh, da Du da bist und nicht hier.
		-- Kurt Tucholsky
%
Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich
anstndig benehmen mu, oder ob schon deutsche Touristen dagewesen sind.
		-- Kurt Tucholsky
%
Hering ist gut. Schlagsahne ist gut. Wie gut mu erst Hering mit
Schlagsahne sein.
		-- Kurt Tucholsky
%
Der Standesdnkel liegt in derselben Schublade wie der
Patriotismus. Vom Feuerwehrverein bis zum Vaterland sind nur wenige
Schritte. Und daher sieht bei uns der Skatverein wie ein Staat und der
Staat wie ein Skatverein aus.
		-- Kurt Tucholsky
%Alle Verallgemeinerungen sind falsch, einschlielich dieser.
		-- Mark Twain
%
Man knnte viele Beispiele fr unsinnige Ausgaben nennen, aber
keines ist treffender als die Errichtung einer Friedhofsmauer. Die,
die drinnen sind, knnen sowieso nicht hinaus, und die, die drauen
sind, wollen nicht hinein.
		-- Mark Twain
%
Sage im Zweifelsfall die Wahrheit.
		-- Mark Twain
%
Zivilisation ist die unbegrenzte Vervielfachung von unntigen Notwendigkeiten.
		-- Mark Twain
%
Es dauert ca. drei Wochen um eine gute Stehgreifrede auszuarbeiten.
		--  Mark Twain
%
Ein Klassiker ist ein Buch, das jeder immer schon einmal lesen
wollte und doch niemand lesen will.
		-- Mark Twain
%
Der einzige Weg, seine Gesundheit zu erhalten ist, zu essen was nicht
schmeckt, zu trinken was man nicht mchte und zu tuen, was man lieber
unterliee.
		-- Mark Twain
%
Die Wahrheit ist das grte Gut was wir besitzen  -- lat uns
sparsam damit umgehen.
		-- Mark Twain
%
Ehe man anfngt seine Feinde zu lieben, sollte man erstmal seine
Freunde besser behandeln.
		-- Mark Twain
%
Ein Bankier ist ein Kerl, der ihnen bei schnem Wetter einen
Regenschirm leiht und ihn zurckverlangt, sobald es regnet.
		-- Mark Twain
%
Leser, nimm an, Du seiest ein Idiot.  Und nimm an, Du seiest
ein Mitglied des Kongresses.  Doch ich widerhole mich.
		-- Mark Twain
%
"Die Allgemeinheit" ist lediglich ein vervielfachtes "ich".
		-- Mark Twain
%
Zuerst schuf Gott die Idioten; das war die Vorbung.  Dann schuf er die
Schule.
		-- Mark Twain
%
Wenn wir uns bemhen, knnen wir auch Migeschick ertragen -- das andere
Menschen meine ich.
		-- Mark Twain
%
Wir danken Gott fr die Gnade, da wir in unserem Land drei groe
Vorzge haben: Die Freiheit der Rede, die Freiheit des Denkens und
die Weisheit, von beidem keinen Gebrauch zu machen.
		-- Mark Twain
%
Der Verstand ist das Gut, das am gerechtesten verteilt ist. Jeder denkt,
er htte genug davon.
		-- Mark Twain
%
Kein Breitengrad, der nicht dchte, er wre quator geworden, wenn alles
mit rechten Dingen zugegangen wre.
		-- Mark Twain
%
Es ist besser still zu sein und fr einen Narren gehalten zu werden,
als zu sprechen und damit jeden Zweifel auszurumen.
		-- Mark Twain
%
Beim Lesen von Bchern ber die Gesundheit ist Vorsicht geboten.
Mglicherweise stirbt man auf Grund eines Druckfehlers.
		-- Mark Twain
%
Die Dummen haben das Pulver nicht erfunden, aber sie schieen damit.
		-- Gerhard Uhlenbruck
%
Wer auf der Stelle tritt, kann nur Sauerkraut fabrizieren.
		-- Sir Peter Ustinov
Hast und rastlose Geschftigkeit sind die Scheuklappen des modernen
Menschen gegenber den Dingen, auf die es im Leben wirklich ankommt.
		-- Evelyn Vaugh
%
Wer nicht kann, was er will, mu wollen, was er kann.
		-- Leonardo da Vinci
%
Wenn es keinen Gott gbe, mten wir ihn erfinden.
		-- Voltaire
%
In der ersten Hlfte des Lebens opfert man seine Gesundheit,
um Geld zu verdienen.
In der zweiten Hlfte des Lebens opfert man sein Geld,
um die Gesundheit wiederzuerlangen.
%
Jeder Mensch kommt mit einer sehr groen Sehnsucht nach Herrschaft,
Reichtum und Vergngen sowie einem starken Hang zum Nichtstun auf die
Welt.
		-- Voltaire
%
Die grten Kritiker der Elche waren frher selber welche.
		-- Wchter
%
C: Ich mchte nicht lnger "Junge" genannt werden. Ich finde den Ausdruck
   demtigend und sexistisch.
H: Wie mchtest Du dann genannt werden?
C: Genetisch bevorzugter Jugendlicher.
		-- Watterson (aus "Calvin and Hobbes")
%
Manchmal denke ich, der beste Beweis dafr, da es anderswo im
Universum intelligentes Leben gibt, ist der, da noch keiner versucht
hat, Kontakt mit uns aufzunehmen. 
		-- Calvin alias Bill Watterson
%
Die Umwelt nimmt die Gestalt des Herzens an. Dem Mrrischen antwortet
die Welt mrrisch oder berhaupt nicht.
		-- Josef Magnus Weber
%
Das zweite Gesetz der Thermodummheit: In jeder geschlossenen Denkweise
bleibt die Ignoranz konstant oder nimmt zu.
		-- Richard Wein
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Wenn man einen Hammer in die Hand nimmt,
sieht die ganze Welt wie ein Nagel aus.
		-- Joseph Weizenbaum
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Man knnte froh sein, wenn die Luft so rein wre wie das Bier.
		-- Richard von Weizscker
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Interessante Selbstgesprche setzen einen klugen Gesprchspartner voraus.
		-- H.G. Wells
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Kompromi ist, wenn alle unzufrieden sind.
		-- M. Wendel
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Der Whler legalisiert die Handlungen, die spter gegen ihn
unternommen werden.
		-- Herbert Wener
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Wenn ich zwischen zwei beln whlen mu, so entscheide ich mich immer
fr das, was ich bisher noch nicht kennengelernt habe.
		-- Mae West, "Klondike Annie"
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Die gute alte Zeit ist nichts anderes als eine rckwrts datierte Utopie.
		-- Erich Wiesner
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Ein Mord ist immer ein Fehler.  Man sollte niemals etwas tun, ber
da man nach dem Essen nicht mehr reden kann.
		-- Oscar Wilde, "The Picture of Dorian Gray"
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Ich kann allem Widerstehen, nur nicht der Versuchung.
		-- Oscar Wilde
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Die Menschen von heute wnschen das Leben von bermorgen zu den
Preisen von vorgestern.
		-- Tennessee Williams
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Ironie ist eine Beleidigung in Form eines Kompliments.
		-- Edwin Whipple
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Was auch immer Frauen tun, sie mssen es doppelt so gut wie Mnner tun, um
fr halb so gut gehalten zu werden.  Glcklicherweise ist das nicht schwer.
		-- Charlotte Whitton
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Wo ein Messer einmal tief ins Fleisch geschnitten hat,
tut die Beruehrung mit einer Feder weh.
		-- Christa Wolf
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"The New Yourk Times" wird von denen gelesen, die das Land
regieren. "The Washington Post" wird von denen gelesen, die denken,
sie regierten das Land.  "The National Enquirer" wird von denen
gelesen, die denken, Elvis wrde leben und regierte das land.
		-- Robert J Woodhead (trebor@biar.UUCP)
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Amerika ist ein Land der Gesetze, schlecht geschrieben und
willkrlich in Kraft gesetzt.
		-- Frank Zappa
